Offene Beziehungen

Ein Dreierpaerchen
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1. Was ist eine offene Beziehung?

Eine verwirrte Person
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Paare, die eine offene Beziehung führen, geben sich einvernehmlich und wissentlich die Freiheit auch andere Sexualpartner zu wählen. Wenn die Beteiligten miteinander verheiratet sind, wird gemeinhin auch der Begriff Offene Ehe verwendet. Neben Polyamorie gehören Offene Beziehungen zur Untergruppe der non-monogamen Beziehungsformen. Sie beide vereint ein partnerschaftlicher Konsens bezüglich sexueller Kontakte außerhalb der Beziehung.

1.1 Was ist der Unterschied einer offenen Beziehung und Polyamorie?

Offene Beziehungen treten der konventionell-klassischen Vorstellung entgegen, dass Monogamie essenzielle Voraussetzung für den Eintritt in eine partnerschaftliche Beziehung und deren Bestehen sei. Gleichzeitig wird aber das Konzept der Beziehung als Partnerschaft zwischen ausschließlich zwei Menschen übernommen. Bei der Polyamorie besteht diese Bindung nicht, hier gibt es keine Beschränkungen an Beziehungs- und Sexualpartnern. Die Offene Beziehung stellt somit einen Kompromiss zwischen der „klassischen“ Beziehung und Polyamorie dar.


2. Wie verbreitet sind offene Beziehungen?

Die Datenlage zu alternativen Beziehungskonzepten ist generell sehr dünn. 2018 ergab eine bevölkerungsrepräsentative Befragung mit mehr als 11.000 deutschsprachigen Probanden des Online-Portals Elite Partner, dass 6% der Teilnehmer bereits Teil einer ausgelebten offenen oder polyamoren Beziehung waren oder zur Zeit der Umfrage eine solche Beziehung führten. Eine universitäre Studie aus den USA kam zu ähnlichen Ergebnissen, berichtete allerdings auch signifikant höhere Ergebnisse bei bi- und homosexuellen Menschen. Dazu gaben ein Fünftel der Probanden an, bereits einmal im Leben eine solche Beziehungsform mit dem Partner besprochen oder sich anderweitig mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben.

Wirkliche Trends auszumachen fällt angesichts der noch geringen Datenlage schwer. Wirft man allerdings einen Blick auf Google, so hat sich seit 2004 weltweit die Anzahl der Suchanfragen verfünffacht. Ein wachsendes Interesse ist also erkennbar.

3. Warum eine offene Beziehung führen?

Ein glückliches Paar
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Die Gründe, sich für eine offene Beziehung zu entscheiden, können vielfältig sein. Selbstverwirklichung und -entfaltung werden oft genannt, gleichzeitig aber auch – das mag für viele erstmal widersprüchlich klingen – der Wunsch nach einer intensiveren Beziehung. Denn wer kennt es nicht, die ersten paar Jahre ist man noch Hals über Kopf verliebt; später stellt sich dann eine ruhigere, innigere Form der Liebe ein.

Der amerikanische Psychiater Scott M. Peck beschreibt in seinem Bestseller „The road less travelled“ bereits in den späten Neunzigern die offene Beziehung als Möglichkeit eben jene wundervolle Verliebtheit wiederzubeleben und so der einlullenden Gewöhnung von Langzeitbeziehungen entgegenzuwirken.

Die Gründe dafür liegen tief in der menschlichen Natur verwurzelt. Wir gewöhnen uns schnell an die schönen Dinge im Leben und vergessen nur allzu häufig, wie glücklich wir uns schätzen dürfen, an ihnen teilhaben zu können. Das gilt auch für Lebensgewohnheiten und Privilegien aber auch für unsere Partner und Menschen, die uns nahestehen. „Man weiß erst was man hatte, wenn man es verloren hat“ lautet ein gängiges Sprichwort.

Eine offene Beziehung zu führen bedeutet allerdings nicht, dass man die Beziehung verliert – auch wenn sich das Konzept natürlich für einige Paare als nicht funktional erweisen kann. Vielmehr erleichtert sie es, die eigene Beziehung mal von außen zu betrachten. Viele Paare werden sich dadurch erneut der Qualitäten ihres Partners bewusst und lernen die Beziehung mehr zu schätzen. Das Gegenteil kann natürlich auch der Fall sein – Nur ist dann weniger der Spiegel in Form der offenen Beziehung das Problem als vielmehr die Beziehung dahinter. Dazu aber später mehr.

