Depression

Eine Depression - abzugrenzen von der depressiven Verstimmung - ist eine schwerwiegende psychische Störung und als solche behandlungsbedürftig. Sie kommt bei circa einem Achtel aller Menschen mindestens einmal im Leben vor (häufiger in Industriestaaten) und betrifft Männer häufiger als Frauen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Depression Definition
  2. Was ist eine Depression alles?
  3. Die Depression erkennen
  4. Behandlung einer Depression
  5. Wer behandelt Depressionen?
  6. Der depressiven Verstimmung vorbeugen

Depression Definition

Die Diagnose wird anhand der Symptome gestellt, die nicht zwingend einheitlich sind. Jedoch ist der Depressive von Antriebsarmut, einem Gefühl der Leere und einem Verlust an Interessen geplagt. Er fühlt sich emotional leer und kann auch durch eigentlich positive Reize nicht aus seiner emotionalen Stimmung befreit werden. Zudem kommt es häufig zu Schlafstörungen, (grundlosen) Schuldgefühlen, einem Vernachlässigen des Sozialen und empfundener Hilflosigkeit. Die Zukunft wird mit Sorge betrachtet, Interessen werden aufgegeben und das Selbstwertgefühl leidet.

Der Übergang zum Suizidalen ist fließend. So geht die Krankheit in einigen Fällen mit selbstverletzendem Verhalten einher und reicht in einigen Fällen auch bis zur Selbsttötung. Suizidgedanken - unabhängig von der Ausführung - kommen häufiger vor. Ferner führen die Symptome zu einer sozialen Isolation und zu Leistungsarmut, was wiederum den Verlust der Arbeit oder einen verfrühten Ruhestand nach sich ziehen kann.

Die Ursachen der Erkrankung sind dabei sehr vielseitig. Es gibt eine genetische Prädisposition, welche das Risiko für das Erkranken um einen noch ungewissen Wert erhöht. Zusätzlich existiert eine genetische Veranlagung. Ein bestimmtes Alles auf dem Chromosom 17 kann kurz oder lang ausfallen und hat einen Einfluss auf einen Serotonin-Rezeptor. Ist es kurz, verdoppelt sich das Risiko, depressiv zu werden.

Die genetischen Einflüsse sind allerdings nur ein Faktor, der sich auf die Mechanik hinter der eigentlichen Krankheit auswirkt. So ist es bei Depressiven so, dass die Signalübertragung von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin gestört ist. Diese Hormone sind unter anderem an der Bildung von positiver Stimmung und Motivation beteiligt. Funktioniert die Signalübertragung nicht, bleiben diese Gefühlslagen aus oder werden geschwächt. Entsprechend dessen, dass der Hormonhaushalt stark umwelt- und stimmungsabhängig ist, kommen nun noch die Umweltfaktoren hinzu.

So befeuern Stress und Einsamkeit die Faktoren für eine Depression oder können sie auf Dauer sogar auslösen. Aber auch rein organische Ursachen - beispielsweise ein Vitamin-D-Mangel infolge von fehlendem Sonnenlicht oder eine Krankheit - können mitursächlich sein. Es ergibt sich ein komplexes Konstrukt aus Ursachen, das die Krankheit so allgegenwärtig macht. Ein Mensch muss also nicht besonders krank oder gestresst sein, um depressiv zu werden. Es kann in der Theorie jeden treffen, auch Kinder und Greise.

Zusätzlich werden noch rein psychologische Faktoren diskutiert. So soll die Erkrankung auch durch das eigene Denken - die Kognition - verursacht sein. Es gibt in der psychischen Theorie einige Persönlichkeitstypen und Denkmuster, die eher zu einer empfundenen Hilflosigkeit führen oder Stress begünstigen. Auch eine ungenügende soziale Fähigkeit kann hier wichtig sein.

Entsprechend der komplexen Symptomatik und den vielen ursächlichen Faktoren, die sich in diesem Zusammenhang zeigen, ist eine Abgrenzung zur depressiven Verstimmung nötig. Sie bezeichnet lediglich ein vorübergehendes emotionales Tief. Dieses kann durch die körpereigenen und psychischen Mechanismen überwunden werden. Der Depressive kann sich hingegen nicht mehr selbst aus seiner Lage befreien. Eine Depression wird sich mit der Zeit zudem in den allermeisten Fällen verstärken und dauert mitunter Jahre und Jahrzehnte an. Sie ist zudem nicht an konkrete Ereignisse gekoppelt, die dieses Gefühl auslösen.

Was ist eine Depression alles?

Eine Depression liegt beim Vorliegen von mindestens zwei Hauptsymptomen (Antriebslosigkeit, emotionale Leere und Interessenverlust) und zwei Begleitsymptomen (zum Beispiel Appetitlosigkeit, Gefühl der Hilflosigkeit oder Suizidgedanken) vor. Ferner wird noch zwischen einer leichten, einer mittleren und einer schweren Form unterschieden werden. Dies ist in Abhängigkeit von der Anzahl der Haupt- und Begleitsymptome zu betrachten.

