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Feldenkrais

Feldenkrais
Feldenkrais (Pixabay: © Irina Logra)

Die meisten unserer Angewohnheiten und Bewegungsmuster sind uns nicht bewusst. Sie fühlen sich zwar – aus Gewohnheit – richtig an, doch sie sind nicht immer gesund. Vor allem im körperlichen Bereich spüren wir das irgendwann durch Verspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen, Unbeweglichkeit oder Gelenkprobleme. Die Feldenkrais-Methode zeigt uns Wege, uns diese Gewohnheiten bewusst zu machen und zu verändern.

„Bewegung ist Leben. Ohne Bewegung ist Leben undenkbar“
Moshé Feldenkrais

„Was ich anstrebe, sind nicht bewegliche Körper sondern bewegliche Gehirne.
Was ich anstrebe ist, jeder Person ihre menschlichen Würde wiederzugeben“
Moshé Feldenkrais

Die Feldenkrais-Methode oder einfach „Feldenkrais“ ist eine ganzheitliche Bewegungslehre. Sie wurde nach ihrem Entwickler Dr. Moshé Feldenkrais benannt. Es handelt sich nach seiner eigenen Aussage um eine Lernmethode. So soll mit Hilfe von bewusster Bewegung ein Lernprozess angestoßen werden, der sowohl neue Gang- und Bewegungsmuster ermöglichen soll, als auch ganzheitliche Auswirkungen auf unsere Persönlichkeit haben kann. Die Methode versteht sich nicht als Behandlung oder Heilen, obwohl durch das Neu-Lernen und Umlernen neue Fähigkeiten und Möglichkeiten für den Menschen verfügbar gemacht werden. Diese können dann durchaus eine heilende Wirkung haben. Feldenkrais findet daher in vielen Gebieten ihren Einsatz: in der Arbeit mit Menschen jeder Altersstufe, vom Kindesalter bis zu Senioren, in der Prävention, Rehabilitation, am Arbeitsplatz, in der Kunst (Schauspiel, Gesang, Tanz etc.), im Sport, bei Behinderungen usw. Jeder Mensch kann in jedem Lebensalter lernen, und zwar nachhaltig. Die Erkenntnisse von Feldenkrais sind neurophysiologisch fundiert.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Ziel
  3. Entstehung
  4. Wie funktioniert Feldenkrais?
  5. Das Selbstbild / Ich-Bild
  6. Entwicklungsstadien
  7. Das Besondere
  8. Hinweise fürs Üben
  9. Wie kann ich Feldenkrais ausprobieren und erleben?
  10. Übungen
  11. Anwendungsmöglichkeiten
  12. Weiterführende Literatur

Definition: Was ist Feldenkrais?

Häufig wird Feldenkrais beschrieben als Körperarbeit mit langsamen Bewegungen, die zu Entspannung führen. Dies ist jedoch eher oberflächlich und wird der Methode nicht gerecht. Die Feldenkrais-Methode beschäftigt sich mit unseren Mustern in Bezug auf Körperhaltung und Bewegung. Unsere Bewegungen und täglichen Gewohnheiten haben wir irgendwann gelernt und dabei unsere individuelle Art entwickelt. Sie sind uns meist so in Fleisch und Blut übergegangen, dass uns gar nicht mehr bewusst ist, dass wir sie irgendwann erlernt haben. Nicht jede Bewegung ist gesund, obwohl wir sie gewohnt sind und ständig nutzen. So haben sich zwar viele Bewegungsmuster als sinnvoll gezeigt, andere jedoch eher kontraproduktiv und manchmal auch schädlich. Durch falsch angewöhnte Haltung und Bewegung kann es zu Verspannungen, Verschleiß und Schmerzen kommen, oftmals auch zu Krankheitssymptomen. Der ganze Mensch ist davon betroffen. Neue Bewegungsabläufe können jedoch jederzeit gelernt werden, unabhängig vom Alter oder Beweglichkeit. Die Feldenkrais-Methode bietet ein Lernfeld dafür. Der Hauptaspekt liegt dabei darauf, die Bewegungen mit Leichtigkeit zu tun. Was nicht mit Leichtigkeit ausgeführt werden kann, wird unterlassen.

