Die Dilts-Pyramide: (Neuro)-logische Ebenen oder die Pyramide der Motivation

Donnerstag, Juli 13th, 2017 | NLP Blog, NLP-Formate

Ein Beitrag unseres Leipziger Trainers Dirk Spengler

Die so genannten „Logischen Ebenen“ im NLP hat Robert Dilts in Anlehnung an Batesons logische Ebenen des Lernens formuliert. Im NLP haben sie seit ihrer Veröffentlichung weithin eine immense Bedeutung gewonnen. In Buchform sind sie wahrscheinlich 1990 erstmals veröffentlicht in „Changing Beliefs with NLP“. Ein häufiges Missverständnis dieses wertvollen Konzeptes entsteht jedoch aus dem Namen “Logische Ebenen“, denn genau betrachtet sind sie weder wirklich logisch (so wie Logiker diesen Begriff definieren) noch sind es genau abzugrenzende Ebenen. Aus diesem Grund wird heute eher von der Dilts-Pyramide gesprochen.

Auch wenn Dilts ursprüngliche Absicht, ein in sich schlüssiges und damit logisches Beschreibungs-Modell des menschlichen Gehirnes zu schaffen, fehlschlug, ist dieses Modell heute eines der wichtigsten Orientierungshilfen für NLP-Anwender wenn es um die Frage geht, welche Veränderungstechnik (z.B. NLP-Format) man am sinnvollsten und effektivsten anwenden kann. Dabei hilft es extrem, die Ebene des Problems (auf der Dilts-Pyramide) zu erkennen.

Auf der untersten Ebene, der „Umwelt“ (1. Ebene) bewegt sich der Mensch mit seinem Verhalten (2. Ebene).
Hinter dem Verhalten liegen die Fähigkeiten (3. Ebene), die es ermöglichen, irgendein Verhalten überhaupt auszuführen.

Hinter/über den Fähigkeiten steckt die Motivation, um ein Verhalten, tun zu wollen bzw. die Fähigkeit dazu entwickeln und üben zu wollen. Da diese Motivation nicht nur triebgesteuert ist, sprechen wir an dieser Stelle nicht nur von Motiven, sondern generell von Werten und Glaubenssätzen (4. Ebene). Diese Konstrukte (Modell der Welt) benutzen wir als Kriterien, um zu entscheiden, was wir glauben, d.h. für richtig, wahr und wichtig halten. Im NLP sprechen wir hier auch Neudeutsch gerne von „Beliefs“, da im englischen die Trennung zwischen „glauben“ (belief) und „religiös glauben“ (faith) eindeutiger ist als im Deutschen.

In der 5. Ebene definieren wir unsere Identität (5. Ebene). Damit unterscheiden wir, wer wir sind, was wir sind, was zu uns dazugehört und was nicht.

In den Neunziger Jahren hat Dilts eine weitere Ebene über der Identität hinzugefügt. Die Persönlichkeit transzendierend spricht er dabei sowohl von „Zugehörigkeit“ als auch „Spiritualität“. Im Zuge der Weiterentwicklung des NLP hat er damit einen Grundstein für das gelegt, was er in den letzten Jahren „ Third Generation NLP“ nennt. Oft wird für diese 6. Ebene auch der Begriff „Vision“ verwendet. Da „Spiritualität“ schnell missverstanden werden kann, verwende ich persönlich gern die Begriffe Vision und Zugehörigkeit für diese 6. und in meiner Welt wichtigste Ebene.

Diltspyramide Dirk Spengler

✔ Pyramide der Motivation

✔ Modell zur Strukturierung von Veränderungsprozessen

✔ Höhere Ebenen beeinflussen tiefere Ebenen i.d.R. stärker als umgekehrt.

✔ Die Lösung eines Problems ist selten auf der Ebene des Problems zu finden.

✔ Eines meiner wichtigsten Coaching-Modelle

Ein paar Beispiele von angewandtem NLP

Um ein Verhalten zu verändern, braucht es oft nicht nur das Wissen um die nötigen Verhaltensschritte, sondern auch zusätzliche Ressourcen. Dieses Prinzip wird am Beispiel des Interventionsformats „Verhaltensgenerator“ (Ressourcen schicken) sehr schön deutlich. Darin werden neue Verhaltensschritte dem Klienten erst dann möglich, wenn er die entsprechenden Ressourcen aktiviert und verankert hat. Eine generelle Überlegung ist beim Nutzen von Ankern, dass die geankerten Ressourcen stärker sein sollten als die Problematik, für die sie gebraucht werden. Wer bei der Anwendung einer Fähigkeit ein Problem hat (z.B.. sich nicht gewünscht verhält, obwohl die Fähigkeit vorhanden ist) dem nutzt eine Veränderung seiner Glaubenssätze in der Regel mehr als bloßes Üben des gewünschten Verhaltens. Das Problem lässt sich oft nicht auf der Ebene des Problems (Fähigkeit trainieren) lösen, sondern eher in den Ebenen darüber (Werte/Glauben – Identität – Vision). Wenn man ein Problem mit dem Umfeld hat (z.B. Kollegen, Familie) ist es doch auch viel schlauer, das eigene Verhalten zu ändern, als ständig das Umfeld zu wechseln.

Schon Einstein wird der Spruch zugeschrieben, dass sich ein Problem nicht auf der Ebene lösen lässt, auf der es entstanden ist. Für diesen Zusammenhang ist das durchaus hilfreich: Für den Anwender, der verstehen will, warum etwas „schon geht oder noch nicht“, ist dies ebenso hilfreich wie in der Ausbildung von Beratern und Coaches, um die Angemessenheit ihrer Interventionen überprüfen zu können.

