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Integrales Leben von Ken Wilber

Wer ist Ken Wilber?

Ken Wilber ist ein amerikanischer Autor und Philosoph. Er wurde am 31.01.1949 geboren in Oklahoma geboren. Er hat über 20 Bücher veröffentlicht, die in 30 Sprachen übersetzt wurden. Somit zählt Ken Wilber zu einem der meistübersetzten Sachbuchautoren der Vereinigten Staaten.

Ken Wilber ist ein Ganzheitsphilosoph und Vordenker des 3. Jahrtausends. In seinem Schaffenswerk bringt er zum Ausdruck, dass jede Theorie zur Wirklichkeit, jedes Realitätsmodell, zugleich ein Stufenmodell ist, das sich mit der ewigen Philosophie decken muss und eine ontologische Seinsordnung einbeziehen muss.

Mehr Informationen zum Integralen Denken.


Inhaltsübersicht

  1. Ken Wilber - Der Begründer des Integralen Denkens
    Wer ist Ken Wilber und was macht seine Arbeit so populär?

  2. Werdegang und Werke von Ken Wilber
    Wie entwickelte sich Ken Wilber und was sind seine bedeutendste Werke?

  3. Bücher von Ken Wilber
    Ken Wilber veröffentlichte über 20 verschiedene Bücher, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden.

    1. The Spectrum of Consciousness
    2. No Boundary
    3. The Atman Project (1980)
    4. Up from Eden (1981)
    5. The Holographic Paradigm and Other Paradoxes
    6. A Sociable God
    7. Eye to Eye
    8. Quantum Question
    9. Transformation of Consciousness
    10. Spiritual Choices: The Problem of Recognizing Authentic Paths to Inner Transformation
    11. Grace and Grit: Spirituality and Healing in the Life of Treya Killam Wilber
    12. Sex, Ecology, Spirituality: The Spirit of Evolution
    13. The Eye of Sprit: An Integral Vision for a World Gone Slightly Mad
    14. The Marriage of Sense and Soul: Integrating Science and Religion
    15. One Taste: Daily Reflections on Integral Spirituality
    16. The Collected Works of Ken Wilber
    17. A Theory of Everything: An Integral Vision for Business, Politics, Science and Spirituality
    18. Boomeritis: A Novel That Will Set You Free!

Ken Wilber - Begründer des Integralen Denkens

Ken Wilber hat mit seinen Büchern in den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen Einfluss genommen. Er ist ein bedeutender Autor, der sein erstes Buch schon mit 23 Jahren schrieb und im Laufe seines Lebens über 20 Bücher und unzählige andere Schriften veröffentlichte. Er gilt als der meist übersetzte akademische Autor in den Vereinigten Staaten. Insgesamt sind seine Werke in 30 Sprachen übersetzt worden und Wilber ist somit der meistgelesene und einflussreichste Philosoph Amerikas unserer Zeit.

Um die Interessen der Familie zu erfüllen, studierte Wilber anfangs Medizin, wechselte jedoch bald zum Studium der Biologie und Chemie, welches er für einige Jahre sehr erfolgreich führte. Gleichzeitig und vor allem überwiegend beschäftigte er sich jedoch mit Themen der östlichen Philosophie und der westlichen Psychologie.

Trotz großer Erfolgsaussichten in seinem eigentlichen Studium beschloss er den Versuch zu unternehmen Philosophie, Wissenschaft und Religion zusammenzuführen. Hieraus entstand sein erstes Buch, das unter Einbezug der Erkenntnisse unzähliger Philosophen, Psychologen, und vielen anderen den Grundgedanken für eine Weltphilosophie legen sollte.

Zudem setzt sich Ken Wilber seit seinen Zwanzigern mit der Philosophie des Zen-Buddhismus und des Taoismus auseinander, in denen er lange Zeit nach dem Sinn des Lebens suchte.

Durch viele seiner früheren Schriften gilt Wilber als Hauptvertreter der Transpersonalen Psychologie, von der er sich inzwischen größtenteils distanziert hat. Sein Fokus liegt vor allem auf dem Integralen Ansatz, welcher auf der Zusammenführung und Integration verschiedener Disziplinen verschiedener Wissenschaften beruht. Das daraus entstehende integrale Denken, könnte einfachheitshalber auch als vernetztes Denken beschrieben werden. Als Orientierung für viele seiner Werke dienen ihm fernöstliche Weisheitstraditionen des Nicht-Dualismus.Zum besseren Verständnis folgt eine Definition des Begriffs "Integral".

Definition: Integral

"Das Wort integral bedeutet umfassend, einschließend, nicht marginalisierend, umarmend. Integrale Ansätze versuchen in jedem Feld genau das zu sein: die größtmögliche Anzahl von Perspektiven, Stilen und Methodologie in eine kohärente Sicht des Gegenstands einzubeziehen. In gewissem Sinn sind integrale Ansätze "Meta-Paradigmen" oder Wege eine bereits existierende Anzahl verschiedener Paradigmen in ein wechselbezügliches Netzwerk sich gegenseitig bereichernder Ansätze zusammen zu bringen."

- aus Ken Wilbers "Vorwort" in Frank Vissers Buch "Ken Wilber - Denker aus Passion" (2002) -

Integral bedeutet also eine ganzheitliche, umfassende und ausgewogene Weltansicht zu verfolgen. Das Wort ist ein richtungsweisender Oberbegriff für eine komplexe Denkweise.
Das Wort Integral findet man zum Beispiel in folgenden Formen:

  • Integrale Lebensberatung
  • Integrales Coaching
  • Integrale Therapie

Somit haben sich schon verschiedene Fachbereiche das Integrale Denken zu Nutze gemacht und profitieren davon.

Was verbirgt sich hinter einem Integral?

Wie wir es bereits aus dem NLP kennen hat jeder Mensch seine eigene Landkarte. Auch Wilber geht von dieser Landkarte aus und ist der Ansicht, dass jeder Mensch unterschiedliche Fragen im Laufe seines Lebens an sich hat. Es können Fragen sein wie "Wer bin ich?", "Was ist der Sinn meines Lebens?" usw.

Die Beantwortung dieser Fragen ist wieder abhängig von der jeweiligen Landkarte. Dazu hat Wilber die integrale Landkarte (die alle Teilbereiche umfasst) entwickelt, um die um uns wahrgenommene Wirklichkeit so nah wie möglich abbilden zu können. Die integrale Landkarte soll ein Orientierungssystem hierbei darstellen. Dabei wird aber von einer Non-Dualität ausgegangen, um mit diesem Ansatz arbeiten zu können.

Doch was ist eine Non-Dualität bwz. Non-Dualismus?
Zur Begriffserläuterung sollte man vorerst einmal wissen was Dualismus überhaupt bedeutet. In der Psychologie bedeutet Dualismus, die Herauskristallisierung von Geist und Materie. Beide Instanzen existieren nebeneinander und unabhängig voneinander, sie können nicht als Einheit angesehen werden, sondern stehen beide zueinander in Wechselwirkung.

Beim Non-Dualismus besteht also im Wilber Kontext nur der Geist in seiner Absolutheit bzw. Reinheit. Nondual wird also immer der gegenwärtige Ist-Zustand der Wirklichkeit hier und jetzt betrachtet. Wirklichkeit ist also immer Non-Dual.

"Form ist Leere & Leere ist Form."

"Meide die Vielen und suche das Eine. Wenn du das gefunden hast, umarme die Vielen als das Eine." - Ken Wilber -

Ausgehend von dieser Non-Dualität unterscheidet Ken Wilber fünf Hauptkategorien, um die Vielzahl der Erscheinungen eines Augenblicks von Wirklichkeit abzubilden.

Dazu verwendet er Quadranten, Ebenen, Linien, Zustände und Typen. Was sich hinter den fünf Merkmalen verbirgt wird im AQAL-Modell näher erläutert. AQAL ist die Kurzform für alle Quadranten, alle Ebenen, alle Linien, alle Zustände und alle Typen.

Die fünf Merkmale stehen als Abbildung für die Struktur des Universums in jedem Augenblick, dabei stehen die Merkmale nicht nebeneinander, sondern miteinander und verflechten sich ineinander. Um das Ganze fassbarer zu machen, ein Beispiel:
Der Mensch betrachtet sich mit dem Modell sich selbst und die Welt aus allen möglichen Perspektiven und durchläuft ständig neue Zustände − das können unter anderem die Entwicklungsstufen sein z.B. vom Baby bis zum Jugendlichen.

Die Merkmale sind also nur strukturgebend und nicht endgültig, sondern jederzeit ausbaufähig.

