Vielen ist der Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ein Begriff. Noch mehr Leuten wird der Charakter „Willy Wonka“( im Film von Johnny Depp gespielt) etwas sagen, der verrückte Schokoladenfabrikbesitzer. Louis Barnett ist mittlerweile 19 Jahre jung und wird jetzt schon als „Willy Wonka der Neuzeit“ betitelt.

Seine Geschichte könnte ihren Ursprung in Hollywood finden und ist mit der Aussage „vom Tellerwäscher zum Millionär“ vergleichbar. Louis lebt in Kinver, Westengland. Im Jahre 2003 beginnt die Aschenputtel-Geschichte. Louis ist elf Jahre alt, ein süßer Junge mit kreisrundem Gesicht und vielen Sommersprossen. Er hat aber ein Problem: er versteht die Schriftzeichen in der Schule nicht. Sie ergeben für ihn keinen Sinn und erschweren sein Leben ungemein. Wenn er Buchstaben sieht, denkt er sich, was diese Hieroglyphen zu bedeuten haben. Louis leidet sehr, denn er wird in der Klasse verspottet und verliert die Lust an der Schule. Seine Eltern beschließen, ihn von der Schule zu nehmen und ihn Zuhause unterrichten zu lassen. Als sich ein Professor für Bildungspsychatrie mit Louis beschäftigt, findet dieser heraus, dass Louis an einer Mischung aus verschiedenen Störungen leidet: Legasthenie, eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses und Dyspraxie, eine Entwicklungsstörung der Koordination, werden diagnostiziert. Man kann keine dieser Störungen heilen, lediglich behandeln. Trotz Aussagen wie „Louis wird sein ganzes Leben lang kämpfen müssen und einen harten Alltag vor sich haben“ ist Louis froh. Nun kennt er die Ursachen für sein „Anderssein“ und weiß, dass er nicht dumm ist. Warum sollte man unglücklicher sein, nur weil man langsamer liest oder keinen Ball fangen kann? Zu diesem Zeitpunkt hat Louis noch keine Ahnung, was ihn alles erwarten wird. Er weiß noch nicht, dass er später zum jüngsten Supermarktkettenlieferant aller Zeiten werden wird.

Ganz am Anfang steht die Bitte seiner Tante Jane, ihr einen Kuchen zu backen. Louis geht in die Stadt und besorgt sich ein Buch über belgische Schokolade und Kuchen. Trotz des mühseligen Lesens macht er sich kurz darauf ans Werk. Das Ergebnis ist eine hervorragende Torte, die mehrere Bestellungen von Verwandten zur Folge hat. Die Küche der Mutter wird Louis‘ Lieblingsort.
Ein örtlicher Restaurantbesitzer ist von den Torten so begeistert, dass auch er eine für seine Gasstätte in Auftrag gibt. Es ist kurz vor Weihnachten und das Geschäft von Louis kommt so richtig ins Rollen. Für 22 Pfund das Stück, backt Louis 25 Torten für zwei Delikatessenläden und das Restaurant. Wie viele Zwölfjährige können von sich behaupten 550 Pfund zu verdienen?
Louis ist jetzt nicht nur bezüglich seines Lernverhaltens anders. Er führt auch ein ganz anderes Leben. Während andere Zwölfjährige draußen Fußball spielen, ihre ersten Erfahrungen in Sache Liebe machen und Streiche spielen, studiert Louis jedes auffindbare Schokoladenbuch. Dann steigt auf Pralinen um und gibt seiner kleinen Firma den Namen „Chokolit“, seine ganz persönliche Schreibweise von Chocolate.

Der junge Engländer lässt seinen geschmacklichen Fantasien freien Lauf: Resultate sind Mischungen mit Chili oder Limone. Eines Tages klingelte das Telefon und der Chefeinkäufer der größten britischen Supermarktkette, Waitrose, verlangt nach Louis. Nach zwei Jahren Geschäftserfahrung hatte Louis sich überlegt zu expandieren und hatte seine Pralinen an Supermarktketten geschickt, die mit deutschen Ketten wie Edeka zu vergleichen sind. Ein paar Tage nach dem Anruf macht sich das Auto aus der Enville Road 181a, Kinver, mit Louis und seinem Vater auf den Weg über die Autobahn M40 Richtung Bracknell im Süden. Am Zielort erwartet die beiden ein großes Geschäft, denn die Geschäftsleitung von Waitrose, sind von Louis‘ Schokolade und seinen selbstkreierten, aus Schokolade gefertigten und essbaren Verpackungen, begeistert.

Angeblich war die Schulleitung mit dem Schulabbruch einverstanden. In England gibt es nur eine Bildungspflicht, keine Schulpflicht. Daher konnte man die firmeninterne Weiterbildung von täglich anfallenden Tätigkeiten anerkennen. Dem lukrativen Vertragsabkommen mit Waitrose stand nichts mehr im Wege und aufgrund seines jungen Alters, waren die Verhandlungen zwischen Louis und der Geschäftsebene nicht ganz so hart. Die kleine Schokoladenfabrik zieht in die Garage der Familie um und Louis beschäftigt zwei Mitarbeiter, einer davon ist seine Mutter. 5000 Pralinen sollen die drei innerhalb von zwei Monaten produzieren. Um auch den Vorschriften nachzukommen, belegt Louis Kurse in Gesundheitsmanagement und beschafft gemeinsam mit seinem Vater alle benötigten Papiere. Ununterbrochen wird in der Garage gearbeitet, um den Liefervereinbarungen nachzukommen. Louis hat endlich etwas gefunden, in dem er richtig gut ist und Erfolge nachweisen kann. Tag und Nacht gingen ineinander über und Louis machte keine Pause, was auch sein Körper zu spüren bekam. Sein Übermut lässt ihn Sehnenscheidenentzündungen in Armen und Beinen ignorieren, wenn er heute seine Hand zu einer Faust ballt, knackst es wie bei einem alten Greis.

Einige Supermarktketten folgten und bestellten ebenfalls bei ihm. Louis ist der Schokoladen-Experte in der Familie und baut stets sein Wissen dazu aus: Barry Callebaut, der weltweit größte Schokoladenhersteller, bot Louis an, bei Schulungen seiner Schokoladenakademien teilzunehmen. Daher ist auch ausgeschlossen, dass Louis als Maskottchen für PR-Zwecke der Eltern diente.
Louis stößt an seine Grenzen, als er im Sommer über 2 Tonnen Schokolade verarbeitet. Aufgrund von Platzmangel, muss die Garagenproduktion in eine kleine Fabrik umgesiedelt und größere Maschinen angeschafft werden. Da er mit seinen 14 Jahren noch zu jung für Bankkredite ist, muss er die Firma auf seine Eltern überschreiben. Das Geschäft verschont ihn trotz seines jungen Alters nicht. Funktioniert man nicht so schnell wie einer der großen Lieferanten, weil man einfach nicht die nötigen Mittel besitzt, muss man für den kompletten Verkaufswert aufkommen. Auch Diskussionen innerhalb der Familie erleichtern die Prozesse nicht: „Mom, Dad und ich hatten oft drei verschiedene Meinungen. Wer am längsten streiten kann, der setzt sich dann durch.“

Hier möchten wir noch auf ein Video von Louis einfügen, in dem er über seine Arbeit und aktuelle Projekte spricht. Mach Dir also selbst ein Bild von einem der jüngsten Unternehmer, dem „Willy Wonka der Neuzeit“.