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Geduld

Geduld (Unsplash: © Aron Visuals)
Geduld (Unsplash: © Aron Visuals)

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Nachteile von Ungeduld
  3. Geduld und Gelassenheit im Alltag lernen
    1. Veränderung des Belohnungssystems
    2. Atemübungen
    3. Meditation
    4. Bewusst Bedürfnisses hinauszögern
    5. Konzentrations- und Visualisierungsübungen
    6. Fokus auf Zeit-Orientierung
  4. Geduld in der Psychologie
  5. Der Marshmallow-Test
  6. Fazit

Definition Geduld

Geduldig sein (Unsplash: © Deniz Altindas)
Geduldig sein (Unsplash: © Deniz Altindas)

Geduld gilt als eine Art absolute Tugend. Sie wird als Eigenschaft oder auch als Merkmal der Persönlichkeit bezeichnet, das zwar von genetischen Vorbedingungen beeinflusst ist, aber im Wesentlichen als ein in der Kindheit angelerntes Verhalten gilt. Geduld ist ein wesentlicher Indikator für Erfolg, sei es im Beruf oder in Bezug auf ein gelingendes Leben. Sie wird im Allgemeinen als Fähigkeit beschrieben etwas ertragen oder auf etwas warten zu können. Auch Sehnsüchte in den Hintergrund zu stellen oder mit nicht erfüllbaren Wünschen zurechtzukommen, gehört zur Definition dieser Eigenschaft. Der Duden beschreibt Geduld als:

Definition
Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen oder Abwarten von etwas.

Gerade in der heutigen Zeit, in der die Menschen durch die allgegenwärtige Beschleunigung und Unberechenbarkeit immer schwerer damit leben können, dass ihre Bedürfnisse nicht sofort befriedigt werden, ist Geduld sehr wichtig um sich die eigene Stabilität bewahren zu können. Manche Menschen sind zwar geduldiger als andere, aber es kann bei weitem nicht für allgemeingültig erklärt werden, dass man Geduld nicht lernen kann. Es mag nicht die einfachste aller Übungen sein, die seit der Kindheit eingeschleiften Gewohnheiten zu verändern, aber bei diesem Thema lohnt es sich allemal es trotz aller Schwierigkeiten zu versuchen.

Auf jeden Fall handelt es sich bei Geduld um eine wertvolle Fähigkeit die sowohl Ausdauer, Mut als auch Gelassenheit impliziert. Der Schriftsteller Truman Capote beschrieb es so:

„Der Jammer mit der Menschheit ist, dass die Klugen feige, die Tapferen dumm und die Fähigen ungeduldig sind. Das Ideal wäre der tapfere Kluge mit der nötigen Geduld.“

Nachteile von Ungeduld

Das Gegenteil von Geduld hat leider oft negative Auswirkungen und wirkt potenziellen Erfolgen entgegen.

Konfuzius sagte:

„Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“

Wenn man ein Ziel hat und dieses verfolgt, gibt es immer gewisse Höhen und Tiefen. Eine ungeduldige Perspektive auf die zu überdauernden Zeitspannen bedeutet häufig einen Abbruch oder zumindest eine Phase der Stagnation. Dies wiederum kann zu einem Scheitern des Teilvorhabens oder gar des ganzen Projektes führen.

Aktuelle Forschungen belegen, dass starke oder vermehrt auftretende Ungeduld auch zu vermehrtem, sogenanntem negativem Stress führt. Dies geschieht auch dadurch, dass es ungeduldigen Menschen nachgewiesen schwerer fällt, Prioritäten zu setzen und unwichtiges auszublenden beziehungsweise der Fokus oft grundsätzlich ungünstig für das Vorhaben selbst ist. Es wurde auch nachgewiesen, dass ein starker Grad an Ungeduld mit einem Mangel an Selbstkontrolle zusammenhängt.

In einem gravierenden Fall von Ungeduld will die ungeduldige Person immer alles sofort, also gibt es auch viel mehr Momente des „unbefriedigt“ seins über nicht (sofort) erfüllte Bedürfnisse, der Frustration oder gar das komplette Aufgeben einer Sache. Dieser Druck erzeugt dann einen negativen Stress, der die unliebsame Eigenschaft hat, sich selbst immer weiter negativ zu bedingen und so wie eine Spirale nach unten zu wirken. Je mehr negativer Stress, desto mehr Ungeduld. Dafür muss die betroffene Person nicht einmal wirklich scheitern. Es reicht schon aus, dass kleine Momente der Frustration eintreten, um die Menschen in ihren Vorhaben zu schwächen.

