Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg

Ein bekanntes Zitat von Marshall B. Rosenberg:
"Die Antwort auf die Frage nach der Ursache von Gewalt liegt in der Art und Weise, wie wir gelernt haben zu denken, zu kommunizieren und mit Macht umzugehen."

Der Begriff Gewaltfreie Kommunikation wurde von Dr. Marshall B. Rosenberg geprägt und beschrieben. Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Art der Kommunikation und Konfliktlösung.

Überblick zur Gewaltfreien Kommunikation

  1. Definition
    Eine einfache und verständliche Definition der Gewaltfreien Kommunikation.

  2. Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation
    Was Gewaltfreie Kommunikation bedeutet und mit sich bringt. Das Konzept und seine Anwendung.

  3. Marshall B. Rosenberg
    Ein kleiner Lebenslauf des Begründers der Gewaltfreien Kommunikation. Von seiner Kindheit und Jugend über die Entwicklung der GFK bis hin zu seinen heutigen Tätigkeiten.

  4. Wie GFK entstand
    Die Motive und Ziele der Methode der Gewaltfreien Kommunikation und deren Entwicklung.

  5. Das Vier-Schritte-Modell
    Das Modell von Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Selbsteinfühlung und Einfühlung in andere Menschen als Basis der Kommunikation.

  6. Übungen
    Testen Sie sich selbst mit den Übungen zur Gewaltfreien Kommunikation.

  7. Beispiel
    Ein Beispiel zur Gewaltfreien Kommunikation mit Lösung.

  8. Die Probleme unserer Zeit- Kommunikation in der Schule und am Arbeitsplatz
    Weg von der täglichen Gewalt zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen.

  9. Kritik an dem Konzept
    Was sagen Kritiker zu dem Konzept?

  10. Ausbildung in der Gewaltfreien Kommunikation
    Unser Seminarangebot zur Gewaltfreien Kommunikation.

  11. Literatur zum Thema

Definition

Gewaltfreie Kommunikation, kurz GFK, ist eine nach Marshall B. Rosenberg entwickeltes Kommunikationsmodell, in dem durch eine effektivere Kommunikation der soziale Umgang verbessert werden soll.

Diese Art zu kommunizieren schließt eine gewaltfreie Kommunikation nicht nur körperliche sondern auch explizit verbale Gewalt aus, da wir in der Praxis auch durch Worte den Anderen angreifen und verletzen können. Durch unsere wertende Haltung entsteht schnell der Glaube, etwas stimme mit mir oder dem Anderen nicht. Wir tendieren dazu, das Verhalten des Anderen zu interpretieren, ihn zu bewerten oder ihn zu vergleichen. Schnell werden Vorwürfe, Schuldzuweisungen oder Drohungen ausgesprochen und die Situation schaukelt sich hoch durch eine Abwehrreaktion oder einen Gegenangriff des Anderen. Dabei lag es gar nicht in unserer Absicht zu streiten es ist uns nur nicht gelungen, unsere Wünsche und Bedürfnisse dem Anderen verständlich zu machen.

Entscheidend ist dabei auf die Art und Weise, auf die wir uns ausdrücken und mit welcher Grundhaltung wir unseren Mitmenschen begegnen. Ein Umdenken von „Verhält sich der andere richtig?“ zu „Verhalte ich mich richtig?“ ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Empathie, Aufmerksamkeit und Wertschätzung für den Anderen bilden die Grundlage für eine gewaltfreie Kommunikation. Wir müssen unsere Sinne schärfen für unsere Mitmenschen und das, was in uns vorgeht- weniger denken und mehr sehen, hören und fühlen. Denn erst Klarheit über die Bedürfnisse beider Seiten, ermöglicht es uns, die Anforderungen des Anderen zu erfüllen. Noch dazu stärkt ein besseres Verständnis füreinander auch die Beziehung. Es ist also essentiell im sozialen Umgang unser analytisches, kritisches Denken aufzugeben und eine wertungsfreie Handlung einzunehmen.