Die Methode wird auf zwei verschiedene Arten eingesetzt. Moshé Feldenkrais nannte sie „Bewusstheit durch Bewegung“ in Form von Gruppenunterricht, und „Funktionale Integration“, bei der die Anwendung für eine einzelne Person durchgeführt und angeleitet wird. Beide Begriffe, „Bewusstheit durch Bewegung“ und „Funktionale Integration“, sind geschützt.

Ziel von Feldenkrais-Übungen

  • Verbessern der Kontrolle über den eigenen Körper
  • Korrektur von fehlerhaften Bewegungsmustern
  • Erschließen und Entwickeln von neuen Bewegungsmöglichkeiten
  • Erweiterung der Wahlmöglichkeiten von Bewegung und Verhalten
  • Verbesserung der Körperkoordination
  • und vieles mehr

Entstehung der Feldenkrais-Methode

Moshé Feldenkrais (1904 - 1984) war vielseitig interessiert und begabt. Er studierte Physik und interessierte sich für Neurophysiologie, war Ingenieur und Forscher. Zudem war er ein sehr sportlicher junger Mann. Er war Jiu-Jitsu-Lehrer und errang als erster Westler im Judo den schwarzen Gürtel. Beim Fußballspielen zog er sich eine schwere Knieverletzung zu. Er hatte die Möglichkeit, sich operieren zu lassen, doch die Chancen der OP standen 50:50. Es bestand also die Gefahr, dass er nach der Operation ein steifes Knie zurückbehalten würde. Trotz seiner starken Schmerzen entschied er sich gegen den Eingriff und begann selbst, neue Bewegungen auszuprobieren. Dabei kam ihm sein wissenschaftliches Denkvermögen zu Gute. Er beschäftigte sich nun mit Bewegungsabläufen des menschlichen Körpers, erforschte Muskulatur und Nervensystem. Durch Beobachtung und ständiges Ausprobieren entwickelte er seine Methode - ganz im Gegensatz zur damals herrschenden Meinung, was gelingen kann und was nicht. Feldenkrais probierte einfach solange aus, bis er entdeckte, was funktioniert. Inzwischen sind seine Entdeckungen von der Hirnforschung längst bestätigt worden. Im zweiten Weltkrieg – 1943/44 – wurde er mit anderen, als bedeutsam erachteten Top-Wissenschaftlern, von der britischen Regierung in Schottland in Sicherheit gebracht. Dort stellte er seinen neuen Ansatz, das menschliche Gehirn anzuregen, der Gruppe der anwesenden Wissenschaftler vor: durch simple und einfach durchzuführende Bodenübungen. Es kam immer zu heißen Diskussionen darüber, doch seine Thesen waren neurophysiologisch fundiert. Feldenkrais forschte auch in den folgenden Jahrzehnten immer weiter, vor allem, was die praktische Anwendung betraf. Dabei tauschte er sich immer wieder mit namhaften Wissenschaftlern und Therapeuten aus, u.a. aus der Gehirnforschung, Anthropologie, Psycho- und Körpertherapie. Nachdem er zunächst vereinzelt kleinere Gruppen in seiner Methode unterrichtet hatte, startete er erst Mitte der 1970er Jahre größere Seminarreihen in den USA. Seine Schüler waren letztlich mitbeteiligt an der Verbreitung seiner Methode. 1985 wurde in Deutschland der Feldenkrais-Verband (FVD Feldenkrais-Verband Deutschland e. V.) gegründet, der als Zielsetzung die Verbreitung und Anwendung der Methode in vielen Lebensbereichen hat.

Wie funktioniert Feldenkrais?

Durch das Neu-Erlernen von Körperhaltungen und Bewegungen werden auch im Gehirn neue neuronale Verknüpfungen gebildet. Moshé Feldenkrais war davon bereits überzeugt, als er begann, Bewegungsabläufe zu verändern und zu erforschen. Damals war dies wissenschaftlich noch nicht nachweisbar, inzwischen hat die Forschung ihm jedoch Recht gegeben. Die Funktionsweise wird leichter verständlich, wenn wir uns sein Konzept des Selbstbildes oder Ich-Bildes näher ansehen.

