I. Die Coaching Grundlagen

6.1. Welche Kompetenzen sollte ein Coach mitbringen?

Eines der wichtigsten Kompetenzen ist die Fähigkeit der Selbststeuerung und der Selbstreflexion, dies ist einer der Komponenten, die der Coach im Coaching besonders brauch. Er muss sich immer wieder selbst hinterfragen, um sich gezielt seinen Klienten anpassen zu können. Neugierde, geistige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind Anhaltspunkte, die ausgebaut werden müssen, um so Denkmuster zu hinterfragen und neue Anreize den Klienten zu vermitteln. Auf diese Weise versetzen sie sich nach Bedarf in eine der fünf Wahrnehmungspositionen (nach Schmidt-Tanger), von der aus sie eine bestimmte Situation erfassen können.

In der 1. Wahrnehmungsposition nimmt der Coach die Situation, den Klienten und die Themen aus seiner eigenen Perspektive wahr, indem er den gesamten Komplex auf sich wirken lässt und seine Gedanken, Gefühle und Assoziationen beobachtet.

  • "Wie fühle ich mich als Coach bei diesem Thema?"
  • "Welche Resonanz löst das Verhalten des Coachee bei mir aus?"
  • "Welche Glaubenssätze habe ich als Coach zu diesem Thema?"

Bei der 2. Wahrnehmungsposition wechselt der Coach in die Position des Coachee; Bedingung dafür sind empathische Fähigkeiten und die Bereitschaft, sich auf die Landkarte des Coachee einzulassen.

  • "Wie geht es dem Coachee bei diesem Thema?"
  • "Wie würde ich an seiner Stelle empfinden?"
  • "Wie wirkt mein Verhalten auf den Coachee?"

In der 3. Wahrnehmungsposition nimmt der Coach sich und den Coachee aus der Perspektive des neutralen Beobachters wahr, wodurch er andere Aspekte des Themas erkennt, die ihm ansonsten verborgen bleiben könnten.

  • "Was geschieht jetzt zwischen diesen Beteiligten?"
  • "Lassen sich Muster erkennen, die sich wiederholen?"
  • "Welche Metapher würde zu dieser Situation passen?"

In der 4. Wahrnehmungsposition oder Meta-Position betrachtet man sich selbst in seiner Rolle als Coach aus einem gewissen Abstand, der das Spektrum über das unmittelbare Empfinden erweitern (eine sogenannte reflexive Schleife).

  • "Wie gehe ich als Coach in dieser Situation mit mir selbst um?"
  • "Welche Erwartungen habe ich an mich selbst in dieser Situation?"

Die 5. Wahrnehmungsposition als systemische Perspektive stellt abschließend den Zusammenhang zum sozialen Umfeld des Coachee her, d.h. der Konfliktpartner und anderen Personen, die an der Situation beteiligt sind.

  • "Wie sieht diese Person die Situation?"
  • "Welche Auswirkung hat das Verhalten des Coachee auf diese Person?"
  • "Welche Ziele verfolgt diese Person?"

Das Analysieren einer Situation aus verschiedenen Perspektiven kann entscheidende zusätzliche Informationen offenlegen und die Palette der Lösungsalternativen erweitern (bzw. erst zugänglich machen) und beinhaltet darüber hinaus auch, eine Vorstellung von der eigenen Mission und Vision zu haben. Emotionales Selbstmanagement ist für den Coach eine wichtige Ressource zur Einflussnahme auf den eigenen Zustand im Sinne des State-Management; Ziel ist es, als Coach mittels einer professionellen Coaching-Physiologie zur Verfügung zu haben, die eigene Themen zurückstellt und Raum für die Themen des Coachee lässt.

Methodische, soziale und systemische Kompetenz:

Zudem sollte der Coach methodensicher sein und soziale sowie systemische Kompetenz vorweisen können, um erfolgreich mit dem Coachee zu arbeiten. Methodische Kompetenz bedeutet, dass der Coach ein großes Repertoire von Schlüsselfertigkeiten innehat und diese Tools dementsprechend bei seinen Klienten einzusetzen weiß.

Soziale Kompetenz bedeutet, dass der Coach in der Lage ist, Menschen zu verstehen und mit ihnen entsprechend kommunizieren zu können.

Zudem sollte ein gewisses Maß an Empathie gegeben sein, um als Coach tätig zu sein. Bei der systemischen Vorgehensweise wird das Umfeld des Klienten näher betrachtet und unter die Lupe genommen. Denn Coaching kann nie frei von Organisations- und Beziehungsdynamiken ablaufen, häufig nimmt es mehr auf Einfluss auf den Coachee als er selbst annimmt. Außerdem besteht vor allem im Business Coaching oder Management Coaching häufig die Schwierigkeit, dass unter großem Zeitdruck gecoacht werden soll und es schwierig ist einen guten Rapport aufzubauen, bei dem der Klient sich dem Coach öffnen möchte.

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