Der Begriff „gewaltfrei“ ist dabei im übertragenen Sinne zu verstehen. Viele Konflikte entstehen dadurch, dass wir uns angegriffen fühlen, in unseren Gefühlen verletzt oder in unseren Bedürfnissen nicht verstanden und daraufhin eine Rechtfertigungs- oder Abwehrreaktion zeigen. Diese kann wiederum negativ von unserem Gegenüber aufgefasst werden und zu einer Konfliktsituation führen, obwohl eigentlich gar kein Konflikt vorliegt. Oft liegt das Problem bei einer falschen Kommunikation, da viel wichtiger als der Inhalt die Art und Weise ist wie wir ihn übermitteln. Die GFK-Methode verhindert solche Schein-Konflikte durch Kommunikationsregeln und ist somit Konfliktprophylaxe und Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation.

Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Wer kennt das nicht? Man versucht ein friedliches Gespräch mit seinem Partner, Kollegen oder Nachbarn zu führen, bei dem man seine Wünsche zum Ausdruck bringt, aber der Gesprächspartner versteht einfach nicht, was man meint?

Die Gewaltfreie Kommunikation ermöglicht den Menschen so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zwischen ihnen verbessert wird. Sie ist bei der Alltags-Kommunikation, aber auch bei der persönlichen, beruflichen und politischen friedlichen Konfliktlösung behilflich. Die GFK ist nicht nur eine Technik, sondern eine Grundhaltung, deren Fundament die Bereitschaft und die Fähigkeit zur wertungsfreien Wahrnehmung bilden. Durch intensives Zuhören nach innen und außen werden die Wertschätzung, die Aufmerksamkeit und die Einfühlung gefördert, sodass man wirklich das sagt, was man denkt und dass das auch beim Anderen ankommt und er mich versteht.

Eine grundlegende Annahme ist hierbei, dass der Mensch Grundbedürfnisse hat, die er stets zu erfüllen bemüht ist. Diese zu erfüllen, ohne dabei andere Menschen zu beeinträchtigen, ohne ihnen Gewalt anzutun, ist eines der Ziele der GFK. Wichtig ist, die aufkommenden Konflikte zu nutzen um befriedigende Beziehungen aufzubauen, wiederherzustellen und zu erhalten und im Blick zu haben schmerzhafte Kommunikation zu verhindern. Wir sind uns der Macht unserer Sprache, also unseren Worten und deren Bedeutung meist nicht bewusst, dabei spielt die Art und Weise unseres Sprechens eine entscheidende Rolle bei unserer Fähigkeit empathisch zu bleiben. Der Anfang der Gewaltfreien Kommunikation ist Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen und sich bewusst zu machen, dass jeder die Wahl hat etwas zu tun oder nicht zu tun. Wenn wir uns willentlich dafür entscheiden, wird unser Leben bereichert.

Marshall B. Rosenberg

Marshall B. Rosenberg, Ph. D., ist der Begründer des Center for Nonviolent Communication (CNVC) in Texas, das er 1984 ins Leben rief und dort Leiter des Trainingsbereiches.

Geboren wurde er am 6. Oktober 1934 in Ohio, USA. Er wuchs als jüdischer Junge in Detroit bei seinen Eltern Jean (Weiner) Rosenberg und Fred Rosenberg in einer sehr gewaltvollen Umgebung auf, wo er schon früh mit Gewalt in Form von Rassenunruhen konfrontiert wurde. In Detroit machte er auch seinen Abschluss an der Cooley High School.
1961 promovierte er als klinischer Psychologe an der Universität in Wisconsin, wo er nebenher auch seinem Studium in vergleichender Religionswissenschaft nachging. Fünf Jahre später wurde er zum offiziellen Prüfer in klinischer Psychologie ernannt.

Außerdem erarbeitete er in den 60er Jahren das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation. Zunächst nutzte er dieses nur in Meditationsprojekten, oder solchen die der Vermittlung von Kommunikationsfähigkeiten dienen, um gemeinsam mit verschieden Gemeinden die Rassentrennung in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen zu verringern. Gefördert wurde er dabei von der US-Regierung.

Außerdem ist Rosenberg unter anderem Autor des Bestsellers „Gewaltfreie Kommunikation“ und vermittelt als international anerkannter Friedens- und Konfliktmediator erfolgreich in zahlreichen Krisengebieten. Die GFK wird heute von Dr. Rosenberg und einem Team von über hundert Trainern auf der ganzen Welt gelehrt. Zum Beispiel hat Rosenberg Programme zur Förderung des Friedens in Ruanda, Malaysia, Serbien, Nordirland und vielen weiter Gebieten ins Leben gerufen.