Das Selbstbild / Ich-Bild

"Wir handeln dem Bild nach, das wir uns von uns machen.
Ich esse, gehe, spreche, denke, beobachte, liebe nach der Art, wie ich mich empfinde.
Dieses Ich-Bild, das einer sich von sich macht, ist teils ererbt, teils anerzogen;
zu einem dritten Teil kommt es durch Selbsterziehung zustande."
(Moshé Feldenkrais, in „Bewusstheit durch Bewegung“)

Ich-Bild
Ich-Bild (iStock: © GoodLifeStudio)

Unser Selbstbild entsteht durch die Art und Weise, wie wir uns selbst wahrnehmen und sehen. Nach Ansicht von Moshé Feldenkrais besteht das Bild, das wir von uns selbst haben, aus vier Komponenten: Denken, Fühlen (Emotion), Spüren (kinästhetische Körperempfindung) und Tun (Bewegung). All diese Elemente stehen miteinander in Verbindung und sind in jeder Handlung beteiligt, je nach Situation in unterschiedlicher Ausprägung. Sobald wir eine dieser Komponenten verändern, hat dies auch einen Effekt auf die anderen Bereiche. Demnach zeigt die Veränderung unserer Bewegungsmuster auch Auswirkungen auf unser Denken, unsere Gefühle und Körperempfindungen. Wir können also unser Selbstbild ändern. Feldenkrais nutzte den Weg über die Bewegung: indem die Bewegung verändert wird, kann eine Änderung des Selbstbildes und des Verhaltens eintreten. Unser Selbstbild hat Einfluss darauf, was wir uns zutrauen, was wir über unsere Fähigkeiten, Möglichkeiten oder Begrenzungen glauben. Das Selbstbild ist nach Auffassung von Moshé Feldenkrais sehr eng mit unserem Körperbild verknüpft, also auch, wie wir die Beziehung der Körperteile zueinander, ihre Anordnung und Größe wahrnehmen und einschätzen.

Durch Unterbrechen alter Gewohnheiten und Einüben neuer Bewegungsmuster wird auch die Struktur in unserem Gehirn beeinflusst. Zwischen den Nervenzellen finden neue neuronale Verbindungen statt, es kommt zu einer Umstrukturierung.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: wenn Sie diesen Text lesen, dann sitzen Sie vermutlich, es kann auch sein, dass Sie stehen oder liegen. Bei dieser Aktivität liegt Ihr Fokus auf dem Lesen und Verstehen, also auf dem Denken. Währenddessen ist Ihr Körper jedoch damit beschäftigt, dass Sie die Augen bewegen, vielleicht das Tablet oder Smartphone halten und allgemein Ihre Haltung und Ihr Kopf aufrecht sind. Dies, ohne dass Sie dieser Tatsache besondere Aufmerksamkeit schenken. Vermutlich haben Sie beim Lesen bisher auch nicht darauf geachtet, an welcher Stelle Ihr Rücken die Stuhllehne berührt oder wie Ihre Füße auf dem Boden stehen. Alle Elemente sind beteiligt: Denken, Fühlen, Spüren und Bewegung. Vielleicht haben Sie jetzt mehr Aufmerksam darauf, wie Sie sitzen oder stehen als noch zu Beginn dieses Textes. Möglicherweise verändern Sie leicht Ihre Position, damit die Haltung bequemer wird. All diese kleinen Bewegungen können bereits eine kleine Veränderung Ihres Erlebens bewirken.

Entwicklungsstadien

Feldenkrais ging von drei Entwicklungsstufen menschlicher Verhaltensweisen aus.


