Glücksforschung

Forschung
Forschung (Unsplash: © João Silas)

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Glücksforschung?
  2. Wo leben die glücklichsten Menschen?
  3. World Happiness Report
  4. Bhutan und das Bruttonationalglück
  5. Was wird alles bei der Glücksforschung untersucht?
  6. Warum sind die Länder im Norden so glücklich?
  7. Was sind die Ergebnisse der Glücksforschung?
  8. Glücksformel 1/3 Sein, 1/3 Haben und 1/3 Lieben
  9. Unterschiedliche Arten der Glücksforschung
  10. Glück ist eine Frage der Perspektive

Was ist Glücksforschung?

Mit Glücksforschung wird jener Forschungszweig bezeichnet, der als Untersuchungsgegenstand das Glück der Menschen in den Fokus stellt. Es werden dementsprechend die für das Glück notwendigen Bedingungen in Bezug auf den einzelnen Menschen, eine gesellschaftliche Gruppe oder der Bevölkerung eines Landes untersucht. Die Forschung arbeitet ausgehend von einer humanistischen Perspektive, in der das Streben nach Glück des Einzelnen und die Entwicklung des Selbst eine zentrale Rolle einnimmt.

Die Glücksforschung ist im Vergleich zu den anderen Wissenschaften ein relativ junger Zweig, der interdisziplinär im wissenschaftlichen Feld verbreitet ist. Sie tangiert unter anderem die Medizin sowie die Psychologie, die Soziologie, die Ökonomie und die Philosophie.

Wo leben die glücklichsten Menschen?

World Happiness Report

Es gibt einige Studien zum Vergleich von Ländern angesichts ihres Glücksniveaus. Ranglisten mit den glücklichsten Ländern in der Welt gibt es von den Vereinten Nationen in einem jährlich erstellten Bericht, dem sogenannten World Happiness Report.

Im World Happiness Report werden insgesamt 155 Länder untersucht. Das Land mit der höchsten Glücksqualität ist nach dem World Happiness Report im Jahr 2019 Finnland. Es folgen Dänemark, Norwegen, Island und die Niederlande auf den Plätzen zwei bis fünf.

Platz sechs erhielt die Schweiz; Schweden, Neuseeland, Kanada und Österreich befinden sich auf den Plätzen sieben bis zehn. Deutschland liegt auf Platz 16.

Schlusslichter auf den Plätzen 151 bis 155 sind Ruanda, Syrien, Tansania, Burundi und die zentral afrikanische Republik.

World Happiness Report: fünf Kernelemente für das Glück

Im Bericht des World Happiness Reports werden fünf verschiedene Kernelemente herausgearbeitet, in denen das jeweilig untersuchte Land eine gewisse Anzahl Punkte erreichen kann.

Diese Kategorien sind:

  • Soziale Unterstützung,
  • eine gesunde Lebenserwartung,
  • Generosität,
  • Vertrauen und
  • Freiheit der eigenen Lebensentscheidungen.

Der Bereich der sozialen Unterstützung beschäftigt sich mit dem System des jeweiligen Landes. Mit sozialer Unterstützung ist sowohl die gesundheitliche Fürsorge, die Bildung, die Absicherung im Alter als auch Unterstützung im Falle von beispielsweise Arbeitslosigkeit gemeint. Aber auch die Unterstützung alleinerziehender Mütter oder eine gute Infrastruktur an Kinderbetreuungsplätzen generell gehören in diesen Bereich. Wesentlich für das Glück ist, dass die Befragten das Gefühl haben mit ihren Sorgen nicht allein gelassen zu werden und ein transparentes System vorzufinden.

Eine gesunde Lebenserwartung wird durch verschiedene andere Indikatoren bestimmt. Die Lebenserwartung der Menschen in einem Land lässt Rückschlüsse auf das Glück der Menschen zu.

