HYPNOSE – mehr als nur Psychotherapie

Der Einsatz der Hypnose bei somatischen Erkrankungen.

Wenn wir an Hypnose denken ist der unmittelbare Bezug zu einer Therapie, der Psyche und ihrer Erkrankungen fast immer in einem Atemzug zu nennen. Das  Hypnose auch eine unmittelbare  Therapie des Körpers ist soll mit diesem Artikel dargestellt werden.  Bevor wir uns der eigentlichen Thematik zuwenden, zunächst ein paar wenige historische Grundlagen sowie Persönlichkeiten der Hypnosetherapie.

Die faszinierende Geschichte der Hypnose reicht bis weit in die Antike zurück. Ägyptische Priester und chinesische Ärzte  heilten durch die Kraft des Wortes und sogar in Indien wurden Patienten vor über 3000 Jahren von ihrem Leiden befreit. In Griechenland wurde um 1200 v.Ch. der Hilfesuchende im Tempel des Asklepius einem Heilschlaf ausgesetzt der ihm die Heilung in einem veränderten Bewusstseinszustand bescherte.

Der Mann der die Hypnose in die breite Öffentlichkeit trug war zweifelsfrei der Arzt

Franz Anton MesmerFranz Anton Mesmer. Mesmer war im Jahre 1770 davon überzeugt durch den sogenannten „animalischen Magnetismus“ (animalisch für „lebendig“) seine Patienten zu heilen. Er verwendete hierzu Körperstreichungen, Eisenspäne sowie Vorrichtungen aus Holz und Metall um sein eigenes magnetisches Fluidum auf die Hilfesuchenden zu übertragen.  Das er dabei auch suggestive Formeln und Beschwörungen benutze  und diese einen sehr großen Anteil an seiner Therapie ausmachte war ihm Zeit seines Lebens nicht bewusst. Maria Theresia ParadisEr  stand auf dem Höhepunkt seiner Arztkarriere, als er der bekannten Wiener Sängerin und Pianistin Maria Theresia Paradis das verlorene Augenlicht wiedergab. Diese war im Kindheitsalter erblindet und alle Versuche der Ärzteschaft, die Blindheit zu beseitigen, schlugen fehl. Erst Mesmer konnte Erfolge verzeichnen und die Sehkraft des jungen Mädchens langsam wiederherstellen.  Dies wurde natürlich von den Kollegen, die sich zuvor an diesem Fall die Zähne ausgebissen hatten, nicht gerne gesehen und so wurden die Eltern Marias bedrängt diesem Quacksalber  zu entsagen, was diese auch nach langem Druck taten.

Sofort verschlechterte sich die Sehkraft und ging in den nächsten Wochen auf die Ausgangssituation zurück.  Mesmers Ruf war ruiniert  und er starb im Jahre 1815 in der Nähe seiner Geburtsstadt am Bodensee.

Abbe Jose FariaAbbe Jose Faria (1753-1816), ein portugiesischer Priester, ließ als Erster seine Teilnehmer auf ein fixes Objekt starren, meistens seine Hand. Er war bekannt dafür, seine Hypnotisanten scharf anzublicken und mit dem Wort DORMEZ! (Schlaf)augenblicklich in den Zustand der Trance zu versetzen. Diese Technik ist heute unter dem Namen Blitzhypnose zu neuen Ehren gekommen.

James EsdaileDer englische Chirurg James Esdaile führt um 1840 hundert Operationen in Indien nur unter Hypnose durch. Darunter auch Amputationen und bauchchirurgische Eingriffe. Später  setzte er die Hypnose in seiner Klink ein und schaffte es mit seinen Assistenten, mehr als 3000 Operationen unter Hypnose zu leisten und die postoperative Sterblichkeit von 50% auf etwa 5% zu senken. Eine der größten Leistungen Esdails war die Entfernung eines 46,7 kg schweren Tumors bei einem Patienten.

Dieser gab an, keinerlei Schmerzen unter der OP verspürt zu haben und konnte das Krankenhaus wohlauf verlassen.

James ElliotsonJohn Elliotson (1791-1868) war ein hochangesehener Chirurg, der sich erst spät der Hypnose zuwandte.  Er wurde vom Baron Dupotet im Jahre 1830 in die Technik der Hypnose eingeführt und setzte diese erfolgreich ein.  In einem Fall soll eine Patientin von ihm, nach mehreren Sitzungen, sogar von Brustkrebs vollständig geheilt worden sein.  Obwohl von einem bedeutenden Kollegen der Ärztezunft  nachweisbare Erfolge erbracht wurden, stand die Hypnose weiterhin im Abseits des medizinischen Establishments.