  1. Die erste Stufe entspricht einer „natürlichen“ Stufe. Es ist das gemeinsame natürliche menschliche Erbe, da es in allen Völkern und zu allen Zeiten stattfindet. Von Natur aus beginnen wir zu sprechen, zu denken, zu krabbeln, zu laufen usw. Ohne Anstrengung erlernen Kinder dies ganz automatisch, mit Leichtigkeit.
  2. Die zweite Stufe ist eine „individuelle“ Stufe. Hier entwickelt jeder Mensch ab einem gewissen Entwicklungsstadium seine Eigenheiten. Dies ist die eigene Art zu gehen, sich zu bewegen, zu reden, zu handeln. Diese individuellen Angewohnheiten sind uns vertraut und gehören zu uns: es fühlt sich richtig an, es auf diese Weise zu tun, auch wenn es nichts darüber aussagt, ob sie dauerhaft gesund für uns sind.
  3. Die dritte Stufe schließlich ist eine „methodische“. In ihr wird in einer Tätigkeit oder Bewegung das Wesentliche entdeckt und herausgearbeitet. Ab jetzt wird diese Tätigkeit methodisch durchgeführt, nicht mehr natürlich. Wer diese Tätigkeit besonders gut beherrscht, kann sie anderen beibringen. Auf diese Weise ist Weiterentwicklung der Menschheit möglich.

Dabei werden die einzelnen Stufen in verschiedenen Lebens- und Tätigkeitsbereichen unterschiedlich schnell erreicht. In sehr komplizierten Bereichen wird häufig sehr früh die methodische Stufe erreicht, wie z.B. in Mathematik oder Technik. Andere Bereiche wie z.B. unsere natürliche Bewegung, kommen oft recht spät zur dritten Stufe. Hier kann die Feldenkrais-Arbeit ansetzen und unterstützen.

Das Besondere an Feldenkrais

Bei vielen Therapien oder Behandlungen von Krankheiten und Behinderungen wird häufig das, was der Patient nicht (nicht mehr oder noch nicht) kann, immer wieder trainiert. Dies ist meist mit großer Anstrengung verbunden und häufig sehr frustrierend, wenn die entsprechende „Leistung“, nämlich die Bewegung auszuführen, trotz aller Anstrengung und Übung ausbleibt. Die Feldenkrais-Methode setzt dort an, wo ein Mensch etwas mit Leichtigkeit tun kann, auch wenn es nur kleine Bewegungen sind. Mit der Feldenkrais-Methode sollen die Bedingungen hergestellt werden, unter denen neue Bewegungen mit Leichtigkeit erlernt und ausgeführt werden können.

Da es sich bei Feldenkrais jedoch nicht um Behandlung oder Therapie handelt, ist die Methode für jeden Menschen in jeder Lebenslage nutzbar. Im Vordergrund stehen die Weiterentwicklung des eigenen Potenzials und eine Erweiterung der eigenen Möglichkeiten. So kann es zur Verbesserung von sportlichen Bewegungsabläufen ebenso genutzt werden wie bei gesundheitlichen Fragen oder in der Prävention.

Folglich unterscheiden sich auch die Hinweise fürs Üben deutlich von denen anderer Methoden oder Trainingseinheiten.

Hinweise fürs Üben

  • Die Bewegung soll leicht, bequem und behutsam durchgeführt werden, dem Schneiden von weicher Butter vergleichbar. Sobald Sie ein leichtes Ziehen oder eine Spannung spüren, zeigt dies die Grenze dieser Bewegung an. Bleiben Sie daher knapp unter dieser Grenze, damit haben Sie den besten Erfolg.
  • Bewegen Sie sich so langsam, dass Ihr Gehirn dieser Bewegung auch folgen kann. Bei einer schnellen Bewegung läuft sie automatisch ab und ihr Gehirn kommt nicht mehr mit. Das Tempo sollte so langsam sein, dass Sie beobachten können, was Sie tun und wie Sie es tun. Verlangsamen Sie daher um 100 bis 200 Prozent, so dass Sie mitdenken können und eine Veränderung möglich wird.
  • Es muss angenehm sein, was Sie tun. Sobald es nicht mehr angenehm ist, wenn Sie müde oder zappelig werden, ist Zeit, damit aufzuhören. Nutzen Sie Ihr Wohlbefinden dabei als Hinweis, wie lange Sie weitermachen können. Wenn es Ihnen Freude macht, können Sie dies tun, solange Sie wollen.