Weiter beschäftigte sich Wilber mit der Kulturphilosophie und betrachtete die aktuellen Entwicklungen in Religion und Politik. Er äußert sich hierbei durchaus kritisch gegenüber den stark ausgeprägten rationalistischen und materialistischen Strömungen der westlichen Länder. Ein Hauptgrund ist die Ablehnung von Spiritualität. Doch auch die Gegenbewegung des New-Age und deren Gleichstellung von Spiritualität und magischem Denken stoßen bei ihm auf Kritik. Zudem sieht er ihr, wie viele andere Kritiker, einen Ausdruck des "Ich-Zeitalters". Wilber versucht daher mit seinen unzähligen Büchern und Texten die westliche Welt für eine authentische mystische Spiritualität zu öffnen und sie so als Lebensart zu ermöglichen.

Frank Visser, ein Religionswissenschaftler, widmete sich lange Zeit den Werken und der Person Ken Wilber und schrieb schließlich ein Buch mit dem Titel "Ken Wilber - Denker aus Passion"". Einige der vorherigen und viele der folgenden Informationen über Wilber haben ebenfalls dieses Buch zur Grundlage. Eines der Kapitel von Visser trägt die Überschrift "Die sieben Gesichter des Ken Wilber". Da die dort vorgestellten sieben Aspekte ihn und seine Eigenschaft als Autor prägnant und passend beschreiben, sollen sie auch hier in verkürzter Form aufgeführt werden. Als erstes wird Wilber als Theoretiker bezeichnet. Er ist an erster Stelle Denker, ein Philosoph, der versucht Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen zu verbinden. Grundlage seines Denkens bildet das Modell von Stadien der menschlichen Entwicklung. Als zweites ist Wilber ein Synthetiker. Er versucht die Sichtweisen und Ergebnisse anderer in ein System zu integrieren und daraus eine Theorie von allem zu formulieren, die alle Facetten des menschlichen Lebens einschließt. Als nächstes ist Wilber ein Kritiker. Er kritisiert vor allem diejenigen, die Teilwahrheiten als absolute Wahrheiten verbreiten. Desweiteren kann Wilber als Polemiker beschrieben werden. Grund für seine Polemik ist seine Meinung, dass das Denken über Spiritualität stagniert und nur durch harte Kritik zu ändern sei. Dabei wendet er sich vor allem gegen den Narzissmus der Ich-Generation, sowie den Nihilismus der heutigen Postmoderne. Zudem ist Wilber ein Pandit. Er selbst sagte einmal über sich: "Ich bin ein Pandit, kein Guru". Er sieht sich als spirituellen Intellektuellen mit dem Ziel der Legitimation der spirituellen Praxis in der Kultur des Westens. Ein weiteres "Gesicht" Wilbers ist die Leitfigur. Obwohl er sich nicht als Guru sieht, ist Wilber für die Leser seiner Bücher eine Art spiritueller Begleiter. Zum größten Teil ist Wilber allerdings ein Mystiker. So ist für ihn das in seinen Büchern Beschriebene nicht nur Theorie, sondern auch tiefe persönliche Erfahrung. Wilber lebt, was er schreibt.

Zitat:

"Alle haben Recht, aber nur teilweise." - Ken Wilber


Ken Wilber - Werdegang und Werke von Ken Wilber

Ken Wilber wurde 1949 in Oklahoma City geboren. Da sein Vater für die Armee diente, lebte er in jungen Jahren an den unterschiedlichsten Orten und entwickelte so eine starke Anpassungsfähigkeit. Die häufigen Umzüge lehrten Wilber keine Anhaftung zu entwickeln. Dennoch verlor er mit jedem Umzug neugewonnene Freunde, was er als traumatisierend und ins hohe Lebensalter prägend bezeichnet. Da er das einzige Kind seiner Eltern ist, genoss er als Kind und Jugendlicher viele Freiheiten. Sein Vater war nur wenig zu Hause und so wurde Wilber stark von seiner Mutter und somit der weiblichen Seite geprägt. Den athletischen Körperbau und seine disziplinierte Lebensweise hat er jedoch von seinem Vater.

In der Schule gehörte er immer zu den Besten. Er versuchte damit nicht aufzufallen, da er nicht auf Abneigung von Seiten seiner Klassenkameraden stoßen wollte. Trotz allem erhielt er damals den Spitznamen "The Brain" und hat ihn bis heute (ungewollt) behalten. Sowohl in der Schule als auch danach genoss er ein ausgeprägtes gesellschaftliches Leben. Dies änderte sich als er mit dem Schreiben begann. Er selbst sagt, dass ihm diese Umstellung zwar große Probleme bereite und ihm das Schreiben nur wenig Spaß mache, er diese Entscheidung jedoch nie bereut habe. Nach eigenen Aussagen ist er in erster Linie Denker und nutzt das Schreiben um seine Gedanken anderen mitzuteilen. Trotzdem sind viele der Meinung, er sei der geborene Klausner. Sie sind der Ansicht, dass er den Umgang mit Menschen ablehne und antisoziale Einstellungen habe.

Bis zum Antritt seines Studiums beschäftigte er sich vorrangig mit der Wissenschaft an sich. Da ihm die Wissenschaft jedoch keine Antworten auf seine Fragen liefern konnte, entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Interesse an religiösen und spirituellen Themen. Das Weisheitsbuch Tao Te King brachte den einschneidenden Umbruch in seinem Denken. Nun beschäftigte er sich viel mit Lektüren über den Taoismus und Buddhismus und beschloss die höheren Regionen des Wissens und Seins zu studieren.

Bei seiner Suche zu psychologischen, spirituellen und religiösen Themen nutze er nicht nur die Literatur, sondern machte viele praktische Erfahrungen wie Meditation und Psychotherapie (Gestalttherapie und Traumanalyse). Um seinen Lebensunterhalt in dieser Zeit zu verdienen, gab er Nachhilfe. Hierbei lernte er seine spätere Frau Amy Wagner kennen und arbeitete in den nächsten drei Jahren vor allem als Tellerwäscher. Die körperliche Arbeit war für ihn ein Ausgleich zu seinen langen und vielen Zen-Meditationen und er sah die Arbeit als Tellerwäscher als Möglichkeit mit der Welt in Kontakt zu bleiben und sich in Demut und Bescheidenheit zu üben.

Mit der Zeit entwickelte sich in Wilber eine Idee für ein Buch. Nachdem er Jahre lang geforscht hatte, fing er nun mit dem Schreiben eines Manuskripts an. Dabei stand er früh morgens auf, arbeitete 15 Stunden und ging wieder schlafen. Den Ablauf wiederholte er so lange bis er mit seiner Niederschrift fertig war. Auch bei seinen späteren Büchern behielt er diese Vorgehensweise stets bei. Nach der Fertigstellung seines Manuskripts, war es für ihn schwierig einen Verlag zu finden, der sein Buch drucken wollte. 1977 brachte es der theosophische Verlag Quest Book heraus und Wilber wurde von renommierten Autoren auf dem Gebiet der Transpersonalen Psychologie hoch gelobt. Die Anerkennung für sein Buch und die schnelle Berühmtheit, die Ken Wilber über Nacht erfuhr, sah er selbst immer zwiespältig. Zum einen fühlte er sich geschmeichelt, zum anderen brachte es ihn in Verlegenheit. Nach seinem Erfolg bekam Wilber unzählige Anfragen für Vorträge und Workshops. Diesen ging er knapp ein Jahr voller Begeisterung nach, bis er schließlich die Entscheidung fällte, sich wieder der Erforschung neuer Gebiete zu widmen. Seitdem folgt er kaum noch Einladungen zu Kongressen und gibt nur selten Interviews.

Noch bevor sein erstes Buch "The Spectrum of Consciousness" in den Druck ging, verfasste Wilber eine kürzere Form mit praktischen Ansätzen. "No Boundary" ist auch heute noch eines seiner bekanntesten Werke.

Im weiteren Verlauf beteiligte sich Wilber an der Gründung einer neuen Zeitschrift namens ReVision, bei der er als Redakteur tätig war. 1978 erschien die erste Ausgabe. In Bezug auf seine ersten beiden Bücher war Ken Wilber jedoch nicht zufrieden. So überprüfte er noch einmal seine Ausführungen und kam zu dem Schluss, dass er sein Spektrum-Modell entscheidend verändern musste. Nach dieser Erkenntnis schrieb er jährlich ein neues Buch. Als nächstes brachte er "The Atman Project" (1980) heraus. Dies war eine kurze Studie über den Entwicklungsprozess des Menschen. Fast gleichzeitig verfasste er das Buch " Up from Eden" (1981), eine kulturhistorische Studie über die von der gesamten Menschheit durchlaufenden Entwicklungsphasen.

1982 erschien das Buch "The Holographic Paradigm and Other Paradoxes: Exploring the Leading Edge of Science" (dt. Das holographische Weltbild). Das Buch ist Wilbers Reaktion auf den wachsenden Einfluss des Holismus und enthält Artikel von renommierten Wissenschaftlern der Neuen Wissenschaft. Weiter schrieb er 1982 "A Sociable God", in der er die Umrisse einer transzendenten Soziologie skizzierte. Grund hierfür war ein Kongress über Religionssoziologie.

