Gefühle

Gefühle sind in unserer Sprache allgegenwärtig. Sie meinen im Sprachgebrauch gleichermaßen das gefühlte Empfinden und die Emotionen, lassen sich abstrahieren und spielen eine große Rolle bei der Kommunikation. Als Taktgeber unserer Launen und Stimmungen beeinflussen sie darüber hinaus unser Handeln.

Doch was sind Gefühle genau? Lassen Gefühle eine Definition zu? Und welche Mechanismen stecken hinter ihnen?

Inhaltsverzeichnis

  1. Begrifferklärung Gefühle
  2. Welche Gefühle gibt es?
  3. Wie entstehen Gefühle?
  4. Gefühle als Affekthandlung
  5. Gefühle in der Kommunikation
  6. Gefühle beschreiben lernen
  7. Gefühle zeigen lernen
  8. Gefühle als Einfluss auf die eigene Seele
  9. Affektkontrolle
  10. Gefühle und Emotionen im Coaching


Zum Begriff des Gefühls und die Abgrenzung zu den Emotionen

Der Begriff als solches meint eine Empfindung, die nicht unmittelbar auf einen Reiz zurückzuführen ist. Das Gefühl als solches geht häufigst auf Funktionen des Körpers zurück; das heißt, er verursacht Gefühle bei uns. Diese wiederum lassen sich auf Funktionen des vegetativen Nervensystems, auf Hormonausschüttungen usw. zurückführen. Umweltfaktoren spielen hier auch eine Rolle.

Bei diesen Empfindungen handelt es sich gewissermaßen um eine spürbare Interpretation einer körperlichen Verfassung. Auf der anderen Seite steht hingegen die Emotion: Während das Gefühl sich am ehesten mit dem Gemüt assoziieren lässt, steht die Emotion eher mit dem Ausdruck von Gefühlen in Verbindung. Etwas wird - dem Wortstamm von "Emotion" nach - bewegt. Es handelt sich also um eine Gemütsbewegung, die sich in emotionalen Äußerungen und Handlungen manifestiert.

Welche Gefühle gibt es?

Gefühle in einer Liste zu darzustellen, ist eher müßig. Es gibt hier sehr viele verschiedene Ansätze, wie die Varietät von Gefühlen richtig darzustellen ist. Je nachdem, ob zwischen dem Gefühl und der Emotion ausdrücklich unterschieden wird, ändern sich zudem die Darstellungen. Einfache Modelle sprechen von sechs oder sieben Grundgefühlen, beispielsweise von Ärger, Angst, Verachtung, Ekel, Freude, Lust und Zuneigung. Es ließen sich hieraus alle weiteren ableiten, allerdings stellt sich auch hier die Frage nach der Abgrenzung.

Grundsätzlich lassen sich Gefühle allerdings in objektive und subjektive Eindrücke einteilen. Erstere meinen Empfindungen, die sich auf die Interaktion mit der Umwelt zurückführen lassen (Kälte, Wärme, Nässe etc.). Sie sind für die folgende Betrachtung der subjektiven Eindrücke nicht weiter relevant, da in ihrem Zusammenhang ohnehin primär von "Wahrnehmung" gesprochen wird.

Diese subjektiven Empfindungen lassen sich ebenfalls einteilen, nämlich in innere Empfindungen und äußere Empfindungen. Damit sind wir wieder bei der herkömmlichen Interpretation des Begriffs.

Im Inneren liegen dann solche Dinge wie zum Beispiel gefühlte Einsamkeit, Verzweiflung oder Euphorie. Im Äußeren - auch nach außen Getragenen - liegen Dinge wie Liebe, Hass, Ekel und so weiter. Die Grenzen sind allerdings fließend. Die Psychologie kennt zum Beispiel bis zu 23 Wege, seinen Emotionen und Gedanken mit einem Gesichtsausdruck eine Gestalt zu geben. Addiert man noch die vielen hintergründigen und differenzierten Empfindungen hinzu, erschließt sich die Komplexität schnell. Die Problematik bei der Fassbarkeit liegt ja genau darin, dass es sich größtenteils um subjektive Empfindungen handelt.

Die Frage "Was für Gefühle gibt es?" ließe sich auch mit "gute und schlechte" ausreichend beantworten. Entscheidender sind eher die Fähigkeiten, das eigene Gefühl zu interpretieren und fremde Gemüter lesen zu können.

Wie entstehen Gefühle?

Wie oben bereits angesprochen, entstehen sie vor allem durch Interpretationen der körpereigenen Regungen. Was komplex klingt, meint lediglich, dass ein Gefühl dadurch entsteht, dass das Gehirn die Gesamtreaktion des Körpers in verständliche Begriffe zu packen versucht. Dies tut es in der Regel ohne Mitwirkung des Bewusstseins, was aus evolutionsbiologischen Gründen sinnig ist.

Als Beispiel sei hier einmal Angst aufgeführt: Der kompakte Begriff "Angst" eine Kombination aus gesteigertem Herzschlag, Unwohlsein, eventuellem Schweiß und einem Fluchtinstinkt. Wir können uns unter der Angst eben genau das vorstellen und müssen nicht aus den Komponenten der Angst unsere Schlüsse ziehen. Dies beschleunigt das Handeln ungemein.

