Artikel von Alexander Gleisberg-Almstetter

In letzter Zeit sind im Internet einige Aufmerksamkeit erregende Hypnotiseure zu sehen, die scheinbar beeindruckende Hypnosen zeigen. Bei den angewandten Methoden handelt es sich allerdings um autoritär-direktive Hypnose, was deren Wert nicht schmälert. Die dort gezeigten Hypnosen haben jedoch nur wenig mit dem achtsamen und vorsichtigen Vorgehen von Milton H. Erickson gemein. Das Milton-Modell im NLP beruht auf dem indirekt-permissiven Ansatz von Erickson. Die Hypnotherapie von Milton Erickson ist jedoch mehr als der gekonnte Einsatz hypnotischer Sprachmuster. Der Einfluß der Arbeit von Milton Erickson im NLP geht weit über das Milton-Modell hinaus. Leider wird das in manchen NLP-Ausbildungen häufig nicht deutlich genug herausgestellt.
Nachfolgend gibt der Verfasser ein hypnotisches Setting im Rahmen einer Ausbildung zum NLP-Master wieder. Dauer der Demo ca. 35 – 45 Minuten. Themenschwerpunkt dieses Ausbildungsabschnittes war das fortgeschrittene Milton-Modell.
Die Teilnehmerin M. war bereits mehrfach für Demos zur Verfügung gestanden, unter anderem konnte mit ihr eine kataleptische Brücke und eine Armlevitation erfolgreich durchgeführt werden. In der Demo wurden Dissoziation in Trance, Regression und Zeitverzerrung eingebaut. – Ich frage mich was Du noch alles entdecken und dabei lernen wirst?

A: „Geht es Dir gut?“
M: „Ja, sehr gut.“
A: „Wie oft warst Du heute schon in Trance?“
M: „Keine Ahnung, wahrscheinlich öfter.“
A: „Bist Du Dir sicher, daß Du jetzt wach bist?“ – Pause – „Oder bist Du in Trance?“
M: „Ich weiß nicht, vielleicht bin ich schon in Trance.“
A: „Möchtest Du es jetzt herausfinden?“
M: „mmhh, ja.“
A: „Kannst Du jetzt auf 20 hoch zählen und dabei tiefer gehen? Und wird dabei Deine linke (die linke Hand wird dabei berührt) oder rechte Hand (wird nur darauf gezeigt) oder beide gleichzeitig ganz von selbst nach oben steigen, während Du tiefer gehst?“ – Pause

Die rechte Hand fängt an nach oben zu steigen.

A: „Möchtest Du Deine Augen jetzt oder später schließen, während Du tiefer gehst?“

Augen schließen sich, der Kopf sinkt nach unten, die Hand steigt höher.

A: „Wird Deine Hand Dein Gesicht berühren damit Du weißt, daß Du wirklich in eine Trance übergehst?“ – „Und ich möchte nicht, daß Du tiefer gehst als Du wirklich möchtest.“

Lange Pause – Der Arm steigt höher und die Hand berührt schließlich ihr Gesicht. Die Probandin bewegt sich ansonsten nicht mehr, der Kopf ist mittlerweile tief nach unten gesunken. Die Probandin befindet sich in einem somnabulen Zustand.

A: „Und Du brauchst nichts tun, nichts wissen, noch nicht einmal mir zu hören.“

A: „Ich möchte nun, daß Dein Geist Deinen Körper verläßt und ins Weltall hinaus schwebt, und Du kannst von dort aus alles überschauen.“ – „Und meine Stimme geht mit Dir.“

Pause

A: „Ich möchte jetzt, daß Du Dich an eine Zeit erinnerst als Du ein kleines Mädchen warst. Ein kleines Mädchen, das über irgend etwas sehr glücklich war. Und um Dich hörst Du Deine Freunde, Eltern oder Lehrer. Und meine Stimme verwandelt sich in die Stimmen Deiner Freunde, Eltern oder Lehrer und in die Stimme des Waldes und des Windes.“

Pause

A: „Und ich möchte, daß Du die Situation ausgiebig genießt und Dir erlaubst diese Glück in jeder Zelle Deines Körpers zu spüren. Und vielleicht siehst Du etwas, was Dir bisher nicht aufgefallen ist.“

Lange Pause

A: „Und Du kannst dieses Gefühl durch Dein ganzes Leben mitnehmen, während Du siehst, wie das Mädchen älter und größer wird. Und Du fragst Dich, was Du da wohl lernst, nicht wahr?“

Pause

A: „Und Dein Unbewußtes kann, wann immer es erkennt, daß es nötig ist, Dir dieses Gefühl zur Verfügung stellen. Und Dein bewußter Verstand braucht nicht zu wissen, was Dein Unbewußtes in diesem Moment für Dich leistet.“

Pause

A: „Ich zähle jetzt gleich bis Drei, bei Drei wachst Du nur vom Hals aufwärts auf. – nur vom Hals aufwärts. – Und wenn ich sage Schlaf, dann gehst Du wieder in Trance und fühlst Dich wohl.“

Pause

A: „Eins, Zwei, Drei.“

Die Probandin hebt den Kopf und öffnet die Augen, und sieht verwirrt umher. Katalepsie unter dem Hals bleibt dabei vollständig erhalten.

A: „Schlaf.“

Der Kopf der Probandin senkt sich wieder mit dem Augenschluß.

A: „Und nun erlaube Deinem Geist in Deinen Körper zurück zu kehren.“

Pause

A: „Ich möchte nun, daß Du von 20 rückwärts zählst und dabei wacher wirst. – Deine Augen öffnest und siehst wie Deine Hand in den Schoß zurückkehrt. – Pause – Wenn Deine Hand in den Schoß zurückgekehrt ist, wachst Du ganz auf.“

Die Hand geht nach unten, der Kopf hebt sich.

Lange Pause

A: „Geht es Dir gut?“
M. „Ja.“
A: „Wie spät ist es?“
M: „Weiß nicht.“
A: „Hast Du heute noch etwas vor?“
M: „Nein.“

A: „Du kannst nun erzählen, was Du bereit bist hier zu erzählen.“

Das Setting wurde nun exploriert, und die Probandin spricht über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Trance.