Bevorzugtes Repräsentations-System im NLP: Primäres Repräsentationssystem und andere Repräsentationssysteme

Definition & Bedeutung primäres Repräsentationssystem im NLP

Das bevorzugte Repräsentations-System beschreibt in der NLP Coaching Ausbildung jenes Sinnes- und Verarbeitungssystem, das eine Person bevorzugt nutzt, um Informationen wahrzunehmen, zu verarbeiten und zu kommunizieren. Menschen nutzen alle unterschiedlichen Repräsentationssysteme, doch variiert, welches sie bevorzugen, individuell und kontextabhängig, was eine wichtige Unterscheidung in der NLP Ausbildung darstellt.

Diese Repräsentationssysteme werden nach den unterschiedlichen Kanälen bezeichnet, über die wir Informationen aufnehmen: visuell (sehen), auditiv (hören), kinästhetisch (fühlen) oder auditiv-digital (innere Dialoge, rationale Sprache). Das Konzept bezieht sich auf das bevorzugte Sinnes-System, das Informationen zugänglich macht und bewusst zugänglich hält, während andere Systeme teilweise unbewusst arbeiten.

Menschen haben dabei unterschiedliche Präferenzen – einige zeigen ein Sinnes-System eindeutig dominant, während andere flexibel zwischen mehreren Repräsentationssystemen wechseln, was eine wichtige Unterscheidung darstellt.

Ursprung und theoretischer Hintergrund der Repräsentations- und Referenzsysteme sowie des Lead-Systems im NLP

Das Konzept der Repräsentationssysteme wurde von Richard Bandler und John Grinder entwickelt, inspiriert durch Alfred Korzybski und Gregory Bateson. Es basiert auf der Annahme, dass Wahrnehmung, Erinnerung und Kommunikation durch Sinnesmodalitäten gefiltert werden. Die Sinne können Informationen innerlich abbilden und unsere Erfahrung repräsentieren / strukturieren.

Das menschliche Gehirn auf unterschiedliche Weise Informationen verarbeitet und auf unterschiedliche Weise Erinnerungen speichert, ist zentral für das Verständnis von NLP. Das Gehirn kann auf unterschiedliche Weise Erinnerungen und Ideen präsentieren, wobei Repräsentationssysteme eine Schlüsselrolle spielen.

Wenn Menschen das dominante Repräsentationssystem benutzen, aktivieren sie damit spezifische neuronale Netzwerke. NLP geht davon aus, dass diese Repräsentationssysteme geübt werden können – man kann lernen, auch weniger dominante Systeme bewusster einzusetzen. So werden Informationen aus dem Langzeitgedächtnis bewusst zugänglich und neue Perspektiven möglich.

Die fünf Sinne im NLP: Visuell, Auditiv, Kinästhetisch, Auditiv-digital (VAKOG) und ihr Bezug zu bevorzugten Repräsentationssystemen

Visuell: Ein bevorzugtes Repräsentationssystem kann visuelle Elemente stärker betonen.
Wahrnehmung durch Bilder, Farben und Formen.
Personen denken in Bildern, sprechen oft schnell und verwenden vorherrschenden Signalwörtern oder körperlichen Hinweisen wie „Ich sehe, was du meinst“.

Auditiv:
Wahrnehmung durch Klänge, Töne und Gespräche.
Personen achten auf Stimme, Tonfall und sagen Dinge wie „Das klingt gut“.

Kinästhetisch:
Wahrnehmung durch Berührung, Bewegung und Emotionen.
Diese Menschen spüren, ob etwas „gut anfühlt“, und reagieren stark auf körperliche Empfindungen.

Auditiv-digital:
Wahrnehmung durch logische, rationale Verarbeitung und innere Dialoge.
Personen sind analytisch und verwenden Begriffe wie „Das ergibt Sinn“, die oft auf ihr bevorzugtes Repräsentationssystem hinweisen.

Menschen, die Sinnes-Systeme in Sprache transportieren, drücken überwiegend die Wahrnehmung oft mit bestimmten Metaphern aus. NLP-Coaches achten daher darauf, Menschen, die Sinnes-Systeme in Sprache verwenden, gezielt sprachlich abzuholen.

Anwendungsbeispiele mit Repräsentation

Im Coaching:
Ein Coach identifiziert das bevorzugte Repräsentations-System eines Klienten und spricht mit Worten, die zu dessen Wahrnehmung passen – also mit dem bevorzugtem Repräsentations-System spricht.

In der Therapie:
Therapeuten nutzen Repräsentationssysteme, um emotionale Prozesse zu aktivieren.
Durch gezielte Arbeit mit Sinnesmodalitäten lassen sich Erinnerungen und Emotionen neu verknüpfen.