Die Symptomatik kann zudem auch zu somatischen Effekten führen. Der Depressive verliert häufig Gewicht, spürt seine Erschöpfung körperlich und ist in seinen Bewegungen und Reaktionen gehemmt. Wird das Gesamtbild der Krankheit unter Einbezug von Psyche und Körper betrachtet, wird von Psychosomatik gesprochen. Im Falle der Depression ist dies in den meisten Fällen der medizinischen und menschlichen Umsorgung auch angebrachter.

Eine Depression kann auch sehr stumm verlaufen. Abhängig vom sozialen Umfeld, der Kultur und ihrer Position in der Gesellschaft, versuchen Betroffene oftmals, ihr Leiden zu verstecken. Es gibt durchaus erfolgreiche Strategien - Ablenkung durch Arbeit, gutes Schauspielern - die eine emotionale Gesundheit vortäuschen können. Häufig gilt in diesem Fall, dass die Krankheit nur auffällt, wenn darüber gesprochen wird. Es ist anzumerken, dass die Stigmatisierung Depressiver zurückgeht - was mit einem deutlichen Anstieg der Diagnosen verbunden ist.

Die Depression erkennen

Die Anzeichen der psychischen Störung sind teils sehr subtil. Gerade Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit oder eine innere Leere lassen sich durch das Umfeld nur bedingt wahrnehmen. Von den Betroffenen werden die Anzeichen zudem häufig verdrängt. Einhergehend mit dem Mangel an emotionalen Empfindungen, geht auch eine Distanzierung von sich selbst: Das Individuum kann sich rational seiner (vermutlichen) Defizite bewusst sein, mag sich selbst aber noch nicht depressiv fühlen. Um das Leiden an sich zu spüren, sind entsprechende Emotionen notwendig, die teils erst später auftreten.

Diese Empfindungen umfassen das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Selbsthass, Schuldgefühle und so weiter. Spätestens hier kann der Depressive selbst erkennen, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung ist.

Das Umfeld kann hingegen vor allem aus dem Verhalten des Depressiven Schlüsse ziehen. Das Ablegen von Hobbys und das Meiden sozialer Bindungen sind etwa Anzeichen. Aber auch eine wahrgenommene emotionale Distanz, welche vorher nicht vorhanden war, kann ein Anzeichen sein. Schließlich hat noch die rein emotionale Komponente eine große Signalwirkung. Gerade Menschen, die sich sehr nahe stehen, merken, wenn buchstäblich etwas nicht stimmt.

Sollten derlei Beobachtungen getroffen werden, ist es wichtig, das Gespräch zu suchen. Die Hilfe, die Depressiven zukommen sollte, ist meist von einem messbaren Erfolg gekrönt.

Dabei ist das Diagnostizieren des Leidens nicht immer einfach. Zwar ist die Symptomatik mehr oder minder klar definiert. Jedoch kann das Leiden auch durch andere Leiden verdeckt sein oder bedarf einer differentialdiagnostischen Abklärung. So gibt es ein paar andere Krankheiten, die eine depressive Episode auslösen können, darunter zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen und das Chronische Erschöpfungssyndrom (Burnout).

Behandlung einer Depression

Das Behandeln einer Depression erfolgt mittels Antidepressiva (medikamentös) und durch eine Psychotherapie. Die Antidepressive folgen dabei zumeist einem immer gleichen Schema und bewirken, dass die angesprochenen Hormone sich länger im Körper halten, indem die Rezeptoren, die diese aufnehmen würden, blockiert werden. Die Signalwirkung wird so länger erhalten. Desto stärker das Leiden ist, desto stärker wirken auch die Medikamente. Nach erfolgter Einstellung lässt sich daher schnell eine Besserung der Symptome feststellen.

Jedoch ist anzumerken, dass die Medikation auch Nebenwirkungen mit sich bringen kann. Zudem wirken nicht alle Mittel bei allen Depressiven gleich gut, weshalb jeder Einzelfall individuell eingestellt werden muss. Es ergibt sich hier das Vorschreiben der Medikamente durch einen Arzt und zumeist durch einen Psychiater.

Ansonsten stehen dem Depressiven noch viele verschiedene Therapiearten zur Verfügung. Eine besondere Stellung unter den Psychotherapien nimmt hier die kognitive Verhaltenstherapie ein. Sie beschäftigt sich damit, die Denkmuster hinter der Depression aufzudecken und zu verstehen. Ausgehend von diesem neuen Verständnis können Arzt und Patient Ansätze entwickeln, diese kognitiven Muster umzugestalten. Dabei steht das Gespräch im Vordergrund, wobei dem Depressiven sehr viel Introspektion abverlangt wird. Schließlich rührt sein Leiden nicht einfach nur aus einer organischen Fehlfunktion, sondern ist auch an sein Denken und Handeln geknüpft. Wer erlernt, die Welt positiver zu betrachten - also nicht nur negative Urteile zu fällen - erlernt auch, Dinge wieder zu genießen.

Zudem gibt es noch Therapien, die sich mit dem Patienten und seiner Wahrnehmung auseinandersetzen. Hierunter fallen zum Beispiel Achtsamkeitstherapien, die Kunsttherapie und eine allgemeine Gesprächstherapie, wie sie etwa auch beim Psychologen stattfindet. Zuweilen hilft das Sprechen und Darstellen der eigenen Empfindungen bereits dabei, diese weniger bedrohlich erscheinen zu lassen.