Oft liegt eine sinnvolle Lösungsstrategie in den „höheren“ Ebenen (Werte/Glaubenssätze – Identität – Zugehörigkeit/Vision). Hier ein paar Anregungen dazu.

Ein typischer Ansatz für die Arbeit mit Werten ist das Herausarbeiten einer Werte-Hierarchie für einen bestimmten Kontext. Nicht alle Werte haben immer und in jedem Kontext die gleiche Bedeutung, oder ist dir Vertrautheit oder Nähe in der Arbeit genauso wichtig wie in der Familie?

Ein weiterer Aspekt sind Glaubenssätze. In der Praxis stellt sich oft heraus, dass der kritische Punkt gar nicht so sehr bei den Werten, Motiven und Kriterien liegen muss. Oft sind es einfach limitierende Denkmuster (Glaubenssätze), die Probleme verstärken und Lösungen blockieren. Solche prinzipiellen Denkmuster wie z.B. lineares Denken, einfache Ursachen – Wirkungsverknüpfungen oder Nominalisierungen sind oft schon einfach mit den Meta-Modell-Fragen erkenn- und manchmal auch lösbar.

Die Identität wird dadurch geprägt, womit wir uns identifizieren, also durch Assoziation, und durch das, wo wir uns abgrenzen, also durch Dissoziation. Das Konzept der Persönlichkeitsanteile, das im gesunden Menschenverstand problemlos akzeptiert wird („Das Kind im Manne“, „Zwei Herzen in meiner Brust“), spielt hier eine wichtige Rolle. Viele haben im NLP schon erlebt, wie die Integration abgelehnter Anteile (Teilemodell/Reframing) die Persönlichkeit bereichern und tatsächlich heilen kann.

Noch ein paar Worte zur 6. Ebene Zugehörigkeit/Vision. Wie gesagt, ist das für mich die wichtigste Ebene.

Der Grund hierfür ist ein nicht aus dem NLP stammende Erkenntnis. Nach den neuesten Ergebnissen der Hirnforschung (Prof. Gerald Hüther) gibt es 2 vermutlich angeborene Grundbedürfnisse.

1. Das tiefe Bedürfnis nach Verbundenheit (Zugehörigkeit).
So werden bei der Geburt von Mutter und Kind große Mengen des Bindungshormons Oxytozin produziert und ausgeschüttet. (Bei gutem Sex ebenso). Da Fortpflanzung die Grundlage unserer Existenz ist, wird sich die Natur wohl was dabei gedacht haben. Menschen streben danach, zu anderen Menschen (Partner, Kind, Elternteil) und/oder Menschengruppen (Familie, Firma, Partei, Nationalität, Religion usw.) dazu zu gehören. Ausschlüsse aus der Gesellschaft, dem System oder der Partnerschaft (Trennung, Ablehnung, Verbannung, früher Ächtung) werden als extrem schlimme und schmerzende und Erlebnisse empfunden und ziehen tiefe Veränderungen nach sich. Manchmal sogar den Tod.

2. Das tiefe Bedürfnis nach Wachstum, Verstehbarkeit und Mitbestimmung (Vision).
Alle Menschen möchten sich von Natur aus entwickeln. Als Kind wachsen wir körperlich und entwickeln unseren Geist. Wir möchten spielend lernen und ausprobieren und freuen uns riesig, wenn es funktioniert hat. Wir möchten mitmachen und gestalten und wir möchten verstehen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Auch als erwachsene Menschen möchten wir etwas schaffen und uns weiterentwickeln. Wir möchten aktive Mitgestalter unseres Lebens sein. Wir möchten mitreden können. Nicht umsonst wird hilflose Ohnmacht z.B. gegen staatliche Willkür als extrem belastend und verletzend empfunden.

Werden diese 2 Grundbedürfnisse nicht als erfüllt empfunden (und dazu sollten beide in der Balance sein), leidet der Mensch und neigt zu sog. Ersatzbefriedigungen. Dazu gehören materielle Dinge (Kauflust -> Befriedigung, Status (großes Auto, Haus) -> Befriedigung) aber auch das starke Bedürfnis, über andere Menschen die Macht zu haben (Erniedrigung, Kontrolle usw.). Gier, Angst und Machthunger werden zu großen Antreibern im Leben.

Von daher ist die 6. Ebene der Dilts-Pyramide (Zugehörigkeit / Vision) für mich die wichtigste Ebene für die Grundlage von Veränderungsprozessen. Finde heraus was Du (oder Dein Coachee) für Ziele und Visionen hast, welches Leben Du führen möchtest und zu welcher Gruppe von Menschen Du starke Verbundenheit spürst (z.B. Ich möchte zur Gruppe erfolgreicher Verkäufer gehören, Ich möchte ein wichtiger Teil im Verein sein, Ich möchte in dieser Firma arbeiten u.s.w.).

Zum Autor:
Dirk Spengler, NLP-Lehrtrainer Standort LeipzigDirk Spengler ist NLP-Lehrtrainer (DVNLP) und bietet an unserem Standort Leipzig NLP-Practitioner und NLP-Master Ausbildungen an, sowie kostenlose Abendseminare.
Er besitzt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Vertrieb, hat umfangreiche Erfahrung als Business-Trainer und -Coach mit www.losjetzt.de und ist Autor des Buches „Lasse Deinen Kunden einkaufen“.

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Autor

NLP Trainer Stephan Landsiedel   In diesem Blog schreibt Diplom-Psychologe und NLP-Lehrtrainer Stephan Landsiedel über NLP, sein Unternehmen und sein Leben. Er ist mehrfacher Autor und hat bereits über 2.500 NLP-Ausbildungstage absolviert.

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