Empathie

Empathie
Empathie (Pixabay: © Herney Gómez)

„Empathie“ ist ein vielschichtiger Begriff und dennoch kann sich fast jeder vorstellen, was Empathie ist. Bestimmt haben auch Sie schon von Empathie gehört und haben Ihre ganz eigene Vorstellung davon. Machen Sie sich doch kurz Gedanken über die Frage, was Sie selbst unter Empathie verstehen.

Für den einen bedeutet Empathie Einfühlungsvermögen oder soziale Kompetenz und für den anderen die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen oder gar die Gabe, Gedanken zu lesen. Bei so vielen unterschiedlichen Vorstellungen von Empathie kommt schnell die Frage auf, wie Empathie definiert ist.

Auf dieser Seite finden Sie eine Empathie Definition, sowie viele weitere interessante Aspekte der Empathie. Erfahren Sie etwas über die Vor- und Nachteile der Empathie oder darüber, warum Empathie überhaupt so wichtig für den Menschen ist.

Möchten Sie Empathie lernen und danach für Ihre Persönlichkeitsentwicklung nutzen? Sind Sie Coach und möchten Empathie im Coaching einsetzen? Auch hierzu finden Sie nützliche Informationen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Empathie?
    1. Empathie Definition
    2. Kognitive und emotionale Empathie
    3. Wie entsteht Empathie?
  2. Warum ist Empathie so wichtig?
  3. Vor- und Nachteile der Empathie
  4. Wie kann Empathie gefördert werden?
    1. Empathie lernen
    2. Empathie bei Kindern
  5. Empathie Bedeutung für das Coaching
    1. Praxisbeispiele

Was ist Empathie?

Empathie wird oft mit Synonymen wie Einfühlungsvermögen, Verständnis, Empfindsamkeit, Anteilnahme oder Sympathie erklärt. Keines dieser Synonyme beschreibt dabei allerdings treffend, was Empathie ist. Empathie findet in verschiedenen Bereichen Anwendungen und kann deshalb je nach Bereich unterschiedlich definiert werden.

Empathie Definition

Ganz egal, in welchem Bereich Sie die Empathie einsetzen, die folgende Empathie Definition stellt das dar, was Empathie in jedem Kontext ist:

„Empathie ist die Fähigkeit, die Gedanken und Empfindungen anderer Personen wahrzunehmen und zu verstehen.“

Empathie
Empathie (Pixabay: © Bernd Müller)

Dabei geht es zunächst nur um die reine Wahrnehmung und das Verstehen des Wahrgenommenen. Was danach geschieht, ist eine Reaktion auf das Wahrgenommene. Die Reaktionen auf das empathisch Wahrgenommene zeigen sich meist in Form von Gefühlen wie beispielsweise Mitleid, Trauer, Freude, Angst oder Glück. Dadurch wird auch klar, was Empathie nicht ist: Empathie ist kein Gefühl, sondern nur die Fähigkeit, die Gefühle anderer Personen zu erkennen. Oft wird Empathie als Mitgefühl bezeichnet. Dies ist genau genommen nicht richtig, da das Mitgefühl bereits die Reaktion auf das empathisch wahrgenommene ist.

Kognitive und emotionale Empathie

Auf Basis der Definition, dass Empathie die Fähigkeit ist, die Gedanken und Empfindungen anderer Personen wahrzunehmen und zu verstehen werden drei Arten von Empathie unterschieden:

  1. Kognitive Empathie

    Von kognitiver Empathie ist die Rede, wenn die Gedanken und Empfindungen des Gegenübers wahrgenommen und verstanden werden, im Anschluss aber keine Reaktion erfolgt. Diese Art von Empathie ist analytisch und dissoziiert. Die empathische Person versteht zwar, was im Gegenüber vorgeht, grenzt sich aber von den Gedanken und Empfindungen ab und reagiert nicht auf das Wahrgenommene.
  2. Emotionale Empathie

    Im Gegensatz zur kognitiven Empathie findet bei der emotionalen Empathie eine Reaktion auf das Wahrgenommene statt. Diese Reaktion spiegelt dann oftmals die Empfindungen des Gegenübers. Wenn ein empathischer Mensch erkennt, dass eine andere Person sehr traurig ist und darauf im Verständnis der emotionalen Empathie reagiert, dann wird dieser Mensch meist auch traurig. In diesem Fall ist „Mitgefühl“ ein sehr treffendes Synonym für die emotionale Empathie.
  3. Unbewusste emotionale Empathie

    Bei der emotionalen Empathie ist es nicht zwingend nötig, die Empfindungen des Gegenübers zu verstehen. So kann es sein, dass sehr empathische Menschen die Gefühle des Gegenübers nachempfinden ohne zu verstehen, warum das Gegenüber so fühlt. Wenn beispielsweise ein Kind fröhlich ist und lachend auf seine Mutter zu rennt, dann zaubert das oftmals sofort ein Lächeln auf das Gesicht der Mutter, obwohl der Mutter nicht bewusst ist, warum das Kind fröhlich ist.