Neben der Intensität als Grund für eine offene Beziehung berichten auch viele Paare ihre Beziehung aus einer Notsituation heraus geöffnet zu haben. Beispielsweise wenn es in der Ehe oder Partnerschaft einfach nicht mehr rund läuft, man sich neue Ansätze holen möchte oder auch weil der Partner bereits unerlaubt sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung hatte und nun ein Ausgleich stattfinden soll. Die Herausforderungen, erfolgreich in eine offene Beziehung überzugehen sind hier generell noch etwas höher als ohnehin schon. Zusätzlich zu den normalen Hindernissen bei der Beziehungsöffnung müssen auch oft noch bestehende Probleme innerhalb der Partnerschaft aufgelöst werden.

Doch das höhere Investment zahlt sich in vielen Fällen aus. Erste Untersuchungen zu offenen Beziehungen weisen darauf hin, dass sie im Schnitt länger halten als gewöhnliche Beziehungen – bei gleicher Beziehungsqualität und höherer sexueller Zufriedenheit. Die wichtigste Voraussetzung hier allerdings: Die Beziehungsform muss im Konsens gewählt und von beiden Partnern gewollt sein. Jemanden in eine offene Beziehung zu zwingen birgt keine Aussicht auf Erfolg.

4. Warum keine offene Beziehung führen?

Das Führen einer funktionalen, offenen Beziehung setzt den partnerschaftlichen Konsens voraus. Wer an der Beziehungsform nicht interessiert ist oder sie unfreiwillig eingeht hat im Regelfall keine Aussicht auf eine fruchtbare offene Beziehung. Dazu kommt: Wer sich oder seiner Beziehung nicht gern den Spiegel vorhält, wird in einer offenen Beziehung auch eher wenig Erfüllung finden. Wenn man sonstige partnerschaftliche Probleme ausklammert und das konsensuelle Interesse an einer offenen Beziehung voraussetzt, bleibt als großer Hauptfaktor, warum eine offene Beziehung oft nicht funktioniert, der Mangel an Ressourcen.

Ein unglückliches Paar
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Denn jede Beziehung, egal ob offen oder nicht, bedeutet Arbeit. Gewohnheiten, Einstellungen, Schwächen – vieles kommt zum Vorschein, mit vielem muss sich auseinandergesetzt werden. Eine offene Beziehung intensiviert die Arbeit an vielen dieser Dinge. Ein zeitintensiver Beruf, schwierige Lebensumstände, persönliche Herausforderungen oder anderweitige Belastungen können da schnell in die Quere kommen.

Daher empfinde ich es auch als unpassend, eine offene Beziehung als alternative Beziehungsform analog zu monogamen Beziehungen zu sehen. Denn eine offene Beziehung setzt im Kern bereits eine gut funktionierende, „normale“ Beziehung voraus. Klare Kommunikation, eine gute Balance zwischen Nähe und Selbstverwirklichung, Rücksichtnahme – bereits in den wenigsten monogamen Beziehungen werden Kriterien wie diese in Gänze erfüllt. Für eine funktionale offene Beziehung sind sie jedoch Voraussetzung und stehen sie teils noch stärker im Fokus als ohnehin schon.

Wer feststellt, dass in der eigenen Beziehung es bereits an der ein oder anderen Stelle knistert, der wird in einer offenen Beziehung oft jede Menge zusätzlichen Stress, Streit, Eifersucht und negative Verstimmung erleben. Die eigene Beziehung zu öffnen kann dann sehr schnell zum Zündstoff werden, der ebenjene Beziehung vergehen lässt. Daher ist eine professionelle Herangehensweise mit den richtigen Methoden essenziell.

5. Mit NLP eine offene Beziehung führen

Es gibt viele Wege, sich an eine offene Beziehung heranzutasten. Im NLP-Methodenarsenal finden sich dazu eine Reihe von geeigneten Techniken, die bestens geeignet sind, den spezifischen Herausforderungen offener Beziehungen zu begegnen. Einige Inspirationen, wie ihr eure offene Beziehung mithilfe von NLP gestalten könnt, findet ihr in diesem Abschnitt.

5.1 Eine gute Beziehungsbasis aufbauen.

Die Basis für jede funktionale offene Beziehung liegt in einer bereits funktionalen Beziehung. Wenngleich es unzählige Methoden, Ratgeber und Tipps gibt, wie man eine erfüllte Beziehung führt, so bleiben die Kernaspekte meistens dieselben. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Kriterien einer funktionalen Partnerschaft, ergänzt mit einigen praktischen Tipps findest Du hier: Partnerschaft.

