Einzelunterricht bei Milton H. Erickson

Freitag, Dezember 18th, 2015 | NLP Blog

In den letzten Tagen habe ich das Buch „Einzelunterricht bei Erickson. Hypnotherapeutische Lektionen bei Milton H. Erickson“ von Jeffrey K. Zeig gelesen und ich möchte hier einige Gedanken aus dem Buch zusammenfassen.

Einzelunterricht bei EricksonMilton H. Erickson ist für die NLP-Welt ein ganz großer Geist. Milton H. Erickson, Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie und Virginia Satir, die Wegbereiterin der modernen Familientherapie sind für NLP-Anwender große Rollenvorbilder, von denen man einiges lernen kann.
Jeffrey K. Zeig ist einer der bekanntesten Schüler von Erickson. Er hat diesem Buch eine ganz persönliche Note gegeben, indem er ausführlich die ersten Tage seiner Begegnung mit Erickson schildert. Erickson hatte ihn auf sein Bitten hin als Schüler angenommen, obwohl Zeig ihn nicht bezahlen konnte. Dafür hat Zeig später ihm zu Ehren die erste internationale Konferenz für Ericksonsche-Hypnose und Psychotherapie ausgerichtet und die Milton Erickson Foundation gegründet, in der er die ersten sechs Jahre ehrenamtlich arbeitete. Das war Zeigs Art, Erickson zu danken, denn dieser hatte ihn ebenfalls sechs Jahre unentgeltlich unterrichtet. Für mich eine bemerkenswerte Nebenbemerkung, die viel über den Geist dieses großen Mannes aussagt – macht mir Erickson noch sympathischer.

Zeig fasst zunächst viele der bekannten Fakten aus dem Leben von Erickson zusammen und ergänzt sie dann durch persönliche Erfahrungen und viele Fallgeschichten, anhand derer er das Vorgehen und therapeutische Geschick Ericksons aufzeigt. Erickson hat in seinem Leben sehr viel Schmerzen und körperliche Behinderungen (infolge einer in seiner Jugend erlittenen Kinderlähmung) erfahren. Um diese zu überwinden, musste er erstaunliche Dinge im Umgang mit sich selbst lernen. Gleichzeitig hat die viele Zeit, die er sich kaum bewegen konnte, dazu geführt, dass er eine enorme Beobachtungsgabe entwickelt hat. Seine persönliche Geschichte hat zu einer einzigartigen Mischung aus Ressourcenreichtum, Flexibilität, Findigkeit und Improvisationsgabe geführt.

Erickson behandelte jeden Klienten individuell. Er hatte verstanden, dass jeder Mensch einzigartig war und dass er nicht mit einem Standardansatz bei jedem die gleichen Ergebnisse hervorbringen konnte. Genau das Gegenteil können wir heute oft beobachten, wenn ein standardisiertes Vorgehen auf jeden Menschen angewendet wird, ohne allgemeine Prinzipien auf diesen besonderen Fall hin anzupassen. Wenn der Therapeut eine ganz spezielle Theorie im Kopf hat, wird er jedes Wort des Klienten durch diese Brille sehen.
Erickson suchte für jeden Klienten einen ganz speziellen Weg, ihn zu der gewünschten Veränderung zu bewegen. Dabei spielte der individuelle Lebenskontext und die Umgebungsvariablen oft eine große Rolle. Er verstand, dass Veränderung in einem Kontext geschieht, der wirksame Kommunikation einschließt, und dass wirksame Kommunikation den Kontext nutzt.

Er benutzte oft indirekte Wege – in der Regel jedoch mit einem klaren Fokus auf das gewünschte Ziel. Dieses bestand zunächst in Symptom-Erleichterung und Problemlösung, langfristig zielte er auch auf Veränderung der Persönlichkeit und der Werte ab.

Viele seine Interventionen beruhten auf gesundem Menschenverstand und nutzten das Offensichtliche. Beeindruckt hat mich das Beispiel, dass er einer Frau, der es sehr schlecht ging, geraten hat, sich von ihrem Mann zu trennen. Als sie das nicht wollte, schlug er vor, dass sie Kinder haben sollte, aber dann viele Jahre später wieder Therapie brauchen würde. Das war für die annehmbar. Sie bekam Kinder und tatsächlich, die persönlichen Probleme verschwanden. Als die Kinder aus dem Haus waren, brauchte sie allerdings wieder Therapie …

Oft ergriff Erickson scheinbar Partei für die Krankheit eines Patienten oder gab ihm Aufgaben, die eigenartig und belanglos wirkten.
Nur in einem kleinen Teil seiner Therapien benutze Erickson eine offizielle Trance-Induktion. Die Dauer der Therapiestunden sowie deren Anzahl richteten sich ganz nach den Bedürfnissen der Klienten und dem körperlichen Zustand von Erickson. Oft erzählte er Metaphern und arrangierte merkwürdige Situationen, die seinen Klienten halfen, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Das Fördern einer Veränderung hatte bei Erickson einen klaren Vorrang vor der Klärung und dem Verstehen der Vergangenheit.

Im ersten Teil des Buches geht es um Erickson als Hypnotiseur, Psychotherapeut, Lehrer und Mensch. Im zweiten Teil lernen wir den Ericksonschen Ansatz mit Mehrebenenkommunikation und Utilisation kennen. Im dritten Teil schildert Zeig Erfahrungen mit Erickson. Dabei bedient er sich vieler Fallbeispiele aus den Bereichen Therapie und Supervision. Der vierte Teil ist ein Transkript der ersten drei Tage, die Zeig mit Erickson verbracht hat.

Erickson war ein Mensch mit außergewöhnlicher geistig-seelischer Begabung und Erfindungsgabe. Er vereinte in sich Intelligenz, Menschlichkeit, Wissbegierde, Erfindungsgabe und Wahrnehmungsvermögen.


Hypnose ist ein Teilbereich des Neurolinguistischen Programmierens. Dieser Bereich wird in den Ausbildungen zum Practitioner und zum Master einige Tage lang behandelt. Ein eigenständiges Hypnose-Seminar bieten wir im Rahmen unserer Coaching-Ausbildung in Modulen unter dem Titel Hypnose-Coach an.

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Autor

NLP Trainer Stephan Landsiedel   In diesem Blog schreibt Diplom-Psychologe und NLP-Lehrtrainer Stephan Landsiedel über NLP, sein Unternehmen und sein Leben. Er ist mehrfacher Autor und hat bereits über 2.500 NLP-Ausbildungstage absolviert.

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