1.1.1 Wahrnehmungsfilter

Wir nehmen über unsere fünf Sinne die Welt wahr: wir sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken und nehmen so unglaublich viele Informationen auf. Wir repräsentieren unsere sinnliche Wahrnehmung auch sprachlich. Wir verwenden Ausdrücke, die auf das visuelle, auditive oder kinästhetische Sinnessystem verweisen.

Neurologische Filter (Einschränkungen der Sinneswahrnehmungen durch die Nervenzellen):

Es gibt außerdem noch viele physikalisch messbare Phänomene, die wir aufgrund unserer Neurologie nicht wahrnehmen können, wie beispielsweise bestimmte Schallfrequenzen und Lichtwellen, die für andere Lebewesen (z.B. Hunde, Fledermäuse, Tomaten) von großer Bedeutung sind. D.h. unsere sinnliche Wahrnehmung unterliegt physiologischen Einschränkungen. Es werden schon hier bestimmte Informationen von uns erst gar nicht aufgenommen.

Kulturelle und soziale Filter (Einschränkungen der Wahrnehmungen, durch die Erziehung und die Gesellschaft, in der der einzelne lebt):

Darüber hinaus wird unsere Wahrnehmung auch von kulturellen und sozialen Mustern geprägt. Die fünf Sinne eines australischen Ureingeborenen beispielsweise liefern mit Sicherheit ganz andere Informationen, als etwa die eines New Yorkers. Wie viele Unterschiede und dazu gehörige Begriffe für Schnee können wir finden? Drei, vier, fünf? Eskimos kennen und benennen über 20 verschiedene Sorten von Schnee! Im Kongo ist es anerkannt, Geister und Gespenster wahrzunehmen - in unserer Gesellschaft nicht. Im Kongo sind Geister Wirklichkeit, in unserer Gesellschaft sind sie "Gespenster".
D.h.: Selbst bei gleicher Neurologie kann die Wahrnehmung der Welt, je nach den Erfordernissen und Traditionen der Mitwelt, sehr verschieden sein.

Individuelle Filter (Einschränkungen Deiner Wahrnehmungen, die wir durch unsere persönlichen Erfahrungen machen):

Ähnlich wie die kulturellen funktionieren auch die individuellen Filter. Aufgrund von persönlichen Erfahrungen privilegieren wir bestimmte Kategorien von Informationen, während wir andere eher vernachlässigen oder vielleicht überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen. Ganz deutlich ist unsere Fähigkeit zum Ausfiltern von Unerwünschtem beim sogenannten "Partyeffekt". Es ist unsere Fähigkeit aus einer Geräuschkulisse ein einzelnes Geräusch herauszuhören, nur weil wir gerade auf dessen Inhalt neugierig sind. Das Murmeln und Gläserklirren der Übrigen blenden wir einfach aus.

Ein anderes Beispiel: Während der eine verschiedene Motorradgeräusche einzelnen Marken zuordnen kann und diese Geräusche genießt, weil er ein Motorrad-Fan ist, identifiziert ein anderer genau dasselbe akustische Phänomen als Lärmbelästigung und kann "bei dem Krach" schon gar nicht irgendwelche Unterschiede ausfindig machen. Andere Statements wie z.B. "Nie hilft mir jemand" oder "Alle bewundern mich" illustrieren eine andere Variante selektiver Wahrnehmung.

1.1.2 Die grundlegenden Verarbeitungsprozesse

Wir sortieren unsere Wahrnehmungen nämlich auch über unsere Einstellungen, Werte, Entscheidungen, Glaubenssysteme und Erinnerungen.