Geduld und Gelassenheit im Alltag lernen

Veränderung des Belohnungssystems

Geduld üben (Unsplash: © Olav Ahrens Rotne)
Geduld üben (Unsplash: © Olav Ahrens Rotne)

Eine Gewohnheit zu verändern, impliziert immer eine Änderung im sogenannten Belohnungssystem. Das betrifft im Grunde alle Gewohnheiten bis hin zu Süchten. Es ist wesentlicher leichter etwas zu verändern, wenn der Mechanismus offensichtlich ist.

Eine Gewohnheit setzt sich aus einem Reiz oder Auslöser, einer Routine und einer Belohnung zusammen.

Das heißt, das sind sie Schalter zur Veränderung.

Mehr Gelassenheit im Alltag kann sehr viel zu einer langfristigen Stressreduzierung und einer Steigerung des Wohlbefindens beitragen. Allerdings ist es wesentlich zu unterscheiden, wann sich Geduld lohnt und wann nicht. Das liegt vor allem an der Veränderbarkeit der Dinge. Wenn ganz dringend etwas in Ordnung gebracht werden muss, dann sollte nicht unbedingt in jedem Fall erstmal geduldig abgewartet werden. Im Fall von großer Wut oder Enttäuschung jedoch wäre es eher unvorteilhaft ungeduldig zu sein und sich zu einen klassischen Wutausbruch hinreißen zu lassen.

Am besten kann man sich aus den kleinen Katastrophen des Alltags mithilfe einer langfristigen Perspektive befreien.

Atemübungen

Atemübungen zur Stressreduktion helfen darüber hinaus, über Tiefen im Alltag hinwegzugehen, weil sie für momentane Entspannung sorgen und so das Level des negativen Einflusses herunterfahren.

Meditation

Ebenfalls bestens zur Entspannung geeignet ist die Methode der Meditation. Beim Meditieren geht es um die Atmung, ein grundsätzliches zur Ruhe kommen und vor allem Achtsamkeit dem Moment gegenüber. Darüber hinaus ist es eine wertvolle praktische Übung zu meditieren, da es den meisten Menschen mit wenig Erfahrung zunächst schwerfällt, die Übungen „auszuhalten“. Dieses Aushalten ist wiederum ein relevanter Schritt im Lernprozess, der sich auch auf die Eigenschaft Geduld anwenden lässt. Genauso wie es erlernbar ist, sich nicht allen Gedanken und Impulsen sofort hinzugeben, ist es auch möglich, aufkommende Ungeduld ohne direkte Reaktion auszuhalten und dann vorbeiziehen zu lassen.

Bewusst Bedürfnisses hinauszögern

Eine weitere gut geeignete Methode, die in eine ähnliche Richtung geht wie Meditation, ist das bewusste Herauszögern von Reaktionen auf Zwänge, Reize und Impulse. Wenn man etwas möchte, ein Bedürfnis nach beispielsweise etwas zu Essen verspürt oder sich zum spontanen Kauf einer Sache hingerissen fühlt, kann man am besten lernen, den Augenblick der Befriedigung des Bedürfnisses hinauszuzögern. Die meisten Menschen machen dann die überraschende Erfahrung, dass der Druck geringer wird oder auch ganz verschwindet. Viele ehemalige Raucher teilen die Erfahrung vom Phänomen des Aushaltens in der ersten nikotinfreien Zeit. Sie lernen so ihr Gehirn langsam umzuprogrammieren. Nach einer gewissen Zeit verschwindet das Bedürfnis.

Konzentrations- und Visualisierungsübungen

Übungen der Konzentration und Visualisierung sind weitere effiziente Mittel, um Geduld zu erlernen. Wenn beispielsweise ein berufliches Ziel verfolgt wird, dass eine lange Ausbildungszeit erfordert, lohnt es sich immer die machbaren Teilschritte im Fokus zu haben. Diese nötigen kleinen Schritte in den großen Kontext einzubetten und sich das große Ziel immer wieder vorzustellen, kann ebenfalls zu äußerst positiven Ergebnissen führen.

