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Friedemann Schulz von Thun

Unsplash © Mael Balland
Unsplash © Mael Balland

Der bekannte Psychologe Friedemann Schulz von Thun beschäftigt sich Zeit seines Lebens mit dem Phänomen der Kommunikation. Er ist Urheber eines der wesentlichen Modelle zur Interaktion zwischen den Menschen. Dieses Modell hieß ursprünglich das vier Nachrichten Modell oder Kommunikationsquadrat und ist heute besser bekannt als das Vier-Ohren-Modell. Es findet heute in vielen Bereichen Anwendung und gilt mittlerweile als absolutes Basiswissen im Bereich der Kommunikationspsychologie.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kommunikation
  2. Leben und Werk
  3. Die wesentlichen Modelle
    1. Das Vier-Ohren-Modell
    2. Das innere Team
    3. Das Werte- und Entwicklungsquadrat
    4. Das Teufelskreis-Modell
    5. Kommunikationsstile
    6. Das Situationsmodell

Kommunikation

Ohne Kommunikation wäre eine Interaktion zwischen den Menschen völlig undenkbar.

Die wohl allseits bekannte Beschreibung von Kommunikation ist die Wechselbeziehung einer gesendeten Nachricht auf der einen Seite und einer empfangenen Botschaft auf der anderen.

Kommunikation ist ein wesentlicher Parameter für das Zusammenleben der Menschen und deshalb auch aus keinem theoretischen Fachbereich wirklich wegzudenken.

Sender-Empfänger-Modell © Landsiedel NLP Training

Auf dem Gebiet der Psychologie ist es zudem von Belang, welche Subbotschaften in eine Nachricht verpackt werden und wie dieses wiederum bei dem jeweiligen Empfänger ankommt beziehungsweise, auf welche Weise die gesendete Botschaft von diesem Empfänger interpretiert wird. Schnell ist festzustellen, das eine Nachricht nicht immer im gleichen Verständnis empfangen und gesendet werden kann. Vielmehr ist die Interpretation von den Wirklichkeitskonstruktionen der Kommunikationspartner abhängig.

Leben und Werk


  • Friedemann Schulz von Thun wurde 1944 in Soltau geboren.
  • Aufgewachsen mit seinen Eltern Wilma und Walter Schulz von Thun in Hamburg - Er blieb zeit seines Lebens in Hamburg verwurzelt.
  • Erfolgreicher Abschluss des Gymnasiums.
  • 1971 Abschluss seines Psychologiestudiums in Hamburg.
  • Von 1971 bis 1973 promovierte er auf dem Gebiet der Wissensvermittlung.
  • Parallele Gründung seines ersten Zentrum für Kommunikation und Verhaltenstraining.
  • 1975 habilitierte er und erwarb eine Professur für Schulpsychologie. Diese hatte er bis zum Jahr 2009 inne.
  • 1974 - 1979 Entstehung das sogenannten Kommunikationsquadrat.
  • Seit 1970 Trainer im Bereich der Kommunikation für Lehrer und Führungskräfte und Gründung des Zentrum für Kommunikations- und Verhaltenstraining zusammen mit Kollegen.
  • 1997 begann er seine von ihm selbst als Lehrzeit betitelte begleitende Periode bei Ruth Cohn auf dem Gebiet der Gestalttherapie.
  • 1981 Erscheinung seines ersten Bandes der Trilogie „Miteinander reden“ - Das Buch wurde über eine Million Mal verkauft.
  • 1984 Absolvierung einer "Train the Trainer"-Fortbildung am Institut für wissenschaftliche Lehrmethoden, München.
  • Zwei Jahre später gründete er einen Arbeitskreis mit Namen „Kommunikation und Klärungshilfe“.
  • Ein Jahr später wurde sein Sohn Felix geboren.
  • 1988 Erscheinung des Buchs „Klärungshilfe“ in Zusammenarbeit mit C. Thomann.
  • 1989 Erscheinung des zweiten Bands der Trilogie "Miteinander reden".
  • 1991 Führung eines großen "Train the Trainer"-Curriculum - Er erwarb im selben Jahr die Zusatzqualifikation für Kommunikationspsychologie.
  • 1993 bis 1998 Erarbeitung und Erprobung eines Modells über die für die Stimmigkeit in der Kommunikation wesentlichen inneren Anteile des Menschen und nannte diese Anteile das innere Team.
  • 1994 Geburt seiner Tochter Maxie.
  • 1998 Erscheinung von „Miteinander reden 3“ - Seit dem Jahr 2000 gestaltete er mehrere ergänzende Bände zu „Miteinander reden“.
  • 2001 Auszeichnung mit dem Georg Gottlieb Preis der Apfelbaum Stiftung für sein Lebenswerk - Seine Dankesrede wurde mit dem Titel „Klarkommen mit sich selbst und anderen“ publiziert.
  • 2005 Erhalt des Preises des Fachbereichs Psychologie der Universität Hamburg.
  • Seit 2006 Aufbau einer eigenen Stiftung, das Schulz von Thun Institut für Kommunikation.
  • 2007 Erscheinung des ergänzenden Bandes „Miteinander reden – Fragen und Antworten“.
  • 2009 Erhalt des Live Achievement Awards der Deutschen Weiterbildungsbranche für das Lebenswerk und Eröffnung des Schulz von Thun Institut nach seiner Pensionierung.
  • 2012 Erhalt der Ehrendoktorwürde der Universität St. Gallen.
  • 2013-2015 Halten öffentlicher Vorlesungen.
  • 2016 Verleihung des Innovationspreises „Verstehen fördern“ durch die Fördergemeinschaft Mediation e. V. sowie des Ehrenpreises für sein Lebenswerk durch die Dresden international University.

