Systemische Arbeit mit NLP

1. Grundlegende Informationen

"Systemisches Arbeiten" ist heute in aller Munde, doch nur wenige wissen, was es wirklich damit auf sich hat.
Für Verwirrung sorgt dazu die meist uneinheitliche Bedeutung von "systematisch" in verschiedenen Konzepten, Schulen oder Kontexten. Als gemeinsamen Nenner sämtlicher system-theoretischer Konzepte könnte man die Auffassung vertreten, dass der Mensch nicht nur Individuum ist, sondern immer zugleich auch ein Teil eines System -wie das System der Familie, einer Organisation oder eines Unternehmens. Ganz nach dem Postulat der Gestaltpsychologie besteht es aus mehr als der Summe der einzelnen Personen und hat eine eigene Dynamik.
Diese Dynamik äußert sich in Wechselwirkungen zwischen:
- den biologischen und psychischen Eigenschaften
- dem sozialen System und dem Individuum.
Permanent stehen wir zu dem System in einer Wechselbeziehung: So resultiert beispielsweise das aktuelle Verhalten der Mutter aus dem Einflüssen ihres Umfeldes, sei dies der Tod ihres Schwiegervaters oder die Schulprobleme ihrer Tochter. Gleichzeitig beeinflusst Mutter das Verhalten der anderen Familienmitglieder.
Mit Hilfe von systematischen Aufstellungen können Sie direkt neue Lösungen für Ihr Anliegen und Fragen finden, in dem die in dem System und in Ihnen wirkenden Kräfte durch die Aufstellung sichtbar gemacht werden.
Systemische Aufstellungsarbeit wird häufig in NLP eingebunden, da beide Methoden viele Parallelen aufweisen: so sind beide Ansätze Ressourcen- und lösungsorientiert, setzen unbewusstes Wissen gezielt ein und arbeiten verstärkt mit Repräsentationssystemen und körperlichen Verstehen.
Wie auch beim NLP erfahren Sie hier ganz konkret neue Möglichkeiten für Ihre Situation.


2. Wie findet man die Tiefen des Systems heraus? – was ist eine Systemaufstellung?

Um die Wechselwirkungen und Dynamik des Systems herauszufinden, kann eine sogenannte Systemaufstellung durchgeführt werden, die in der Regel in Kleingruppen stattfindet. Zuerst müssen alle relevanten Beziehungspartner innerhalb des Systems festgestellt werden. Den anwesenden Teilnehmer der Gruppe werden abgesehen vom Klienten die Rollen zufällig zugewiesen, d.h. sie sind ein Repräsentant für die im echten Leben relevante Person für den Klient obwohl sie das reale System nicht kennen. Der Klient stellt nun die Repräsentanten im Raum auf, wie ihm am wohlsten dabei ist.
Grundlegend bei allen Systemaufstellungen ist die Annahme, dass die Repräsentanten in dem so aufgestellten System Aussagen machen können, welche die Dynamik im realen System widerspiegeln. Die Repräsentanten werden nun befragt, wie sich ihre Wahrnehmung durch die neue Raumaufstellung verändert hat, z.B. ob sich ihr Gefühl der Zugehörigkeit oder Distanz zu den jeweiligen anderen Vertretern vergrößert hat.
Durch Interventionen können auch gezielt mehrere Konstellationen ausgetestet werden, z.B. um die Auswirkungen von Entscheidungen im Vorfeld abzuschätzen.
Das Anwendungsspektrum dieses Formates reicht von der klassischen Familienaufstellung bis hin zu Management- oder Organisationsaufstellungen, mit deren Hilfe Entscheidungen vorbereitet werden können oder Probleme zw. Systemteilen z.B. zw. Lieferant und Unternehmen aufgedeckt werden können, wenn zuvor sämtliche andere Analysen keine Ergebnisse erzielt haben.