Mit Generosität, also Großzügigkeit ist gemeint, dass die Menschen in den glücklichen Ländern gerne geben und dieses Teilen der subjektiven Selbsteinschätzung der Einzelnen zur Folge merklich zum Glück beiträgt.

Wesentlich ist auch eine Freiheit der eigenen Lebensentscheidungen gegenüber. Wenn man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen selbst gestalten kann, hat man eine hohe Chance, glücklich zu sein oder zu werden.

Der letzte Faktor, der im World Happiness Report herausgestellt wird, ist das Vertrauen. Eine grundsätzliche Ausgangssituation von Vertrauen in sich und die Welt macht glücklich.


Bhutan und das Bruttonationalglück

Um die Entwicklung eines Landes zu messen, werden unterschiedliche Indikatoren benutzt. Eine auf die Initiative der Regierung durchgeführte Einschätzung des Glücks der Bevölkerung und deren Relation zum jeweiligen Entwicklungsprozess findet nur im Land Bhutan statt. Entscheidungen zu Reformen werden dort auch unter dem Einfluss des Glücksergebnisses getroffen.

Was wird alles bei der Glücksforschung untersucht?

Die Glücksforschung befasst sich nicht nur mit den unterschiedlichen Parametern die das Glück möglich machen, sondern auch mit einer Unterscheidung mehrerer, differenter Ebenen, die den Menschen in seinem jeweiligen Bezugsrahmen verankern. Es gibt natürlich darüber hinaus zahlreiche soziologische Aspekte in der Glücksforschung. Für ganze Gesellschaften geltende Indikatoren sind maßgeblich für eine umfassende Definition der Bedingungen für ein glückliches Leben.

Bei den Befragungen zum World Happiness Report spielen Eigenwahrnehmungen der Befragten sowie die für das Land geltenden grundsätzlichen Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle. Die Methode, mit der die Glücksforschung ihre Ergebnisse erzielt ist natürlich je nach Fachbereich unterschiedlich, viele Studien berufen sich auf die eigenen Angaben von Personen und erzielen ihre Ergebnisse aus der Auswertung von Befragungen.

Warum sind die Länder im Norden so glücklich?

Wenn man den World Happiness Report betrachtet, dann sticht ins Auge, dass die nordeuropäischen Länder immer in den oberen Rängen platziert sind. Dies wirft Fragen auf, weil eigentlich die Assoziation mit Kälte, Dunkelheit und einer hohen Rate an Depressionen gerade in den Ländern, in denen im Winter monatelang Dunkelheit herrscht, nahe liegt. Dies alles sind reale Faktoren, allerdings verfügen die nordischen Länder über gewisse kulturelle, das Glück ihrer Bewohner steigernde kulturelle Verankerungen und wohl einige der am besten funktionierenden Sozialsysteme der Welt.

Finnland
Finnland (Unsplash: © Carlos "Grury" Santos)

Eine gute Versicherung, ein sehr gutes Bildung- und Gesundheitswesen, relativ kurze Arbeitszeiten, ein Gehalt, das zum Leben reicht, ausreichend Urlaub, der Zeit zur Entspannung generell, eine sehr geringe Rate an Korruption, politische Transparenz, das Gefühl, dass die Regierung die Bedürfnisse der Bevölkerung ernst nimmt und auch abdeckt und das hohe Maß an Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung sorgen für diese guten Ergebnisse.

Zu den kulturellen Überlieferungen ist zu sagen, das sowohl in Dänemark, Island, Finnland, Norwegen als auch in Schweden Alltagskulturen in das Leben der Menschen integriert sind, die das Glück positiv beeinflussen. So gehört es beispielsweise zur dänischen kulturellen Identität eine Arbeit nur dann zu machen, wenn diese einen auch erfüllt. Diese Verankerungen übertragen sich auf ganze Gesellschaften und fungieren dann sozusagen als kulturelles Erbe.

Was sind die Ergebnisse der Glücksforschung?