Wie entsteht Empathie?

Aus wissenschaftlicher Sich lässt sich die Entstehung von Empathie wie folgt erklären: Durch sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn schaltet sich die Intuition ein und der Mensch ahmt automatisch das wahrgenommene nach. Als hochsensible Spezies nimmt der Mensch auch unbewusst bestimmte Signale wahr, welche dann verknüpft mit bestimmten Assoziationen ein dazugehöriges Gefühl auslösen. In gewisser Weise kann man die Empathie auch als eine emotionale Intelligenz bezeichnen, da wir nicht wissen, welche Gefühle andere Menschen haben. Dennoch ist unser Gehirn durch eben diese emotionale Intelligenz in der Lage, bestimmte Signale bestimmten Gefühlen zuzuordnen.

Warum ist Empathie so wichtig?

Menschen sind soziale Wesen und deshalb steht jeder Mensch früher oder später in Kontakt mit anderen Menschen. Und genau in diesen Momenten ist Empathie aus verschiedenen Gründen sehr wichtig:

  1. Empathie erleichtert die Kommunikation

    Empathische Menschen können sich in ihr Gegenüber hineinversetzen und dadurch leichter verstehen, was ihr Gegenüber kommunizieren möchte. Natürlich spielt es dennoch eine Rolle, wie genau sich der Gegenüber ausdrückt und wie genau er das kommuniziert, was er vermitteln möchte. Prinzipiell ist es allerdings wichtig, den Gegenüber genau wahrzunehmen und zu versuchen, ihn zu verstehen, um eine reibungslose Kommunikation zu garantieren. Dadurch können unter anderem Missverständnisse vermieden werden, was sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld hilfreich ist.
  2. Empathie schafft harmonische Beziehungen

    In Freundschaften, Partnerschafen oder familiären Beziehungen ist Empathie besonders wichtig, denn auf Dauer können gute Beziehungen ohne gegenseitiges Verständnis nur schwer bestehen. Gerade in Konfliktsituationen kann Empathie verhindern, dass ein großer Streit ausbricht. Empathische Menschen sind in der Lage, ihr Gegenüber zu verstehen und damit ist der erste Schritt schon getan. Im nächsten Schritt ist es wichtig, die Einstellungen und Ansichten des Gegenübers auch zu akzeptieren – doch dies geht über Empathie hinaus. Ein Konflikt kann sehr leicht gelöst werden, wenn sich alle beteiligten Personen nicht nur in die eigene Position versetzen, sondern auch in die der anderen. Konfliktsituationen können oftmals eskalieren, wenn zu viele Emotionen im Spiel sind, deshalb ist es ratsam sich in solchen Situationen auf die kognitive Empathie zu beschränken.

    Empathie kann sich nicht nur in Konfliktsituationen sondern generell positiv auf Beziehungen auswirken. Denn wer seine Empathiefähigkeit einsetzt, um seine Mitmenschen immer besser kennen zu lernen, kann erkennen, wie seine Mitmenschen ticken. Welche Macken hat mein Gegenüber? Wie kann ich meinem Gegenüber eine Freude machen? Was sollte ich vermeiden, um mein Gegenüber nicht zu verärgern? All diese Fragen können empathische Menschen nach und nach beantworten und dadurch ein harmonisches Zusammensein ermöglichen.
  3. Empathie zur Selbstreflexion

    Wenn Sie empathisch und zudem ehrlich zu sich selbst sind, dann haben Sie bereits zwei wichtige Eigenschaften, um sich selbst zu reflektieren. Denn Empathie kann nicht nur im Kontakt mit anderen sondern auch im Kontakt mit sich selbst nützlich sein. Werden Sie sich selbst bewusst, welche Gedanken oder Empfindungen Sie selbst haben und fragen Sie sich im Anschluss, warum das so ist. Haben Sie Verständnis für Ihre eigenen Fehler und Macken. Denken Sie nicht nur negativ sondern lassen Sie auch Komplimente zu. Beobachten Sie sich auch einmal selbst in Konfliktsituationen. Versuchen Sie mit einer hohen Achtsamkeit durchs Leben zu gehen, damit Sie mehr wahrnehmen können. Durch Empathie und Achtsamkeit können Sie sich selbst verändern und weiterentwickeln.