Die israelische Regierung hat die Gewaltfreie Kommunikation offiziell anerkannt, nachdem das CNVC-Team zuvor auf Einladung der Unesco zehntausende serbische Schüler und Lehrer ausbildete. Die Mitarbeiter/innen des CNVC bieten ihr Training in Amerika, Europa, Asien, Afrika und dem mittleren Osten an und veranstalten Workshops für Eltern, Manager/innen, Erzieher/innen, Tätige im Gesundheitswesen, Polizist/innen, Berater/innen, Regierungsbeamte und Geistliche.

Im Jahr 2006 erhielt er den weltbekannten ‚Bridge of Peace Award‘, der ihn für seine Courage und sein Engagement für Nonviolence ehrt. Rosenberg lebt heute in Wasserfallenhof in der Schweiz. Er bereist ununterbrochen den ganzen Globus um mit seinem GFK-Training, mit dem er in 60 Ländern erfolgreich ist, in Konfliktsituationen zu vermitteln.

Wie GFK entstand

Marshall Rosenberg entwickelte sein Modell der GFK im Jahre 1963, er wurde durch seinen Lehrer Carl Rogers und dessen Erkenntnisse der humanistischen Psychologie, sowie durch die Überlegungen von Mahatma Gandhi zur Gewaltfreiheit inspiriert.
Seine Erlebnisse mit Gewalt und die Erfahrungen als Psychotherapeut führten ihn zu zwei zentralen Fragen:

  1. Was bringt die Menschen dazu, ihrem natürlichen inneren Impuls zu folgen und zum Wohlergehen aller beizutragen?

    und
  2. Was ist der Grund, der sie von einer solchen Vorgehensweise abhält?

Er forschte kontinuierlich weiter um herauszufinden, welche Art zu denken, zu reden und zu kommunizieren ein friedvolles Gegenmodell zur Gewalt sein könnte. Durch seine Tätigkeit und Mithilfe bei Schulprojekten und seinen Arbeiten in öffentlichen Institutionen, fanden sich immer mehr Interessenten.

Um die GFK nachhaltig zu verbreiten, gründete er das Center for Nonviolent Communication, schrieb mehrere Bücher und hörte nicht auf, weitere Trainingsmaterialien auszuarbeiten. Heute gehören dem CNVC über hundert zertifizierte Trainer und hunderte engagierte freiwillige Helfer an, die beim Organisieren von Workshops, aber auch bei der Koordination des Teamaufbaus teilnehmen.

Durch das Bekanntmachen der GFK in kriegsgeplagten Gebieten sind im Laufe der Jahr einige Projekte zusammengekommen und die CNVC-Mitarbeiter unablässig auf der Suche nach Sponsoren. Die Stiftungsgelder werden in innovative Lernprojekte, in Projekte für die soziale Veränderung und in die Arbeit in Gefängnissen in vielen Regionen der Welt investiert. Das CNVC ist stets darum bemüht mit Organisationen zusammenzuarbeiten, die dieselbe Mission haben wie sie, mit der Gewaltfreien Kommunikation eine friedlichere Welt zu schaffen.

Das Vier-Schritte-Modell

Wie schaffen wir es, unsere kommunikativen Ziele in jeder Situation zu erreichen? Wie können wir unsere Grundbedürfnisse erfüllen, ohne dabei den anderen zu beeinträchtigen, ein friedliches Miteinander gewährleisten und Konflikte gewaltfrei lösen? Rosenberg hat hierzu das Vier-Schritte-Konzept entwickelt, dass sich prima im Beruf, in der Erziehung, in der Schule oder für Paare anwenden lässt.