Die wesentlichen Modelle

Den möglichen Missverständnissen im Bereich der Kommunikation entgegenzuwirken, indem diese bestimmt, benannt und verändert werden, war zentraler Untersuchungsgegenstand von Friedemann Schulz von Thun.

  • Dafür entwickelte er das bekannte Vier-Ohren-Modell.
  • Auch das Situationsmodell als Erweiterung für Stimmigkeit in Gruppenprozessen,
  • und das Modell des inneren Teams gelten als zentrale Ergebnisse seiner Arbeit.

Die Weiterentwicklung von bereits bestehenden Modellen beziehungsweise deren Ergänzung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil seiner theoretischen Auseinandersetzung.

  • So sind das Teufelskreis-Modell über Dynamiken von Beziehungen in Zusammenhang mit den sogenannten Beziehungsstilen,
  • sowie das Werte- und Entwicklungsquadrat hier zu nennen.

In seiner schriftlichen Auseinandersetzung mit Kommunikation in „Miteinander reden 1–3“ ist die Entwicklung der Modelle theoretisch untermauert.

Selbstironisch sagte er einmal über seine Arbeit:

„Den Psychologen sagt man nach, sie würden das, was jeder weiß, in einer Sprache sagen, die niemand versteht.“

Das Vier-Ohren-Modell

Das bekannteste Modell von Friedemann Schulz von Thun ist das sogenannte Vier-Ohren-Modell oder auch das Kommunikationsquadrat.

Die Basis dieses Quadrates bildet die Annahme, dass jede Nachricht vier verschiedene Botschaften umfasst. Das gilt nicht nur für das Senden von Nachrichten, sondern auch für das Empfangen der Botschaften. Der Empfänger nimmt also in einer Nachricht ebenfalls die vier verschiedenen Aspekte wahr.

Die vier Aspekte sind die Sachinformation, die Selbstkundgabe, die Beziehungsseite sowie die Appellseite.

Vier Ohren Modell © Landsiedel NLP Training

  • Sachinformation
    Austausch von Daten, Fakten und Informationen und Beurteilung, ob gegebene Information überprüfbar und damit valide ist.
  • Selbstkundgabe
    Beschreibung eines gewollten oder ungewöhnlichen Äußern von Gefühlen oder weiteren, die Persönlichkeit preisgebenden Informationen.
    Nach von Thun kann der Sender gar nicht anders, als Teile seiner Persönlichkeit mit in den Kontext des Gesagten mit einzubetten. Dies geschieht wiederum oft unbewusst und automatisiert. Hier werden natürlich auch andere nonverbale Kommunikationsmittel gebraucht.
  • Beziehungsebene
    Hinweise durch nonverbale und paraverbale Kommunikationsmittel. Aus dieser Ebene geht das Verhältnis der Kommunikationspartner hervor.
  • Appellseite
    Inhalt eines Appells in jeder Nachricht - der Sender äußert Wünsche, Ratschläge oder Handlungsweise. Diese "möchten immer etwas" vom Gegenüber.

