– ein Gastbeitrag von Axel Gnädinger

Wer sich mit NLP beschäftigt, erkennt schnell die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten Für jedes Problem oder sagen wir Herausforderung, scheint es gleich mehrere Formate (NLP-Methoden) zu geben.

Könnte mir NLP beim Erlernen von Salsa helfen, fragte ich mich. Das war lange eine Mischung aus Traum, Wunsch und entwickelte sich zu einem echten Ziel.

Ziele ja, aber bitte smart! Das haben wir in der Practitioner Ausbildung doch gelernt:

  • Spezifisch: Ich möchte Salsa bis zu einem mittleren Niveau erlernen, ohne Wettbewerbe etc. Frauen sollen aus Freude und nicht aus Mitleid mit mir tanzen.
  • Messbar: Verlaufen Tanzabende ohne Stress, bin ich im Salsa-Flow.
  • Attraktiv: Salsa, das ist eine teuflisch gute Mischung verschiedener Tanzstile von Südamerika bis Afrika, gewürzt mit einer großen Portion Exotik und einer Prise Erotik. Mit Salsa stellst Du dem normalen Leben ein Bein, Du entkoppelst dich im positiven Sinne.
  • Realistisch: Ja, absolut. Tausende andere habe es geschafft.
  • Terminiert: Ein halbes bis ein dreiviertel Jahr Tanzkurs halte ich für realistisch.

Die Anmeldung in der Tanzschule ist reine Formsache und mit großer Spannung komme ich zur ersten Tanzstunde. Uli ist ein geduldiger Lehrer und es geht schnell voran, zumindest für die anderen. Im Gegensatz zu mir haben alle schon tänzerische Vorerfahrung, der einzige echte Anfänger bin ich. Ich schwitze, schaue bei den Figuren zu oft auf meine Füße.

Beginnt die Salsa-Leidenschaft mit dem Leiden? Das ist mein Eindruck. In den folgenden Wochen wird es kaum besser. Wir kommen schneller voran, als ich es verarbeite. Wo ist die Leichtigkeit und das Mehr an Lebensfreude? Ich fühle nur das Gegenteil!

Aufsteigender Mut treibt mich auf eine Salsaparty. Leider endet der erste und einzige Tanz mit einem Abbruch. Katja hat keine Lust mehr, lässt mich stehen. Tanz und Abend sind dahin, Zeit für einen Strategiewechsel?

„Wenn etwas nicht funktioniert, probiere etwas anderes aus“, erinnere ich mich. Ich wechsle zu einer anderen Tanzschule. Wir lernen Salsa mit dem Cuban-Style. Dessen runde Figuren und Bewegungen gefallen mir im Vergleich zum mehr starren New-York-Style besser. Tanzlehrer Gregorio kommt aus Kolumbien und ist die Salsa-Beat-Maschine in Personifikation. Mit Witz und Power brennt er uns die Figuren ein. Hoppla, manches geht schon flüssiger und nach unten schaue ich nicht mehr, die Füße laufen alleine.

Kassensturz

Mehr als ein dreiviertel Jahr ist vorbei, doch richtig tanzen kann ich nicht. Was umgangssprachlich als „In Fleisch und Blut übergehen“ bezeichnet wird, umschreibt die Bildung neuronaler Verknüpfungen, das Verinnerlichen komplexer Bewegungsmuster. Solche inneren Vorgänge benötigen Zeit, bei mir sehr viel Zeit.

„Wie hast Du es geschafft?“ frage ich einen guten Tänzer. „Jede Woche mehrere Tanzstunden, Youtube-Videos anschauen und viel üben“, so seine Antwort. Hoppla, ist das nicht Modelling aus dem NLP? Genau das ist es! Im Kurs kommen wir immer besser voran, es läuft. Auf Veranstaltungen treffe ich häufig Kursteilnehmerinnen. Wir üben gemeinsam ohne Stress. Inzwischen nehme ich an 2 Tanzkursen teil und praktiziere jedes Wochenende.

Was für Außenstehende den Anschein der Leichtigkeit erweckt, kann anstrengend sein! Achte auf den Takt, gib der Tanzpartnerin die richtigen Signale und schau bei allem entspannt und positiv.

Inzwischen klappt das. Viele Figuren laufen wie von selbst, fast automatisch. Dann taucht ein anderes Problem auf. Wie merkt man sich über 20 Figuren oder besser gesagt, wie rufe ich sie in Sekundenbruchteilen ab?

Üben lautet das Zauberwort. In der NLP-Ausbildung haben wir uns lange mit Repräsentationssystemen beschäftigt, das zahlt sich jetzt aus. Ab sofort sortiere ich die Figuren nach übergeordneten Merkmalen. Trainiert wird auch zuhause. Dabei gehe ich sowohl dissoziiert vor (beim Betrachten von Videos) und assoziiert, beim Einüben ohne Partnerin vor. Die Fähigkeit, längere Tanzsequenzen zu aufzunehmen hat sich stark verbessert.

Der Weg ist das das Ziel

Längst sind die eingangs genannten 6 Monate verstrichen, nein verdoppelt, aber das spielt keine Rolle mehr. Salsa macht mir Spaß und ich komme voran, der Weg ist das Ziel.

Aus Termingründen ist ein weiterer Tanzschulenwechsel notwendig und ich lande bei Saltango Freiburg. Die Tanzschule ist kleiner aber alle Kurse sind individueller, intensiver. Simao ist in Sachen Salsa, Bachata und Kizomba ein Multitalent. Selbst Forro und Tango ist ihm eigen. Er vermittelt uns viele Grundlagen, wir üben Menstyle, Haltungen und mehr. So wächst das Salsa-Fundament kontinuierlich. Inzwischen tanze ich mit vielen „fremden“ Frauen und das bringt Erfahrung. Salsa, mein ursprünglicher Wunsch, hat inzwischen „Kinder“ bekommen. Sie tragen die Namen Bachata sowie Kizomba und gedeihen langsam.

Fazit

Aus den gedachten 6 Monaten wurden über 2 Jahre. Die Überzeugung, es zu schaffen, verbunden mit der Gewissheit, in ein paar Monaten alles anders zu sehen, haben mein Durchhalten bestärkt. Mit der Kenntnis über Repräsentationssysteme fand ich die idealen Zugangswege für mich. Modelling gleich zu Beginn einzusetzen, hätte rückblickend gesehen alles vereinfacht. Inzwischen sind Tanzabende stressfrei und Wunschfiguren bringe ich mir bei Bedarf selbst bei.

Alle Mühe hat sich gelohnt!