– ein Gastbeitrag von Axel Gnädinger

In unserem Sprachgebrauch sind Metaphern und metaphorische Ausdrücke fest verankert. Der ursprüngliche Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet Übertragung. Bekannte Sachverhalte werden in einen neuen Sinnbereich verschoben und machen diesen begreifbar.

Keiner hatte eine rosarote Brille auf, doch in Sachen Beziehung gelangten wir zu einer Weggabelung. Viele Paare stehen vor einer Mauer des Schweigens oder landen in einer Sackgasse, doch wir packten den Stier bei den Hörnern. Im Schneckentempo kauten wir die Knackpunkte unserer Liebe durch. Stunden später erschien die Lösung wie ein Streif am Himmel, da waren wir richtig geplättet. So etwas muss gefeiert werden. Im vegetarischen Restaurant nebenan war die Hölle los und nur mit einem Quäntchen Glück fanden wir einen freien Tisch, um den Bärenhunger zu stillen. Schwein gehabt, könnte man sagen.

MetaphernVon geläufigen metaphorischen Ausdrücken führt der Weg über Gleichnisse, Analogien und Geschichten hin zu Metaphern mit komplexem Aufbau und Inhalt. Die Metapher spricht für sich, ihre Bedeutung entfaltet sich fast automatisch beim Empfänger, und trotzdem verbleibt Interpretationsspielraum. Im NLP kommen die unterschiedlichsten Formen zum Einsatz, bis hin zu therapeutischen Metaphern und so genannten „Nested Loops“.

Wer darf Metaphern schreiben?

Kreativität ist Teil unseres Menschenscheins. Gedichte, Verse und Reime gedeihen im Kindergarten, im Altersheim und überall dazwischen. Zu einer Metapher ist es da nur ein kleiner Schritt. Wer diesen wagt, wird für seinen Mut belohnt, denn es ist:

– trainierbar
– eine Reise ins (eigene) Unbekannte
– ein Prozess der kreativen Schöpfungen
– eine Sache, die anderen Menschen helfen kann

Betrachten wir die Gesamtheit menschlicher Fähigkeiten und Begabungen als Goldmine, haben wir die leicht erkennbaren Nuggets seit unserer Jugend vom Boden aufgesammelt. Das war es, denken viele. Andere sind kühn, bohren in die Tiefe und finden den ein oder anderen Schatz. So mancher liegt nur knapp unter der Oberfläche.

Ich selbst habe mich auf die Suche begeben. Kindern Mut zu machen war Inspiration für Metapher eins und zwei. Metapher drei kam mir bei einem NLP Seminar in den Sinn.
Gefallen sie Euch? Ich würde mich darüber freuen. Bitte denkt daran, ihr könnt das auch!

Wie die große Giraffe und die kleine Wüstenmaus Freunde wurden

Giraffe Gira war hungrig und so lief sie unruhig mit ihren langen Beinen unter den Bäumen umher. Endlich kamen ihre Lieblingsfrüchte zwischen den Blättern zum Vorschein. „Lecker riechen die“, sagte sie, und streckte vorsichtig ihren langen Hals durch die Äste nach oben. „Und ich, was ist mit mir“, tönte eine leise Stimme von weit unten. Da war sie schon wieder, die kleine Wüstenmaus. Flink und meistens hungrig folgte sie der Giraffe. „Nicht mal in Ruhe frühstücken ist erlaubt, ich werde dieser frechen Maus keine einzige Frucht abgeben“, brummelte Gira.