Das Vier-Ohren-Modell

Das innere Team

In seinem dritten Band „Miteinander reden 3“ spricht Schulz von Thun von einem inneren Team und erreicht durch diese Metapher ein sehr großes Verständnis für die möglichen Widersprüche in einer Person selbst: „wer sich selbst versteht kommuniziert besser“.

Mit dem Modell des inneren Teams werden Anteile in einer Person beschrieben, die die Kommunikation wesentlich beeinflussen. Sie fungieren sozusagen als innere Stimmen. Es muss grundsätzlich eine gewisse Stimmigkeit zwischen den Parteien herrschen, um in Situationen der Kommunikation angemessen reagieren zu können.

Dafür dürfen diese Anteile dürfen nicht allzu stark voneinander abweichen. Andernfalls kann unter Umständen eine sogenannte Lähmung im Verhalten eintreten. Hierbei blockieren sich die inneren Anteile gegenseitig und verhindern auf diese Weise die erfolgreiche Kommunikation. Wenn die inneren Anteile aber in einem Team spielen, ergibt dies produktive Synergien. Durch diese Synergien entsteht wiederum eine übergeordnete Kompetenz. Also ist es wichtig, nach einem stimmigen Miteinander in sich selbst zu suchen um auf diese Weise Authentizität in der Kommunikation erreichen zu können.

» Ausführlichere Inhalte zum Thema inneres Team finden Sie hier.

Das Werte- und Entwicklungsquadrat

Beim Werte- und Entwicklungsquadrat handelt es sich ursprünglich um ein Modell von Nicolai Hartmann mit dem eigentlichen Namen Wertequadrat. Friedemann Schulz von Thun machte dieses Modell im Jahr 1989 für die Belange der zwischenmenschlichen Kommunikation nutzbar. In Verbindung mit dem Entwicklungsgedanken nannte er es dann Werte- und Entwicklungsquadrat.

Bei diesem Modell geht es um die Entwicklung von Werten. Diese Werte sind Prinzipien, Leitfragen oder menschliche Qualitäten. Die Grundannahme besteht darin, dass sich Werte erst dann zu persönlichen Stärken herausbilden können, wenn auch die gegenteilige Entwicklung als Handlungsansatz für die Person als erstrebenswert gilt. Diese Gegenentwicklung wird Schwesterntugend genannt. Konstruktiv ist in diesem Falle ein Gleichgewicht.

Beispiel

Beispiel Entwicklungsquadrant

Wenn jemand nun beispielsweise den Grundwert des Abenteurers in sich hat und diesen Anteil zu 100 % ausleben würde, wäre das Risikoverhalten dieser Person aller Wahrscheinlichkeit nach äußerst bedenklich. Dieser Abenteurer muss Anteile des Gegenpols, in diesem Fall Sicherheit, integrieren, um sein volles Potenzial ausleben zu können.

Das gilt natürlich auch im umgekehrten Fall: Ein 100 % auf Sicherheit bedachter Mensch, der alles abgesichert haben will, läuft übersteigert dargestellt Gefahr einen Kontrollzwang zu bekommen oder chronisch zu verunsichern. Für ihn ist es relevant hin und wieder ein Abenteuer zu erleben. Nach Schulz von Thun ist eine Einseitigkeit in eine Entwicklungsrichtung gleichzusetzen mit einer von ihm sogenannten entwertenden Übertreibung. Das Entwicklungsquadrat ist ein Werkzeug, um konstruktiv mit den Anlagen eines jeden umzugehen. Das Modell schafft Orientierung und Hilfe zur Selbsthilfe.

Das Teufelskreis-Modell

Ein weiteres Modell ist das genannte Teufelskreis-Modell. Der Teufelskreis stammt ursprünglich von Paul Watzlawick und wurde von Friedemann Schulz von Thun zu einem Modell über Beziehungsdynamiken ausgebaut.

Teufelskreis-Modell © Landsiedel NLP Training

Es bezieht sich auf negative Dynamiken in Beziehungen, allen voran in Partnerschaften. Paare, die eine problematische Beziehung führen, werden so auf die negative Dynamik aufmerksam und können möglicherweise Lösungsstrategien entwickeln.

Die negative Dynamik beschreibt die überlagerten Wirklichkeitskonstruktionen in Beziehungen, die sich durch eingeschleifte Denkmuster und oft wiederholte Bezüge erklären lassen. An dieser Stelle muss eine weit verbreitete Analogie des viel zitierten Kommunikationswissenschaftlers Paul Walztawick (Anleitung zum Unglücklichsein) genannt werden:

Beispiel

Der Mann kommt nicht gerne nach Hause, weil seine Frau sich immer beklagt. Die Frau beklagt sich fortwährend, weil ihr Mann nie nach Hause kommt. Dieses Beispiel symbolisiert das Teufelskreis-Modell, in dem sich das betroffene Paar verliert. Essenziell ist, dass beide so automatisiert in der Dynamik verhaftet sind, dass sie denken, sie würden nur reagieren. Winzige Auslöser können im fortgeschrittenen Stadium zu Eskalation führen.

Kommunikationsstile

Maßgeblich war für Friedemann Schulz von Thun die Beziehungsdynamik zwischen zwei Menschen. Er beschreibt dieses Phänomen als stetige, teilweise automatisierte Aktions- und Reaktionsmuster. Um dies besser untersuchen zu können ordnete Schulz von Thun die Menschen in acht sogenannte kommunikative Stile ein. Diese filterte er in seinem dritten Band von „Miteinander reden“ heraus.

Sie sind als reflektiere Ergänzung zu den beschriebenen Modellen zu verstehen, wobei durch die Zuordnung zu einem bestimmten Typus mit einer bestimmten Problematik auch eine persönlich abgestimmte Strategie der Fehlerbehebung einhergehen kann.

Es gibt den:


  1. Bedürftig abhängigen Stil
  2. Helfenden Stil
  3. Selbst-losen Stil
  4. Sich beweisenden Stil
  5. Bestimmenden-kontrollierenden Stil
  6. Sich distanzierenden Stil
  7. Aggressiv-entwertenden Stil
  8. Mitteilungsfreudig-dramatisierenden Stil

All diesen Stilen ist eine bestimmte, eigene Kindheitsprägung vorausgegangen, die sich nach Typ unterscheidet und in den Beziehungsmustern immer wieder wiederholt.

Das Situationsmodell

Das Situationsmodell macht die Umstände transparent, unter denen eine Situation entsteht. Es definiert ihren Schwerpunkt und die psychische Realität durch eine System-gerechte Handhabung. Um eine stimmige Kommunikation in Gruppen, die sich zu einem gewissen Zweck treffen, zu erzeugen, sind vier unterschiedliche Ebenen relevant.

Situationsmodell © Landsiedel NLP Training
  • Eingangskanal

    Der Eingangskanal steht für die Narrative, die zu der Situation geführt hat, beispielsweise ein Treffen für Führungskräfte. Der Eingangskanal beantwortet die Frage nach dem Anlass des Treffens, den Gegebenheiten im Vorfeld (Einladungen, Vorbesprechungen, Vorbereitungstreffen) und den beteiligten Personen.

  • Oberbauch

    Die zweite Ebene wird Oberbauch genannt. Der Oberbauch differenziert das Thema. Also in gewissem Sinne werden hier der Grund der Anwesenheit, die Inhalte und Abläufe genannt. Wichtig hier ist, dass das Thema mit dem Ziel sowie dem Anlass übereinstimmt.

  • Unterbauch

    Der Unterbauch steht für die dritte Ebene, die eine zwischenmenschliche Struktur der Beteiligten beschreibt. Es geht um die Anwesenden und deren Beziehungsverhältnis und die Antwort auf die Frage, wer aus welchem Grund anwesend oder auch abwesend ist. Hier ist eine Rollenverteilung zentral, die meist durch Hüte symbolisiert wird. In einer bestimmten Situation neigen Menschen zu der Annahme von vorgegeben Rollen. In dieser Rolle treffen sich die Person und das ihr zugehörige innere Team.

  • Ausgangskanal

    Die vierte und letzte Ebene wird als Ausgangskanal bezeichnet. Er steht für die vereinbarten Ziele des Treffens. Diese Ziele können eine Entscheidung, ein Konzept oder Beschluss sein. Auf jeden Fall sollte ein überprüfbares Ergebnis am Ende stehen.


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