  1. Beobachten

    Die Situation beobachten und sachlich schildern
    „In seiner Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.“ Deshalb gilt es im Konflikt oder bei einem potentiellen Konflikt zunächst einen kühlen Kopf zu bewahren, zu beobachten und sich ein klares Bild von der Situation zu verschaffen ohne zu werten. Das ist wichtig, da unsere eigene Wahrnehmung subjektiv und häufig verzerrt ist.
    Für eine konstruktive Kommunikation muss das „Problem“ dann objektiv und sachlich geschildert werden. Verallgemeinerungen sollen vermieden werden, da Phrasen wie „alle“, „nie“ oder „immer“ nach Schuldzuweisungen klingen und in dem Gegenüber das Bedürfnis wecken, sich zu verteidigen. Auch wenn das Anliegen berechtigt ist, müssen alle Beteiligten sachlich bleiben, sodass sich die Situation nicht zuspitzt.
  2. Gefühl

    In sich reinhören und Gefühle ausdrücken
    Wenn erkannt wurde, was tatsächlich gerade passiert ist, muss auch herausgefunden werden, welche Emotionen dadurch ausgelöst werden. Rosenberg unterscheidet zwischen primären und Pseudo-Gefühlen

    • Primäre Gefühle sind Gefühle, die wir körperlich spüren und die sich neurologisch abzeichnen. Sie drücken aus, ob unsere Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht.
    • Pseudo-Gefühle bezeichnen die Interpretation des Verhaltens Anderer. Es handelt sich um meist negative Gedanken wie Anklagen, Vorwürfe und Schuldzuweisungen, hinter denen ein unerfülltes Bedürfnis steckt.
    Sind wir uns unseren primären Gefühlen bewusst, werden sie so formuliert, dass sie der Empfänger einfach nachvollziehen kann. Sie werden dazu in Ich-Botschaften verpackt wie „Ich fühle mich, als wäre ich dir nicht wichtig, weil ich dich drei Mal versucht habe anzurufen, aber du bist nicht dran gegangen bist und mich nicht zurückgerufen hast.“ Oft ist sich die andere Person darüber gar nicht bewusst und hat nun die Möglichkeit, ihre eigentlichen Absichten klarzustelllen.
  3. Bedürfnis

    Bedürfnis ausdrücken
    Hinter unseren Gefühlen stecken Bedürfnisse, die von Grund auf alle berechtigt und positiv sind. Sie können nur dann negative Gefühle erzeugen, wenn sie nicht erfüllt werden, und zu Konflikten führen, wenn sie nicht mit den Bedürfnissen unserer Mitmenschen vereinbar sind.

    Rosenberg unterteilt zwischen neun Grundbedürfnissen:

    1. Körperliches Wohlbefinden
    2. Sicherheit
    3. Liebe
    4. Empathie/Einfühlung
    5. Kreativität
    6. Geborgenheit
    7. Spiel, Erholung
    8. Autonomie, Willensfreiheit
    9. Bedürfnis nach Sinn/einer Aufgabe
    In einer Konfliktsituation müssen die Bedürfnisse erkannt werden und gemeinsam mit unserem persönlichen Anliegen und Ziele geäußert werden, denn erst dann können unsere Mitmenschen auf diese eingehen. Durch eine Aussprache wird Klarheit und eine Grundlage für eine gemeinsame Lösung geschaffen.
  4. Bitte

    Bitte formulieren
    Im letzten Schritt wird daraus eine Bitte an den Gegenüber gerichtet mit dem Ziel das Bedürfnis zu erfüllen. Es ist wichtig, dass sie freundlich formuliert und nicht als Forderung aufgefasst wird. Wir müssen um ein konkretes Verhalten bitten, dass der Andere direkt ausführen und somit eine unmittelbare Verbesserung der Situation erzielen kann.

Übungen

Übung 1

Testen sie sich selbst, achten sie auf ihre eigenen Aussagen und die der Anderen unter folgenden Gesichtspunkten:


  1. Mache ich nur eine Beobachtung oder schon eine Bewertung?
  2. Kann ich meine Gefühle zum Ausdruck bringen ohne Ansichten mitzuteilen?
  3. Stehe ich zu meinen Bedürfnissen und kann Verantwortung für meine Gefühle übernehmen?
  4. Kann ich eine Bitte formulieren, also um die Ausführung einer machbaren Handlung bitten?
  5. Bin ich mir über den Unterschied zwischen empathischem und nicht-empathischem Aufnehmen bewusst?
  6. Wenn ich auf eine Frage nur ein „Nein“ als Antwort bekomme, höre ich das Bedürfnis, das dahintersteckt?
  7. Übe ich beschützende oder strafende Macht aus, das heißt vermeide ich Schuldgefühle oder Drohungen mit Strafe?

