Mediation

Mediation
Mediation (Unsplash: © Tim Gouw)

Es gibt viele Menschen, die sich unter Mediation nichts vorstellen können. Andere hingegen haben grobe Vorstellungen davon, dass es dabei um ein Schlichten von Konflikten und Problemen geht. Oder, dass es sich dabei um eine Art Beratung handelt. Für viele hat es auch den Anschein, als wäre es eine neues und modernes Konzept.

Tatsächlich aber ist der Begriff schon etwas älter: Ab etwa dem 12. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Mediator für einen außergerichtlichen Schlichter zwischen zwei Streitparteien verwendet. Das entspricht in etwa im Grundsatz dem, was heute darunter verstanden wird.

Dennoch ist das moderne Konzept sehr ausgefeilt und der Mediator stellt längst einen eigenständigen Berufszweig dar. Seine Vermittlung kann in sämtlichen Konfliktsituationen gefragt sein und zahlreiche Vorteile bieten.

Hier können Sie nun mehr darüber erfahren, was diese besondere Form der Konfliktbeilegung ist und was sie ausmacht. Und außerdem, welche Ähnlichkeiten und welche Unterschiede zum Coaching bestehen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Mediation?
    1. Mediation Definition
    2. Der Mediator
    3. Die Phasen der Mediation
  2. Wann ist das Verfahren sinnvoll?
    1. Anwendungsgebiete und Beispiele
  3. Die Vorteile des Mediations-Verfahrens
  4. Mediation und Coaching
    1. Die Ähnlichkeiten
    2. Die Unterschiede

Was ist Mediation?

Wie bereits erwähnt ist der Begriff selbst etwas älter. Das aus dem Lateinischen stammende Wort „Mediation“ bedeutet Vermittlung. Ursprünglich war damit die Vermittlung zwischen Menschen und Göttern gemeint. Im modernen Kontext meint es die außergerichtliche, strukturierte Vermittlung zwischen Streitparteien bei einem Konflikt. Das Verfahren muss weiterhin von anderen beratenden Verfahren wie etwa der Supervision unterschieden werden.

Mediation Definition

Mediation meint ein organisiertes Verfahren zur Konfliktlösung, das darin besteht, einen unparteiischen Dritten als Vermittler und Schlichter (den Mediator) zur Hilfe zu holen. Dieser Vermittler unterliegt der Vertraulichkeit und hat selbst keinerlei Entscheidungsbefugnisse. Seine Funktion besteht tatsächlich nur im Vermitteln: Ziel ist es, dass die Streitparteien ihren Konflikt einvernehmlich und eigenverantwortlich selbst lösen.

Konfliktlösung
Konfliktlösung (Pixabay: © geralt)

Das kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. Es gibt unterschiedliche Ansätze, die sich natürlich auch nach den unterschiedlichen Situationen und deren Anforderungen richten. Charakteristisch ist dabei jedoch immer, dass es sich um ein Verfahren zur gewollten und eigenverantwortlichen Konfliktlösung handelt. Als ein zentrales Moment fungiert dabei die Trennung von Person und These. Das bedeutet vor allem, getätigte Aussagen inhaltlich als solche zu behandeln, ohne sie bereits deswegen abzuwerten, weil die andere Streitpartei sie getätigt hat.

Ansonsten können Methoden und Ansätze variieren. Bei der transformativen Mediation etwa steht die Selbstständigkeit und die Stärkung der Beteiligten zur eigenen Lösung des Konfliktes im Vordergrund. Dabei geht es auch um die Beziehung der Streitenden selbst, während bei anderen Varianten eher direkter auf eine Lösung des spezifischen Konfliktes Wert gelegt wird.

Den rechtlichen Rahmen bietet das Mediationsgesetz. Darin enthalten ist auch die Verschwiegenheitsplicht für alle Beteiligten einschließlich des Mediators.

Der Mediator

Aus diesem charakteristischen Punkt ergibt sich auch, dass der Mediator lediglich klärende und unterstützende Funktion hat. Er ist einerseits eine Art Schiedsrichter, der für einen fairen Austausch und eine faire Diskussion zwischen den Streitparteien sorgt. Andererseits ist er streng von jeglichem Richter zu unterscheiden, denn er hat ausschließlich beratende Funktion hinsichtlich der Kommunikation zwischen den Streitparteien.

Dabei fungiert er insbesondere als unbeteiligter, sachlicher Dritter, der durch seine unparteiische Perspektive den beiden Streitparteien ermöglicht, ihren Konflikt auf der Sachebene zu klären. Bei Konflikten aller Art kommt es sehr oft vor, dass emotionale Komponenten der Beteiligten eine große Rolle spielen. Das geschieht häufig auch unbewusst und nicht selten spielen die verschiedensten persönlichen Faktoren mit in den Konflikt hinein. Der Mediator kann dabei helfen, das bewusst zu machen und den Streitparteien so zu einer vernünftigen Lösung ihres Konfliktes verhelfen.

