Coaching – die Problematik einer ungeschützten Bezeichnung

Nicolas Lehnart Wenn man sich mit dem Thema „Coaching“ an sich auseinandersetzt, stößt man sehr schnell an die Grenzen der Aussagekraft dieses Begriffs, denn „gecoacht“ werden kann anscheinend alles – ob es sich nun um soziale Rollen („Eltern-Coaching“), Beschäftigungen und Aktivitäten („Surf-Coaching“) oder Eigenschaften („Empathie-Coaching“) handelt. Manchmal erschließt sich auf den ersten Blick nicht einmal, ob das Präfix den Inhalt oder die Methode des Coachings beschreibt (ist z.B. ein Astrologie-Coach jemand, der dem Coachee mittels dieser Lehre hilft oder ihn in ihr unterweist?). Auch weniger positiv besetzte Konzepte werden mit Coaching verknüpft, wie physische und psychische Leiden („Trauer-Coaching“, „Krebs-Coaching“) oder Phobien („Höhenangst“-, „Klaustrophobie“-, wahrscheinlich auch „Anatidaephobie-Coaching“); wobei die Funktion des Coachings hier natürlich eher im korrekten Umgang mit dem Problem liegt, d.h. im ersten Fall in der angemessen Verarbeitung mit ihm, im zweiten in dessen Überwindung.

Die Ursache dieser Unklarheit ist der Umstand, dass der Begriff des „Coaches“ und seine Verwendung als Berufsbezeichnung nicht geschützt sind. Ohne die entsprechende Ausbildung kann man sich schon rein rechtlich nicht als Lehrer, Dozent, o.ä. betätigen; einen Coach allerdings kann sich buchstäblich jeder nennen, der mehr oder weniger überzeugende Referenzen vorweist. Dass es unter diesen dann einerseits sehr kompetente Berater gibt, andererseits aber auch solche, die nur unwesentlich mehr Kenntnis vom Gegenstand ihres Unterrichts haben als ihre Klienten, macht eine tragfähige Beurteilung des Coaching-Marktes umso schwieriger.

Eine Problematik, die auch die Neurolinguistische Programmierung betrifft. Als relativ junge Disziplin, die (wenn der Betreffende überhaupt von ihr gehört hat) sich häufig mit Vorurteilen und mitunter auch ungerechtfertigter Kritik auseinandersetzen muss, ist sie durchaus anfällig für solche Fehlentwicklungen. Auf der anderen Seite hat die Neigung zur Organisation hierzulande in dieser Hinsicht dann doch etwas Gutes – während generell betrachtet die Unverbindlichkeit des Coaching-Begriffs zwar nach wie vor gültig ist, gibt es durch den DVNLP und vergleichbare Verbände und die von diesen akzeptierten Zertifizierungsstandards Qualitätsmaßstäbe, an denen man sich als NLP-Interessierter orientieren kann.

Nichtsdestoweniger bleibt auf diesem Feld aus den bereits angeführten Gründen noch einiges zu tun. Qualitätschecks sind umständlich, die Konkurrenz ist breit gefächert, und der Organisationsgrad der Coaches und Trainer ist, oberhalb der Ebene der Verbände, durchaus ausbaufähig. Dem Anspruch, angemessene und mehrheitsfähige Coachingstandards aufzustellen, sollten wir uns also auch weiterhin verpflichtet fühlen.

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