Was ist Coaching?

 
Nicolas Lehnart Der Begriff „Coaching“ hat sich in den letzten Jahren immer weiter verbreitet. In einem späteren Artikel möchten wir auch auf die Geschichte des Coaching eingehen. Doch jetzt soll es erstmal darum gehen: Was ist eigentlich Coaching? Natürlich gibt es so viele Definitionen wie es Coaches gibt und viele davon unterscheiden sich ganz beträchtlich.

Ein erster wichtiger Aspekt ist für mich, dass Coaching interaktiv und personenzentriert ist. Das Coaching findet zwischen einem Coach und einem Klienten (oft auch Coachee) genannt statt. Dabei arbeiten diese beiden intensiv zusammen. Der Coach ist eine Art Prozessbegleiter. Er kommt nicht mit einem fertigen Lösungskoffer daher, wie das oft Berater machen (und das ist auch ihre Aufgabe – sie werden dafür bezahlt, dass sie Ratschläge erteilen und Lösungen parat haben). Der Coach hält sich eher zurück mit inhaltlichen Aussagen. Er begleitet den Klienten dabei, die für diesen passenden Lösungen zu entdecken. In den Ausbildungen fällt mir oft auf, dass ungeschulte Teilnehmer oft ganz schnell in die Beraterrolle abgleiten, so wie sie das vielleicht auch von Gesprächen mit Freunden oder Bekannten gewohnt sind. Der andere sagt etwas und ich gebe mal meinen Senf dazu – mal mehr, mal weniger reflektiert. Als Coach richte ich mich mehr an den individuellen Bedürfnissen meines Coachees aus. In der Regel habe ich vorher in einem Auftragsklärungsgespräch mit ihm ausführlich darüber gesprochen, was seine Ziele sind und wie ich ihn dabei unterstützen und begleiten kann, diese auch zu erreichen. Ein wenig erinnert diese Rolle auch an den Moderator bei einer Gruppenveranstaltung. Während der Trainer seine Inhalte verkündet, bringt der Moderator auf der Prozessebene Vorschläge für das weitere Vorgehen. Er hat die Uhr und die Ziele für die anderen im Auge.

Coaching findet freiwillig statt und erfordert eine gute vertrauensvolle Beziehung zwischen Coach und Klient. Im NLP sprechen wir von Rapport und nehmen uns gerade am Anfang einer Ausbildung sehr viel Zeit und die Grundlagen hierzu theoretisch und praktisch zu vermitteln. Der Coaching-Erfolg hängt ganz entscheidend von dieser Fähigkeit ab und sie ist erlernbar! Idealerweise begnügt sich der Coach nicht mit einer reinen Technikanwendung z.B. Spiegeln oder Matching der Repräsentationssysteme und Metaprogramme, sondern lässt sich auf einen echten Rapport mit seinem Klienten ein. Doch Vorsicht! Der Coach fühlt empathisch mit seinem Klienten mit, aber er kennt die Grenzen. Genauso wie im therapeutischen Kontext auch, muss der Coach auch zuweilen in der Lage seine, eine professionelle Distanz aufzubauen, wenn Übergriffe in allzu private Bereiche drohen. Mehr zu dem Thema „Beziehung mit dem Coachee“ sicher in einem späteren Beitrag. Eine andere Form von Unfreiwilligkeit ist das Geschicktwerden des Coachee z.B. im Business-Kontext. Der Chef sagt: „Motivieren Sie mal diesen Mitarbeiter durch ein Coaching.“ Dieser will aber gar nicht und sagt: „Coachen Sie doch erstmal meinen Chef, wenn der nämlich nicht so komisch wäre, dann wäre ich auch motiviert.“ Dies ist keine gute Ausgangslage für ein erfolgversprechendes Coaching. Der Coach sichert seinem Schützling außerdem auch Diskretion zu. Das gesagte bleibt unter den beiden.

Ein Meta-Ziel des Coaching neben der Lösung des aktuellen Problems bzw. der Erreichung des Coachingzieles ist es die Selbstreflexionsfähigkeit und Selbstwahrnehmung des Klienten zu fördern. Dieser lernt seine eigenen blinden Flecken besser zu erkennen und anders damit umzugehen. Dies erreicht man eben nicht dadurch, dass man dem anderen sofort eine Lösung präsentiert, sondern vielmehr dadurch, dass man ihn anregt, selbst nachzudenken, interessante Fragen stellt, ja manchmal auch den anderen etwas liebevoll provoziert wie im provokativen Coaching nach Farrelly.

Viele Themenaspekte in diesem Beitrag werden wir in den nächsten Wochen hier noch weiter aufarbeiten.
Viel Spaß und Erfolg beim Coachen oder dem Gecoacht-Werden wünscht
Stephan Landsiedel

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