James BraidJames Braid (1795-1860) war ein schottischer Chirurg, der in Manchester praktizierte.

Braid studierte an der Universität Edinburgh und wurde 1841 durch eine Demonstration des französischen – andere Quellen sagen des Schweizer – Magnetiseurs Charles Lafontaine auf den Magnetismus aufmerksam. Er prägte den Ausdruck Neurypnology (Neurohypnotismus) – später verkürzt zu Hypnose in Anlehnung an das griechische Wort für Schlaf hypnos. Im Original des Buches von 1843 ist entgegen anderslautender Informationen keine Rede vom Gott des Schlafes Hypnos. Zu einer Zeit, als in der medizinischen Anästhesie gerade die allerersten erfolgreichen Versuche durchgeführt wurden, war die Hypnose eine der wenigen Methoden zur Schmerzstillung bei Operationen. In Großbritannien wurde er nach seinem Tod 1860 kaum noch beachtet.

Milton EricksonMilton Erickson (1901-1980) hörte im Jahre 1923 in einer Vorlesung an der Universität Wisconsin von dem Psychologen Clark Hull über das Wesen der Hypnose. Erikson, Student der Psychologie, war von diesem Augenblick an gefesselt und das Thema Hypnose sollte ihn bis zu seinem Tode im Jahr 1980 nicht mehr loslassen.  Erickson entwickelt seine eigene Methode der Induktion und Therapie, welche sich durch die Sprache und Körperpräsenz von der alten Methode, der sogenannten klassischen Hypnose, unterschied. Große Anteile seiner Arbeit finden sich im NLP wieder.

Dave ElmanDave Elman (1900-1967)

Sein Interesse an der Hypnose erwachte, als Dave 8 Jahre alt war und sein Vater an Krebs litt.  Ein Bekannter der Familie behandelte seinen Vater mit Hypnose gegen die Schmerzen, verursacht durch den Krebs.  Da begann Dave Elman zu realisieren, was für unglaubliche Möglichkeiten in der Hypnose schlummerten. Elman würde ein Leben lang nie mehr vergessen, wie seinem Vater ohne die Unterstützung der modernen Medizin geholfen wurde.

Er entwickelt eine geniale Induktion mit dem es den Therapeuten gelang, Patienten innerhalb kurzer Zeit in einen sehr tiefen Zustand der Hypnose zu führen (Somnambulismus) und tiefgreifende Veränderungen zu bewirken. Dave Elman steht oft, völlig zu Unrecht jedoch, im Schatten Milton Erickson’s.  Im Gegenteil, Milton soll sogar einmal gesagt haben:  „Ich wünschte ich könnte das, was Elman kann.“

Was ist nun diese HYPNOSE? Zunächst können wir festhalten dass es sich um einen veränderten Bewusstseinszustand handelt. So wie der Schlaf sich vom Wachsein unterscheidet, stellt auch der Zustand der Hypnose einen weiteren Bewusstseinszustand dar.  Die amerikanische Definition über Hypnose ist das Umgehen des kritischen Faktors und das etablieren von akzeptierendem Denken.

Ein Zustand den jeder Mensch kurz vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen erfährt. Auch  eine lange Autobahnfahrt führt  immer wieder in einen Zustand der Trance. Jeder Mensch kann in Hypnose gehen, wenn er es möchte, somit ist auch jeder Mensch hypnotisierbar. In diesem Zustand hat der Therapeut nun Zugriff auf den „Zentralcomputer“ Unterbewusstsein und kann so direkt Einfluss nehmen  auf körperliche Vorgänge.

Was kann ich erreichen? Zunächst einmal ist eine große Domäne der Hypnose die Schmerztherapie.

Hier ist es möglich, den Patienten in einen Zustand der Analgesie zu versetzten, welcher über die eigentliche Hypnosesitzung hinaus anhält. Durch das Verankern eines posthypnotischen Befehls wird die Schmerzfreiheit über Tage bis Monate aufrechterhalten und kann jederzeit wiederholt werden. Es werden hierfür spezielle Techniken angewendet welche sich seit vielen Jahren in der Praxis bewährt haben.  Da der Bogen der Therapie sehr breit gespannt ist, hier ein paar wenige Beispiele für eine hypnotische Intervention in der therapeutische Praxis: Raucherentwöhnung, Gewichtsreduzierung, Allergien, Hauterkrankungen, Durchblutungsförderung sogar in genau definierten Arealen, Schmerztherapie, Unterstützung der Wundheilung, nach Frakturen, natürlich das gesamte Gebiet der Psychotherapie, uvm.