Da die Zeitschrift jedoch immer mehr Zeit in Anspruch nahm und ihn im Redaktionsbüro in Cambridge benötigte und seine Frau an einem anderen Ort eine Arbeitsstelle angeboten bekam, trennten sich beide im Einvernehmen. Sie hatten sich vorher schon einige Jahre lang auseinander gelebt. Die Zeitschrift war wirtschaftlich nicht besonders erfolgreich und Wilber bot an, sie durch die Tantiemen von in Buchform schon veröffentlichter Artikel der Zeitschrift zu unterstützen. So entstand 1982 "The Holographic Paradigm and Other Paradoxes: Exploring the Leading Edge of Science" und 1983 "Eye to Eye". Für Letzteres nutze er Essays, welche er schon in einer anderen Zeitschrift veröffentlicht hatte.

Da er Cambridge jedoch als beklemmend empfand, folgte er einem Angebot in die Nähe von San Francisco. 1983 traf er hier seine spätere zweite Frau Terry Killam. Nur einige Tage nach ihrem ersten Treffen beschlossen sie zu heiraten. In dieser Zeit entstand "Quantum Question" (1984 erschienen) in der er Texte über die Beziehung zwischen Physik und Mystik sammelte. Ein weiteres Buch "Transformations of Consciousness" erschien 1986 als eine Sammlung von Artikeln mit denen er sein Spektrum-Modell in Verbindung zu den Entwicklungen der westlichen Literatur der Psychoanalyse brachte. 1987 verfasste er zusammen mit Dick Anthony und Bruce Ecker "Spiritual Choices: The Problem of Recognizing Authentic Paths to Inner Transformation" in dem sie problematische religiöse Bewegungen und Gruppenbetrachteten. Eine einschneidende Veränderung vollzog sich jedoch als sich bei einer Routineuntersuchung heraus stellte, dass Terry an Brustkrebs litt. Wilber gab daraufhin das Schreiben von Büchern auf und widmete sich seiner Frau und dem fünf Jahre lang dauernden Kampf gegen den Krebs. Doch schließlich verstarb Terry, welche sich nach einem Traum Treya nannte. Nach dem Tod schrieb Wilber auf den Wunsch seiner Frau hin ein Buch über diese Zeit. Es wurde 1991 unter dem Titel "Grace and Grit" veröffentlicht.

Danach nahm er seine Arbeit wieder auf. Er beschloss ein Werk über die Grundbegriffe der Integralen Philosophie zu schreiben. Daraus entwickelte sich eine Trilogie unter dem Begriff Kosmos. Das erste Band erschien 1995 mit dem Titel "Sex, Ecology, Spirituality". An diesem Teil arbeitete Wilber knapp drei Jahre in selbstgewählter Isolation und erfuhr eine tiefgreifende spirituelle Transformation. Zu dieser Zeit hatte er schon über zwanzig Jahre Erfahrung mit Meditation. Für die zwei anderen Teile der Trilogie wurden bereits Konzepte angefertigt. Wilber war jedoch, ähnlich wie bei seinem ersten Werk, der Meinung, dass es eine gekürzte Form seines ersten Bandes benötige. So veröffentlichte er 1996 das Buch "A Brief History of Everything". Das Buch wurde so geschrieben, dass es ohne Hilfe von Nachschlagewerken zu verstehen ist. Zudem führt er in seinem Werk eine Art Interview mit sich selbst, welches die Lesbarkeit um einiges vereinfachte. Mit diesem Werk machte er sich in einigen alternativen Bewegungen sehr unbeliebt, da er ihre Ansichten und Entwicklungen der letzten Jahre offen kritisierte. Er sieht die Kritik als Mittel um die Stagnation der Bewegungen zu durchbrechen. 1996 erschienen drei Sonderausgaben von der Zeitschrift ReVision mit Kritiken über das Werk von Ken Wilber, welche 1997 im Rahmen einer Konferenz weitergeführt wurden. Wilber erschien zwar nicht zu dieser Konferenz, veröffentlichte jedoch kurz davor das Buch "The Eye of Spirit", in dem er seine alten Beiträge überarbeitet und neue hinzugefügt hatte. 1998 erscheint zudem "The Marriage of Sense and Soul: Integrating Science and Religion". Zu dieser Zeit schrieb er ebenfalls an einem Manuskript das 1999 als kurze Monographie über das Verhältnis von Wissenschaft und Religion mit dem Titel "One Taste erschien.

Im Jahr 1997 beschloss Wilber ein Tagebuch zu führen, indem er seine Erlebnisse beschrieb. Die Aufzeichnungen zeigen Wilber als gereiften Mystiker. Da Wilbers Bücher weiterhin aufgelegt und in über 25 Sprachen übersetzt werden, beschlossen zwei Verlagshäuser eine Komplikation mit dem Titel "The Collected Works of Ken Wilber" zu veröffentlichen. Allerdings wurde Wilber die Aufgabe zuteil dieses Werk zusammen zustellen. Die Zeit zwischen 1988 bis 1999 wurde daher sehr arbeitsintensiv für ihn. Es war jedoch auch die produktivste Zeit, da er neben der Revision (die in acht Bände gefasst wurde) drei weitere Bücher schrieb: "Integral Psychology" ist eine Zusammenfassung eines zweibändigen Textes, welchen er schon lange als "System, Self and Structure" geplant hatte. Dies ist bis heute sein bedeutendstes psychologisches Werk. "A Theory of Everything" richtet sich an die modernen Theoretiker, die der Meinung sind eine Theorie von allen zu haben, obwohl sie nur die physische Welt beachten. Er bezieht sich unter anderem auf die Bereiche Medizin, Politik, Management und Pädagogik. Das dritte Buch nannte Wilber "Boomeritis" und befasst sich mit seiner eigenen Generation, die aufgrund ihrer starken Ichbezogenheit auch "Ich-Generation" genannt wird. 1998 gründete Ken Wilber zudem das Integrale Institute. Dies ist ein privates Institut, welches seine Ideen in die Praxis umsetzt und für Menschen ist, die sich der Erforschung von Wissenschaft und Gesellschaft im Rahmen seines Konzeptes widmen. 2004 erschien "The simple Feeling of Beeing" in dem er eigene Meditationspraxen und innere Erfahrungen festhält. "The Integral Spirituality" wird 2006 veröffentlicht, wobei der Integrale Ansatz im Hinblick auf Gebiete wie Medizin, Ökologie und Spiritualität erklärt wird.

Nur ein Jahr später befasst sich Wilber in seinem Buch "The Integral Vision" mit Spiritualität aus einer metaphysischen Betrachtung und verfasst eine integrale Erkenntnistheorie. Ein weiteres Jahr später, im Jahr 2008, erschien sein nächstes Buch mit dem Titel "Integral Life Practice". Hierbei geht es nicht nur um Integrales Denken, sondern auch um die integrale Weltsicht im Alltag zu leben. Mit verschiedenen Übungen soll es dem Leser ermöglicht werden, integrale Inhalte in unterschiedlichen Lebenssituationen umzusetzen. Sein bisher letztes Buch "The Fourth Turning" wurde im Jahr 2014 veröffentlicht und beschäftigt sich mit dem Buddhismus und dessen (möglichen zukünftigen) Weg.

Ken Wilber leidet schon seit vielen Jahren an einer schweren Stoffwechselerkrankung namens RNase Enzym-Mangelerkrankung (REDD), deren Ursache möglicherweise auf Umweltgifte zurückzuführen ist. Die schwere Krankheit und die hierdurch entstehenden starken Einschränkungen Wilbers sind wohl auch der Grund, warum ein so großer Zeitraum zwischen seinen letzten beiden Büchern liegt. Dennoch hat er inzwischen den zweiten Teil für seine Trilogie in 1400 Seiten nieder geschrieben, welche jedoch nicht als Buch zusammengefasst sind. Wer mehr über seinen Gesundheitszustand erfahren möchte, kann sich "unter diesen Link" mithilfe eines von ihm eigens verfassten Briefes über ihn und seine Krankheit informieren.