Mediator beschreibt in erster Linie eine Funktion und keine Person. Das bedeutet, es kann durchaus auch ein Mediatoren-Team aus mehreren Personen diese Funktion erfüllen.

Die Phasen der Mediation

Es gibt zwar verschiedene Ansätze und Konzepte, allerdings beinhalten die meisten Modelle in irgendeiner Form die folgenden fünf Phasen des Mediations-Verfahrens, in denen sich unterschiedliche Teilaspekte und Abschnitte deutlich machen lassen. Diese Phasen können viel zum Verständnis für diese Form der Konfliktbeilegung beitragen.

  • Phase 1: Die Eröffnung

    Zu Beginn werden die Beteiligten (auch Medianden genannt) über den Ablauf und über die Verhaltensregeln des Mediations-Verfahrens informiert. Diese Regeln können auch je nach Wunsch der Beteiligten variieren. Essenzielle Regel für das Verfahren in jedem Fall sind das Ausreden lassen des Gegenübers und der Verzicht auf Beleidigungen. Sämtliche Regeln sowie der geplante Ablauf können in einem Mediationsvertrag festgehalten werden.
  • Phase 2: Die Klärung/ Sammlung von Themen

    Die Medianden tragen ihre Standpunkte bezüglich des Konfliktes geregelt vor. Sie kommunizieren mit dem Mediator und nicht miteinander. Dieser hat dabei eine versachlichende Funktion. Er stellt Verständnisfragen, klärt den Sachverhalt mit dem jeweiligen Medianden und stellt sicher, dass alle relevanten Themen zu dem Konflikt angeführt werden.
  • Phase 3: Die Hintergründe

    Die dritte Phase der Mediation wird auch als das Herzstück bezeichnet. Hier geht es nun darum, die Motive, Gefühle, Wünsche, Interessen und Bedürfnisse der Medianden auszumachen, die bei dem Konflikt eine Rolle spielen. Häufig sind eher unbewusste Motive die eigentliche Ursache für einen Konflikt. Diese werden während dieser Phase aufgedeckt. Das kann, je nach Situation und Wunsch der Medianden, auch im Gespräch unter vier Augen zwischen Mediand und Mediator geschehen.
  • Phase 4: Erarbeiten von Lösungen

    Besonders wichtig ist, dass die Medianden selbst Möglichkeiten zur Lösung ihres Konfliktes erarbeiten. Der Mediator hilft ihnen dabei, das miteinander zu tun – aber er tut es nicht für sie.
  • Phase 5: Die Einigung

    Wenn die Konfliktparteien schließlich zu einer Einigung gekommen sind, wird diese im Rahmen einer Abschlussvereinbarung schriftlich festgehalten. Den Inhalt bestimmen die Medianden selbst. Das Dokument wird unterschrieben und kann bei dem entsprechenden Wunsch auch von einem Anwalt überprüft werden.

Wann ist das Verfahren sinnvoll?

Auf den Punkt gebracht ist das Verfahren dann sinnvoll, wenn die Konfliktparteien erkennen, dass sie ihren Konflikt nicht alleine lösen können, ihn aber aus den verschiedensten Gründen lösen wollen oder müssen. In vielen Fällen bietet das Mediationsverfahren außerdem eine Alternative zu dem Klären eines Streits vor Gericht, der einerseits mit hohen Kosten verbunden sein kann und bei dem andererseits auch das Ergebnis, also das Urteil, aus der Hand gegeben wird.

Verfahrenstechnisch ist es dann sinnvoll, einen Vermittler einzuschalten, wenn der Konflikt auf die unterschiedliche Wahrnehmung, Beurteilung oder auf Missverständnisse der Konfliktparteien beruht. Und das ist bei sehr vielen Konflikten der Fall. Bei eigentlichen Sachfragen gibt es objektive Kriterien, über die im Grunde nicht gestritten werden kann. Die eigentlichen Probleme und Ursachen liegen bei solchen Fällen häufig eher in der Kommunikation zwischen den Streitenden.

Zusammengefasst ist ein Mediations-Verfahren sinnvoll, wenn:

  • eine persönliche oder emotionale Dimension der Streitenden bei dem Konflikt eine große Rolle spielt
  • die Streitenden kaum mehr sachlich und konstruktiv miteinander kommunizieren können
  • der Gang zum Gericht aus verschiedenen Gründen vermieden werden soll (etwa aufgrund der Kosten oder weil Vertraulichkeit hohe Priorität hat)
  • die Streitparteien auch in absehbarer Zukunft miteinander zu tun haben werden
  • die Streitparteien die Kontrolle sowohl über die Konfliktlösung als Prozess als auch über das Ergebnis behalten wollen

Anwendungsgebiete und Beispiele

Das Verfahren der Vermittlung im Konfliktfall kann universell in allen Lebensbereichen, ob nun beruflicher oder privater Natur, eine Hilfe sein. In Unternehmen kann es die verschiedensten Streitigkeiten zwischen Mitarbeitern lösen und zwar unabhängig von der Stellung in der Hierarchie. Also sowohl zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter, als auch zwischen Kollegen auf derselben Ebene.

