NLP-Bibliothek

1.1.2 Die grundlegenden Verarbeitungsprozesse:



Verallgemeinern, Tilgen und Verzerren



Oben haben wir gesehen, welche Rahmenbedingungen unsere Wahrnehmung beeinflussen, welche Faktoren auf den Entwurf unserer "Landkarte von der Welt" einwirken. Mittels unserer Sprache sind wir imstande unsere Wahrnehmung auch anderen Menschen zu vermitteln. Unsere Ausdrucksweise spiegelt dabei nicht nur unser Weltbild, sondern weitgehend auch die Prozesse wieder, mittels derer wir unser Modell der Welt erzeugt haben.

Es sind im wesentlichen drei Gestaltungsprozesse, mit denen wir unser Erleben verarbeiten und dann sprachlich reprsentieren: Generalisieren (verallgemeinern), Tilgen und Verzerren (Phantasieren). Diese Prozesse erlauben uns einerseits zu berleben, zu wachsen, zu lernen, zu verstehen und den Reichtum, den die Welt zu bieten hat, zu erfahren. Andererseits knnen eben diese Prozesse zu Problemen fhren, da wir flschlicherweise unsere eigene selektive Wahrnehmung der Realitt mit der ueren Welt schlechthin gleichsetzen/verwechseln.

Durch Generalisieren lernen wir in der Welt zu bestehen: Wenn wir uns beispielsweise als Kind einmal an einem Bgeleisen verbrannt haben, verallgemeinern wir diese Erfahrungen auf alle Objekte, die hei sind und hnlich aussehen. Wir mssen das gleiche Erlebnis mit einem anderen Bgeleisen nicht wiederholen, denn wir haben die Generalisierung dieser Erfahrung bereits gelernt.

Ein Beispiel fr eine einschrnkende Generalisierung ist zum Beispiel eine typische Hundephobie. Das Erlebnis, einmal von einem Hund gebissen worden zu sein, ist auf alle existierenden Hunde bertragen worden, das Ergebnis ist dann eine erhebliche Beeintrchtigung der alltglichen Bewegungsfreiheit und des allgemeinen Wohlbefindens.

Die Fhigkeit zu Tilgen erlaubt uns, nur die fr uns wichtigen Informationen aufzunehmen. Ansonsten wrden wir von einer Flut von Reizen berschwemmt, die unser Bewusstsein gar nicht alle verarbeiten knnte. So kann jemand ein Buch lesen, whrend Leute um ihn herum reden oder der Fernseher luft.
Einschrnkend wirken Tilgungen jedoch dann, wenn wir ntzliche Erfahrungen lschen oder ignorieren, wie dies etwa bei der Klage "Ich bekomme keinerlei Anerkennung" erkennbar wird. In dieser Aussage sind nicht nur die Erfahrungen, in denen derjenige anerkannt wurde, verschwunden, sondern auch die Akteure dieses Nicht-Anerkennens sowie das, was von diesen nicht anerkannt wird, usw.

Der dritte Prozess, mit dem wir unsere Wahrnehmung kreieren ist das Verzerren und Phantasieren. Wir knnen mittels dieser Prozesse unsere Erfahrungen so um- und neu gestalten, wie wir es uns wnschen. Auf der Grundlage dieser Fhigkeit sind wir fhig, Trume in Realitt umzusetzen, Bilder zu malen oder Romane zu schreiben.
Nachteile des Verzerrens zeigen sich in Feststellungen wie zum Beispiel: "Ich bedauere meine Entscheidung." Hier ist sprachlich ein Prozess - der des Entscheidens nmlich - zu einem unwandelbaren Ereignis erstarrt. Der Sprecher nimmt sich so die Kontrolle ber fortlaufende Prozesse, indem er sie zu einer nicht zu ndernden Tatsache umdefiniert.

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