Ken Wilber - Bücher von Ken Wilber

The Spectrum of Consciousness

"The Spectrum of Consciousness" (dt. Das Spektrum des Bewusstseins - Eine Synthese östlicher und westlicher Psychologien) wurde 1977 als erstes Buch von Ken Wilber im theosophischen Verlag Quest Book veröffentlicht. Hier unternimmt er den Versuch mit seinem Spektrum-Modell auf den ersten Blick unvereinbare Disziplinen und Ansätze mit einander zu verbinden. Dabei zeigt er beispielsweise, dass alle Theorien der geisteswissenschaftlichen Schulen nur bis zu einem gewissen Grad Recht haben und sie sich so ergänzen und nicht widersprechen. Mit Hilfe dieses Spektrum-Modells können Naturwissenschaft und Religion aber auch Meditationslehren und Psychotherapie vereint werden und so möglicherweise gemeinsam helfen, das menschliche Bewusstsein ganzheitlich zu begreifen. Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Einmal in den Punkt Evolution und einmal in den Punkt Involution. Unter Evolution versteht Wilber den Weg vom Absoluten Geist zum Menschen. In diesem Teil unterscheidet er zwischen zwei Formen von Wissen, dem theoretischen und dem auf Erfahrungen beruhenden praktischen Wissen. Das theoretische Wissen ist dualistisch und kann als Grundlage der Wissenschaft angesehen werden. Die zweite Form des Wissens ist laut Wilber existentiell, äußerst persönlich und bringt uns mit der absoluten Wirklichkeit in Kontakt. Diese sei in sich selbst ein Absolutes Bewusstsein. Mystische Schriften beschreiben das auch als Höheres Selbst. Nach Wilber formt sich im Höheren Selbst das Spektrum des Bewusstseins immer wieder neu. Hierbei verengt sich der Absolute Geist, wodurch wiederum Dualismen entstehen. Für das Verständnis soll hier der Primäre Dualismus genannt werden. Also beispielsweise die Dualität zwischen Subjekt und Objekt. Wilber beschreibt insgesamt vier dieser Dualismen, welche durch immer weitere Verengerungen des Absoluten Geistes entstehen. Zudem beschreibt Wilber, dass das Höchste Bewusstsein sich in jedem Moment unseres Lebens zu unserem eigenen persönlichen Bewusstsein verenge, es sich jedoch gleichzeitig in jedem Moment ausdehne und schließlich den gesamten Kosmos umfasse. Dieser Punkt wird in seinem zweiten Teil mit dem Titel Involution beschrieben. Hierbei geht es um den Weg vom Menschen zum Absoluten Geist. Die Phasen sind identisch mit den Phasen der Evolution, werden jedoch in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen. Schließlich schreibt Wilber noch von der spirituellen Entdeckungsreise des Menschen. Macht ein Mensch die Erfahrung des Einheitsbewusstseins des Absoluten Geistes, erlebe er das nicht dualistische Bewusstsein und seine Reise finde hier ihr Ende. Sein Buch schließt Wilber mit dem Gedanken ab, dass wir die Ebene des Absoluten Geistes niemals verlassen haben und uns die Suche danach von ihm entfernt. Wir müssen erkennen, dass unser Alltagsbewusstsein stark mit dem Höchsten Bewusstsein verbunden ist und daher die Suche nach ihm aufgeben. Nur so können wir im Sein des Absoluten Geistes ruhen.

No Boundary

"No Boundary: Eastern and Western Approaches to Personal Growth" (dt.Wege zum Selbst: Östliche und westliche Ansätze zu persönlichem Wachstum) erschien 1979 und ist eine gekürzte Fassung seines ersten Werkes "The Spectrum of Consciousness" mit leicht veränderten Schwerpunkten auf eine leichtere und zugänglichere Weise. Zudem wurden praktische Übungen für die Umsetzung der beschriebenen Theorie eingebaut und ein detailliertes Spektrum der Psychotherapie und Spiritualität dargestellt. Auch ermöglicht Wilber erstmals eine Zuordnung westlicher und östlicher Psychologie und Therapien zu den entsprechenden Bewusstseinsebenen. In seinem Buch beschreibt Wilber dem Leser den Weg zu Gott (von Persona, zu Ego, Zentaur, Zeuge und schließlich zu Kosmos/Absoluter Geist). Da unser Identitätsbewusstsein jedoch von Trennungslinien durchlaufen ist, müssen diese aufgehoben werden, um die höchste Form der Identität/Kosmisches Bewusstsein zu erfahren. Dies ist die Ebene aller lebenden Wesen. Da wir unsere Welt jedoch immer weiter eingrenzen, wenden wir uns so von unserem wahren Wesen ab. Auch in diesem Buch zeigt Wilber auf, dass sich Psychologie und Religion nicht ausschließen, sondern ergänzen. Zudem lassen sie sich in fünf große Gruppen einteilen, die ihrerseits auf unterschiedliche Bereiche des Spektrums ausgerichtet sind. Die Integration von Körper und Psyche ist im Spektrum-Modell besonders wichtig. Heutzutage kommt es oft zu dem Phänomen, dass der Körper entweder unter- oder überbewertet wird. Eine tiefere Wirklichkeit könne nur bei der Integration beider entstehen und nicht getrennt. Lösen wir uns von der Identifikation mit unserem Körper, Emotionen und Gedanken, können wir das Höhere Selbst (Zeuge) entdecken. Dieses Höhere Selbst ist nach Wilber in allen Menschen identisch, unsterblich und hat Anteil an der Ewigkeit. Um das Höhere Selbst zu erreichen, muss der Mensch von der falschen Identifizierung mit seinen Erinnerungen, Denkweisen, Emotionen und Gedanken loslassen und nicht versuchen das Selbst auf eine objektive Weise zu betrachten, da dies gar nicht möglich sei. Wurde dies gemeistert, muss nur noch ein Schritt zum Einheitsbewusstsein gemacht werden. Wilber zeigt hier plötzlich auf, dass der Mensch eigentlich nichts für die Verwirklichung des Einheitsbewusstseins tun kann, sondern es nur möglich ist das Erscheinen des Einheitsbewusstseins durch beispielsweise Meditation zu beschleunigen. Wir versuchen also durch spirituelle Praxis Erleuchtung zu verwirklichen, obwohl diese in der Praxis zum Ausdruck gebracht wird.

Dennoch bargen die Darlegungen in den ersten zwei Büchern Wilbers Probleme und auch er selbst war nach erneuter Auseinandersetzung mit seinen Schriften der Meinung, dass ihm bei seinem Spektrum-Modell ein großer Fehler unterlaufen sei. Seine immer wieder durchgeführte Selbstüberprüfung ist charakteristisch für ihn und wurde zum ständigen Begleiter in seiner Zeit als Autor. In seinen darauffolgenden Büchern, widmet er sich unter anderem diesem "Fehler" und dessen Korrektur. Bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass sein Modell nur schwer auf den Menschen anzupassen war und die Entwicklung des Menschen vom Kind zum Erwachsenen weitestgehend unberücksichtigt geblieben war.

The Atman Project (1980)

The Atman Project (dt. Das Atman Projekt) wurde 1980 im theosophischen Verlag Quest Books veröffentlicht. Bevor dies jedoch geschehen konnte, musste Ken Wilber seine weitreichenden Materialien stark kürzen. In diesem Buch veranschaulicht Wilber seine neuen Erkenntnisse über die menschliche Entwicklung und die Erweiterungen seines Spektrums-Modells. Er überdenkt damit seine ersten zwei Bücher "The Spectrum of Consciousness und "No Boundary". In seinem Werk beschreibt Wilber einen linearen Entwicklungsverlauf, Linearer Entwicklungsverlauf der in siebzehn Stadien gegliedert werden kann (vom Neugeborenen bis zum erleuchteten Buddha). Diese hohe Anzahl an Stadien umfasst zudem die präpersonale, personale und transpersonale Dimension des Bewusstseins und kann in diese drei Gruppen eingeteilt werden. Durch den Ausbau seines Modells zeigt sich noch einmal die Vereinbarkeit von östlicher Philosophie und westlicher Psychologie. So befasst sich die östliche Philosophie mit den höheren Ebenen der Entwicklung und die westliche Psychologie mit den mittleren und niedrigeren Ebenen. Zu den präpersonalen Entwicklungsstadien können die Ebenen 1 bis 6 gezählt werden. Sie werden vor allem von Körper und Emotionen dominiert. In den ersten beiden Phasen ist das Bewusstsein noch sehr in sich geschlossen. Erst ab der Axial-Körper-Ebene festigt das Kind ein Bewusstsein des Körpers und bemerkt immer deutlicher eine Abgrenzung zur Außenwelt. Ab der Bild-Körper-Ebene formt sich das Kind Bilder von sich und Objekten um es herum. Ist das Kind bei der sechsten Ebene angelangt fühlt es sich schließlich einem sozialen Umfeld zugehörig. Zudem fängt es an zu sprechen und die rein körperliche Welt gerät in den Hintergrund. Das Kind entwickelt also langsam eine Persönlichkeit. Die nächsten sechs Ebenen gehören nach Wilber den personalen Entwicklungsstadien an. In den Phasen sieben bis zehn kommt es bei dem Kind zu einer Ego-Bildung und der Bildung eines Gewissens. Noch in der Späten-Ego-Phase beginnt das Selbst sich vom Ego zu differenzieren. Es erfährt die Trennung von Körper und Ego und kann diese so integrieren. Der Mensch entwickelt sich zur Zentauren-Ebene weiter. Hier versucht der Mensch dem Leben einen Sinn zu geben und versteht, dass sowohl seine Zukunftsträume als auch Erinnerungen an die Vergangenheit in der Gegenwart stattfinden. Diese Ebene ist Voraussetzung für die transpersonale Dimension des Bewusstseins. Die Subtilen Ebenen sind nach Wilber typisch für religiöse Visionen. Zudem wird hier weiterhin in Subjekt und Objekt unterschieden. Auf den Kausalen Ebenen kommt es zu einer immer weiteren Auflösung der Dualität von Subjekt und Objekt. Nur die Absolute Ebene kann als spirituell bezeichnet werden, da sich der Mensch hier seiner Identität mit dem Absoluten Geist bewusst ist. Wilber sieht zudem ein immer wiederkehrendes Muster bei dem Übergang in eine neue Ebene. Es werden zwei Schritte vollzogen: Differenzierung und Integration. Durch die Differenzierung kann sich der Mensch von seiner alten Ebene lösen und bei der Integration wird das alte Stadium in das neue aufgenommen. Es findet also immer ein Prozess des Transzendierens und des Einschließens statt. Doch nicht jeder durchläuft alle Ebenen. Vielmehr zeigt das Modell die Möglichkeiten der Entwicklung auf.