    Zusammengefasst hilft Ihnen Empathie im Kontakt mit anderen Menschen und mit sich selbst, um vorhandene Einstellungen und Empfindungen zu verstehen und zu verbessern und ist deshalb für jeden Menschen sehr wichtig.

Vor- und Nachteile der Empathie

Die eben vorgestellten Gründe, warum Empathie für die Menschen sehr wichtig ist bilden gleichzeitig die wichtigsten Vorteile der Empathie. Die größten Vorteile bringt die Empathie dann mit sich, wenn Sie mit anderen Menschen in Kontakt treten. Empathie Menschen zeichnen sich durch Verständnis, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft aus. Im privaten Umfeld können Konflikte vermieden und Beziehungen verbessert werden. Empathische Menschen wirken zudem meistens sehr sympathisch auf andere Menschen, weil sie viel Verständnis zeigen. Im beruflichen Umfeld können Sie die Empathie nutzen, um die Kommunikation mit ihren Kollegen, Angestellten oder Vorgesetzten zu verbessern. Außerdem können Sie Ihre eigene Überzeugungskraft steigern, weil Sie wissen, wie bestimmte Handlungen und Worte auf andere wirken. Dies können Sie wiederum in Verhandlungen einsetzen.

Der wohl stärkste Nachteil der Empathie findet sich dann, wenn Menschen sich nicht genug abgrenzen können. An vielen Stellen ist es wichtig, sich nicht von den Gefühlen anderer Menschen mitreißen oder gar belasten zu lassen. Bei einer zu hohen Empathie kann es passieren, dass die eigenen Einstellungen und Gefühle in den Hintergrund rücken und dadurch auch die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt werden. Zudem besteht die Gefahr, dass empathische Menschen ausgenutzt werden. Wenn Sie sich diesen Nachteilen bewusst sind, können Sie diese vermeiden, indem Sie lernen „Nein“ zu sagen. Stellen Sie Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse also an erste Stelle, dann wirkt sich Ihre Empathiefähigkeit nicht negativ auf Sie aus.

Wie kann Empathie gefördert werden?

Gerade im Erwachsenenalter verlieren Menschen die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen. Mit der Zeit können sie weder ihre eigenen Gedanken und Gefühle noch die der anderen wahrnehmen und verstehen. Mit einigen einfachen Übungen gelingt es, wieder mehr Empathie empfinden oder auch Empathie haben zu können.

Empathie lernen

Empathie kann nicht von einem auf den anderen Tag vergrößert werden. Die gute Nachricht ist, dass jeder Mensch die Gabe besitzt, ein empathischer Mensch zu sein. Wenn Sie bei sich selbst Empathielosigkeit vermuten, dann handelt es sich in Wirklichkeit nur um eine determinierte also begrenzte Empathie, die Sie zu einer hohen Empathie verändern können. Bei der Empathiefähigkeit ist es so wie bei vielen anderen Fähigkeiten: Übung macht den Meister. Um Ihre Empathie zu fördern, wenden Sie die folgenden drei Übungen im Alltag an und Sie werden schon bald merken, wie einfach empathisch sein ist.

  1. Wahrnehmung

    Um die eigene Empathie zu fördern ist es wichtig, das Gegenüber genau wahrzunehmen. Hören Sie aufmerksam zu und achten Sie dabei nicht nur auf das, was gesagt wird, sondern auch auf die Mimik und die Gestik. Oftmals sind es Kleinigkeit, die verraten, was andere denken und fühlen. Lacht eine Person beispielsweise nur mit dem Mund und nicht mit den Augen? Passen die Bewegungen der Person auch zu dem, was sie sagt? Nehmen Sie genau wahr, was Ihre Mitmenschen tun und versuchen Sie zu erkennen, welche Gedanken hinter dem Handeln stecken. Nehmen Sie dabei auch sich selbst wahr – was denken und fühlen Sie in bestimmten Situationen?
  2. Hinterfragen

