Welche methodischen Fehler gibt es bei NLP-Studien?

NLP-StudienZusammenfassung
Diese Frage haben sich Eric Einspruch und Bruce Forman im Jahre 1985 gestellt. In ihrer Metaanalyse von allen bis 1984 bekannt gewordenen NLP-Studien (insgesamt 39) erkannten sie 6 Kategorien von Fehlern. Wobei wir uns mit 3 davon näher beschäftigen werden.
1. Fehlendes NLP-Verständnis bei der Durchführung einer Studie
2. Kein oder kaum Wissen über das Meta-Modell des NLP
3. Unzureichendes Interview Training bzw. falsches Verständnis von Rapport.

Methodische Fehler in NLP-Studien
1. Fehlendes NLP Verständnis
Viele NLP-Studien im Bereich „Augenzugangshinweise“ und „Primäres Repräsentationssystem erkennen/matchen“ machten den Fehler, keine Kalibrierung zu verwenden. So warb z.B. Gumm et al. (1982) in seiner Studie nur Rechtshänder an, da er glaubte bei allen Rechtshändern dieselben Augenzugangshinweise vorzufinden.
Im Bereich der Repräsentationssysteme ist wichtig zu wissen, dass diese auch kontextuell bedingt sind. D.h. Es macht einen Unterschied ob man in einem Raum eingesperrt Fragen erhält, die man beantworten soll, oder ob man sich draußen frei mit jemanden unterhält (interne vs. externe Validität). Diese und ähnliche Fehler sind u.a. zu finden in Beale (1981), Cole-Hitchcock (1980), Fromme & Daniell (1984) und in vielen weiteren.
Die Theorie der Augenzugangshinweise besagt, dass jemand, der z.B. nach oben schaut, einen leichteren visuellen Zugang hat. Überprüft wurde dies in nahezu allen Studien, indem jemand gefragt wurde: „Stellen Sie sich doch bitte mal ein Haus vor.“ Die Annahme ist, dass jemand dabei automatisch in den visuellen Modus geht. Dies wird aber im NLP-Modell gar nicht behauptet. Die Studien überprüfen damit etwas, was nie gesagt wurde. Hierzu gibt es noch viel mehr zu schreiben. Wir werden uns dem Problem in einem eigenen Blog-Artikel widmen, da die Augenzugangsstudien maßgeblich verwendet worden sind un immer noch werden, um damit NLP als widerlegt darzustellen. Tatsächlich nimmt dieses Modell nur einen kleinen Raum im Rahmen einer NLP-Ausbildung ein.

2. Ignorieren des Meta-Modells
Das Meta-Modell dient u.a. dazu in die Welt eines anderen einzusteigen. Fragebögen strotzen nur so von Meta-Modell Verletzungen. Z.B. Verwendete Ellickson (1983) in ihren Fragebögen die Nominalisierungen Empathie (empathy), Leichtigkeit (ease), Angst (anxiety) und Feindseligkeit (hostility) um zu erkennen, wie viel das matchen des jeweiligen primären Repräsentationssystem nützt, ohne jedoch zu hinterfragen was für die jeweiligen Probanden Empathie bedeutet. Für den einen könnte es z.B. bedeuten, dass jemand erkennt, dass es mir schlecht geht, für jemand anderen bedeutet es zusätzlich noch, dass dieser dann auf mich eingeht und mir das Gefühl gibt wertvoll zu sein.

3. Unzureichendes Interview Training in den NLP-Studien
In vielen Studien wurden Interviewer – meist Studenten – nicht oder nur unzureichend trainiert. So verwendeten Dowd und Hingst’s (1983) in ihrer Studie ein 4 x 90 Minuten Training für Studenten die anschließend Augenmuster, etc. erkennen sollen um anschließend Rapport herzustellen. Um aber eine „Meisterschaft“ im Rapport herstellen zu gewinnen, ist sehr viel mehr Training notwendig. (Tatsächlich ist es so, dass in einem NLP-Master Kurs das Thema Rapport – u.a. durch das Thema Meta-Programme – nochmal vertieft wird und hier handelt es sich um Leute die schon mindestens 18 Tage NLP Erfahrung haben.)

Diskussion
Alles in allem finden sich in fast allen Studien methodische Fehler (auch in PRO-NLP Studien!), ein paar davon sind aber fatal. In vielen Untersuchungen wird eine Methode oder Idee herausgenommen und isoliert betrachtet. Nun verhält es sich aber bei manchen Methoden oft wie mit einem 2-Komponenten Kleber. Untersucht man die eine Komponente kommt man zu der Erkenntnis, der Kleber klebt nicht. Das selbe Resultat zeigt sich wenn man die 2. Komponente isoliert betrachtet. Beide Komponenten zusammen betrachtet (z.B. Reframing und Rapport) ergeben jedoch einen gut funktionierenden Klebstoff.

Quelle
Einspruch, E., L., Forman , F., D. (1985). Observations Concerning Research Literature on Neuro- Linguistic Programming . Journal of Counseling Psychology , Vol 32, No. 4, S. 589-596

Beale, R.P. (1981). The testing of a model for the representation of consciousness. Doctoral dissertation, Fielding Institute.
Cole-Hitchcock, S. (1980). A determination of the extent to which a predominant representational system can be identified through written and verbal communication and eye scanning patterns. Doctoral dissertation, Baylor University
Dowd, E., & Hingst, A. {1983). Matching therapists‘ predicates: An in vivo test of effectiveness. Perceptual and Motor Skills, 57, S. 207-210.
Ellickson, J. (1983). Representational systems and eye movements in an interview. Journal of Counseling Psychology, 30, S. 339-345.
Fromme, D. K., & Daniell, J. (1984). Neurolinguistic programming examined: Imagery, sensory mode, and communication. Journal of Counseling Psychology, 31, S. 387-390.
Gumm, W., Walker, M., & Day, H. (1982). Neurolinguistic programming: Method or myth? Journal of Counseling Psychology, 29, S. 327-330.