Grundsätzlich ist das Festlegen und Erreichen von Zielen hilfreich, um Geduld zu fördern.

Fokus auf Zeit-Orientierung

Ein weiteres Kernelement für Geduld beziehungsweise Ungeduld ist die Frage, ob man im „jetzt“ ausgerichtet ist oder im „später“. Wenn der aktuelle Moment meist den Vorzug erhält, ist die Chance auf unter anderem zu viel Konsum, schlechte Gewohnheiten oder weniger Energie höher als bei einem Fokus auf einen späteren Zeitpunkt.

Forscher haben also diese Zeit-Orientierung beobachtet und festgestellt, dass im Falle eines direkten Vorzugs des Moments später negative Konsequenzen auftreten können.

  • Die Geduldigen wären zum Beispiel eher dazu geneigt, sich um die Vorsorge im Alter zu kümmern, zu sparen, langfristig Sport zu treiben oder lange Ausbildungszeiten in Kauf zu nehmen.
  • Ungeduldige wären auf der anderen Seite eher dazu geneigt, sich schlechter zu ernähren beziehungsweise sind öfter Raucher und haben später eher Schulden als Erspartes.

Treffend drückte dies Jean Jaques Rousseau aus:

"Geduld ist sehr bitter, aber ihre Früchte sind süß."

Bei einer Auseinandersetzung mit dem Thema Geduld wird oft fälschlicherweise angenommen, es handle sich hierbei allein um das Abwarten beziehungsweise Ertragen von äußeren Einflüssen. Zu oft wird dabei vergessen, dass wahrscheinlich die größte Schwierigkeit darin besteht mit sich selbst nachsichtig und geduldig zu sein.

Geduld in der Psychologie

Im Fachbereich der Psychologie wird Geduld gerne mit dem Begriff der Selbstkontrolle übersetzt. Der Grad der Selbstkontrolle sei Studien zur Folge auf die Stabilität beziehungsweise Instabilität des Umfeldes in der Kindheit zurückzuführen. Kinder sollen demnach sehr schnell durch die Erziehung lernen, ob sich das Warten auf etwas lohnt und die Belohnung auf dieses Warten zuverlässig eintritt. Wenn das Kind in einem Umfeld mit wenig Stabilität im Sinne von Konsequenz aufwächst, kann sich das Belohnungssystem im Gehirn des Kindes auch nicht verfestigen. Genauso wenig lernen Kinder allerdings auch bei einer zu schnell erfolgenden Belohnung ohne jegliche Herausforderung.

Geduld erlernen
Geduld erlernen (Unsplash: © Rustic Vegan)

Eine weitere interessante Facette der Eigenschaft der Geduld ist es nämlich, dass sie erst unter dem Einfluss von schwierigen Umständen oder Herausforderungen, die wiederum erst ein gewisses Durchhaltevermögen erfordern, ans Licht kommt. Genau an diesem "Ort der Herausforderung" befindet sich auch der Trainingsplatz, um diese Eigenschaft zu erlernen. Forscher gehen davon aus, dass sich der Grad der Selbstkontrolle bei Kindern grundsätzlich extrem vervielfachen oder aber extrem reduzieren lässt. Die Entwicklung von Geduld als späteres Persönlichkeitsmerkmal wird also sehr früh und abhängig von Umgang und Umgebung manifestiert. Die Kinder passen sich vor allem in ihren ersten Lebensjahren extrem an die äußeren Verhältnisse an, da sie Strategien brauchen, um zu überleben. Deshalb ist es auch so schwer, diese Grundmuster später wieder zu verändern. Für diesen Prozess spielen natürlich Mutter- beziehungsweise Vaterrollen eine tragende Rolle. Deshalb haben auch diejenigen einen eindeutigen Startvorteil, denen das Warten beigebracht beziehungsweise bereits in der Kindheit schmackhaft gemacht worden ist.

