Gerade ist das fünftägige Modelling-Seminar mit Ralf Stumpf hier bei uns in der Villa Landsiedel in Kitzingen zu Ende gegangen. Das Seminar hat mich zutiefst inspiriert. Wie oft habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, in welche Richtung sich NLP wohl weiter entwickeln wird. Jetzt ist es völlig klar. Ralf hat mir das fehlende Puzzle-Teil geliefert, um ein neues Gesamtbild zu sehen. Ich möchte dieses Gesamtbild hier verbunden mit einigen Aussagen aus dem Seminar kurz oberflächlich skizzieren.

NLP
NLP ist vor fast 50 Jahren von Richard Bandler, John Grinder, Frank Pucelik und noch anderen auf der Basis des Neurolinguistischen Trainings (NLT) entwickelt worden. Ansatz war die Auseinandersetzung mit der Arbeit von einigen therapeutischen Zauberern wie Virginia Satir, Fritz Perls und Dr. Milton Erickson. Mit Hilfe des Modelling-Ansatzes wurden deren Vorgehensweisen und Strategien ans Licht gebracht und konnten bewusst beschrieben werden. Später entwickelte Robert Dilts – inspiriert von den Logischen Ebenen des Lernens von Gregory Bateson – das Modell der Logischen Ebenen im NLP. Dabei werden Veränderungsprozesse auf den Ebenen Kontext, Verhalten, Fähigkeiten/Strategie, Glaubenssätze/Werte, Identität/Selbstkonzept, Beziehungen und Zugehörigkeit beschrieben. Im Lichte dieses Modells fällt auf, dass die frühen Modelling-Projekt sich sehr oft auf die unteren Ebenen Verhalten und Fähigkeiten bezogen haben. Daher auch oft der Eindruck, wenn man die alten Vorgehensweisen studiert, dass NLP sehr technisch sei. Dies veränderte sich zusehends durch den Einfluss von Robert Dilts, so dass Glaubenssysteme, Identität und Spiritualität im NLP mehr in den Fokus gelangten.

Richard Bandler sagte vor einiger Zeit, dass es heute keinen Grund mehr gäbe, ein 6-Step-Reframing zu machen. Ich konnte diesen Satz lange nicht nachvollziehen. Das 6-Step-Reframing ist eine hoch effektive Technik, die häufiger angewendet, zu einem völlig neuen Erleben der eigenen Wirklichkeit führt. Konkret bewirkt das Modell eine Versöhnung mit den eigenen inneren Anteilen und eine konstruktive Umgehensweise mit bisher „hinderlichen“ Anteilen. In diesen Tagen habe ich mit Ralf Stumpf darüber gesprochen und er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Bandlers 6-Step in Feinheiten von seinem und meinem abweicht. Wir führen den 6-Step auf einer höheren logischen Ebene durch und deshalb erfüllt er sogar einen viel nachhaltigeren Zweck als der ursprüngliche 6-Step in der Version von Bandler. Faszinierend! Der Six-Step lebte, wurde für tot erklärt und wurde mit einer neuen „Identität“ wieder geboren.

Ralf StumpfDas „neue“ NLP, das Ralf beschreibt, besteht aus Vokabeln der Veränderung. Formate sind nur Mittel, um bestimmte Veränderungsideen leichter zu erlernen und bei sich selbst zu installieren. Tatsächlich können einzelne Elemente des NLP in unendlicher Vielfalt miteinander kombiniert und verändert werden. Durch die Hinzunahme weiterer neuerer Modelle entwickelt sich NLP rasant weiter, wenn man in der Lage ist, diese Sprache zu sprechen und das Neue auch zu integrieren. Leider sind in den letzten Jahren nur sehr wenige der herausragenden zeitgenössischen Therapie-Zauberer modelliert worden. Die allermeisten NLP-Trainer begnügen sich damit, die alten Formate selbst zu lernen und dann an ihre Schüler weiter zu vermitteln. Bestenfalls entwickeln sie Varianten der bestehenden Formate. Das ist in etwa so als würde man aus einem Englisch-Buch Sätze auswendig lernen, um sie dann eins zu eins bei einem Besuch in London anzuwenden. Wenn man dann mal einen anderen Satz bräuchte, ist man nicht in der Lage ihn korrekt zu formulieren.