Wie kann ich Feldenkrais ausprobieren und erleben?

Bewusstheit durch Bewegung ®

Feldenkrais-Lektionen werden meist als Gruppenkurse angeboten. Diese Form wird Bewusstheit durch Bewegung genannt, oder auch als ATM – Awareness Through Movement - bezeichnet. Die Übungseinheiten umfassen das ganze Spektrum menschlicher Bewegung, etwa Rollen, Gehen, Beugen, Strecken, Hocken, Drehen, Nutzen der Augen, der Finger usw. Die meisten Übungen finden auf dem Boden statt.

Dabei werden die Übungen vom Leiter nicht vorgemacht, sondern nur mittels Sprache angeleitet. Auf diese Weise kann jeder selbst herausfinden, wie er die Bewegung durchführt und seine eigenen Muster beobachten. Auch dabei ist es wichtig, dass es sich angenehm anfühlt, ohne Anstrengung ist und in ruhigem, eigenem Tempo abläuft. Es geht nicht um Leistung.

Funktionale Integration ®

Hierbei handelt es sich um Einzelstunden bei einem Feldenkrais-Practitioner (Anwender). Die Klienten liegen meist auf einem niedrigen Tisch. Vereinzelt kann die Übung auch im Stehen oder Sitzen stattfinden. Dies hängt davon ab, was der Klient in seinen Bewegungen verbessern will oder was allgemein sein Anliegen ist. Der Anwender wird dabei die Bewegung des Klienten sehr sensibel mit seinen Händen führen, um herauszufinden, welche Bewegungen leicht gehen, wo das Potential des Klienten ist und wie die nächsten Schritte aussehen können.

Sämtliche Begriffe – Bewusstheit durch Bewegung / Awareness through Movement und Funktionale Integration sind geschützt.

Übungen zum Ausprobieren:

Gewohnheiten verändern

Gefaltete Hände
Gefaltete Hände (iStock: © Alexander-Burzik)

Ein bekanntes und dennoch sehr wirkungsvolles Beispiel: Legen Sie bitte mal Ihre Handflächen zusammen und verschränken die Finger, wie etwa beim Beten. Welcher Daumen liegt oben? Vermutlich machen Sie das automatisch und derselbe Daumen landet jedes Mal auf oberster Position. Jetzt verändern Sie diese Handhaltung und verschränken die Finger so, dass der andere Daumen oben liegt. Wie fühlt sich das an? Vermutlich etwas ungewohnt, vielleicht sogar falsch. Sie haben lediglich die Finger um eine Position versetzt. So entstehen Gewohnheiten. Sie müssen nicht unbedingt sinnvoll oder gesund sein, sie fühlen sich nur richtig an, weil Sie es schon immer so machen. Gewohnheiten können Sie jedoch wieder verändern.

Vermeiden Sie unnötige Anstrengungen

Wir setzen für viele Dinge oft mehr Kraft ein, als nötig ist. Vor allem für Muskelbewegungen, die unzweckmäßig und anstrengend sind, und die inzwischen zu einer Angewohnheit geworden sind. Dadurch verbrauchen wir Kraft für unnötige Anstrengungen. Hier zwei Beispiele:

  • Heben Sie einen Arm und halten ihn vor Ihren Körper. Achten Sie jetzt einmal darauf, wie Sie Ihre Hand dabei halten. Ist sie ausgestreckt? Viele machen dies automatisch so. Doch wieso ist die Hand ausgestreckt? Lassen Sie die Hand einfach locker hängen. Es ist nicht nötig, sie zu strecken, wenn Sie einen Arm anheben.
  • Nehmen Sie einen Stift mit Daumen und Zeigefinger hoch und halten ihn für einen Moment. Dann lassen Sie die Finger allmählich etwas lockerer werden. Sie sind möglicherweise erstaunt, wie viel weniger Kraft nötig ist, um ihn festzuhalten. Vermutlich haben sie automatisch mehr Kraft dafür eingesetzt, als erforderlich ist, einfach aus Gewohnheit.