Der Mensch verfügt darüber hinaus noch über eine weitere Komponente in seinem Denken: Er kann assoziieren und daher jedes empfundene Quantum mit den Erfahrungen in seinem Gedächtnis kombinieren. Er kann sich also selbst seine Gefühlswelt ausdifferenzieren und kann sich so auch selbst Maßstäbe vermitteln, welche das Entstehen eines Gefühls beeinflussen.

Das Entstehen von Gefühlen basiert zwar auch auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Jedoch sind Reaktionen und Interpretationen von Reizen bei den Menschen sehr unterschiedlich und von ihrem Erleben abhängig. Insofern sind Gefühle anderer Personen ein Stück weit immer irrational - zumindest für das eigene Empfinden.

Gefühle als Affekthandlung

Gefühle und Emotionen brechen zuweilen aus einem Menschen heraus und scheinen sich unverhältnismäßig zum Erlebten zu äußert. In solchen Fällen wird von Affekthandlungen gesprochen. In der Psychologie ist dies bei diversen Krankheitsbildern relevant: Ein Handeln im Affekt könne hier durch Störungen in der Verarbeitung von Reizen bedingt sein, oder etwa - so eine andere Interpretation - durch das schnellere „Überreiztsein“ des Betroffenen. Ein Handeln im Affekt geschieht zumeist dann, wenn der berühmte letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.

Affekthandlungen haben also immer eine emotionale Komponente, sind aber selten bis nie rational herzuleiten. Sie stellen eine extreme Ausprägung der Emotionen dar.

Gefühle in der Kommunikation - Probleme und Lösungen

Das Gefühl hat einen nicht geringen Einfluss auf die Gedanken und damit auf das Handeln. Es ergibt sich also, dass das Zwischenmenschliche stark davon abhängt, wie man sich gerade fühlt. Dass dem so ist, ist leicht zu verstehen: Gereizte Menschen fangen schneller Streit an, hormonell geladene Personen werden schneller anzüglicher und depressive Menschen isolieren sich.

Das Problem liegt nicht darin, dass dem so ist, sondern dass kommunikativ in vielen Fällen nichts Gutes daraus gemacht wird. Schließlich ließen sich durch Verständnis - in diesem Zusammenhang mit Empathie - und ein entsprechendes Handeln, bessere Ergebnisse erzielen. Dies beginnt am Morgen beim gemeinsamen Frühstück, wo eine gemütsgerechte Kommunikation über die Laune des ganzen Tages entscheiden kann und endet bei einem verpatzten Vertragsabschluss, weil jemand die Gesichtszüge seines Gegenübers nicht richtig deuten konnte.

Es geht also darum, dass gelernt wird, Gefühle zu zeigen und Gefühle zu beschreiben. Andere Menschen emotional zu verstehen (man spricht hier von "Emotionaler Intelligenz"), ist einfacher für jemanden, der seine Gefühle ausdrücken kann und eine gute Vorstellung davon hat, was sie bedeuten. (Erlernte) Empathie ist also ein Grundstein für erfolgreiche Kommunikation.

Gefühle beschreiben lernen

Gefühle beschreiben zu lernen ist mitunter hochkomplex. Es wurde bereits aufgeführt, woraus sich Angst zusammensetzt. Das gleiche Muster gilt für alle empfundenen Eindrücke: Es gilt, die wirklichen (objektiven und organisch bedingten) Empfindungen, die Gedanken hierzu (Assoziationen) und die Schlussfolgerungen daraus zu verstehen. Erst dann können die eigenen Empfindungen auch wirklich in Worte gefasst werden - eine Emotion kann umschrieben werden.

Dies ist zum Beispiel ein Grundstein in sämtlichen Formen von Gesprächstherapien, ist aber zwischenmenschlich auch von größtem Vorteil. Gefühle sind nicht direkt für ein Gegenüber greifbar. Zwar kann das Gegenüber den Ausdruck derselben interpretieren, aber es gibt kein Garant darauf, dass es wirklich versteht, warum etwas gefühlt wird. Hier hilft auch Empathie nur so weit, dass mitgefühlt werden kann. Es kann aber der Prozess, der zum Gefühl (und damit zur emotionalen Regung) führte, nicht automatisch verstanden oder nacherlebt werden. Das Beschreiben gibt aber die Möglichkeit, diesem näher zu kommen.

Es ist daher für den einzelnen Menschen sinnvoll, seine Gefühle zu verstehen. Tut er dies, kann er sie in Begriffe abstrahieren und mitteilen. Dies gelingt unter anderem dadurch, dass man sich selbst dazu bringt, die eigenen Gefühle zu hinterfragen. Zumindest ergeben sich so ein paar Hinweise, die einem das Gefühl als zusammengesetztes Ding erläutern. Dies ist aber nur eine Komponente. Die andere, weit größere, besteht im Zeigen von Gefühlen und Emotionen.