„Ich bin groß, ich bin bedeutend, mich übersieht niemand“, rief sie anschließend nach unten. Dann zog sie ihre Giraffennase ein Stücken höher. Beim Knabbern an den vielen Früchten fielen einige herunter, sie würde sie später essen. Plötzlich bemerkte Gira ein Rudel Löwen in der Umgebung. Für eine Flucht war es zu spät und so versuchte sie, sich hinter dem großen Baumstamm zu verstecken. Die Löwen kamen bedrohlich näher und hielten ihre Nasen in den Wind. Gira machte sich so klein, wie es einer Giraffe eben möglich ist, stand mucksmäuschenstill, regungslos, wagte es vor Furcht kaum, zu atmen. „Ich bin groß, ich bin bedeutend, mich übersieht niemand“, rief es von unten. Gira lief es eiskalt den langen Giraffenrücken hinunter. „Halt deinen kleinen frechen Mäusemund, sonst sehen sie mich“, rief sie leise. Hatten die Löwen etwas bemerkt? Viele der großen pelzigen Löwenohren drehten sich in Richtung der Geräusche. „Gleich werde ich entdeckt und aufgefressen“, seufzte Gira und schloss vor Furcht die Augen, bis Sie ein Lachen hörte. Die wendige Wüstenmaus war zu den Löwen gerannt. Doch bevor diese reagierten, verschwand sie direkt zwischen ihren riesigen Pfoten in einem Mauseloch. „Schade, das wäre ein Festmahl gewesen“, sagte grinsend einer der Löwen. „Höchstens ein kleiner Nachtisch“, meinte ein anderer, dann lief das ganze Rudel lachend weiter. Gira zitterte vor Angst und es mangelte ihr an Kraft, sich erneut zu den Früchten in der Höhe ausstrecken. Dann esse ich eben den Rest vom Boden, kam es ihr in den Sinn. Doch je tiefer sich ihr langer Hals nach unten beugte, desto größer wurden die Augen. „Alles weg, keine Frucht mehr da, was ist passiert?“ „Erst werde ich fast gefressen, dann habe ich selbst nichts zu fressen“. Eine große Giraffenträhne kullerte auf den sandigen Untergrund.
„Ich bin klein und unbedeutend, mich sieht niemand und deshalb kann ich Sachen machen, die andere nicht können“ sang die Wüstenmaus und krabbelte aus ihrem Mauseloch. Dabei zauberte sie die versteckten Früchte wieder hervor. Lachend genossen sie das gemeinsame Frühstück.

Teresa die Knotenspinne

Teresa lief gemütlich über den Waldboden, da bemerkte sie einen dunklen Schatten über sich. Es war ein großer hungrige Vogel, der bedrohlich seinen langen Schnabel öffnete.
Spinnchen Teresa rannte um ihr Leben, sprang so schnell wie nur möglich über Blätter Äste und Steine hinweg. Dann geschah es, die vielen Beinchen kamen durcheinander und sie fiel hin. Im letzten Moment wurde sie von zwei älteren Spinnen in eine sichere Felsspalte gezogen. „Uns wäre das nicht passiert, du kleine Stolperspinne“, sagte die eine. „Dürfen wir ab jetzt Knotenspinnchen zu ihr sagen?“, meinte die andere, seufzte und verdrehte ihre vielen Spinnenaugen in alle Richtungen. Nachdem der hungrige Vogel davon flog, schlich Teresa nachhause. Schnell und traurig schlief sie im elterlichen Spinnennetz ein.
In der Nacht träumte sie lebhaft. Ihre Beinchen hatten Stimmen bekommen und redeten mit Teresa. Ich kann jeden Waldboden unterschieden, sagte Beinchen 1. Nutz meine Kraft zum Klettern, rief Beinchen 5 und Beinchen 3 war stolz, selbst in die kleinste Felsspalte greifen zu können. Lerne uns besser kennen, sagten sie zu ihr. Freunde dich mit unseren Fähigkeiten an und aus dir wird eine tolle Spinne.
Teresa erzählte am nächsten Morgen den anderen Spinnen, ob groß oder klein, ihren Traum, doch niemand konnte etwas damit anfangen. Beinchen sind Beinchen, sagten viele. Bei uns sind alle gleich, da springt doch keines aus der Reihe.
Teresa fühlte sich sehr unglücklich, war sie womöglich die einzige Spinne mit solchen Träumen? Was habe ich schon zu verlieren, dachte sie sich und entschied sich, es einfach auszuprobieren. Ab sofort achtete sie auf jedes Beinchen und was dieses am besten konnte. Und tatsächlich, alle hatten besondere Fähigkeiten, wie klettern, kräftig zupacken, fühlen, rennen. Jedes freute sich, denn es bekam Aufmerksamkeit und wurde immer besser. So wuchs Teresa zu einer der schnellsten und geschicktesten Spinnen der Umgebung heran. Und wenn sie unterwegs eine kleine Spinne entdeckte, die stolperte, sagte sie, „komm, ich erzähle Dir eine kleine Geschichte.“