Up from Eden (1981)

Up from Eden: A Transpersonal View of Human Evolution (dt.Halbzeit der Evolution. Der Mensch auf dem Weg vom animalischen zum kosmischen Bewusstsein) erschien 1981 nur ein Jahr nach seinem Buch "The Atman Project". In Up from Eden geht Wilber der Idee nach, dass der Mensch in seiner Entwicklung auf halbem Wege von den Tieren zu den Göttern sei. Bei seinen Ausführungen nutzt er sein in den vorherigen Büchern entwickeltes Modell und wendet es auf die Evolution der Kultur und der Religion an. Auch werden die Vorteile und Nachteile der einzelnen Evolutionsschritte für den Menschen dargelegt. So beispielsweise in der mythischen Phase als soziale Organisationen erforderlich wurden, sich die Landwirtschaft entwickelte und die Sprache und Schrift entstand. Doch gleichzeitig, und das ist die Schattenseite der Entwicklung, begannen die Menschen mit Kriegsführung. In Bezug auf die Religion wird ebenfalls eine Veränderung aufgezeigt. Diese geht von archaischen Zeiten in denen Schamanen vorrangig waren, über mythische Zeiten die eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen hervor brachte, zu der mentalen Kulturphase in der ein neues Gottesbild (Vater-Gott) sich entwickelte, usw. Wilber wagt zudem einen Blick in die Zukunft und meint, dass wir in der Zukunft das erleben werden, was in der Vergangenheit nur einzelnen Besonderen möglich war. Grundgedanke seiner Idee einer religiösen Weiterentwicklung ist die "Dreieinigkeit" des Mahayana-Buddhismus. Die niedrigste Klasse hat ihr Augenmerk auf dem Körper und den Körperenergien, die bis zu paranormalen Intuitionen und Fähigkeiten führen können. Die zweite Klasse bezieht sich auf die subtile Form von Licht, die über Körperenergien hinaus gehen. In der dritten Klasse kommt es zur Transzendierung durch die Auflösung des Bewusstseins und dem Verschmelzen von Gott und Seele. Die drei Klassen sind eine immer weitere Annäherung an den Absoluten Ursprung. Viele Autoren sind der Meinung, dass uns in dieser Hinsicht ein neues Zeitalter bevor steht. Wilber sieht zwar ebenfalls die Möglichkeit, jedoch nicht in der heutigen Zeit. Er ist der Meinung, dass wir uns alle erst zu einem rational denkenden Ego entwickeln müssten, bevor eine Universelle Vernunft entstehen könne. Erst danach könnte sich der Mensch weiterentwickeln.

Wie so oft betont Wilber, angesprochen auf seine Werke, dass seine Ausführungen niemals vollendet sind. Daher nahm er in den darauffolgenden Jahren immer mehr Verfeinerungen an seinem Modell zum Spektrum des Bewusstseins vor.

The Holographic Paradigm and Other Paradoxes: Exploring the Leading Edge of Science

1982 erschien das Buch "The Holographic Paradigm and Other Paradoxes: Exploring the Leading Edge of Science" (dt. Das holographische Weltbild). Das Buch ist Wilbers Reaktion auf den wachsenden Einfluss des Holismus innerhalb des Holismus und enthält Artikel von renommierten Wissenschaftlern der Neuen Wissenschaft. Karl Pribra, ein Gehirnspezialist, stellte die These auf, dass das Gehirn nach holographischen Prinzipien funktionieren könnte. So wäre es gut möglich, dass Daten über das gesamte Gehirn verteilt seien und so jedes Teil des Gehirns auf das Ganze zugreifen könne.

In seinem Buch äußert sich Wilber durchaus kritisch gegenüber einigen Autoren, da er Bedenken in Bezug auf die holographische Mystik hat. Er ist der Ansicht, dass diese das verfeinerte spirituelle Weltbild in der Welt der Materie aufgehen lassen. Dies sei jedoch nur die niedrigste Welt und der Physiker argumentiert auf der Grundlage einer eindimensionalen Interpretation. Zudem besteht ein Problem in der Verwendung derselben Begriffe von Physik und Mystik und nur bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass beide von verschiedenen Welten reden. Dennoch ist zu beachten, dass auch die Domäne der Materie und Energie ein (wenn auch kleiner) Bestandteil der gesamten Wirklichkeit ist. Außerdem ließe sich die Physik gut in das Weltbild der Mystik einfügen, könne diese jedoch nicht beweisen.

A Sociable God: A Brief Introduction to a Transcendental Sociology

1982 schrieb Ken Wilber das Buch "A Sociable God: A Brief Introduction to a Transcendental Sociology" (dt.: Der glaubende Mensch). Das Buch bezog sich auf ein 1981 Symposion über neue religiöse Bewegungen. Wilber versucht in seinem Werk eine mögliche "Transpersonale Soziologie" bzw. "nicht reduktionistische Religionssoziologie" aufzuzeigen. Hierbei befasst er sich mit der voranschreitenden Rationalisierung der westlichen Kultur und den Folgen für die Religion. Diese Veränderung sieht er jedoch auch nur als Teil einer Entwicklung die noch nicht abgeschlossen ist. Die erste Hälfte des Entwicklungsschemas umfasst den Weg von archaisch, zu magisch, zu mythisch, zu rational. Eine weitere Entwicklung zu subtil, zu kausal, zu absolut ist jedoch denkbar und zu erwarten. So ist die Rationalisierung nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Spiritualität und kein Gegner der Religion. Diese Phase diene zudem der Entmythologisierung des Absoluten Geistes, sodass eine reifere transmythische Religion entstehen könne. Daher ist nach Wilber diese Entwicklung durchaus als positiv zu bewerten. Im Weiteren bezieht sich Wilber auf den deutschen Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas. Dieser unterscheidet in zwei Domänen: Das materiell-ökonomische System und die subjektive-menschliche Lebenswelt. Zudem wäre das menschliche Wissen von einem Interesse bestimmt. Hier unterscheidet er in das technische Interesse der Naturwissenschaften und das praktische Interesse der Geisteswissenschaften. Weiter zeigt Habermas eine dritte Wissenschaft, die kritische Wissenschaft, auf. Wilber überarbeitet gewissermaßen das Modell Habermas, indem er die dritte Wissenschaft als spirituelle Wissenschaft beschreibt, welche sich wiederum in das Interesse am Wissen über Spiritualität und das Interesse an einer tatsächlichen spirituellen Entwicklung teilen lässt. Dadurch wird Habermas Modell durch eine vertikale Dimension erweitert.

Die Ausführungen Wilbers zeigen also, dass die Rationalisierung kein Weg gegen die Religion an sich ist, sondern ein Weg von der traditionellen Religion hin zu neuen und umfassenderen Religionen.