Die Depression zu bekämpfen ist eine Aufgabe, die nicht nur einem Behandlungsplan unterliegt. Der Depressive selbst muss hier tätig werden. Eine Depression zu heilen ist daher Aufgabe mehrerer Menschen. Der Depressive an sich muss allerdings vorerst dazu befähigt werden, die Hilfe anzunehmen und sein eigenen Leiden eingestehen.

Wer behandelt Depressionen?

Antidepressiva werden ausschließlich von Ärzten - hier zumeist Psychiatern und Psychotherapeuten - verschrieben. Allerdings sind die anderen Ebenen der Behandlung nicht zwingend mit Ärzten besetzt. Gerade die Therapieverfahren, die nicht auf eine medikamentöse Behandlung abzielen, werden mitunter von gänzlich anders geschulten Menschen angeboten. Nicht selten finden Gestaltungstherapien unter künstlerischer Leitung statt. Für Achtsamkeits- und Entspannungstherapien kann grundsätzlich jedes Angebot in Anspruch genommen werden, solange der Depressive der Meinung ist, dass es ihm gut tut.

Eine große Verantwortung kommt auch dem Umfeld zu: Depressive benötigen Unterstützung während einer Therapie und danach zum Wiedereingliedern in seine gewohnte Abläufe, insofern er diese aufgrund seiner Krankheit verlassen musste.

Die Frage "Was tun bei Depressionen?" lässt sich daher für Angehörige beantworten: Sie müssen da sein für den Erkrankten, eine emotionale Abgewandtheit vorerst akzeptieren und ihn dazu ermutigen, sich in Therapie zu begeben. Zudem sollten sie nach der Therapie wieder da sein und ihn ein wenig im Auge behalten. Dies ist nicht damit zu verwechseln, ihn übermäßig zu bemuttern. Auch Depressive sind vor, während und nach ihrer Krankheit eigenständige Menschen. Allerdings sollte eine Ebene erreicht werden, auf welcher immer die Gesprächsmöglichkeit besteht.

Derjenige, der die Depression erleidet, steht vor der Aufgabe, seine eigene Behandlungsbedürftigkeit zu erkennen. Ausgehend davon, dass Depressive dazu neigen, den Dingen ihren Erfolg oder Sinn abzusprechen, stellt dies eine große Herausforderung dar. Es ist aber nötig, um die Depression zu bekämpfen. Hier ist es oftmals nötig, dass von außen eingeschritten wird. Die Ultima Ratio stellt hier die Zwangseinweisung dar, die aber nur indiziert ist, wenn der Depressive sich selbst verletzt, Selbstötungsabsichten äußert oder den Suizid versucht.

Der depressiven Verstimmung vorbeugen

Da die Bildung einer Depression von so unterschiedlichen Dingen abhängt, ist es nicht möglich, ihr gänzlich vorzubeugen. Jedoch lassen sich in der Tat einzelne Faktoren kontrollieren. Diese betreffen allesamt den eigenen Lebensstil. So ist ein ausreichender Aufenthalt draußen bei Sonnenlicht wichtig. Auch ein Vitamin-Mangel (B12 und C seien hier genannt) sollte verhindert werden. Entsprechend gelten ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung als positiv.

Weiterhin kommt auch dem Stress eine Bedeutung zu. Wer sich nicht entspannen kann und häufig unter Druck steht, neigt eher dazu, an einem psychischen Leiden zu erkranken. Dabei hat die Dauer des Stresses einen erheblichen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, mit der er es zu einer ernsthaften Krankheit kommt. Außerdem bedeutet ein Vorbeugen von Stress eine geringere Wahrscheinlichkeit, an Burn-Out zu erkranken - dem Syndrom ist die Depression als Symptom immanent.

Sich Auszeiten zu nehmen und auf den eigenen Körper zu hören, ist daher wichtig. Mitunter muss dies geschult werden, aber eine gesunde Work-Life-Balance, das Ausüben von Hobbys und das Pflegen sozialer Kontakte sind meist genügend. Auch eine gelegentlich eingelegte Zeit der reinen Entspannung, in welcher einfach etwas genossen wird, ist wichtig. Kommen hingegen Stress und Versagensängste auf, müssen diese beseitigt werden. Dies kann entweder durch das Ertragen gelingen (insofern das Ende klar absehbar ist und der Erfolg noch erreicht werden kann), oder aber durch das Setzen von Grenzen.

Zudem spielt es eine Rolle, dass die Symptome der Depression früh erkannt werden. Es gilt hier, dass die Erkrankung ums schwerer wirkt und schwieriger zu behandeln ist, desto länger mit dem Diagnostizieren und Behandeln gewartet wird.

Da Depressive beileibe keine Ausnahme darstellen, ist es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die Achtsamkeit für diese Krankheit aufrechtzuerhalten, die Betroffenen dabei zu unterstützen, Hilfe zu erhalten und die Vorboten zu erkennen.


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