Der Marshmallow-Test

Es gibt einen weltbekannten psychologischen Versuch zu Geduld und die Auswirkungen dieser Eigenschaft auf die späteren Erfolgschancen bei Kindern. Der österreichische Psychologe Walter Mischel führte mit Kollegen von 1968 bis 1974 an der Universität Standford diesen Versuch an Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren durch. Das Experiment wurde im Verlauf der Jahre vielfach multipliziert und in andere Kontexte übertragen. Dieser Versuch beziehungsweise die Versuchsreihe wird das Marshmallow-Experiment genannt. Er verlief folgendermaßen:

Erst wurde den kleinen Kindern ein Marshmallow auf den Tisch gestellt und Ihnen daraufhin erklärt, dass sie selbst entscheiden könnten, ob sie ihn gleich essen oder lieber eine kurze Zeitspanne warten wollen. Wenn sie warten würden, bekämen sie eine weitere Süßigkeit zur Belohnung. Die Kinder wurden über die Zeit des Wartens beobachtet und gefilmt.


Marshmallow
Marshmallow (Unsplash: © Joanna Kosinska)

Mischel und Kollegen definierten die Fähigkeit zum Aufschub von Bedürfnissen (delay of gratification) als ein Merkmal von Selbstkontrolle und ermittelten mit dieser Fähigkeit in Korrelation stehende positive Auswirkungen für den späteren Erfolg auf verschiedenen Ebenen. Es gab im Lauf der sechsjährigen “Testreihe“ viele unterschiedliche Versuche mit unterschiedlicher Länge der Durchführung. Geduld wurde hier aus der Fähigkeit zur Selbstkontrolle, der Ausdauer und der Frustrationstoleranz zusammengesetzt.

Nachdem die Kinder dreizehn Jahre später nochmals eingeladen wurden, zeigten sich bemerkenswerte Ergebnisse. Die Gruppe der Kinder, die warten konnten, waren erfolgreicher als diejenigen, denen das Warten schwerer fiel. Auch im sozialen Bereich und beim Risikoverhalten zeigten sich deutliche Unterschiede. Die ungeduldigen Kinder hatten beispielsweise mehr Erfahrungen beziehungsweise Probleme mit Drogen als die Vergleichsgruppe und wurden als emotional instabiler und weniger kompetent in sozialen Zusammenhängen bewertet.

Interessanterweise stellte sich durch eine Folgeuntersuchung fast 30 Jahre später heraus, dass der kulturelle Rahmen für Geduld stark variiert. Es wurde ein Marshmallow-Experiment mit Kindern aus Afrika durchgeführt und das Ergebnis war äußerst überraschend: Mehr als doppelt so viele afrikanische Kinder schafften es, den Marshmallow nicht zu essen. Es wurde darüber hinaus festgestellt, dass die afrikanischen Kinder überwiegend eine stoische Art des Wartens "verwendeten" während die amerikanischen Kinder versuchten, der Versuchung durch Ablenkung zu widerstehen. Diese Erkenntnisse wurden auf unterschiedliche kulturelle Verankerungen und erzieherische Normen zurückführt und verdeutlichen darüber hinaus auch die Erlernbarkeit von Geduld.

Durch die große Resonanz auf das Experiment sah sich übrigens der Initiator Walter Mischel der Studie selbst in der Pflicht darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei zwar um belegbare Tendenzen handelt, aber er nicht den Anspruch habe Menschen auf einen Versuch mit einem Marshmallow zu reduzieren:

„Die Vorstellung, man könne die Zukunft eines Menschen sicher vorhersagen, etwa durch die simple Tatsache, wie lange er sich eine Belohnung versagen kann, ist Unfug“.

Fazit

Geduld ist erlernbar. Genauso wie Gelassenheit.

Bei jeder Veränderung ist die Akzeptanz von Dingen wichtig. Wenn man den Zustand der momentanen Ungeduld akzeptiert, kann man diesen Zustand auch leichter wieder loslassen. Es ist wichtig, sich immer selbst bewusst zu machen, dass auf lange Sicht erfolgreiche Ideen immer ihre eigene Zeit brauchen. Man kann Geduld durch stetiges Üben erlernen. Es ist möglich sich anders zu konditionieren, aber es muss auch klar sein, dass die Muster der Kindheit sehr stark dominierend wirken und es einer fortwährenden Bemühung bedarf, bis man kleine Erfolge sieht und sich schließlich etwas ändert.

Ganz einfach kann gesagt werden, dass Geduld am besten durch die Übung im geduldig sein erlernbar ist. Aus Italien kommt ein überliefertes Sprichwort:

"Wer langsam geht, der geht vernünftig, wer vernünftig geht, geht lange."

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