Und auch über das eigene Unternehmen hinaus kann Mediation bei allen Konflikten mit Geschäftspartnern jeglicher Art eine Lösung sein. Das gilt vor allem immer dann, wenn die beteiligten Parteien an einer künftigen oder langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind bzw. wenn diese schlicht notwendig ist. In solchen Fällen kann das Mediations-Verfahren sogar eine positive Wirkung auf die künftige Zusammenarbeit und eventuell auch auf die Entwicklung des Profits haben.

Im privaten Bereich kann der Einsatz etwa beim Nachbarschaftsstreit, bei Trennungen, bei Unfällen, Erbschaften oder bei Konflikten zwischen Vermieter und Mieter geschehen. In solchen Fällen spielen Missverständnisse und ein hoher emotionaler Einfluss bei den Beteiligten häufig eine sehr große Rolle.

Die Vorteile des Mediations-Verfahrens

Generell bietet das Mediations-Verfahren eine Lösung in Konfliktfällen, in denen es ansonsten möglicherweise keine Lösung geben würde. Eine Alternative wäre in vielen Fällen schlicht ein ungelöster Konflikt, der, je nach Situation, nachhaltigen Schaden anrichten könnte. Die andere Alternative wäre in vielen Streitigkeiten natürlich der Rechtsweg. Dieser Weg jedoch wird von vielen aus unterschiedlichen Gründen eher gemieden und auch ist er nicht für jeden Konflikt wirklich geeignet.

Die Vorteile des Mediationsverfahrens liegen also auch darin, den vergleichsweise mühseligen Rechtsweg zu vermeiden. Die Konfliktparteien sparen dabei nicht nur Kosten, Zeit und Nerven, sondern behalten mit der Planungssicherheit und der generellen Selbstbestimmung auch ein hohes Maß an Kontrolle über die Folgen der Konfliktlösung. Das ist besonders wichtig, wenn die Konfliktparteien auch in Zukunft noch miteinander zu tun haben werden. Dann ist es von großem Vorteil, zu einem eigenverantwortlich erarbeiteten Konsens gelangt zu sein, mit dem alle Parteien leben können, anstatt fremdbestimmt durch ein Gerichtsurteil eine einseitige Lösung diktiert zu bekommen, die das Verhältnis der Konfliktparteien zueinander verschlechtert. Unter Umständen kann durch die gemeinsame Erarbeitung einer Lösung oder auch im Zuge der Klärung von etwaigen emotionalen Missverständnissen das Verhältnis der beiden Konfliktparteien sich sogar verbessern.

Insbesondere bei beruflichen Auseinandersetzungen kann Vertraulichkeit eine wichtige Rolle spielen. Da der Mediator der Vertraulichkeit unterliegt, ist diese Art der Vermittlung auch für dieses Feld gut geeignet. Darüber hinaus bietet das Mediationsverfahren eine sehr hohe Erfolgschance: Etwa 80 Prozent aller Verfahren enden mit einer Einigung der Konfliktparteien.

Mediation und Coaching

Die Ähnlichkeiten

Natürlich hat beides eine ganze Menge Ähnlichkeiten und je nach Spezifikation gibt es viele Schnittmengen. So arbeiten sowohl Mediator als auch Coach unterstützend und auf Augenhöhe mit ihren Klienten. Sie müssen beide empathisch, wohlwollend und auch konstruktiv analytisch sein. Die Zusammenarbeit geschieht freiwillig, eigenverantwortlich und in der Regel zeitlich begrenzt. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe, was in beiden Fällen eine Förderung der Selbstreflexion und der Wahrnehmung der Klienten impliziert. Dazu können durchaus viele ähnliche Methoden verwendet werden. Und auch das Einteilen in verschiedenen Abschnitten wie die Phasen der Mediation können bei beidem ähnlich sein.

Die Unterschiede

Ein zentraler Unterschied besteht darin, dass die Ziele der Mediation immer mit der Lösung eines Konfliktes zwischen mindestens zwei Parteien zu tun haben. Die Bedeutung des Mediations-Verfahrens ist stets Vermittlung und Schlichtung zwischen Anderen. Es geht um Konfliktbeilegung. Und zwar auch bei Ansätzen wie der transformativen Mediation, die eine Stärkung und Befähigung der Medianden zum Ziel hat. Das Ziel ist letztlich immer die Beilegung des Konfliktes.

Gewisserweise geht es dabei darum, ein Coach für mehrere Parteien in Sachen Kommunikation und sachlicher Argumentation zu sein. Zur Anwendung kommt das allerdings mehr in Krisenfällen. Es geht weniger um die Optimierung von Funktionierendem, sondern eher um die Wiederherstellung des Funktionierens.


Lesen Sie weiter: