Die Zeitmaschine – Teil I: Einführung

Lisa LakeitDie Zeitmaschine ist ein Coachingtool von Martin Hagen und Eberhard Hauser, das Entscheidungsfindungen erleichtern soll. Außerdem soll es dabei helfen, Handlungsoptionen aus einer zukünftigen Perspektive zu entdecken.
Wenn sich ein Coachee in einer „Sackgasse“ befindet, bei einem bestimmten Handlungsthema in einem Zwiespalt steckt oder eine sehr schwierige Entscheidung treffen muss, so ist dieses Tool ein gutes Hilfsmittel. Des Weiteren dient dieses Werkzeug dazu, eigene Werte zu überprüfen und typische Lebens- und Verhaltensmuster zu identifizieren.

Dieses Coachingtool soll dem Klienten neue Handlungsimpulse bei schwierigen  Entscheidungen fürs Leben vermitteln. Der Klient soll dabei auf die Vergangenheit zurückblicken und sich seine neue Zukunft vorstellen. Wird das Tool richtig angewandt, so wird der Klient neue Sichtweisen für schwierige Entscheidungen oder Situationen entdecken. Die Sackgasse, in der sich der Coachee noch kurz zuvor befand wird geöffnet und gleichzeitig noch weitere Blockaden abgebaut. Die eigene Inspiration, die oft von inneren und äußeren Zweifeln gebremst wurde, kann so reiner und bezeichnender wahrgenommen werden.

Ein Beispiel aus der Praxis:
Katharina ist eine junge Frau, die soeben ihr Studium abgeschlossen hat. Da sie die Beste ihres Jahrgangs war, wird ihr eine erfolgsversprechende Position im Ausland angeboten. Katharina hat aber vor einem Jahr ihren Lebenspartner kennen gelernt, mit dem sie schon seit einiger Zeit plant, eine Familie zu gründen. Nun steht sie vor der Entscheidung eine Karriere aufzubauen oder ihren größten Wunsch zu erfüllen, eine Familie zu gründen. Sie weiß zwar, dass ihr Lebenspartner sie in jeder Hinsicht unterstützen und begleiten würde, ist sich aber nicht sicher, ob sie sich Familie und Karriere gleichzeitig zutraut und ihrem Freund zumuten möchte. Katharina macht sich Gedanken, wo sie sich in ihrem Leben befindet und wo ihr Platz in diesem Lebensabschnitt ist.
Die junge Frau steht vor einem Entscheidung-Dilemma, zu dem sie selbst nach vielen ausführlichen Gesprächen mit anderen keine Lösung findet. Selbst mit geistigen Entscheidungsmethoden und unterschiedlichen Ansätzen kam sie zu keinem Entschluss. Hektik prägte die erste Phase dieses Coaching-Prozesses, denn Katharina sprach immer sehr schnell und arbeitete die Pro- und Contra-Argumente ohne wahrliche Beteiligung ab. Ihr wurde schnell deutlich, dass sie ihre Frage so nicht klären würde.
Der Coach schlug vor, das Ganze in einen anderen Rahmen zu setzen. Er ließ Katharina mit der Zeitmaschine in das Jahr 2032 reisen, ein Stuhl, der ihren Standpunkt zu dieser Zeit verkörpern sollte, half dabei. Auf diesem Stuhl sollte sie sich neu orientieren und in das Jahr 2032 hineinversetzen: Katharina sieht sich als ältere Frau, dessen jüngstes Kind schon längst erwachsen ist. Auf einige wichtige Lebensstationen zurückblickend, erzählt sie ihren Kindern, was in ihrem Leben von großer Bedeutung war. Außerdem erzählt sie ihren Kindern, worauf sie stolz ist und welche Aspekte ihr in der Erziehung besonders wichtig waren. Während sie das alles dem Coach erzählt, entdeckt sie für sich eine Stimme, die sie als die „Stimme der weisen Frau“ bezeichnet.
Der Coach holte die Frau zurück. Zurückgekommen in der Gegenwart, wurde Katharina klar, dass sie sich die Frage soeben selbst beantwortet hatte. Sie wollte den Schritt wagen und die ihr angebotene Karrierechance nutzen. Schließlich bekommt man nicht alle Tage ein solches Angebot und außerdem hat sie auch nicht so viel in ihr Studium investiert, um jetzt keinen Nutzen davon zu haben. Wenn nötig, würde sie ihrem Lebenspartner einen Umzug ins Ausland und eine schwierige Anfangsphase zumuten müssen, denn: sie wollte ihren Kindern mehr als Liebe und Fürsorge bieten können. Katharina möchte ihren Kindern einmal ein Vorbild sein. Sie möchte, dass sie ihre Kinder stolz macht, indem sie Beruf und Familie auf einen Nenner gebracht hat.
Kurz darauf hat Katharina das vielversprechende Angebot angenommen. Sie und ihr Freund sind nach Schweden umgezogen. In ihrem Beruf läuft alles perfekt, selbst der Arbeitgeber unterstützt sie in ihrer Familienplanung und bietet ihr einen Platz für ihr erwartetes Kind in der Kinderkrippe des Unternehmens an. Ihr Lebenspartner hat sich auch gut eingelebt und macht ihr kurz vor der Geburt einen Heiratsantrag. Katharina ist froh, so gehandelt zu haben und freut sich auf die Zukunft als Familie.

Eine fundamentale Annahme der systemischen Ansätze besagt, dass eine bestimmte Konstruktion von Vorstellungen, Gedanken und Werten die Basis für das menschliche Handeln sind. Aus verschiedenen Bausteinen „baut“ man sich im Inneren ein in sich stimmiges Bild, eine innere Landkarte der Realität. Der Vorteil daraus ist der, dass man in vielen Situationen schnell handlungsfähig ist. Die Gleichstellung von voreingenommener und unvoreingenommener Realität zeigt sich bei komplizierten Entscheidungssituationen jedoch oft als Nachteil.

Für dieses Tool ist die wichtigste Voraussetzung ein empathischer Coach, der sich neutral in das Leben und die Gedanken seines Coachees einfühlen kann. Ansonsten müssen lediglich genug Stühle vorhanden sein und der Coach sollte eine Flip-Chart, sowie Schreibzeug bereithalten. Was für den Coach von Vorteil sein kann, sind Kenntnisse aus der gestalttherapeutischen Stuhlarbeit, ansonsten zählen keine anderen Kenntnisse zu den Voraussetzung, dieses Coachingtool zu benutzen.

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