NLP Bibliothek: Diamond Landkarte

9.3 Diamond Landkarte

"Die Probleme von heute sind die Lösungen von gestern! Die Lösungen von heute werden die Probleme von morgen sein."

Ergänzt man einen Basis-Diamond links um einen weiteren Diamond entsteht folgendes Bild:

Diamond Landkarte

Nun gibt es links einen neuen Punkt, der hier als altes Problem (AP) bezeichnet wird. Das Problem (P) ist jetzt nicht mehr nur das Problem, sondern auf einmal auch eine Lösung für ein altes Problem. Es ergibt sich eine neue Fragestellung: Für welches Problem war das jetzige Problem eine Lösung? Auf diese Weise lassen sich weitere Diamonds links anschließen.

Diese Mehrdeutigkeit von Diamond-Punkten vergrößert sich noch, wenn wir nun die Erweiterungen auch nach den anderen Seiten hin betrachten. Man kann genauso den sowohl-als-auch bzw. den weder-noch-Punkt als Ausgangspunkt eines neuen Diamonds nehmen. Der Punkt wird zum Satz, zu dem wir den Gegen-Satz suchen und anschließend sowohl-als-auch und weder-noch.

Dabei passiert es jedoch, dass Punkte doppelt belegt werden, z.B. erweitert man den Diamond vom sowohl-als-auch-Punkt aus, so ist der Gegen-Satz-Punkt des alten Diamonds gleichzeitig der weder-noch-Punkt des neuen Diamonds. Mit zunehmender Erweiterung des Basis-Diamonds erhält jeder Punkt eine mehrfache Funktion.

Die Sprachliche Form muss dabei nicht deckungsgleich sein - sondern die unterschiedlichen Begriffe können Ausgangspunkt für die Frage sein, wie die Begriffe für den Anwender zusammen hängen und welche Verbindungen es gibt.

Die Mehrfachbelegungen stellen zugleich eine Stärke und eine Schwäche der Diamond-Technik dar. Die Schwäche liegt in der Gefahr der Unübersichtlichkeit und manchmal in der mangelnden inhaltlichen Deckung von Begriffen. Die große Stärke der Mehrfachbelegungen liegt aber in der hohen Anschaulichkeit des komplexen Zusammenhangs und der "Relativierung" von Begriffen. Das entstehende Netzwerk macht sehr deutlich, dass kein Punkt für sich etwas Absolutes darstellt.

Man kann die Diamond Technik als eine spezielle Form von Reframing auffassen, d.h. als das Kreieren eines neuen Rahmens. Das stimmt sicherlich zu einem ganz hohen Maße. Vieles deutet darauf hin, dass die Wirkungsweise des Diamond auf den Prinzipien des Reframing aufbaut. Schließlich befähigt es den Befragten, das ursprüngliche Problem in einem völlig neuen Licht und von einer ganz anderen Perspektive aus zu sehen.

Die Diamond Technik geht aber über bisherige Reframing-Methoden noch hinaus. Sie erzeugt nicht nur einen neuen Rahmen, wodurch das alte Bild dann verändert wirkt, sondern sie lässt die Rahmen selber und die Entstehung dieser Rahmen für den Befragten sichtbar werden. Der Klient bekommt dadurch Zugang zu der eigenen Erzeugung von Bedeutungen - und damit auch zu deren Veränderung.