Übung 2

Denke an eine Situation, die du neulich erlebt hast und die nicht so gelaufen ist, wie du es dir gewünscht hättest. Spiele sie dann gedanklich noch mal durch nach der Vier-Schritte-Methode und überlege, was du der anderen Person am besten sagen würdest.

Wenn ich sehe/höre erlebe...
Wenn du siehst/hörst/wahrnimmst...

...dann fühle ich mich...
Fühlst du dich dann.../bist du dann...

...weil ich...brauche.
...weil du...brauchst?
...weil ich das Bedürfnis nach...habe.
...weil du das Bedürfnis nach...hast?

Deshalb bitte ich dich,...
Und möchtest du gerne...?
Deshalb hätte ich gerne, dass...
Hättest du jetzt gerne, dass...?

Schau dir als Hilfestellung die Gefühls- und Bedürfnislisten an

  • Liste angenehmer Gefühle (erfülltes Bedürfnis)
    Aufgedreht, aufgeweckt, ausgeruht, begeistert, berührt, beteiligt, bewegt, dankbar, einbezogen, erfüllt, erleichtert, freundschaftlich, geschützt, getröstet, glücklich, hoffnungsvoll, inspiriert, interessiert, konzentriert, lebendig, mitfühlend, motiviert, neugierig, ruhig, selbstsicher, sich freuen, stolz, unbekümmert, verliebt, zuversichtlich
  • Liste unangenehmer Gefühle (unerfülltes Bedürfnis)
    abgeneigt, angeekelt, allein, ängstlich, bedrückt, besorgt, beleidigt, empört, enttäuscht, einsam, gebrochenes Herz, hasserfüllt, gelangweilt, genervt, kummervoll, melancholisch, müde, mürrisch, peinlich berührt, perplex, sehnsüchtig, schüchtern, unglücklich, verletzt, verloren, verunsichert, voller Abneigung, wütend, widerwillig, zwiespältig
  • Liste von Pseudo-Gefühlen
    angegriffen, bedroht, belogen, bedrängt, beleidigt, beschuldigt, erstickt, fallen gelassen, dominiert, dumm, herausgerissen, hereingelegt, im Stich gelassen, inadäquat, ignoriert, inkompetent, lächerlich gemacht, missverstanden, nicht verstanden, nicht wertgeschätzt, niedergemacht, überfahren, übergangen, unbedeutend, ungeliebt, ungesehen, verlassen, schuldig

Beispiel

Torben hat in den letzten Wochen viel Stress bei der Arbeit und fürchtet um seinen Arbeitsplatz. Seiner Freundin Sonja gegenüber ist er sehr abwesend und antwortet nur knapp angebunden, auf ihre Versuche ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Vor dem Einschlafen kehrt er ihr den Rücken zu, anstatt sie wie gewohnt in den Arm zu nehmen. Sonja weiß von seinen Problemen bei der Arbeit, er hat ihr allerdings verschwiegen, dass ihm die Kündigung droht, da die beiden durch den Hauskauf verschuldet sind und er ihre Reaktion fürchtet. Sonja beschäftigt sein Verhalten sehr und spricht ihn darauf an.

Beobachtung

„Du bist in letzter Zeit sehr abwesend und gehst kaum auf mich ein. Du nimmst mich kaum in den Arm und wir kuscheln nicht mehr vor dem Einschlafen wie gewohnt.“

Gefühl

„Ich fühle mich unglücklich und verunsichert, weil…“

Bedürfnis

„…mir Kommunikation und körperliche Nähe sehr wichtig ist.“

Bitte

„Können wir mehr miteinander reden und kannst du mich öfter in den Arm nehmen? Ich weiß du hast Probleme bei der Arbeit, du könntest mir ausführlicher davon erzählen.“

Torben erkennt, wie stark sie die Situation belastet, und fasst sich ein Herz und erzählt ihr von seinem Problem. Er ist überrascht, dass sie so verständnisvoll reagiert und schöpft neue Hoffnung, da sie ihn so gut unterstützt. Sonja ist erleichtert, da sie das Problem in der Beziehung gesucht hatte. Sie fühlt sich wieder geliebt und geborgen.