Der „neue“ NLPler beherrscht den Prozess des Entwickeln von neuen Formaten mitten im Prozess. Er versteht es, herausragende Leistungen oder Fähigkeiten von Modellen, zu übersetzen und bei sich selbst und anderen Menschen zu installieren. NLP liefert hierzu ein ganz hervorragendes Gerüst. Damit kann jeder – vor allem auch internale – Prozesse beschreiben und installieren. Aus meiner Sicht ist es Ralfs begnadete Stärke, aus verbalen und nonverbalen Signalen eines Modells, Übungen und Storys zu machen, mit denen andere diese Strategien bei sich installieren können. Er hat beispielsweise aus einem 15 Minuten Interview mit mir 10 Übungen konzipiert und so einen großen Teil meiner Erfolgsstrategie in kurzer Zeit gelernt.

Im Seminar haben wir als eine Vorübung damit begonnen, bestehende Formate in Varianten durchzuführen, z.B. zahlreiche Versionen des 6-Steps oder Anker-Verschmelzen. Dann fingen wir an diverse Formate miteinander zu kombinieren. Eine spektakuläre Übung für viele Teilnehmer war es, selbst ein Format zu werden und in dieser Vorstellung Fragen zu beantworten, z.B. als Siggi Six-Step oder als Diana Diamond. Dann wurden Formate durch die Graves Ebenen geführt. Die Fragestellung dabei ist: Wie würde das Format X auf welcher Graves Ebene aussehen? Nachdem Ralf die Biographiearbeit nach Dietmar Friedmann eingeführt hatte, konnten wir unterschiedlichen Typen (in dem Modell: Handlungstyp, Beziehungstyp und Erkenntnistyp) unterschiedliche optimale Behandlungsansätze zu weisen, die diesen Typen mehr liegen als andere. Für bestimmte Typen sind einfach bestimmte Methoden besser. Das ist für mich ganz klar der Schritt in Richtung der integralen Ansätzen nach Ken Wilber. Schließlich ging es an die Neukonstruktion von Formaten. Die Teilnehmer entwickelten eigene NLP-Formate. Ein schönes sinngemäßes Zitat von Ralfs verstorbenen Freund Klaus Marwitz war: „Das Tolle am NLP ist, dass wir damit die ganzen Übungen, die bisher nicht funktioniert haben, wirkungsvoll machen können.“ und ein weiteres Zitat von Ralf: „Bei einem schlechten Therapeuten muss der Klient am Anfang die Methode des Therapeuten lernen. Bei einem guten Therapeut passt der Therapeut die Methode an den Klienten an.“

Ein sehr schöner Aspekt ist mir in diesen fünf Tagen ebenfalls erneut wieder ganz stark in mein Bewusstsein gedrängt worden. NLP ist nicht nur ein Therapie- oder Coachingwerkzeug. Diese Formate, Techniken, Denkansätze sind hervorragend dazu geeignet, um sie bei sich selbst im Alltag anzuwenden. NLP ist eine Methode, die darauf abzielt, dass wir die Ergebnisse erreichen, die wir uns wünschen. Wenn irgendjemand eine großartige Strategie hat, kann ich diese von ihm lernen und in der Regel auch selbst erfolgreich anwenden. Es braucht dafür keine Störung oder ein Defizit. Ganz im Sinne der Positiven Psychologie lässt sich auch gutes oder durchschnittliches noch weiter optimieren. Mein Motto: „NLP ist Psychologie für Gesunde“ kann also voll bestätigt werden.

Über das eigentliche Hauptthema des Seminars „Modelling“ möchte ich an dieser Stelle gar nicht viel sagen, nur ein Zitat von Ralf: „Das Coole am Modelling ist, dass man Geld dafür bekommt, dass man tolle Leute ausfragt (über Dinge, die einen selbst brennend interessieren).“

Seit dem dritten Tag des Seminars denke ich ernsthaft darüber nach, dass wir eine NLP Master Class ins Leben rufen, d.h. eine Ausbildung die auf dem Master aufbaut, in der es darum geht, NLP – die Sprache der Veränderung – weiter zu entwickeln, die aktuellen Zauberer zu modellieren und die Fähigkeit zu erlernen, spielend leicht neue NLP-Techniken zu entwickeln. Dadurch würde NLP weiter zu einem Meta-Ansatz werden, der im Sinne eines integralen Ansatzes, viele weitere Modelle in sich integriert. Interesse? Lust dabei zu sein und NLP auf einem noch viel tieferen Level als bisher zu beherrschen?