Stell Dir vor, es gäbe keine Länder mehr …

Mittwoch, Dezember 23rd, 2015 | NLP Blog

Dies ist ein Gastbeitrag von Ralf Schaub. Ich fand seine Weihnachtsbotschaft dieses Jahr so inspirierend, dass ich sie mit Euch hier in diesem Blog teilen möchte.

Hallo ihr Lieben!

„Ich glaube, John Lennons „Imagine“ war noch nie so aktuell und wertvoll wie in diesem Jahr:
„Stell dir vor, es gäbe keine Länder, das ist nicht so schwer.
Nichts, wofür es sich zu töten oder sterben lohnte und auch keine Religion….“
Rund 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht! Egal, ob sie ihr Land oder nur ihre gewohnte Umgebung verlassen mussten – sie gaben dabei stets Essenzielles auf: ihre Heimat. Genau diesen Ort, den wir hier in den nächsten Tagen besonders schätzen, wo wir die Familie treffen, Sicherheit und Vertrauen finden.

Was wäre denn nun, wenn wir keine Länder und keine Religionen hätten? … Dann gäbe es schon mal keinen Christbaum und es entfiele wahrscheinlich auch der viel zitierte „Weihnachtsstress“. Sehr interessant hierzu, wenn der Dalai Lama in seinen diesjährigen „Appell an die Welt“ davon spricht, dass er sich aktuell eine Welt ohne Religion wünsche. Denn allzu oft würden die in Worte gefassten Grundsätze der unterschiedlichen Glaubensrichtungen missverstanden, falsch interpretiert und instrumentalisiert. Deshalb ruft er zu einem Werteverständnis auf, das wichtiger als Religionen ist, das es „schafft“ (wir erinnern uns!), Unterschiede anzuerkennen und reflektiert genug ist, das Ganze zu sehen.

4,5 Milliarden Jahre dauert nun schon „das Ganze“, wenn man allein die Erdgeschichte betrachtet. Winzig klein also die Kapitel, die jeder von uns mit seinem Leben dafür schreibt. Aber sicher in deren Summe von großer Bedeutung für die Entwicklung unserer (Um-)Welt. Alles Kleine hat deshalb auch Zweck für das Große.

Hirnforscher Gerald Hüther beschreibt hierzu in seinem Buch „Etwas mehr Hirn, bitte“ eine wie ich meine zentrale Analogie zwischen der Embryonalentwicklung und dem Entstehen großer Strukturen: Am Anfang steht darin die befruchtete Eizelle mit allen Erbinformationen für das entstehende Neugeborene. Die Zellteilung sorgt nun für zwei, vier, acht und immer mehr identische Zellen. Doch irgendwann „lebt“ eine dieser vermeintlich identischen Zellen ihr individuelles – bisher nicht erforschtes Epigenom – Potenzial aus und wird zum Beispiel Teil der späteren Wirbelsäule. Eine andere vermeintlich gengleiche Zelle entdeckt ihr Potenzial ebenso und entwickelt sich aber fortan in ihren weiteren Teilungen beispielsweise zu unseren Augen. Diese Zellen folgen somit einem individuellen Potenzial, das die Wissenschaft aktuell noch nicht erklären kann. Sie schaffen sich dabei ihren eigenen Raum in einem kleinen Fötus, entwickeln und wachsen nebeneinander, folgen ihrer „Berufung“ mit höchster Verantwortung für das neue Leben, das nur so in seiner Einzigartigkeit entstehen kann. Und auch nach der Geburt funktioniert unser Körper jahrzehntelang nur durch das Miteinander vieler kleiner eigenständiger Zellen. In Beziehungen, Unternehmen, Ländern und Kontinenten sieht das Miteinander jedoch meist anders aus.

Die Natur macht es uns aber eigentlich vor, wie ein perfektes Miteinander funktionieren könnte. Doch der aufgeklärte Mensch weiß es ja meist besser: Mehr muss es sein. Mehr Macht, mehr Geld und mehr Ansehen. Der Kindergarten ist nun schon Sichtungscamp für die Manager von morgen. Hirnforscher Hüther weiß hierzu, dass 98 % unserer Kinder hochbegabt zur Welt kommen. Nach dem Schulabschluss sind es nur noch 2 %. Die von den Bildungssystemen definierten Inhalte sowie die Art und Weise der Vermittlung (und Bewertung) sind in hohem Maße kontraproduktiv für das menschliche Gehirn. Begeisterung, eigenständiges Denken, Selbstwirksamkeit und das vertrauensvolle Erleben der Gemeinschaft bleiben auf der Strecke. Der Mensch als eigenständig denkendes, handelndes und fühlendes Wesen (Subjekt) wird somit schon in jungen Jahren zum Objekt der Leistungsgesellschaft und externer Vorgaben degradiert. Als deren Objekt, das funktionieren muss und leisten soll, um sich dann auch im Glanz von Ruhm und Reichtum sonnen zu dürfen.

Kein Wunder, wenn sich viele Menschen nur noch als Objekt zur Zielerreichung anderer sehen. Kein Wunder, wenn die eigenen individuellen Potenziale nie zum Vorschein kommen, weil die Prioritäten der Ökonomie dazu keinen Freiraum lassen. Kein Wunder, wenn Menschen dann zum Instrument von Fanatismus und Machtwahnsinn in Wirtschaft und Religion werden. (Schade nur, dass Betroffenheit der westlichen Welt nur dann aufkommt, wenn die Folgen solcher Entwicklungen in direkter Nähe hörbar werden. Jahrelanger Terror und Korruption in weiter entfernten Ländern werden hingegen nur mit Schulterzucken wahrgenommen.)

Gerald Hüther plädiert deshalb für mehr „Subjekt-Subjekt-Beziehungen“ zwischen uns Menschen. Gemeint ist dabei ein Miteinander, das unser Gegenüber stets auf Augenhöhe, eigenverantwortlich denkend, fühlend und handelnd anerkennt. Wohl wissend, dass wir alle über unsere Zellen verbunden und ein wichtiger Teil des Ganzen sind, das zudem schützenswert ist.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten Jahresabschluss sowie ein gesundes, glückliches und spannendes Jahr 2016

Ralf
(Ja, ich weiß, dieses Jahr thematisch vielleicht etwas trockener – aber Wassermangel wird ja auch mehr und mehr zum Thema)

Und wer zum Abschluss noch ein kleines Liedchen zum Thema Mensch-Mensch-Beziehung hören will, der kann mal hier klicken:

Autor

NLP Trainer Stephan Landsiedel   In diesem Blog schreibt Diplom-Psychologe und NLP-Lehrtrainer Stephan Landsiedel über NLP, sein Unternehmen und sein Leben. Er ist mehrfacher Autor und hat bereits über 2.500 NLP-Ausbildungstage absolviert.

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