Eye to Eye: The Quest for the New Paradigm

"Eye to Eye: The Quest for the New Paradigm" (dt. Die drei Augen der Erkenntnis) wurde 1983 veröffentlicht. Es enthält Artikel und Essays von Wilber und anderen Autoren, die sich mit dem Thema beschäftigten, wie eine dubiose und böswillige Sekte auf theoretische und fundierte Weise von einer gutwilligen und spirituellen Gemeinschaft unterschieden werden kann. Als Grundlage dienen Wilber die Überlegungen von Bonaventura, der den Menschen drei "Augen" zuordnete: Auge des Fleisches, Auge der Vernunft, Auge des Geistes. Das Auge des Fleisches bezieht sich auf sinnliche Wahrnehmungen und die materielle Welt. Die Naturwissenschaften basieren auf diesem Vermögen. Das Auge der Vernunft ist das Vermögen der Interpretation und bildet das Fundament der Geistes-/Sozialwissenschaften. Das dritte Auge ist den meisten Menschen noch verschlossen und kann durch spirituelle Schulung geöffnet werden. Hierauf basieren nach Wilber alle spirituellen Wissenschaften. Zudem fand er heraus, dass alle drei dem gleichen Prozedere folgen: Vorgabe, Wahrnehmung Überprüfung. Wer jedoch die beiden ersten Schritte nicht selber vollzieht, hat seiner Meinung nach auch kein Mitspracherecht. Auf die Naturwissenschaft angewendet: Um die Anzahl der Monde des Saturns zu bestimmen, muss im ersten Schritt durch ein Teleskop geschaut werden (Vorgabe), dann die Monde gezählt (Wahrnehmung) und schließlich das Ergebnis mit anderen verglichen werden (Überprüfung). Bei den Geisteswissenschaften kann beispielsweise die Frage nach dem Inhalt eines Textes (z.B. des Werkes Faust von Goethe) diese drei Elemente nach sich ziehen. Als erstes muss das Werk gründlich gelesen werden (Vorgabe), um so ein Verständnis zu entwickeln (Wahrnehmung) und im Anschluss die Bedeutung mit anderen auszutauschen (Überprüfung). Da sowohl die Naturwissenschaft und die Geisteswissenschaft nach diesen Ausführungen als wissenschaftlich gelten, kann auch der nachfolgende Fall dazu gezählt werden. Hierbei geht es um die spirituelle Wissenschaft und in diesem Fall um Meditation. Der Meditierende sitzt beispielsweise mehrere Stunden auf einem Kissen (Vorgabe), nimmt Bewegungen in seinem Geist wahr (Wahrnehmung) und tauscht sich über die Erfahrung mit anderen aus, die auf die gleiche Weise meditieren (Überprüfung).

Ein weiterer Punkt den Wilber in seinem Buch anspricht ist die Prä/Trans-Verwechslung. Prä- und transrational sind in ihrer eigenen Weise nicht rational und können schnell als gleich angesehen werden. So wird das Transrationale auf das Präpersonale reduziert und das Prärationale auf das Transpersonale erhoben. Diese Verwechslungen sind weit verbreitet.

Zudem verfeinert er ein weiteres Mal sein Stadien-Modell. Er sieht den Entwicklungsprozess nicht mehr als homogen, sondern als differenziert an. Er spricht hier von Entwicklungslinien (AQAL) wie der intellektuellen, sozialen, moralischen oder ethischen Entwicklungslinie. Diese können sich unabhängig voneinander entwickeln.

Quantum Questions: Mystical Writings of the World's Great Physicists

"Quantum Questions: Mystical Writings of the World's Great Physicists" erschien 1984 als eine Sammlung von Aussagen von Naturwissenschaftlern über die Beziehung der Physik zur Spiritualität. Hier befasst sich Wilber mit den verschiedensten Aussagen von führenden Theoretikern (Einstein, Schrödinger, ...) der neuzeitlichen Quanten- und Relativitäts-Physik. Er fand heraus, dass alle grundlegend zu der gleichen Schlussfolgerung kamen: Die neuzeitliche Physik biete keine positive Unterstützung für mystische oder transzendente Sichtweisen. Weiter würde die Physik die Mystik weder beweisen noch wiederlegen, weder anerkennen noch ablehnen. Diese Theoretiker stimmen zwar nicht mit der populären Meinung überein, Wilber merkt jedoch an, dass sie nicht nur Physiker sondern auch Philosophen und Mystiker seien. So hätten sie alle auf ihre Weise versucht, die Physik mit einem mystischen Weltbild zu vereinbaren. Allerdings merkt Wilber auch an, dass jeder Versuch der neuzeitlichen Physik die Mystik zu erklären ein großer Fehler sei und der Mystik zudem schaden würde.

Transformation of Consciousness: Conventional and Contemplative Perspectives on Development

1986 verfasste Wilber in Zusammenarbeit mit Jack Engler und Daniel Brown das Buch "Transformation of Consciousness: Conventional and Contemplative Perspectives on Development" (dt.Psychologie der Befreiung). Er schrieb hierfür drei Kapitel, in denen er über sein Stadien-Modell berichtete und sich unter dessen Berücksichtigung mit Diagnosen und Therapien in der Psychopathologie auseinander setzt. Er versucht dabei die Transpersonale Psychologie und orthodoxeren Wissenschaftszweigen wie die Psychiatrie zusammen zu bringen. Zudem befassen sich die Autoren mit Entwicklungsstörungen. Wilber erweitert den meist eingeschränkten Blick und ist der Meinung, dass Entwicklungsstörungen überall auftreten können, wenn Entwicklung stattfindet. Dies gilt sowohl für die personale als auch die transpersonale Ebene. Im Weiteren bezieht er die Pathologien auf die neun Stadien seines Spektrum-Modells und ordnet ihnen passende Therapien zu. Eingeteilt werden diese in präpersonal, personal, transpersonal und ein letztes Stadium. Wilber zeigt hierbei auf, dass sich Psychosen, Narzissmus/Borderline-Störungen und Neurosen auf die verschiedenen Ebenen physisch (Psychosen), emotional (Narzissmus/Borderline-Störungen) und mental (Neurosen) beziehen.

Wilber zeigt damit auf, dass nicht jedes Problem durch Therapien auf der körperlichen Ebene behoben werden kann und sollte. Dennoch ist ein stabiles Körperbewusstsein

Voraussetzung für eine gesunde Persönlichkeits(entwicklung). Dies gilt auch für Probleme auf der mentalen Ebene, welche nicht nur durch rein emotionale Arbeit behoben werden können. Viele der Therapeuten unterliegen laut Wilber oft der Prä-/Transverwechslung und so werden noch immer viele Störungen falsch behandelt.

Abschließend merkt er noch an, dass sein gesamtes Projekt und alle aufgezeigten Punkte nur eine andeutende Form von Meta-Theorie sind und die Überlegungen und Diskussionen in neue Richtungen lenken sollen.

Transformation der Wahrnehmung

Spiritual Choices: The Problem of Recognizing Authentic Paths to Inner Transformation

1987 wurde Spiritual Choices: The Problem of Recognizing Authentic Paths to Inner Transformation (dt. Meister, Gurus, Menschenfänger) in Zusammenarbeit mit Dick Anthony und Bruce Eckner veröffentlicht. Anhand seines Spektrum-Modells zeigt Wilber sowohl Eigenschaften von gutwilligen spirituellen Bewegungen auf, als auch mögliche Fehlentwicklungen. Bedeutend sind zu dem die Ebenen der Führer und Gruppenmitglieder. Auch sei meist nicht die Lehre selbst gefährlich, sondern die Gefahr von regressiven Gruppendynamiken, der Bindung der Mitglieder an die Gruppe und das Entstehen einer paranoiden Haltung gegenüber allen anderen. Im Weiteren befasste sich Wilber mit der Legitimität und der Authentizität in Bezug zu religiösen Gruppen. Beide Punkte sind sehr wichtig, können aber unabhängig voneinander auftauchen. Nach eingehender Betrachtung kommt Wilber zu dem Schluss, dass die Religion momentan nicht nur einer Krise der Legitimität sondern auch der Authentizität. Dies würden jedoch die meisten Soziologen nicht beachten. Unter einer authentischen Religion versteht Wilber mystische Spiritualität, also eine Religion mit einer hohen Authentizität. Dies bedeutet jedoch nicht, dass mystische Religionen nur authentisch und mythische Religionen nur legitim seien. Ein dritter Punkt zu Authentizität und Legitimität ist zudem die Rolle des Führers. Dessen Aufgabe besteht laut Wilber nur darin, die Anhänger auf die gewünscht Ebene zu bringen.

Die drei Hauptproblematiken bei religiösen Gruppen sieht Wilber in einer überwiegend prärationalen Einstellung, die Regression fördert und rationales Denken verhindert; in einer Abhängigkeit der Anhänger der Gruppe von einer permanenten Autoritätsfigur und wenn die Aussagen der Bewegung auf dem Führer und nicht einer Tradition beruhen. Doch diesen Problemen können auch Gruppen mit positiven Absichten verfallen und so ist es nicht von vornherein in "gut" und "böse" zu kategorisieren. Im Weiteren werden noch Merkmale von unproblematischen religiösen Gruppierungen vorgestellt. Die beiden letzten wurden von Ken Wilber selbst hinzugefügt. Als erstes sollte die Einstellung vor allem transrational sein. Hier geht es um eine Weiterentwicklung und die Rationalität wird integriert und nicht abgelehnt. Weiter steht dieser Gruppe eine spirituelle Tradition zu Grunde und die Autoritätsfigur ist nicht permanent sondern verzichtbar. Auch ist der Lehrer von den Mitgliedern nicht als fehlerlose und perfekte Figur angesehen. Als letztes sollte die religiöse Gruppierung nicht dem Narzissmus verfallen. Dies kann jedoch schnell passieren, wenn sie die gesamte Welt retten will.