5.2 Spezifischen Herausforderungen begegnen

Kommen wir nun zu den besonderen Ansprüchen einer offenen Beziehung. Einige Beziehungsfundamente sind in einer offenen Beziehung deutlich stärker belastet als in einer monogamen Partnerschaft. Dazu zählen:

  • Sicherheit
  • Selbstwert
  • Umgang mit Eifersucht

5.2.1 Sicherheit

Bild, wo sie sich an ihm festhält
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Sicherheit bildet auch in offenen Beziehungen einen essenziellen Bestandteil. Mit dem Wegfall der sexuellen Exklusivität geht auch immer eine Quelle für Sicherheit verloren, die einen Ersatz benötigt. Gewisse Regeln oder eine behutsame Herangehensweise sind Beispiele für eine funktionalen Umgang.

Ein Weg sich mithilfe von NLP in schwierigen Situationen eine Quelle für Sicherheit zu schaffen stellt die Ankertechnik dar. Dabei wird eine Assoziation zwischen einer spezifischen Bewegung und einer Erinnerung an einen ressourcenreichen Zustand geschaffen. Offene Beziehungen sorgen in vielen Fällen für Stressmomente. Der Zugriff auf einen ressourcenreichen Zustand kann in solchen Situationen dabei helfen, mit aufkommenden Emotionen besser umzugehen.

Mehr zu der Ankertechnik findest du hier.

5.2.2 Selbstwert

Zuzulassen, dass der eigene Beziehungspartner noch andere sexuelle Kontakte hat, benötigt im Regelfall einen gesunden Selbstwert. Wer mit sich selbst im Reinen ist kann auch leichter potentiell Selbstwert-bedrohende Ereignisse wie etwa sexuelle Kontakte des Partners verkraften. NLP bietet eine ganze Palette von Techniken an, mit denen der eigene Selbstwert stabilisiert und gefestigt werden kann. Im folgenden findest Du einige Möglichkeiten, wie Du NLP kennen lernen kannst.

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5.2.3 Umgang mit Eifersucht

Wenn man den schwierigsten Aspekt einer offenen Beziehung finden will, kommt man am Ende immer auf die Eifersucht. Es ist eine Sache dem Partner beim Anhimmeln von jemand anderem zuzuschauen – eine ganz andere hingegen, sexuelle Kontakte zuzulassen.

Oft wird angenommen, in einer offenen Beziehung gäbe es keine Eifersucht. Das ist falsch. Eifersucht ist ein natürliches Gefühl und hat immer auch eine Schutzfunktion. Statt also Zeit und Energie darauf zu verschwenden, Eifersucht zu „eliminieren“ ist es viel wichtiger, einen angemessenen Umgang mit Eifersucht zu entwickeln – NLP Techniken können dabei eine große Hilfe bieten. Insbesondere die Arbeit mit Glaubenssätzen bietet dabei großes Potenzial. Die Annahme „Mein Partner liebt mich weniger, wenn er oder sie mit anderen intim wird“ ist nämlich genau das. Eine Annahme. Nicht mehr und nicht weniger.

6. Erfahrungsbericht

Der Author
© offen-verbunden.de, Joschka Suckau

Moin! Ich bin Josch aus Würzburg. Seit mittlerweile 8 Jahren beschäftige ich mich mit den Themen Polyamorie und offene Beziehung. Wenngleich ich anfangs noch große Schwierigkeiten hatte, mich mit einer nicht-monogamen Lebensform anzufreunden, kann ich mir heute nichts anderes mehr vorstellen. Man nimmt das beste aus beiden Welten mit: persönliche Entfaltung und innige Bindung. Mittlerweile hat mich das Thema sogar zu einer eigenen Website inspiriert.

Letztlich muss jeder für sich selbst sein präferiertes Beziehungsmodell finden. Offene Beziehungen können wahnsinnig bereichernd sein aber funktionieren meines Erachtens nach nur, wenn sich beide Partner bewusst dafür entscheiden und sie nicht etwa als Notlösung innerhalb einer dysfunktionalen Beziehung verwenden.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Dir dieser Artikel ein Wegweiser (in welche Richtung auch immer) sein kann und wünsche Dir alles Gute für Deine Partnerschaft!

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