Gefühle zeigen lernen

Die meisten Menschen erlernen im Laufe ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung, dass Gefühle zu zeigen nicht unbedingt gut sei. Es werden im Alltag sehr viele Ausweichstrategien bemüht, die alle dazu dienen, dass Innere nicht nach außen gelangen zu lassen - aus einem Gefühl wird also keine emotionale Regung. Dass dies nicht immer gelingt, zeigt sich darin, dass Menschen dennoch entsprechend ihrer Gemütslage handeln. Wird diese gleichzeitig aber überspielt, wird das Handeln umso schwieriger nachzuvollziehen.

Im Beruflichen, in dem Emotionales wenig Platz finden soll (oder darf), erscheint dies vorteilhaft. Überträgt sich dieses Verhalten auch in den privaten Bereich, sind Probleme hingegen vorprogrammiert. Es ist ja immer daran zu denken: Gefühle beeinflussen das Handeln. Wird entgegen oder trotz eines Gefühls gehandelt, entsteht ein innerer Konflikt. Dies bedeutet keinesfalls, dass jedem Gefühl blind gehorcht werden sollte - es ist zum Beispiel nicht vorteilhaft, tief empfundenen Hass eine Gewalttat folgen zu lassen - jedoch muss die Balance zwischen Ehrlichkeit und Pragmatismus so gefunden werden, dass das eigene Seelenleben nicht leidet.

Damit also alle Beteiligten wissen, woran sie sind, muss man Gefühle zeigen - und zwar so weit, wie es in der Situation tragbar ist. Engen Freunden und einem Partner gegenüber gilt dies besonders. Aber auch Arbeitskollegen oder sonstige, nicht nahe Kontakte, können besser reagieren und agieren, wenn sie vermittelt bekommen, welches Gemüt gerade zu ihnen spricht. Dies muss sich nicht in einem durchgehenden „Zurschaustellen“ der eigenen Euphorie oder Depression äußern: Es genügt, wenn das Gefühl zumindest nicht völlig untergraben wird. Indes führt dies auch zu einem Handeln, dass sich selbst gegenüber ehrlicher ist.

Das Gefühl als Einfluss auf die eigene Seele

Innere Konflikte entstehen oftmals durch den Widerspruch zwischen dem Gewollten (dem Gefühlten) und dem Ausgeführten. Hierdurch entsteht eine Spannung zwischen dem Unterbewusstsein und dem Bewusstsein. Das Problem ist erkannt, aber irgendein Umstand behindert das richtige Handeln. Auf Dauer führt eine solche Belastung zu einer sich stetig verschlechternden Gemütslage. Werden Emotionen nicht gezeigt - und damit nach außen getragen - kann der emotionale Druck auch nicht abgebaut werden.

Der Mensch ist darauf angewiesen, seine Gefühle gelegentlich zu zeigen. Es können natürlich Kompensationsstrategien gefunden werden - also Tätigkeiten, bei denen emotionale Ausbrüche möglich sind - aber ein dauerhaftes Zeigen von Gefühlen ist weit schonender für das Gemüt.

Gefühle zeigen zu lernen und Gefühle verstehen zu lernen, hat also nicht nur den Vorteil, dass andere Menschen besser verstanden werden. Auch das eigene Seelenleben fällt gesünder aus.

Affektkontrolle

Affekthandlungen können mitunter gefährlich sein: Sie führen zu Gewalttaten, zu autoaggressivem Verhalten oder zu gänzlich unnachvollziehbaren Handlungen. Entsprechend besteht für die meisten Menschen (und ihre Umgebung) ein Interesse daran, diese zu unterbinden. Wer lernt, seine Gefühle zu beschreiben, erlernt auch, welche kognitiven Prozesse dahinter stehen. Dies bedeutet, dass die (irrationale) Bewertung von emotionalen Ereignissen in ihrer Mechanik begriffen werden kann. Somit kann eine Impulskontrolle herbeigeführt werden, wenn der Mensch erlernt, welche Situationen und Reize welches Gefühl auslösen und wann es kritisch im Bezug zur Selbstkontrolle wird.

Gefühle und Emotionen im Coaching

Die Theorie zu Gefühl und Emotion lässt die Erkenntnis zu, dass eine ehrliche Kommunikation unter Berücksichtigung der eigenen und fremden Gefühle möglich ist. Es bieten sich zum Erlernen des Ausdrucks des eigenen Gefühls diverse Techniken an, die das Selbstbewusstsein (sich selbst bewusst werden) und das Selbstverständnis steigern.

Werden zudem die Vorteile einer sozial intelligenten Kommunikation, die eine gefühlsbeachtende und -betonende Handlungsweise fördert, herausgestellt, kann ein Eigenantrieb aktiviert werden, der einen Menschen dazu bringt, Gefühle zeigen zu wollen. Zudem wird es ihm leichter fallen Gefühle zu verstehen, da sich ihre vermeintliche Kompliziertheit durch eine Betrachtung der einzelnen Komponenten häufig erübrigt.

Wird dann noch beachtet, dass diese ganzen Prozesse, die zur Gefühlsbildung führen, ein Stück weit individuell (und daher vereinzelt unverständlich) sind, steht einem guten Austausch von Mensch zu Mensch wenig im Wege.


Lesen Sie weiter: