Graves-Advanced-Seminar bei Landsiedel

Letzte Woche fand von Mittwoch bis Sonntag in der Villa in Kitzingen unser erstes Graves-Advanced-Seminar statt. Trainer war Rolf Lutterbeck. Er hat uns mit seinem integralen Humor und der gelegentlichen „gelben Arroganz“ viel Freude bereitet und einiges zum Nachdenken mitgegeben. Im Vorfeld hatten sich einige unserer Stammkunden beschwert, dass sie nichts von dem Seminar gehört hatten. Dies lag daran, dass das Seminar bereits kurz nach der ersten Veröffentlichung unter unseren Coach-Modulen ausgebucht war und wir keine weitere Werbung gemacht haben. Die gute Nachricht ist: Neben dem integral-systemischen Coachmodul wird es dieses Jahr auch das Graves Seminar noch einmal in dieser Form geben. Der Termin hierfür ist der 19-23.11.2014. Die Teilnehmer sind reich beschenkt und erfüllt nach Hause gefahren.

Graves Seminar

Natürlich ist es völlig unmöglich, die fünf Tage hier zusammen zu fassen. Aber ein paar Streiflichter möchte ich doch erwähnen. Diese sind allerdings nur verständlich, wenn man bereits das Modell kennt. Dann ist es eine kleine Auffrischung und Erweiterung.
Rolf ist am Anfang noch einmal die Spiral Dynamics Ebenen durchgegangen. Hat jede Farbe ausführlich kommentiert. Ein paar Zitate hierzu:
Der Unterschied zwischen Blau und Rot: „Rot kann jemand umbringen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. In Blau geht das nicht mehr.“ „Die Queen von England hält sich sehr blau an das Protokoll, da sie sich ihrer Rolle verpflichtet fühlt. Die roten Könige haben jeden Tag die Regeln geändert, in Blau halten sich die Könige diszipliniert an die Regeln. Blau zeigt Flagge und wir finden Blau in der Volksmusik und viele Traditionen. Aktuelles Beispiel für starkes Blau war die Eröffnungsfeier von Olympia. Tausende von Menschen arbeiten diszipliniert zusammen. Im Roten bin ich ganz wichtig. Beim bewahrenden und traditionellen Blau werden die anderen in der Gruppe wichtig. Im Blauen ist die Identität die Rolle. Deshalb kann man mit Blauen keine Rollenspiele machen. Blau macht das, was der Chef sagt, auch wenn es Unsinn ist. Dies kann beim Militär aber sehr wichtig sein.
Auf Orange kann man die 3. Wahrnehmungsposition einnehmen. Das ICH kann über das ICH nachdenken. Das frühe Orange strebt nach Verbesserung und kann dabei leicht ein Besserwisser sein. Das späte Orange reflektiert sich selbst, es initiiert Verbesserungsprozesse und kommt überhaupt erst auf die Idee: „Ich brauche einen Experten!“. Orange sagt: „Nimm nie einen Menschen, wenn Du eine Maschine dafür nehmen kannst.“ Zu viel Orange und zu wenig Blau hat zur Finanzkrise geführt. Zu viel Blau führt zu Einengung durch zu strake Reglementierung.
Grün setzt sich für multikulturelle Gleichberechtigung ein. Es will am liebsten alle nach Grün bringen. Hierher gehört der Konstruktivismus und damit auch ganz viel, was wir im NLP machen. Grün findet seinen Ausdruck in Büchern wie: Bleep, Bestellung beim Universum, Secret oder JETZT! von Tolle. Der Grüne sagt von sich: „Ich bin spirituell, aber nicht religiös.“ Die Welt ist das, was ich von ihr denke. Grün erkennt versteckte positive Absichten.
Wir sind an dieser Stelle im Seminar und später immer wieder auf die Arbeiten von Susanne Cook-Greuter und ihrem Ego-Development gekommen. Sie unterscheidet sehr fein die verschiedenen Stadien der Ich-Entwicklung. Der Grüne kann noch eine Ebene weiter über sich reflektieren als der Orange. So wird eine Beobachtung des Beobachters möglich. Wenn Orange von Nachhaltigkeit redet, dann meint es höchstens 2-3 Jahre. Grün meint ein ganzes Leben und Türkis meint viele Generationen. Am Anfang haben Grüne oft Schwierigkeiten mit dem Geld verdienen.
Natürlich gab es auch viele Übungen. So haben wir z.B. die Begriffe Auto, Respekt, Schönheit und Status durch die verschiedenen Ebenen durchdekliniert. Dann haben wir die Antrittsrede von Obama beurteilt und den Text dazu analysiert. Wir haben uns verschiedenen Persönlichkeiten vorgenommen und sie aufgrund dessen, was wir über sie wissen, eingeschätzt, z.B. Angela Merkel oder Dieter Bohlen.
Eine der spannendsten Übungen für mich war: Bunte Beziehungen. Dazu haben wir jeweils Paare gebildet und dann hat jeder eine Farbe zugewiesen bekommen und wir haben ein kleines Rollenspiel entwickelt, wie sich der Dialog z.B. zwischen einem grünen Mann und einer blauen Frau entwickelt. Es war der Hammer, was da an Erkenntnissen über das eigene Beziehungsmuster herauskam. Am Schluss dieser Übung sind wir alle möglichen Kombinationen durchgegangen und haben uns angesehen, was da die Probleme jeweils sein könnten.
Zwischendurch kamen wir auch immer wieder auf Ken Wilber und die AQAL-Theorie und integrale Lebenspraxis zu sprechen. Wir haben uns die verschiedenen Entwicklungslinien angesehen und zu Spiral Dynamics in Bezug gesetzt. Anhand der eigenen Lebensgeschichte, haben wir unsere Mitteilnehmer analysiert und ihr Entwicklungslevel einschätzt. An einem Tag ging es um Graves in Business-Kontexten. Wie müssen die Leute jeweils geführt werden? Welche Art von Motivation braucht jedes Level? Wie können sich Unternehmen von blau nach orange oder von orange nach grün entwickeln. Wie funktioniert ein gelbes Unternehmen und wie könnte es organisiert sein? usw. Das war sehr faszinierend. Intensiv haben wir uns auch damit beschäftigt, wie man die Entwicklung von einer Ebene zur nächsten fördern kann und wo das überhaupt sinnvoll ist.
Am Ende hat uns Rolf Lutherbeck noch einige Spiral Dynamics Aufstellungen präsentiert. In kurzer Zeit wurden dabei großartige Wirkungen erzielt.
Die Teilnehmer war sehr zufrieden und würden am liebsten noch ein weiteres Seminar auf das Aufbauseminar besuchen.
Für alle, die gerne an dem Seminar teilnehmen möchten, finden weitere Informationen unter Graves Seminar.