3. Beispiele für Formen von systematischen Arbeiten gibt es?

-systemische Einzeltherapie: auch in der Einzeltherapie hat der Therapeut die Möglichkeit das soziale System mit einzubeziehen, auch wenn dieses nicht anwesend ist. Um das Beziehungssystem des Klienten zu anderen Systemteilen deutlich zu machen, können verschiedenste Methoden wie beispielsweise zirkuläres Fragen oder das Aufstellen von Stühlen genutzt werden. Wie beim NLP liegt auch hier die Grundannahme vor, dass der Klient schon alle Ressourcen in sich trägt und der Therapeut ihm nur hilft, diese aufzudecken.

- Systemische Therapie: Im Vergleich zur Psychoanalyse steht im Fokus nicht mehr das Individuum, sondern die relevanten Beziehungen des Klienten: die Zweierbeziehung, die Familie und größere Bezugssysteme. Probleme und psychischen Krankheiten Lebensqualität sind somit eine Folge von aktuellen Kommunikations- und Beziehungsbedingen in einem System. In jüngster Zeit wurde der therapeutische Blick gar von der Familie auf noch größere Systeme erweitert und in die Beratung miteinbezogen.

- Organisationssystemisches Coaching: : Auch auf der Arbeit in Unternehmen oder Organisationen bewegen wir uns in Systemen: das Arbeitsteam, sämtliche Mitarbeiter, verschiedenste Abteilungen, Handelspartner, die Chefetage, die Konkurrenz – sie alle gehören zu dem System und sie alle beeinflussen sich wechselseitig. Dies wird vor allem dann deutlich, wenn ein Betrieb sich in einer größeren Krise befindet, jedoch kein Teil des Systems sich dafür verantwortlich fühlt. Oft gar nicht zu Unrecht, denn die eigene Dynamik innerhalb des komplexen wirtschaftlichen Systems kann die Ursache für die Krise darstellen. Hier setzt das Organisationssystemische Coaching an, das die Eigendynamik des ganzen Systems aufdeckt und so Störungen beseitigt und verhindert. Nicht nur bei der Unternehmensberatung, sondern auch bei persönlichen Coachings mit dem Zweck sich beruflich weiterzubilden ist es oft ratsam systemisch vorzugehen, da die individuellen Wünsche und Ziele eng mit dem Umfeld in der Organisation verbunden sind.


Lösungsbilder können mittels Organisationsaufstellungen für verschiedenste Fragestellungen erstellt werden, wie z.B. Wie führe ich klare Strukturen in meiner Firma ein? , Was ist die beste Stellenbesetzung? , Wieso gibt es mit einem bestimmten Kunden so viele Probleme?, wie soll ich mich bei der nächsten Besprechung/Verhandlung verhalten?


Fallbeispiel 1 – Todgeburt

Sandra, 37 Jahre, verheiratet, ein Sohn
Sandra und ihr Mann wünschten sich ein zweites Kind, jedoch kam es in der 10. Schwangerschaftswoche zu einer Totgeburt. Seit dem hat das Ehepaar große Eheprobleme, der Mann klagt, dass sich seine Frau von ihm abgewendet hat. Die Frau glaubt, die Totgeburt verarbeitet zu haben, wird jedoch jetzt nicht mehr schwanger.

   