Grace and Grit: Spirituality and Healing in the Life of Treya Killam Wilber

Grace and Grit: Spirituality and Healing in the Life of TreyaKillam Wilber (dt. Mut und Gnade. In einer Krankheit zum Tode bewährt sich eine große Liebe) erschien 1991 als erstes Buch Wilbers nach einer langen Pause des Schreibens. Das Buch handelt von der großen Liebe zwischen Ken Wilber und Terry Wiliam. Es ist das persönlichste Buch, das Wilber je geschrieben hat und wohl schreiben wird. Beide trafen sich bei einer Feier gemeinsamer Freunde und nannten es von da an Liebe auf die erste Berührung. Eine Woche nach ihrer ersten Begegnung trafen sie sich das erste Mal richtig miteinander und verbrachten ab diesem Moment jede freie Minute miteinander. Eine weitere Woche später hielt Wilber um ihre Hand an und einige Monate später heirateten sie. Noch vor der Hochzeit unterzog sich Terry einer Routineuntersuchung und bekam kurz nach dem Fest die Diagnose Brustkrebs. So handelt das Buch nicht nur von einer starken und tiefgehenden Liebe, sondern auch um einen Kampf und der Auseinandersetzung mit dem Tod. Fünf Jahre lang sollten Ken und Terry immer wieder auf die Probe gestellt und ihre Kraft und Liebe gemessen werden. Auf ihrem Weg haben sie ihre Familien und viele Freunde begleitet und unterstützt. In diesen Jahren informierten sie sich über das Thema Krebs, Gründe für dessen Ausbruch und zahlreiche konventionelle und unkonventionelle Therapieformen. Beim Überstehen dieser Zeit hat ihnen oft ihre Spiritualität und viele praktische Übungen geholfen.

Die Krankheit und die Auseinandersetzung damit, verhalf Treya (wie sie sich nach einem einschneidenden Traum nannte) auch zu sich und ihrer Spiritualität zu finden. Das Buch Grace and Grit schrieb Wilber auf Wunsch von Treya und versah es mit Tagebucheinträgen von ihr und vielen persönlichen Anmerkungen seinerseits. Doch Wilber schreibt auch gleichzeitig aus der Sicht des Helfers eines sterbenskranken Menschen und spricht über die Schwierigkeiten, vor denen ein Helfer steht.


Sex, Ecology, Spirituality: The Spirit of Evolution

Sex, Ecology, Spirituality: The Spirit of Evolution (dt. Eros, Kosmos, Logos) wurde 1995 als erstes Band einer entstehenden Kosmos-Trilogie veröffentlicht. Für das Schreiben des Buches benötigte Wilber drei Jahre und verfasste über 800 Seiten, wobei 270 Seiten reine Anmerkungen sind. Dabei beschrieb er die für ihn bedenklichen Tendenzen der transpersonalen und alternativen Welt gerade heraus. Das Band besteht aus zwei Teilen, wobei sich Wilber im Ersten Teil (Book One) mit seinem Stadien-Modell befasst und ausbaut. Hier stellt er zudem den Begriff Holon vor. Ein Holon ergibt sich durch die Kombination aus einem "Teil" und einem "Ganzen". Ein Holon wird mit steigender Anzahl von Ebenen immer tiefer. Ein Beispiel für ein Holon ist, dass ein Atom ein Teil eines Moleküls (also eines Ganzen) ist und gleichzeitig selbst ein Ganzes darstellt. Für Wilber ist jedoch die allgemeine hierarchische Auffassung vom "Kleinsten" zum "Größten" nicht richtig. Er sieht sie als etwas Quantitatives, dass sich nur an die sichtbare Wirklichkeit binde. Seiner Meinung nach liegt dem jedoch etwas Qualitatives zugrunde, also eine Hierarchie von Niedrig nach Hoch.

Weiter entwickelt Wilber vier Quadranten die durch die Achsen Innerlich/Äußerlich und Individuell/Kollektiv getrennt sind. Links-Oben befindet sich danach das Intentionale, Rechts-Oben das Verhalten, Links-Unten das Kulturelle und Rechts-Unten das Soziale. Die vier Quadranten werden zudem noch durch jeweils neun Ebenen ergänzt, sodass insgesamt 36 "Zellen" entstehen. Das Modell vereint scheinbar Unvereinbares wie den Behaviorismus, die introspektive Psychologie, die Kulturwissenschaften und die Soziologie. Wilber verdeutlicht, dass alle vier Quadranten gleichwertig beachtet werden müssen, um die Ganzheit zu erkennen.

Im zweiten Buch seines Werkes beschäftigt sich Wilber mit den Gründen, warum diese mehrdimensionale Sicht allgemein abgelehnt wird. So traue der Mensch nur einer Wirklichkeit, die mit den Sinnesorganen wahrgenommen werden kann. Das menschliche Innenleben hingegen wird meist als "subjektiv" abgelehnt. Wilber sieht diese Entwicklung zweigeteilt. Positiv sei die entstandene Differenzierung zwischen Kunst, Moral und Wissenschaft, sowie die Trennung zwischen Staat und Kirche. Negativ hingegen ist, dass Kunst und Moral nicht ausreichend gewürdigt werden und eine eindimensionale Lebenswelt geschaffen wurde. Daher plädiert Wilber für eine Integration der verschiedenen Lebenssphären und eine gegenseitige Anerkennung dieser.

Ein weiteres Konzept das Wilber in diesem Zusammenhang vorstellt, ist die aufwärts und abwärts gerichtete Spiritualität. Die Aufwärtsströmung geht von der Materie zum Absoluten Geist und die Abwärtsströmung vom Absoluten Geist zur Materie. Dabei ist keine der Strömungen besser oder schlechter als die Andere. Wilber sieht in der westlichen Gesellschaft momentan eine Abwärtsströmung.


The Eye of Sprit: An Integral Vision for a World Gone Slightly Mad

1996 widmete die Zeitschrift ReVision drei ihrer Ausgaben der Vision Wilbers. Hierbei kamen sowohl seine schärfsten Kritiker als auch er selbst zu Wort. Ein Jahr später wurde zudem eine Konferenz zu diesem Thema abgehalten, zu der Wilber (wie zu allen anderen Konferenzen) nicht erschien. Er veröffentlichte jedoch kurz davor ein Buch, in dem er seine eigene Entwicklung analysiert. Im Deutschen trägt es den Titel: Das Wahre, Schöne, Gute.

Wilber beschäftigt sich hier mit der Idee einer positiven Vereinigung von Religion und Wissenschaft. Er möchte einen Weg finden, der Spiritualität und geistige Freiheit ermöglicht und er ist auf der Suche nach einem neuem Verständnis von Gott bzw. dem Absoluten Geist. Für seinen gesamten Ansatz nutz Wilber den Begriff "integral" und versteht hierunter integrierend, einschließend, umfassend und gleichgewichtig. Bei seinen zahlreichen Studien des Ostens und des Westens kam Wilber zu dem Schluss, dass das Bewusstsein eine Art Spektrum mit vielen Zwischenebenen bilde. Er zeigt auf, dass sowohl der Osten als auch der Westen sich in gewisser Weise mit diesem Thema beschäftigt hat, beide jedoch nicht vollständig seien und gewisse Punkte kritisch zu betrachten seien. Werden jedoch die Erkenntnisse des Ostens und des Westens genutzt, entsteht ein integraler Ansatz der alle Ebenen und alle Quadranten umfasst. Bei diesem Modell wird zudem deutlich, dass Wilber keinen Quadranten bevorzugt und sie alle als gleich wichtig ansieht .Er befasst sich zudem mit dem sehr schwierigen und kontroversen Thema der kulturellen Evolution und dem Weg hin zu einer fortgeschritteneren Spiritualität.

Am Ende seines Buches möchte Wilber noch einmal verdeutlichen, dass letztendlich alles absoluter Geist ist und daher eine Suche danach nicht nötig sei. Die große Erkenntnis hieraus ist, dass es nicht schwierig ist den reinen Absoluten Geist zu verwirklichen, sondern ihn in irgendeiner Weise zu vermeiden.

Wilber selbst hatte diese Erkenntnis in gewissem Maße schon in seinem ersten Buch nieder geschrieben. Nach jahrelanger Meditationspraxis ist es ihm außerdem möglich diese Erkenntnis in seinem Alltagsleben fast immer präsent zu haben. Er beschreibt ebenfalls diesen erleuchteten Zustand und die Verpflichtung anderen zu dieser Erkenntnis zu verhelfen.


The Marriage of Sense and Soul: Integrating Science and Religion

1998 entstand das Buch "The Marriage of Sense and Soul: Integrating Science and Religion" (dt. Naturwissenschaft und Religion). Dieses Buch ist eins seiner einfacheren, sowohl vom Schreiben als auch für das Verständnis der Leser. Wilber beschäftigt sich hier ein weiteres Mal mit dem Diskurs zwischen Wissenschaft und Religion. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Rehabilitation der inneren Domäne, um im Anschluss einen Weg zu finden der Religion und Wissenschaft vereint.

