Die Positive Psychologie

Die Psychologie des 19. und 20. Jahrhunderts beschäftigte sich fast ausschließlich mit dem Themen Depression und psychischen Krankheiten bzw. wie sich diese einschränken lassen. Dies erkennt man auch, wenn man sich die Anzahl wissenschaftlicher Artikel anschaut. Zwischen 1887 und 1999 erschienen ungefähr 170.000 Artikel zu Themen wie Angst, Ärger oder Depression. Hingegen wurden nur 12.000 Beiträge zu positiven Gefühlen wie Glück, Freude und Zufriedenheit veröffentlicht. Es gab demnach ein deutliches Übergewicht der Forschungen über die negativen Gefühle.

Martin Seligman veränderte dies. Als Präsident der APA machte er es sich zur Aufgabe den Blick umzukehren und von nun an die positiven Gefühle zu nutzen. Es sollte nicht mehr darum gehen das Wohlbefinden eines Menschen auf einer Skala von -10 bis +10 von -8 auf -2 zu verbessern, sondern Seligman wollte das Wohlbefinden von +2 auf +5 anheben. Er stellte fest, dass Optimismus lernbar ist. Auf diese Idee kam er, als er mit seiner fünfjährigen Tochter Nikki im Garten Unkraut jätete. Da sie ,anstatt brav das Unkraut zu entfernen, lieber herumtanzte, schimpfte Seligman mit ihr. Nikki erwiderte, ob ihr Vater sich noch an die Zeit vor ihren fünften Geburtstag erinnere. Damals habe sie wegen jeder Kleinigkeit geweint. An ihrem Geburtstag beschloss sie von nun an nicht mehr zu weinen. Wenn sie mit dem Weinen aufhören konnte, kann ihr Vater auch aufhören so miesepetrig zu sein. Dieses Ereignis öffnete Seligman die Augen und er erkannte obendrein, dass es nicht seine Aufgabe ist die Schwächen seiner Tochter zu beheben, denn das tat Nikki selbst, sondern ihre Stärken zu fördern. Dies übertrug Seligman auch auf die positive Psychologie.

Doch es gibt nicht nur die Charakterstärke Optimismus. Wie wurde nun festgestellt was eine Stärke ist? Dazu legten die Psychologen fest, dass eine Charakterstärke erstens in allen Kulturen hoch geschätzt sein muss, zweitens an und für sich und nicht nur als Mittel zu anderen Zwecken geschätzt sein muss und zuletzt formbar sein muss. So entstanden sechs Grundtugenden: Weisheit und Wissen, Mut, Liebe und Humanität, Gerechtigkeit, Mäßigung, Spiritualität, Transzendenz. Diese Tugenden lassen sich noch einmal unterteilen. So lässt ich Liebe beispielsweise in Menschenfreundlichkeit, Großzügigkeit, Pfleglichkeit und die Fähigkeit, nicht nur zu lieben, sondern auch geliebt zu werden, aufteilen. Insgesamt wurden so 24 Stärken herausgearbeitet. Wenn man herausfinden will was die eigenen Stärken sind, kann der “Values in Action”-Test hilfreich sein. Dieser wird von der Universität Zürich zu Forschungszwecken kostenlos unter charakterstaerken.org angeboten.




Die Positive Psychologie fand heraus, dass man sein Wohlbefinden und das Glücksgefühl steigern kann, wenn man seine Charakterstärken auch einsetzt. Hierbei ist es wichtig, dass man nicht zu über- oder unterfordert ist, sondern sich die Anforderung und die Stärke auf dem selben Level befinden. Wenn dies zutrifft, tritt ein Glücksgefühl auf, das sich sogar zu einem Flow entwickeln kann. Ein Flow ist ein Zustand in dem ein Mensch völlig in seiner Beschäftigung aufgeht und sowohl die Zeit, als auch alles um sich herum vergisst. Dies kann bei den verschiedensten Situationen passieren, so beispielsweise beim Sport oder bei der Meditation. Es können aber auch Flow-Erlebnisse beim Computerspielen oder Programmieren auftreten.

Desweiteren fand die positive Psychologie heraus, dass dieses Glück heilsam ist. Glückliche Menschen leben länger und bekommen nicht so einfach psychische Krankheiten oder Depression. Das Glücksgefühl dient so als Vorbeugung gegen solche Erkrankungen und man entwickelt eine Resilienz. Doch nicht nur um die Widerstandsfähigkeit gegen psychische Erkrankungen zu erhöhen wird die positive Psychologie eingesetzt, sondern auch um das Leben lebenswerter zu machen. Viele Menschen sehen einen Sinn in ihrem Leben, wenn sie einer Tätigkeit nachgehen, die sie erfüllt. Dadurch, dass man seine Stärken kennt, kann man sie so einsetzen, dass man Glück erfährt und somit auch einen Sinn sieht. Man kann also sagen, dass sich die positive Psychologie drei Aufgaben gestellt hat. Diese sind die Erforschung und Förderung von positiven Gefühlen, von positiven Persönlichkeitsmerkmalen und von menschenfreundlichen Institutionen.

Der Bekanntheitsgrad der positiven Psychologie wuchs in den letzten Jahren vor allem Im Bereich der USA. Bisher spielt sie jedoch im Grundstudium der Psychologie im deutschsprachigen Raum noch keine zu große Rolle. In England erfreut sie sich dagegen schon einer großer Beliebtheit. Sie befindet sich quasi im Moment noch in der Ausbreitung und Weiterentwicklung. Sicherlich wird es in den nächsten Jahren aus dieser Richtung noch weitere interessante Erkenntnisse geben.




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