    Nicht immer gelingt es durch reine Wahrnehmung die Gedanken und Empfindungen anderer Personen herauszufinden. Mimik, Gestik und Körpersprache allgemein sind bei verschiedenen Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Fragen Sie deshalb einfach nach, wenn Sie Ihr Gegenüber nicht verstehen. „Wie fühlst Du Dich gerade?“, „Was denkst Du darüber?“ – durch solche Fragen erfahren Sie was in Ihrem Gegenüber vorgeht und entwickeln gleichzeitig ein intensiveres Gespräch.
  3. Mit gutem Beispiel voran gehen

    Empathie hat auch oft etwas damit zu tun, ob sich Ihr Gegenüber Ihnen öffnet. Also gehen Sie mit gutem Beispiel voran und sprechen Sie selbst von Ihren Gedanken, Gefühlen und Ansichten. Dadurch lernen Sie sich selbst besser kennen und verleiten Ihre Mitmenschen dazu, sich zu öffnen.

    Mit diesen drei Übungen entwickeln Sie nach und nach ein Gefühl dafür, was andere denken und empfinden und steigern dadurch Ihre Empathie.

Empathie bei Kindern

Fall Sie sich fragen, wie Sie die Empathie Ihrer Kinder fördern können, dann seien Sie beruhigt: Kinder lernen Empathie von alleine, wenn man sie lässt. Gerade bei Kleinstkindern ist es so, dass sie nicht alles um sich herum verstehen, aber dennoch Emotionen erkennen und mitfühlen. Dadurch entwickeln sie ganz von alleine Empathie. Achten Sie also darauf, dass Sie solche empathischen Reaktionen nicht unterbinden. Wenn Ihre Kinder von Gedanken oder Empfindungen sprechen, dann versuchen Sie aufmerksam zuzuhören und darauf einzugehen. Im Erwachsenenalter entsteht oftmals ein Empathiemangel, weil die Menschen selbst damit aufhören, auf die eigenen Gedanken und Empfindungen zu hören und deshalb auch nicht mehr offen sind für die Gedanken und Empfindungen anderer. Unterstützen Sie deshalb nicht nur Ihre Kinder, sondern auch Ihre Mitmenschen dabei, den jeweils eigenen Gedanken freien Raum zu lassen.

Empathie Bedeutung für das Coaching

Im Coaching ist es ratsam die Empathie einzusetzen, um eine gute Beziehung zwischen Coach und Coachee zu pflegen. Damit ein Coaching erfolgreich ist, sind ein gewisses Maß an Vertrauen sowie ein harmonischer Umgang sehr wichtig. Überhaupt ist es die Aufgabe des Coaches, seinen Klienten sehr genau wahrzunehmen, um herauszufinden, was in ihm vorgeht. Ein Coach mit einer hohen Empathie hat es wesentlich leichter, die Gedanken und Gefühle seines Coachees herauszufinden. Zudem geben die Gefühle und Reaktionen eines Klienten Rückschlüsse darauf, ob eine Coaching-Methode das verfolgte Ziel erfüllt. Wenn ein Coach die Gefühle seines Klienten aufgrund von Emapthiemangel übersieht oder fehlinterpretiert kann es zum einen passieren, dass das Coaching das erwünschte Ziel verfehlt und zum anderen, dass der Klient das Vertrauen in den Coach verliert.

Die Empathie hat mehrere Bedeutungen für das Coaching, die wichtigsten Punkte sind allerdings der Aufbau von Vertrauen, das Vermeiden von Missverständnissen, die erfolgreiche Zielerreichung des Coachings und die Wahrnehmung von Feedback während des Coachings.

Praxisbeispiele

In der Praxis ist das erste Gespräch zwischen Coach und Coachee sehr wichtig, da sie sich einander vorstellen und herausfinden möchten, ob sie zueinander passen. Wenn nun der Coach über bestimmte Themen spricht und der Coachee darauf mit negativen Gesichtsausdrücken reagiert, dann sollte der Coach lieber Rücksicht nehmen und über etwas anderes sprechen. Einem Coach mit einer niedrigen Empathie fällt es nicht auf, dass diese Themen negative Gefühle bei seinem Coachee auslösen. Das Ergebnis ist wahrscheinlich, dass das Coaching nicht erfolgreich ist.

Während einer Coaching-Methode kann es auch passieren, dass ein Coachee bestimmte Gefühle zurückhält und für sich behält. Mit einer hohen Empathie ist ein Coach in der Lage, dies zu erkennen und kann die wahren Gedanken und Gefühle des Coachees hinterfragen.

So oder so spielt die Empathie im Coaching eine wichtige Rolle, da die Empathie wie auch in Freundschaften, Partnerschaften oder Familien eine Beziehung verbessert und harmonischer macht.


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