Im Verkauf:
Ein Verkäufer erkennt, dass ein Kunde auditiv orientiert ist, und hebt die akustischen Vorteile eines Produkts hervor, etwa: „Es hat einen besonders leisen Motor.“

In der Bildung:
Lehrkräfte integrieren visuelle, auditive und kinästhetische Elemente, um Lerninhalte auf verschiedene Weise zu vermitteln – so werden unterschiedliche Repräsentationssysteme gleichzeitig angesprochen.

Einsatzbereiche und praktische Nutzung von Repräsentationssystemen im NLP: Wie Menschen Repräsentationssysteme nutzen

  • Coaching: Verbesserung der Kommunikation und Zielerreichung durch individuelle Anpassung.
  • Therapie: Aufdecken und Bearbeiten von Wahrnehmungsmustern, die durch unbewusste Filterung in unserem Gehirn beeinflusst werden.
  • Bildung: Gestaltung effektiver Lernmethoden für unterschiedliche Lernstile.
  • Führung: Anpassung der Kommunikation, um Mitarbeitende besser zu motivieren.
  • Verkauf: Effektive Kundenansprache durch passende Sinneskanäle, die auf das bevorzugte Repräsentationssystem des Kunden abgestimmt sind.

NLP geht davon aus, dass eine unbewusste Filterung stets mitschwingt und Wahrnehmung beeinflusst. Diese Filterung sorgt dafür, dass das Gehirn nur einen Teil der Realität innerlich abbildet und mit denen Erfahrungen in verschiedenen Kontexten konstruiert.

Methoden und Übungen

Identifikation des bevorzugten Systems:
Frage: „Wie erinnerst du dich an einen schönen Urlaub – siehst du Bilder, hörst du Klänge oder spürst du etwas?“
So erkennt man, auf welches System sich jemand bezieht und welches Sinnes-System eindeutig dominant ist.

Matching und Pacing:
Passe deine Sprache an, um auf das bevorzugte System deines Gegenübers in bestimmten Kontexten einzugehen.

Submodalitäten-Arbeit:
Durch kleine Änderungen (z. B. Helligkeit, Lautstärke oder Körperwahrnehmung) kann man Emotionen beeinflussen.

Übung mit allen Systemen:
Trainiere, Situationen aus allen Perspektiven wahrzunehmen, um die Nutzung verschiedener Repräsentationssysteme zu üben.

Synonyme oder verwandte Begriffe

Primäres Repräsentations-System
Wahrnehmungsstil
Sinnespräferenz

Abgrenzung:

Das bevorzugte Repräsentations-System unterscheidet sich von situativen oder sekundären Repräsentationssystemen, die je nach Kontext genutzt werden. Es bezieht sich auf das bevorzugte Wahrnehmungsmuster einer Person.

Wissenschaftlicher oder praktischer Nutzen

Individuell:
Erhöht das Bewusstsein für eigene Wahrnehmungs- und Kommunikationsmuster.

Praktisch:
Hilft, effektiver zu kommunizieren und Missverständnisse zu vermeiden.

Wissenschaftliche Grundlage:
Obwohl das Konzept in der Praxis verbreitet ist, gilt die empirische Basis als uneinheitlich.
Dennoch unterstützen Studien die Idee, dass das menschliche Gehirn auf unterschiedliche Weise Erinnerungen und Ideen präsentiert und Informationen bewusst zugänglich macht.

Kritik oder Einschränkungen

Übervereinfachung: die Übervereinfachung wird oft als ein Leitsystem betrachtet, das unsere Wahrnehmung beeinflusst.
Nicht jeder Mensch hat ein eindeutig bevorzugtes System, und die Wahrnehmung ist oft kontextabhängig, was als Referenzsystem betrachtet wird.

Wissenschaftliche Kritik: Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Repräsentationssystemen ist ein zentrales Thema in der NLP Forschung.
Das Konzept wird in der akademischen Psychologie teilweise als unzureichend empirisch belegt angesehen.

Gefahr der Stereotypisierung:
Falsche Schlussfolgerungen können gezogen werden, wenn das bevorzugte Repräsentationssystem nicht sorgfältig identifiziert wird, was im Lead-System häufig thematisiert wird.

Literatur- und Quellenhinweise

Bandler, R., & Grinder, J. (1979). Frogs into Princes: Neuro-Linguistic Programming. Real People Press.
Dilts, R. (1998). Applications of Neuro-Linguistic Programming. Meta Publications sind eine wertvolle Ressource für die NLP Ausbildung und das Verständnis von Repräsentationssystemen.
O’Connor, J., & Seymour, J. (1995). Introducing NLP: Psychological Skills for Understanding and Influencing People. Thorsons.

Metapher oder Analogie

Stell Dir vor, das bevorzugte Repräsentations-System ist wie der Lieblingskanal auf einem Radio. Obwohl das Radio alle Kanäle empfangen kann, schaltest Du automatisch den ein, der Dir am meisten gefällt oder mit dem Du Dich am wohlsten fühlst.