Eine Studie zur Glücksforschung, die als Langzeitstudie gilt, wurde von der Harvard Universität im Jahre 1937 initiiert. Sie ist aufgrund der Länge der Durchführung eine der mit Abstand aufwendigsten Studien weltweit. Menschen wurden auf Lebenszeit beobachtetet und in Abständen von wenigen Jahren verschiedenen Tests und Befragungen unterzogen, die die unterschiedliche Entwicklung im Leben der Teilnehmer nachzeichneten. Ein wesentliches Kernelement, so fanden die Forscher heraus, ist das verankert sein in einer stabilen Beziehung vor dem fünfzigsten Lebensjahr, sportlich aktiv zu sein, nicht zu viel zu essen und zu trinken und nicht zu rauchen.

Gesundheit gilt als wesentliche Bedingung für Glück. Das Wichtigste allerdings sind der Harvard Universität zur Folge die persönlichen Bindungen des Einzelnen, sei es in einer stabilen Partnerschaft, im Freundeskreis oder im sozialen Engagement. Sie machen den absoluten Hauptfaktor für ein gelingendes, langes Leben aus.


Glücksformel 1/3 Sein, 1/3 Haben und 1/3 Lieben

Eine Studie aus Deutschland von der Universität Magdeburg hat eine sogenannte Glücksformel entwickelt.

  • Ein Drittel des Glücks hängt von der Existenzsicherung ab,
  • ein weiteres Drittel vom Lieben in Partnerschaft, Familie und Freundschaft und
  • ein Drittel vom Sein, damit ist sinnhaftes Sein gemeint.

In der aus der deutschen Glücksforschung stammenden Formel ist also eine gesunde Verbindung von Arbeit, dem sozialem und dem sinnhaften Sein die optimale Kombination als Voraussetzung für ein glückliches Leben. Die sogenannte Glücksformel symbolisiert auch die Relevanz eines Gleichgewichtes zwischen diesen drei Faktoren.

Unterschiedliche Arten der Glücksforschung:

Es gibt verschiedene Arten von Glücksforschung, denen gemeinsam ist, dass sie sich mit den einzelnen Faktoren für das Glück der Menschen auseinandersetzen. Es geht um eine Machbarkeit von Glück, deshalb befassen sich die Forscher mit den notwendigen Bedingungen auf nahezu allen Ebenen.

In dem Bereich der Geisteswissenschaften gibt eine traditionsreiche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Glücks. Die empirische Glücksforschung steckt im Vergleich dazu noch in den Kinderschuhen, meist bedienen sich die Disziplinen der Soziologie, der Ökonomie, Zufriedenheit oder Wohlstand um Daten erheben zu können, die eine wissenschaftliche Forschung und einen auf Evidenz basiertes Untersuchen der Fakten möglich macht.

  1. Empirische Glücksforschung

    Die noch junge empirische Glücksforschung versucht das Glück beweisbar zu machen beziehungsweise die mit dem Glück in Korrelation stehenden Merkmale herauszufiltern. Schwierigkeiten bestehen darin, das Glück eine Empfindung ist. Wie kann eine Empfindung gemessen werden? Für das Erzielen von wissenschaftlich validierten Erkenntnissen wird oft auf Fragebögen und Interviews zurückgegriffen. Dies ist dadurch erklärbar, dass Glück bis auf Bereiche in der Gehirnforschung nicht gemessen werden kann.

  2. Philosophische Glücksforschung

    Die philosophische Glücksforschung geht auf Aristoteles zurück, der als erster eine Beschreibung für den glücklichen Zustand eines Menschen lieferte. Er beschreibt Glück als etwas um seiner selbst willen geschehendes. Für Aristoteles hat jeder Mensch eine gewisse Aufgabe, die sich aus seinem eigenen Potenzial heraus ergibt. Diese Aufgabe wurde "Ergon" genannt. In Verbindung mit dieser Aufgabe entsteht ein Lebenswerk. Aristoteles bestimmte den Menschen mehr durch sein Handeln als durch seine eigene subjektive Wahrnehmung. Was seinen Möglichkeiten zum einen entspricht und zum anderen einer vernünftigen Leitlinie für das Leben selbst.