Das erste Aufstellungsbild ergibt, dass Sandra immer noch mit dem ungeborenen Kind verbunden ist: Sie steht direkt neben ihm und "kennt sich dort aus". Ihr Mann steht einige Meter entfernt, ihr zugewandt, ihr Sohn etwas näher, wirkt jedoch "abseits".
Nun kann die Situation gelöst werden: ich schlage Sandra vor, dass sie zu dem Stellvertreter ihres toten Kindes sagt: "ich konnte dich nicht begrüßen und ich konnte dich nicht verabschieden, schade!" Sie spürt jetzt eine innige Verbindung zu dem ungeborenen Kind und wünscht es zu umarmen.
Das Kind hat nichts dagegen. Sie umarmt es, Liebe und Schmerz fließen.
Ich: "Hast du Schuldgefühle? Fühlst du dich insgeheim für die Todgeburt verantwortlich?
Sie nickt leise und schaut zu Boden.
Ich: "Fühlst du dich so, als wäre ein Teil von Dir mit deinem totgeborenem Kind gegangen?"
Sie stimmt zu und schaut verzweifelt. Ich schlage ihr folgende Worte vor: "Du bist von uns gegangen, ich leben jetzt ohne dich mit meinem Mann und meinem Sohn weiter. Auch ohne dich darf ich glücklich werden."
Es fällt ihr sichtlich schwer, die Worte zu sagen.
Die Stellvertreterin der toten Tochter gibt Sandra zu verstehen, dass auch sie sich nicht frei fühlt und sich schlecht fühlt, weil ihre Mutter noch so stark an sie gebunden fühlt.

Sandra soll nun folgende Worte sagen: "Mit dir ein Teil von mir mitgegangen. Gib mir diesen Teil von mir zurück, damit ich wieder ganz bei meiner Familie sein kann."
Die Stellvertreterin der toten Tochter gibt ihr symbolisch einen Stein zurück.
"Ich muss dich nicht mehr durch meine Trauer und meine Schuldgefühle festhalten. Du bist frei und kannst nun deinen Frieden finden an einem Ort, der keinen Schmerz und keine Schuld kennt. "
Sandra wirkt gelöst und erleichtert. Sie atmet auf, ihre Gesichtsfarbe wirkt gleich lebendiger.


In der Schlussaufstellung stellt sie sich neben ihren Mann und wendet sich ihrem Sohn zu.


Fallbeispiel 2: Aus dem Berufsalltag:
Wieso befolgt mein Stellvertreter meine Anordnungen nicht?

Herr Kremer wurde vor einem halben Jahr neuer Personalchef einer Firma. Zuvor war er in einem anderen Werk des Unternehmens tätig und kannte so sein neues Umfeld noch nicht. Führungserfahrung hatte er zuvor noch nicht gesammelt. In den Vergangenheit hat vor allem sein Stellvertreter, aber auch teils seine Angestellten seine Anweisungen nicht befolgt.
In der Anfangsaufstellung stellte er sich direkt neben seinen Stellvertreter. Dieser fühlte sich sichtlich wohl an seiner Seite, die Repräsentanten für zwei Angestellte stehen einige Meter entfernt und wenden sich sowohl voneinander als auch von dem Chef und Stellvertreter leicht ab.

   
Herr Kremer fällt es offensichtlich schwer, seine Führungsrolle anzunehmen. Durch die unklare Führungsstruktur kommt es auch zu Diffusionen und Verstimmungen bei den Angestellten.
Der Chef bekommt nun die Aufgabe dem Vertreter seines Stellvertreters den Auftrag zu geben, dass er sich hinknien soll und dann zu sagen: "Ich bin in dieser Abteilung der Chef, du bist mein Stellvertreter, doch du stehst unter mir."
Dann spricht der die Worte: “Jetzt nehme ich meinen Platz ein. Ich habe hier die Leitung."
Bei den beobachtenden Stellvertretern der Angestellten tritt gleichzeitig Erleichterung auf. Als die drei Vertreter aufgefordert werden, ihre Position so zu ändern, dass sie sich in der Systemaufstellung gut fühlen, rücken die Angestellten zusammen wenden sich ihrem Chef zu und stellen sich in angemessenem Abstand auf. Der Stellvertreter (wieder stehend) stellt sich links zum Chef , diesem leicht zugewendet auf.
Herr Kremer fühlt sich in dieser Aufstellung nun endlich sichtlich wohl, er steht gerade und wirkt selbstbewusst. Die anderen Teilnehmer scheinen ihn zu respektieren.