Mögliche Probleme bei der Auftragsklärung im geschäftlichen Bereich

Nicolas LehnartPrivatcoachings auf der Basis von Freiwilligkeit (oder zumindest Einsicht in die Notwendigkeit) sind eine Sache – eine andere sind solche im geschäftlichen Bereich, insbesondere, wenn sie auf Anordnung von Oben zustande gekommen sind. Hier können von den verschiedenen Klientenseiten aus (also sowohl desjenigen, der das Coaching in Auftrag gibt als auch desjenigen, dem es dann Zugute kommt) implizite Erwartungen an den Coach gerichtet werden, die ein erfolgreiches Coaching problematisch gestalten.

  • Delegation von Führungsaufgaben: Bestimmte Aspekte im Bereich der Mitarbeiterführung, die eigentlich einem Angestellten in leitender Position zufallen würden, werden an einen Coach „outgesourced“. Problematisch, weil das Coach/Coachee-Verhältnis ein ganz anderes ist als das zu einem Vorgesetzten
  • Spionage: In bestimmten Situationen können Coachings auch dazu eingesetzt werden, um besondere Informationen über die verschiedenen Teilnehmer in Erfahrung zu bringen (beispielsweise durch ein Coaching mit mehreren Teilnehmern, von denen einer ein „Spion“ ist). Problematisch, weil Vertrauen die Grundlage eines Coachings und gerade die Verschwiegenheitsgarantie essenziell für sein Gelingen ist.
  • Stille Post: Dadurch, dass der Coach viele Informationen mittelbar erfährt, besteht die Gefahr des „Stille Post“-Syndroms: viele Nachrichten geben nur verzerrt die Realität wieder, da sie durch die persönliche Perspektive des Überbringers verzerrt sind.
  • Zielunklarheit: Ein Coachee, der zum Coaching gewissermaßen „verdonnert“ wurde, ist sich möglicherweise gar nicht darüber im Klaren, was er verändert haben möchte und wo genau der Handlungsbedarf bestehen soll (und falls doch, ist er weniger motiviert dazu, diese Information preiszugeben als jemand, der aus freien Stücken ein Coaching besucht). Unter diesen Umständen eine Auftragsklärung vorzunehmen, kann sich als sehr kompliziert gestalten.
  • Problematisierungswunsch: Eine der beteiligten Parteien hat (möglicherweise aus eigennützigen Gründen) das Ziel, die Situation problematischer erscheinen zu lassen, als sie es tatsächlich ist.
  • Kommunikative Umwege: Die Beteiligten sehen das Coaching als Gelegenheit an, um dem jeweils anderen über den Coach ihre Ansichten mitzuteilen.
  • Verdecktes Outplacement: Während der Auftraggeber vorgibt, das Coaching zum Zweck der besseren Integration des Coachees in das Unternehmen angeordnet zu haben, geht es im Grunde darum, den Klienten bereits auf seine Entlassung vorzubereiten.
  • Bestechung: Wenn eine der beteiligten Parteien ein bestimmtes Ergebnis für das Coaching wünschen, kann es passieren, dass sie den Coach dahingehend zu beeinflussen versuchen, dass er sein Fazit entsprechend anpasst.

So bestehen im Businessbereich zwei verschiedene Arten von Verträgen: Bei expliziten und ausgesprochenen Verträgen wird der Auftrag klar formuliert und Absichten, Beweggründe und Ziele werden offen besprochen und diskutiert. Bei impliziten oder verdeckten Aufträge bleiben Absichten, Ziele oder Nebeneffekte verborgen und werden nicht ausgesprochen. Dies kann mit unbewussten und nicht formulierten Erwartungen verknüpft sein.

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