Zukunftsprojektion
Bei einer Zukunftsprojektion begleitest Du einen Menschen in einen Zeitpunkt, an dem sein Anliegen bereits gelöst ist. Von dort aus schaut er zurück und berichtet, was ihm geholfen hat. Nicht "was könnte helfen", sondern "was hat geholfen". Diese grammatikalische Verschiebung in die Vergangenheitsform macht den Kern der Technik aus.
Milton H. Erickson hat das Vorgehen 1954 unter dem Namen "Pseudoorientierung in der Zeit" beschrieben. Sein Punkt: Der Klient erlebt die eigenen Lösungsideen nicht als Wunschdenken, sondern als Bericht. Zwischen dem, der die Idee produziert, und dem, der sie hört, entsteht eine kleine Distanz. Innere Einwände springen dadurch gar nicht erst an.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Zukunftsprojektion wird häufig mit vier anderen Begriffen vermischt:
- Zeitprogression ist der Oberbegriff für jede Bewegung der Aufmerksamkeit nach vorne in der Zeit.
- Zeitregression führt in die Gegenrichtung, zurück zu einem früheren Erleben.
- Future Pace stammt aus dem NLP und ist ein mentaler Probedurchlauf am Ende einer Veränderungsarbeit. Er prüft, ob das Neue hält. Eine Zukunftsprojektion nach Erickson steht dagegen am Anfang und erzeugt den Inhalt überhaupt erst.
- Die Wunderfrage der lösungsorientierten Kurzzeittherapie beruht auf demselben Gedanken, kommt aber ohne formale Trance aus. Steve de Shazer hat sie aus Ericksons Technik entwickelt.
Anwendung
Der Ablauf hat fünf Schritte: Anliegen konkret machen, einen Zeitpunkt setzen, in die Zukunft begleiten, die Rückschau erfragen, zurückkommen und einen ersten Schritt festhalten. Der vierte Schritt ist der wirksame. Was der Klient dort berichtet, wird nicht kommentiert und nicht verbessert.
Die Forschung zum episodischen Zukunftsdenken zeigt, dass das lebhafte Vorstellen eines konkreten künftigen Moments Entscheidungen messbar weitsichtiger macht. Der Effekt fällt größer aus, wenn die Szene positiv, lebhaft und inhaltlich passend ist.
Ausführlich beschrieben im Artikel Zukunftsprojektion in der Hypnose.
Siehe auch
- Hypnose-Lexikon — Hypnose-Lexikon
- Erickson & Rossi "Hypnose" - Induktion (Buchrezension)
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.
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