Die Probleme unserer Zeit-
Kommunikation in der Schule und am Arbeitsplatz

Wir leben in einer Zeit in der körperliche, psychische und institutionelle Gewalt zur Tagesordnung gehören. Trotz genug vorhandener Nahrung für all die Bewohner unseres Planeten hungern viele Menschen Tag für Tag, während andere im Essen baden könnten. Unsere momentanen Organisationsformen, die unsere Lebensqualität bestimmen, benötigen eine radikale Überdenkung und einen Konzeptwechsel.

Es geht um Probleme, die wir Menschen selber erschaffen haben und die es gilt durch unser Verhalten und die gesellschaftlichen Institutionen zu verändern. Geprägt durch hierarchische Strukturen, die Anwendung von Gewalt und die Aufrechterhaltung der Ordnungssysteme, in denen die Minderheit die Mehrheit beherrscht, zeichnen sich unsere heutigen autoritären Organisationen aus.

Alle unsere Lebensbereiche wie Schule, Familie und Arbeitsplatz kennzeichnen sich also durch diese Gegebenheiten, basieren auf den gleichen Regeln und werden über Bestrafung und Belohnung verwaltet.

Die lebensbereichernde Erziehung ist ein Mittel Lehrer/innen und Schüler/innen zu befähigen,aktiv an der Lösung dieser Probleme teilzunehmen um ihr eigenes Leben und das der Anderen zu bereichern. Es geht darum Kindern und Erwachsenen die Fähigkeiten beizubringen Organisationen aufzubauen, die die Bedürfnisse aller im Blick haben und die den Menschen vermittelt ihr Leben effektiv zu gestalten und auch das Leben anderer.

Die Konfliktlösung in Schulen beginnt mit dem Problem der vorherrschenden Auffassung der Lehrer zu wissen „was das Beste ist“ und den aufgestellten Regeln, deren Verwirklichung mit Bestrafungen und Belohnungen erzielt werden.

Bei der lebensbereichernden Erziehung soll gelernt werden die Autorität zu respektieren und nicht sich vor der Person in der Machtposition zu fürchten. Dazu gehört auch, bei den Lehrer/innen sowie bei den Schüler/innen eine Selbstdisziplin zu entwickeln, die aus eigenen Wertvorstellungen und dem Bewusstsein darüber und nicht aus Wünschen oder Ängsten vor den Reaktionen besteht.

Der Aufbau einer solchen lebensbereichernden Schule ist nicht einfach, sondern mit Arbeit und der Entscheidung für die Gewaltfreie Kommunikation verbunden. Das kann zum Beispiel heißen, der Lehrer und seine Schüler stellen gemeinsam Regeln auf, dabei verstehen die Schüler als Betroffene besser, dass diese aufgestellt werden um sie zu schützen, nicht um sie zu bestrafen und sie sie deshalb eher einhalten.

Diese Anwendung der Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation können genauso in Firmen und im privaten Bereich angewandt werden. Gemeinsames Erarbeiten von Regeln und der dadurch erzeugte Respekt für sie ist im Kindesalter genauso sinnvoll wie im Erwachsenenalter und sorgt für die Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Kritik an dem Konzept

Die Gefahr in der GFK liegt in seiner unterschiedlichen Interpretation und dadurch unterschiedliche Anwendung im Alltag. Kritisiert wird vor allem die Praktikabilität des Modells:

Wird das Handlungskonzept als Anspruch verstanden, sich die eigenen Interessen durch Andere zu erfüllen, kommt es zum Konflikt wenn sie nicht mit den Interessen der Anderen vereinbar sind. Rosenberg entgegnet, der Blick müsse von der Interessen-Ebene auf die Strategie-Ebene wechseln. Es gehe aber nicht darum, die Haltung und Gefühle des Anderen zu verändern, sondern vielmehr darum, seine Strategie und Umstände zum Schutz der eignen Interessen zu ändern.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Unmöglichkeit von wertungsfreier Empathie, da wir ansonsten unsere Emotionen unterdrücken müssten. Vielmehr müssen wir unsere Emotionen verständlich ausdrücken kenntlich zu machen und zwischen Beobachtung und Interpretation trennen. Trotz all unserer Bemühungen stoßen wir an unsere Grenzen und es fragt sich, ob unsere Bedürfnisse tatsächlich immer vereinbar und positiv sind. So ist es schwierig, ein positives Bedürfnis hinter Verantwortungslosigkeit, Faulheit oder Beleidigungen zu erschließen- insbesondere dann, wenn wir uns angegriffen fühlen und emotional aufgeladen sind. Bestehende Machtgefüge, die eine Kommunikation auf Augenhöhe verhindern, werden außer Acht gelassen.

