NLP-Bibliothek: 12.13 Einige Ziele und Grundprinzipien ihrer therapeutischen Arbeit

12.13 Einige Ziele und Grundprinzipien ihrer therapeutischen Arbeit


Virginia Satir wollte Bedingungen schaffen unter denen sich der Klient ungehindert selbst verwirklichen kann.

Sie legte vor allem Wert auf das Ausbalancieren zwischen individuellen Interessen und dem Erhalt des Familiensystems. Einen weiteren wichtigen Punkt sah sie darin, ihre Klienten zu befhigen ihre Probleme zu bewltigen.

Um diese Ziele zu erreichen brachte sie einige Vorannahmen in den therapeutischen Prozess ein:

1. Lsungsorientierter Fokus auf Gegenwart und Zukunft

(anstatt eines problem-orientierten Fokus auf der Vergangenheit)

Virginia Satir lenkte die Aufmerksamkeit der Klienten immer auf die Gegenwart und die Zukunft. Nur um Rapport aufzubauen, Interaktionsmuster anschaulich zu demonstrieren oder frhere Ereignisse auf neue Weise darstellen zu knnen und ihnen so in der Gegenwart eine positivere Bedeutung zu geben, beschftigte sie sich mit der Vergangenheit.

Folgende Ziel-Fragen leiteten Virginia Satirs Arbeit:
"Was wollen Sie?"
"Woran werden Sie erkennen, dass Sie es erreicht haben?"
"Was hindert Sie jetzt daran?"
"Was brauchen die um es zu bekommen?"

Sie legte auch viel Wert darauf, dass diese Fragen nicht generell oder abstrakt, sondern sinnesspezifisch beantwortet wurden. Bei einem positiv formulierten Ziel hat der Klient Mglichkeiten selbst etwas zu verndern, es steht in seiner Macht seine Situation zu verbessern. Nur so ist ein Ziel ntzlich und macht eine Person powervoll. Sobald ein Klient ein positives Ziel genannt hatte, konzentrierte sich Virginia Satir voll und ganz darauf dieses Ziel zu erreichen. Wenn eine bestimmte Intervention nicht funktionierte, versuchte sie mit anderen Mglichkeiten und Interventionen das Ziel zu erreichen.

2. Positive Absichten

Virginia Satir unterstellte jedem, egal wie negativ sein Verhalten auch sein mochte, gute Absichten. Durch diese Herangehensweise wird es mglich anstatt zu streiten oder sich gegenseitig Vorwrfe zu machen konstruktiv mit negativen Verhaltensweisen umzugehen und gemeinsam nach Handlungsalternativen zu suchen.

3. Handlung

Ein weiterer Grund fr Virginia Satirs powervolle Effektivitt lag in ihrem Beharren auf Handlungen. Sie gab sich nicht damit zufrieden, dass Klienten ihre Handlungsweisen beschrieben oder neue Handlungsalternativen verbal erfassten.

Wir verndern uns nur, wenn wir Ereignisse und Wahrnehmungen voll erleben. Und da wir es vorziehen vertraute Verhaltensweisen zu zeigen, mssen wir neue Verhaltensweisen aktiv einben, um mit ihnen vertraut zu werden. Auch wenden wir neue Verhaltensweisen nur dann an, wenn wir mit diesen konkrete positive Erfahrungen machen, die vorher auerhalb unserer Vorstellungswelt lagen.

Auch sie selbst handelte und bewegte sich sehr viel innerhalb der Therapie. So stellte sie jeweils mit den einzelnen Familienmitgliedern individuellen Kontakt her. Wenn Interaktionen unproduktiv verliefen unterbrach sie diese hufig dadurch, dass sie sich zwischen die beiden Parteien stellte und so den (Blick)Kontakt zwischen den beiden erst einmal unterbrach, um mit den einzelnen Personen alleine weiter zu arbeiten. Danach verlie sie ihre Position wieder und die Klienten konnten erneut in Interaktion treten.

4. Gleichberechtigung

Durch die Gleichberechtigung aller Beteiligten, sowohl in der Beziehung Therapeut Klient als auch zwischen den einzelnen Familienmitgliedern, hat man einige Vorteile. Zum einen dass allen Beteiligten verdeutlicht wird wie Kmpfe um Dominanz die Kommunikation negativ beeinflussen und verkomplizieren. Zum anderen wird der Therapeut nicht in die Familienhierarchie verwickelt wird. Auch werden durch die Gleichberechtigung die Gemeinsamkeiten zwischen den Familienmitgliedern mehr betont als die Unterschiede. Streit und Auseinandersetzungen beruhen meist auf ungengenden Informationen und der Wahrnehmung von Unterschieden.

Hingegen beruhen Verstndnis und Mitgefhl auf vollstndige Informationen und der Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten. Somit ist es sehr wichtig die Gemeinsamkeiten hervorzuheben und die Unterschiede so gering wie mglich zu halten.
Virginia Satir stellte Gleichheit zum Beispiel dadurch her, dass sie Kinder auf einen Stuhl stellte, so dass diese in Augenhhe mit den Erwachsenen waren. Auch schloss sie sich hufig in die Probleme ihrer Klienten mit ein, indem sie das Pronomen "wir" benutzte.

Ein weiterer Aspekt ihrer Lehrarbeit war ihre Rollenflexibilitt. Sie nahm an, dass "jeder ein Lehrer oder Schler fr den anderen werden kann". Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass sie sich immer wieder bei allen Beteiligten absicherte und nachfragte, ob sie einen bestimmten Sachverhalt richtig verstanden hatte und bat auch um Verbesserungen.



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