Eva und der Biker

Herausforderungen als NLP-Coachin zogen Eva magisch an und so freute Sie sich auf Achim, den Ehemann der Freundin einer Freundin. Ein netter Zeitgenosse, jemand dem man gerne den Hausschlüssel im Urlaub überlässt.
Sein einziger Makel trug den Namen „Die Kleine“, und damit war nicht seine Ehefrau Julia gemeint. Nein, es ging um ein über 80 PS starkes Harley-Davidson Motorrad, den Dreh und Angelpunkt von Achims Leben. Geld, Wetter, Freizeit und Befinden, alles hatte mit diesem Schatz auf 2 Rädern zu tun. Achims Ehe befand sich konstant in der zweiten Reihe, quasi als Ersatzprogramm für schlechtes Motorradwetter. „Die Kleine“ oder Julia, das wurde mehr und mehr die entscheidende Frage und so kam Eva ins Spiel.

Ein erster Coachingtermin war schnell vereinbart, doch 15 Minuten vor Beginn sagte Achim ab, es wäre ihm etwas unheimlich Wichtiges dazwischengekommen. Eva war verärgert und forderte zumindest eine Begründung.

„Ok“, sagte er am Telefon: „ ich erklär Dir das gerne.“

„Du hast ein Motorrad und alles funktioniert täglich einwandfrei.“
„Dann tauchen kleine Probleme auf, es läuft nicht mehr rund.“
„Du kennst die Ursache nicht, fühlst aber, da ist Sand im Getriebe.“ „OK, Du könntest trotzdem weitermachen.“ „Aber wenn Du Pech hast, geht plötzlich nichts mehr und es droht ein riesengroßer Schaden.“ „Im schlimmsten Fall gibt es weder Ersatzteile noch Spezialisten, die den Originalzustand wieder herstellen.“
„Deshalb muss man in solchen Momenten alles andere zurückstellen und sich nur um das bestehende Problem kümmern, bis alles wieder richtig läuft.“
Eva war klar, er lässt sich nicht umstimmen.

Zwei Wochen später, das Motorrad lief wieder einwandfrei, kam es dank Regenwetter doch zum ersten Termin. Kurz etwas Smalltalk dann lenkte Eva auf das Thema Familie über, was Achim überhaupt nicht gefiel. Er würde gerne über alles reden, nur nicht darüber. Eva hatte so eine Reaktion eingeplant. Sie senkte den Blick, schlug kurz mit der flachen Hand auf die Tischplatte und sagte mit etwas tieferer Stimme:
„Ok, ich erklär Dir jetzt, warum wir das heute machen.“

„Du hast eine Familie und alles funktioniert täglich einwandfrei.“
„Dann tauchen kleine Probleme auf, es läuft nicht mehr rund.“
„Du kennst die Ursache nicht, fühlst aber, da ist Sand im Getriebe. OK, Du könntest trotzdem weitermachen.“
„Aber wenn Du Pech hast, geht plötzlich nichts mehr und es droht ein riesengroßer Schaden.“ „Im schlimmsten Fall gibt es weder Ersatzteile noch Spezialisten, die den Originalzustand wieder herstellen.“
„Deshalb muss man in solchen Momenten alles andere zurückstellen und sich nur um das bestehende Problem kümmern, bis alles wieder richtig läuft.“

Es folgte eine Schweigeminute, dann sagte Achim: „Ja, Du hast Recht.“

Über den Autor

Axel Gnädinger lebt in der Nähe von Freiburg im Breisgau und betreibt die Seite www.heilberufeschutz.de. Er macht gerade eine NLP-Ausbildung bei uns und ist aktives Mitglied in unserem Fan-Club.