  3. Physiologische Glücksforschung

    Physiologische Glücksforschung befasst sich mit der Messung der Gehirnströme. Sie gibt Aufschluss darüber welche Areale im Gehirn unter Hochstimmung aktiviert werden. Das Maß an Aktivierung ist unterschiedlich ausgeprägt. Die Gehirnforschung trägt ihren Teil zu den Erkenntnissen bei. Ebenfalls der Medizin beziehungsweise der physiologischen Glücksforschung untergeordnet ist die Genetik. Es wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen herausgefunden, dass die Gene beim persönlichen Glück eine Rolle von circa 50% einnehmen.

  4. Sozialwissenschaftliche Glücksforschung

    Die soziologische beziehungsweise sozialwissenschaftliche Glücksforschung befasst sich mit gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen für das Glück. Hier spielen demografische Fakten eine Rolle wie Bevölkerungszahl, Lebenserwartung, Kindersterblichkeit und andere. Das politische Gefüge, in dessen Zusammenhang die Menschen leben gibt ebenfalls Aufschluss auf das Glück. In einer Diktatur beispielsweise ist eine realistische Chance auf das Glück wesentlich geringer als in einer Demokratie und das pro Kopf Einkommen sagt zunächst darüber etwas aus, wo Menschen beispielsweise in extremer Armut leben müssen.

  5. Experimentelle Glücksforschung

    Die jüngste Disziplin unter der Glücksforschung ist die sogenannte experimentelle Glücksforschung. Hier ist der Begriff der optimalen Beanspruchung zu erwähnen. Das heißt, Glück wird optimal gefördert, wenn der Mensch auf die Art und Weise beansprucht wird, sodass sich seine Stärken entwickeln können und er sein Potenzial sinnvoll einbringen und ausweiten kann. Das heißt, keine Herausforderung zu haben macht nicht glücklich, zu viel, also Überforderung ebenfalls nicht. Eine Balance aus Herausforderung und Machbarkeit ist wichtig.

Glück ist eine Frage der Perspektive

Untersuchungen, was genau Menschen glücklich macht, sind relevant um Indikatoren festzustellen, die von außen beeinflussbar sind. Es bleibt allerdings eine Tatsache, dass sämtliche Indikatoren unter der Wahrnehmung des Einzelnen stehen. Die Perspektive des Menschen auf das eigene Leben, die Kapazität, das Positive zu sehen, die Widerstandsfähigkeit des Einzelnen und die Fähigkeit zur Um- beziehungsweise Neuorientierung sind sozusagen die Brille durch die ein Leben als Ganzes betrachtet werden kann. Diese Brille kann negativ oder positiv eingefärbt sein.

Glückliche Frau
Glückliche Frau (Unsplash: © Priscilla Du Preez)

Wenn man beispielsweise zwei Frauen gleichen Alters, Herkunft, Bildungshintergrunds, Gesundheitszustands, Berufsstands und gleicher Kinderzahl als Vergleichspersonen nimmt und sie zu ihrem persönlichen Glück befragt, können zwei extrem unterschiedliche Selbstwahrnehmungen zutage treten.
Die Eine kann sich als überaus glücklich einschätzen und dankbar auf die Umstände des eigenen Lebens blicken, die Andere kann das vermeintlich gleiche Leben weitaus negativer betrachten.

Daraus ergeben sich zwei wesentliche Beschaffenheit von Glück:

  • Erstens, Glück ist und bleibt subjektiv. Die eine Person macht glücklich, was eine andere vielleicht nicht mal zufriedenstellt oder gar unglücklich macht.
  • Zweitens: Glück ist eine Frage der Wahrnehmung. Haben die Menschen eher einen Blick auf das Gute in Ihrem Leben oder liegen die Sorgen, Probleme und Unsicherheiten im Fokus? Die Sicht auf die Dinge ist oft entscheidend.