Es sind Kleinigkeiten, bei denen uns gar nicht bewusst ist, wieviel Anstrengung wir dafür aufwenden und dass es auch mit weniger geht. Es mag sein, dass das Halten eines Stifts eher unbedeutend wirkt. Für jemanden jedoch, der zeichnet oder malt, Kalligraphie erlernen möchte oder seine Finger zum Spielen eines Instruments einsetzt, macht dies durchaus einen Unterschied. Dies kann z.B. ein Grund sein, warum keine Fortschritte möglich sind: Weil die Kraft auf eine falsche Art verbraucht wird.

Neue Möglichkeiten entdecken

Drehen Sie sie sich bitte mal nach links und nach rechts und wieder zurück an die Ausgangsposition. Wie haben Sie das gemacht? Haben Sie den Kopf gleichzeitig mit den Schultern und den Augen gedreht? Das ist meist das einfachste. Jetzt können Sie einige Alternativen entwickeln und einen Lernprozess starten:

  • Drehen Sie ihren Kopf zusammen mit Ihren Augen nach links und nach rechts. Die Schulter bleibt, wo sie ist.
  • Drehen Sie jetzt bitte nur den Kopf nach links oder rechts und bleiben Sie dabei mit den Augen hier auf dem Text. Lassen Sie sich Zeit dabei und versuchen Sie es, auch wenn es vielleicht ungewohnt ist.
  • Drehen Sie jetzt Kopf und Schultern und bleiben mit den Augen auf dem Text.
  • Bewegen Sie jetzt nur die Augen nach links und nach rechts, währen Kopf und Schultern gerade bleiben.

Dies sind einige Möglichkeiten, Kopf, Augen und Schultern getrennt voneinander zu bewegen, oder die Bewegungen zu koordinieren. Probieren Sie noch einige Möglichkeiten aus, was Ihnen spontan einfällt. Auch hier gilt – machen Sie nur das, was Ihnen leicht fällt und angenehm ist. Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder eine Leistung zu zeigen. Keine der Bewegungen ist besser oder schlechter – es sind Alternativen zu dem, wie Sie vielleicht automatisch Ihren Kopf drehen. Vielleicht merken Sie, dass manche Bewegungen Ihnen jetzt oder später leichter fallen. Vielleicht, wenn Sie sich das nächste Mal bei einem Geräusch umdrehen oder in einer anderen Situation.

Anwendungsmöglichkeiten von Feldenkrais

Im Beruf:

  • Verspannungen
  • Haltungsschäden, falsche Sitzhaltung
  • Nacken- und Schulterschmerzen
  • Rücken- und Bandscheibenprobleme
  • Kopfschmerzen etc.

Sport:

Sport
Sport (iStock: © ljubaphoto)
  • Optimierung von Bewegungsabläufen
  • Koordination
  • Beweglichkeit
  • Prävention von Verletzungen etc.

Schauspiel/Theater/Gesang:

  • Haltung
  • Atmung
  • Konzentration etc.

Musik

Musikinstrument
Musikinstrument (iStock: © suteishi)
  • Fingerfertigkeiten
  • Handhabung des Instruments
  • Haltung etc.

Rehabilitation:

  • Nach Unfällen
  • Rücken- und Wirbelsäulenprobleme
  • Gelenkschmerzen
  • Nach Operationen
  • Bei Schlaganfall, Gehirnlähmungen
  • Lähmungen etc.

Weiterführende Literatur, Quellen und Buchempfehlungen

Feldenkrais-Verband Deutschland: www.feldenkrais.de

Feldenkrais (GU Multimedia Körper, Geist & Seele)

Feldenkrais

80 Seiten, GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH (3. August 2015)
ASIN B014FI0FMA

(FVD) Feldenkrais Verband Deutschland

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Feldenkrais: Bewegung - ein Weg zum Selbst: Einführung in die Feldenkraismethode

Feldenkrais: Bewegung - ein Weg zum Selbst

96 Seiten, Junfermann Verlag; Auflage: 3 (8. Oktober 2002)
ISBN 387387511X

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