Die Zeitmaschine – Teil II: Der Ablauf

Lisa Lakeit1. Phase: Vordergrund
Man sollte als erstes die Problematik des Coachees herausarbeiten und diese in eine sachlich strukturierte Frage zusammenfassen. Für die Wahl der „Zeitmaschine“ gibt es zwei wichtige Kriterien:
- Das Verlangen nach einer Entscheidung ist vorhanden – der Klient befindet sich in einer „Sackgasse“
- Normen und Werte scheinen wichtig zu sein

2. Phase: Hintergrund
Der Coach trifft während des Coachings oft auf tiefere Lebensthemen. Ein Aufeinandertreffen konkurrierender Werte ist unvermeidbar, der Klient wird von inneren Konflikten beeinträchtigt. Was steht hinter der Frage, die in Phase eins formuliert wurde?
Bei Katharina ging es hauptsächlich um die Frage, ob sie sich zunächst für Beruf oder Familie entscheiden soll. Im Hintergrund kamen auch noch andere Fragen auf: Habe ich ein so erfolgreiches Studium absolviert, um es jetzt nicht zu nutzen? Ist der Familienwunsch größer, wie zu zeigen, was ich kann und mich zu beweisen? Möchte ich vielleicht auch als Beispiel für andere junge Frauen vorangehen und zeigen, dass beides zu schaffen ist? Welche Wünsche darf ich als junge Frau an die Welt und meine persönliche Entwicklung stellen?
In dieser zweiten Phase werden alle aufkommenden Fragen auf einem Flipchart gesammelt. Oft entstehen von allein bestimmte Unterkategorien der Themen. Man spricht daher auch eher von einer „Mind Map“ und weniger von einer strukturierten Themenliste. Dieser „Mind Map“ liegt das Ziel zugrunde, sich der Vielschichtigkeit der Thematik bewusst zu werden und den Rahmen für die nächsten Phasen festzulegen.

3. Phase: Aktivierung der Zeitmaschine
Man lädt den Coachee auf eine kleine Abenteuerreise ein. Da die Coachees schon vieles ausprobiert haben, jedoch ohne Erfolg, sind sie zumeist bereit, sich auf dieses kleine Experiment einzulassen. Man erklärt dem Coachee auf eine individuelle Art und Weise, wie das Ganze abläuft: mal zielorientiert („Lassen Sie uns gemeinsam auf die Spur der Zusammenhänge gehen und schauen, wie das Thema von anderen Blickwinkeln betrachtet aussieht“), mal gestellt („Begleiten Sie mich in die Zeitmaschine, Sie sind herzlich willkommen…“).

4. Phase: Definition von Zeitpunkten
Erfahrungen zeigen, dass die Betrachtung aus maximal drei Zeitperspektiven am sinnvollsten ist. Hier spielt die Leitfrage nach den bedeutenden Lebensstationen bezüglich des Problems eine wichtige Rolle. Ein Anhaltspunkt ist so gut wie immer der Berufsausstieg – also der Moment im Leben, in dem der Mensch zurückblickt und seine Erfahrung noch einmal wiederspiegelt. Es kann auch sein, dass der Coachee andere, vielleicht sogar näherliegende, Zeiträume zu Verfügung stellt.

5. Phase: Die Zeitreise
Der Coach bitte den Coachee, sich auf einen anderen Stuhl zu setzen. Der Coach markiert diesen mit einer anderen Jahreszahl. Für die gesamte Sitzung behält jeder Stuhl die ihm zugeordnete Zahl. Wenn der Coachee in seinem Erzählen in eine Zeit rutscht, die einem anderen Stuhl zugeordnet wurde, so bittet ihn der Coach, sich dorthin zu begeben. Während der ganzen Sitzung hält der Coach Stift und Papier bereit, um sich wichtige Dinge zu notieren. So ist es auch möglich, dem Klienten nach der Sitzung wichtige Aussagen mitzuteilen, sodass dieser sie besser nachvollziehen kann.

Einführung/Einfühlung: „Herzlich Willkommen in dieser neuen Situation. Fühlen Sie sich zunächst voll und ganz in das Jahr 2028 ein. Sie sind xy Jahre alt und Ihre Kinder alle erwachsen. Sie sind erfolgreich und haben all Ihre Ziele verwirklicht. Vieles in Ihrem Leben ist so gelaufen, wie Sie es sich gewünscht und vorgestellt haben. Nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit, um sich umzuschauen und in sich hineinzuhorchen, fühlen Sie sich ein in diese neue Zeit.“
Betrachtung: „Wie sieht ihr momentanes Leben aus? Was spielt eine große Rolle in Ihrem Leben?“
Rückblick: „Können Sie sich noch an die Zeit xy zurückerinnern, in der Sie die schwere Entscheidung zum Thema xy treffen mussten? Was hat Sie genau bei diesem Thema beschäftigt bzw. zweifeln lassen?“
Vertiefung: Dem Thema entsprechend wird der ein oder andere Aspekt mit begleitenden Fragen vertieft.
Abschied: Zurückorientierung oder Voranschreiten zur nächsten Momentaufnahme oder zur 6. Phase. „Gibt es noch andere wichtige Anhaltspunkte – andernfalls würde ich Sie gerne in das Jahr xy zurück bitten.“

6. Phase: Die Zurückorientierung
Man lässt den Klienten in das aktuelle Jahr zurückkehren. Im Anschluss übergibt der Coach seinem Coachee seine Notizen, die er sich während der Zeitreise gemacht hat und lässt sich von ihm erzählen, was für ihn von Bedeutung war.
Oft braucht der Zeitreisende noch ein bisschen, um sich neu zu ordnen und das Gehörte und Gefühlte zu realisieren. Manchmal auch, um sich von Vertrautem verabschieden zu können. Zum Abschluss dieser Phase schauen Coach und Coachee gemeinsam auf das erarbeitete Flip-Chart zu den Wert-Fragen (vgl. 2. Phase: Was wurde von den Wert-Fragen angesprochen? Wurde etwas klarer? Wo gab es Verschiebungen des Bedeutungsgrades?)

7. Phase: Der Abschluss
In der letzten Phase werden die wesentlichen Ergebnisse, also neue Erkenntnisse und Leitsätze noch einmal neu formuliert. Der Coach leitet mit Hilfe von Handlungsimpulsen den Coachee in die Richtung, für sich die nächsten Schritte zu formulieren und den weiteren Umgang mit der Coaching-Ursache.

Hier geht es zur Zeitmaschine – Teil I: Einführung

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