Hierfür müsste sich jedoch sowohl die Religion als auch die Wissenschaft selbst hinterfragen. Die Wissenschaft beispielsweise sagt aus, dass Wissen auf Empirie beruhen müsse. Wilber zeigt jedoch auf, dass die Wissenschaft eigentlich in Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Spirituelle Wissenschaft unterschieden werden müsse. Alle drei würden der Methode der Vorgabe, Wahrnehmung und Prüfung folgen. Die Religion hingegen müsse sich auf ihre direkten spirituellen Erfahrungen besinnen, um so der Neuzeit zum Eintritt in die spirituelle Welt zu verhelfen.

Wilber bezieht sich ein weiteres Mal auf den Begriff "Flachland" um die heutige westliche Welt zu beschreiben und spitzt es zu in dem er von der am weitesten entwickelten und gleichzeitig oberflächlichsten Kultur spricht, die es in der gesamten Geschichte gebe. Er kritisiert dabei zwar auch die Wissenschaft, lehnt jedoch nur eine extreme Form dieser ab.

Am Ende seines Buches beschreibt er noch einmal eine integrale Sicht auf die Wirklichkeit und bezieht dabei die Wissenschaft aber auch die Politik mit ein. Seiner Ansicht nach sollten die Auswirkungen eines Quadranten auf die anderen drei erforscht werden, um so ein ganzheitlicheres Verständnis zu erlangen. Zudem stellt er die Frage nach einer Veränderung von allem, wenn tatsächlich ein Großteil der Menschen die höheren Entwicklungsstadien erreichen könnten.


One Taste: Daily Reflections on Integral Spirituality

Das Buch "One Taste" (dt. Einfach "Das") wurde 1999 veröffentlicht und entstand aus Ken Wilbers Tagebuch, welches er 1997 zu schreiben begann. Der Begriff "One Taste" wurde eins zu eins ins Deutsche übersetzt und beschreibt als "Ein Geschmack" die nach Wilber tiefste mystische Erfahrung. Es sei die Erfahrung einer Einheit ohne Dualismus und in diesen Jahren Wilber größtenteils präsent. Dieses Buch ist zusammen mit "Grace and Grit" sein persönlichstes Werk, das er je geschrieben hat.

Mit zunehmender Vertiefung seiner Meditation bemerkte Wilber, dass auch in den verschiedenen Schlafphasen ein Teil des wachen Bewusstseins vorhanden sei. Wilber erklärt diese Erfahrungen durch den Verlauf tiefer Meditation, in dem die verschiedenen Stadien ebenfalls bewusst durchschritten werden könnten. Auch gleiche dieser Vorgang dem Kreislauf der Reinkarnation und könne laut Wilber während des Sterbeprozesses nur bewusst wahrgenommen werden, wenn der Mensch während seines Lebens tiefe Meditation praktiziert habe. Habe dieser Mensch keine tiefe Meditation praktiziert, so würde dieser sein Bewusstsein verlieren und erst zur nächsten Inkarnation erwachen. Nach dieser Lehre könne das Selbst den Tod überwinden und unser Gedächtnis die vorherigen Leben der reinkarnierten Seele verbinden.


The Collected Works of Ken Wilber

Zwei Verlagshäuser beschlossen eine Komplikation der Werke Wilbers mit dem Titel The Collected Works of Ken Wilber zu veröffentlichen. Nur wenigen kommt schon zu Lebzeiten diese Ehre zuteil. Allerdings wurde Wilber die Aufgabe zuteil dieses Werk zusammen zustellen. Die Zeit zwischen 1988 bis 1999 wurde so sehr arbeitsintensiv für ihn. Es war jedoch auch die produktivste Zeit, da er neben der Revision drei weitere Bücher schrieb. Wilber konnte bei der Erstellung der Bände sein Gesamtwerk einmal überdenken und mit seinem damaligen Standpunkt zu betrachten. Außerdem wurden zwei von ihm noch nicht veröffentliche Texte mit aufgenommen und Wilber geht auf die verschiedensten Kritiken an seinen Werken ein.

The Collected Works of Ken Wilber wurde in acht Bände verfasst. Die ersten vier erschienen 1999 und die letzten vier ein Jahr später.

Band I:The Spectrum of Consciousness, No Boundary

Band II: The Atman Project, Up from Eden

Band III: A Sociable God, Eye to Eye

Band IV: The Holographic Paradigm, Quantum Questions, Transformations of Consciousness, Sociocultural Evolution, Integral Psychology

Band V: Grace and Grit

Band VI: Sex, Ecology, Spirituality

Band VII: A Brief History of Everything, The Eye of Spirit

Band VIII: The Marriage of Sense and Soul, One Taste


A Theory of Everything: An Integral Vision for Business, Politics, Science and Spirituality

Als Wilber "A Theory of Everything" (dt. Ganzheitlich Handeln) schrieb, arbeitete er gleichzeitig an "The Collected Works of Ken Wilber" und an "Boomeritis". Er selbst beschrieb dies später als die produktivsten Jahre seines gesamten Lebens.

Ein Teil des Buches ist vom Wortlaut her dem Buch "Boomeritis" gleich. Hier beschreibt er die Leiden unserer Zeit. Der Rest handelt von möglichen Lösungen mithilfe Wilbers integraler Vision. Zudem werden Anwendungsbereiche vorgestellt, wie Medizin, Politik und Pädagogik. Wilber betrachtet in seiner politischen Theorie drei Dimensionen: Ursache, Entwicklung und das Individuelle bzw. Kollektive.

Bei der Ursache des Leidens befasst sich Wilber mit den Positionen der Liberalen und Konservativen. Die Liberalen sehen die Ursache in der Gesellschaft und den äußeren Umständen, während die Konservativen eher das Innere des Menschen als den Ausgangspunkt beschreiben. So strebt die liberale Politik nach einer Reformierung der Gesellschaft, also beispielsweise Chancengleichheit für alle, und die konservative Politik nach einer Wiederherstellung von Normen und Werten. Beide Sichtweisen müssten nach Wilber respektiert und mit einbezogen werden. Die zweite Dimension (Entwicklung) ist für Wilber besonders wichtig, sieht er dies jedoch sowohl im Liberalismus als auch im Konventionalismus nicht ausreichend angenommen, woraus ein Dilemma für die Menschen entstehe. Als drittes betrachtet Wilber die politischen Strömungen im Hinblick auf das Individuum und das Kollektiv oder auch auf Freiheit und Ordnung. Wilber stellt hier Überlegungen zu einer möglichen positiven Weltpolitik an. Er sieht die Globalisierung nicht als alleiniges Mittel für eine friedliche Weltkultur an.

Wilber ist zudem der Meinung, dass weiter entwickelte Kulturen vor mehr Problemen stehen als nicht entwickelte Kulturen, da die Mitglieder der weiter entwickelten Kultur einen längeren Weg der Entwicklung zurücklegen müssen, um die kollektive Ebene des Bewusstseins zu erreichen.


Boomeritis: A Novel That Will Set You Free!

Boomeritis war erstmals als Essay in den gesammelten Werken Ken Wilbers zu lesen und wurde schließlich 2002 als Buch veröffentlicht. In diesem Buch beschäftigt sich Wilber mit seiner eigenen Generation der baby boomer. Wie viele andere Kritiker beschreibt Wilber die Nachkriegsgeneration als narzisstisch und nihilistisch. Doch sieht er auch das Potenzial für eine gesunde Geisteshaltung bis hin zu einer erwachsenen Spiritualität.

Nichts desto trotz kritisiert Wilber die Generation stark und spricht von einer krankhaften Ausdrucksform. Auch kritisiert er in diesem Zusammenhang die postmoderne Strömung, das Subjekt vollends abzulehnen. Laut Wilber würde so die Möglichkeit für Tiefgründigkeit, Qualität und Verantwortlichkeit genommen. Dabei soll das Subjekt nicht als ein vollständig autonomes Wesen angesehen werden, sondern als Teil von etwas Größerem. Doch auch die transpersonale, multikulturelle und alternative Gemeinschaft, die alle drei viele positive Aspekte vereinen, gehen Wilber nicht weit genug. Meist wenden sie sich in ihrer Überzeugung von einem universalen Gedankenbild ab, da sie nicht bereit sind, beispielsweise den Egozentrismus als durchaus positiven Teil der Entwicklung anzuerkennen.

Wilber sieht seine Aufgabe darin, die niedrigeren Stadien gesünder zu machen und hofft auf eine neue Sichtweise von traditionellen spirituellen Werten. Er merkt zudem an, dass nicht die integrale Vision dabei im Vordergrund steht, sondern Möglichkeiten zu entwickeln denen zu helfen, die in den niedrigsten Stadien gefangen sind und um ihr Überleben kämpfen.


Weitere Bücher von Ken Wilber:

  • The simple Feeling of Beeing
  • The Integral Spirituality
  • The Integral Vision
  • Integral Life Practice
  • The Fourth Turning
  • Integral Psychology


Mehr Informationen zum Integralen Denken findet man auch hier.