Hier einige Kasuistiken:

WarzenFrau Anna B. 38 Jahre alt, kommt in die Praxis da sie sich seit vielen Jahren mit Warzen an den Händen und Fingern herumplagt. Sie hat schon einige Behandlungen in vielen Jahren beim Dermatologen durchgeführt, mit nur kurzfristigem Erfolg. Nun ist der Leidensdruck besonders hoch da sie eine neue Stelle als Schmuck-  und Uhrenverkäuferin antritt. Sie ist motiviert, jedoch skeptisch ob Hypnose hier etwas bewirken kann. Nach 3 Behandlungen innerhalb von 4 Wochen ist Fr. B. hellauf begeistert, nur kleine dunkle Punkte zeugen noch  von einem seit langem bestehenden Problem. Sie ist überglücklich und zeigt dies auch durch kräftige Weiterempfehlung der Praxis in Ihrem Freundes-  und Bekanntenkreis.

Ulrike C. ist 29 Jahre und klagt seit mehreren Monaten über diffuse Beschwerden im rechten Handgelenk. Sie hat schon alle Orthopäden im Umkreis konsultiert, alle bildgebenden Verfahren zeigen einen altersgemässen Befund ohne Frakturen o.ä. Medikamente wie NSRA helfen kurzeitig, ebenso lokale Infiltration mit Cortison. Ein Chirurg schlug vor, doch einmal „reinzuschauen“, doch hierzu hatte Fr. C keine rechte Lust…
Sie kommt auf Empfehlung  und ist an dem Thema Hypnose sehr interessiert. Nach 2 Wochen ist der Schmerz um 90% gemildert, nach weiteren 2 Wochen kann Ulrike C. alle anfallenden Arbeiten schmerzfrei durchführen. Die Behandlung ist seit 3 Jahren abgeschlossen, seit dem sind keine weiteren Beschwerden am Handgelenk aufgetreten und alle weiteren Baustellen wurden und werden mit Hypnose angegangen.

Aktuell, während eines Ausbildungsseminares, stellte sich ein Besucher des Seminarhotels vor. Er hatte bemerkt das hier ein Hypnoseseminar stattfindet und seine Frau spricht mich an, ihr Mann leidet an  Schmerzen im rechten Oberschenkel. Ein vor 4 Tagen durchgeführtes MRT zeige einen Haarriss des Femur, die Tabletten schlagen ihm auf den Magen, ob ich helfen könne. Gesagt, getan und so wurde der Hotelgast als Proband der Gruppe vorgestellt  und behandelt. Er gab den Schmerz auf einer Skala von 0-10 mit 7 an. Nach ca. 20 Minuten konnte er sich deutlich besser bewegen und es war  „höchstens noch eine 3“ auf der Schmerzskala. Auch hier wurde der Bitte nach einer Visitenkarte gerne Folge geleistet.

Da ich persönlich ein kritischer Mensch bin, runzelte ich etwas die Stirn als ich auf einen amerikanischen Artikel aufmerksam wurde, wo eine Brustvergrößerung durch Hypnose beschrieben war. Das ich vieles mit Hypnose auf den rechten Weg bringen kann wusste ich ja schon, aber eine Brustvergrößerung? Also probieren geht über studieren und so habe ich mir die nötigen Unterlagen besorgt und ein kleine Studie mit 6 Frauen begonnen. Nach insgesamt 6 Monaten Dauer konnte ich folgende Ergebnisse vermerken: Brustumfang1Brustumfang2Der Brustumfang nahm im Mittel um 3 cm. zu, die Brust wurde runder und voller, einige der Damen freuten sich über neue BHs, andere über die Reaktion des Partners. Alle Ergebnisse wurden fotodokumentiert und vermessen. Wieder einmal  konnte ich nur staunen und dieser Therapieform höchsten Respekt entgegenbringen.

Zur Ausbildung:  Jeder kann diese wunderbare Therapie erlernen  und mit etwas Übung und gesundem Menschenverstand innerhalb kurzer Zeit beeindruckende Ergebnisse erzielen.

Solange es keine großen strukturellen Beschädigungen gibt, haben wir mit der Hypnose ein mächtiges Werkzeug zum Wohle unserer Patienten in der Hand.

Der Autor:

Heinz Kreher

Certf. Hypnotherapist NGH (USA)
Heilpraktiker & exam. Krankenpfleger
Dozent für Hypnosetherapie und Naturheilkunde

Im Ebing 15A
64367 Mühltal

www.hypnoseausbildungscenter.de

heinzkreher@hypnoseausbildungscenter.de

Alle Informationen über eine Hypnoseausbildung findest Du auf unserer Landsiedel Webseite.

Bildnachweis: Quelle Wikipedia