Die vier Grundsätze werden als formelhaft bemängelt, da sie für den praktischen Alltag zu starr und leblos sind. Sie klingen nicht authentisch und kann als manipulativ oder als moralische Erpressungen aufgefasst werden. Laut Rosenberg ginge es vielmehr darum, den Gegenüber nicht mehr als Gegner sondern Mitmenschen zu sehen und die Situation aus einem neuen Blickwinkel zu sehen, neue Wege zuerkennen.

Ausbildung in der Gewaltfreien Kommunikation

Als Grundlage zur Konfliktlösung und Kommunikationsgestaltung findet die gewaltfreie Kommunikation auch in der Mediation und im Coaching Anwendung. Coaching bezeichnet eine Beratungsmethode (Einzelcoaching, Teamcoaching, Projektcoaching), in der der Coachee in der Lösungsfindung begleitet wird. Im Fokus stehen das Herausstellen der Bedürfnisse und Öffnen von neuen Möglichkeiten, wobei eine achtsame Kommunikation hilfreich sein kann.

Mediation ist ein Verfahren der Konfliktlösung, bei dem eine neutrale, außenstehende Person(Mediator) zwischen den Parteien(Medianten) vermittelt und sie bei der Entwicklung einer gemeinsamen Lösung unterstützt. Durch GFK kann die Kommunikation zwischen beiden Parteien effektiver gestaltet werden. Es wird Klarheit über die Bedürfnisse geschaffen, die sich hinter den Positionen befinden, und was den Parteien wichtig im Miteinander ist. So wird eine wichtige Grundlage für die Konfliktbeilegung geschaffen.

Erkennst Du einen Nutzen für Dich in der gewaltfreien Kommunikation und möchtest sie erlernen? Dann nehme doch an unserem fünftägigen Coaching-Seminar Teil und lasse dich zum Gewaltfreien Kommunikationscoach weiterbilden. Wenn Du an einer umfassenderen Coaching-Ausbildung interessiert bist, kannst du auch weitere Module belegen, die Du dir individuell zusammenstellen kannst. Schau dich einfach mal um:

Coaching Seminar: Gewaltfreie Kommunikation

Literatur zum Thema Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Marshall B. Rosenberg: Erziehung, die das Leben bereichert

Erziehung, die das Leben bereichert

Erziehung, die das Leben bereichert beschäftigt sich mit der Gewaltfreien Kommunikation im Schulalltag. Das Prinzip der GFK soll dazu beitragen, dass Schüler und Lehrer besser zusammenarbeiten, das beinhaltet eine Entwicklung auf beiden Seiten. Wichtig ist hierbei, eine Lernatmosphäre zu schaffen, in der die Schüler gerne lernen und die Lehrer gerne lehren. Ein völlig neuer Erziehungsansatz, der auf Beziehungen basiert, die auf gegenseitigem Respekt aufgebaut sind.

Rosenberg geht es um den Aufbau von Schulen, an denen effektiv daran gearbeitet wird, dass den Bedürfnissen aller entsprochen wird. Durch die Förderung der emotionalen Intelligenz zeichnen sich positive Nebeneffekte bei der Verbesserung der Leistungsfähigkeit, der Stärkung von Respekt und Mitgefühl, sowie der Entschärfung gewalttätiger Konflikte ab.

In praktikablen Schritten führt uns Rosenberg von einer Lehrer-Schüler-Beziehung, die durch Strafen und Belohnungen geprägt ist, zu einer Beziehung, die das Leben in der Schule fruchtbar macht, indem die Bedürfnisse der Beteiligten im Vordergrund stehen.

Nicht zu leugnen ist, dass dieser Weg einer Umstellung des bisherigen Systems für diejenigen Herausforderungen birgt, die den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation in ihrem Umfeld ausprobieren, doch der Erfolg wird sie auszahlen. Unsere Zukunft wird bestimmt durch die Beziehung der Lehrer zu den Schülern, die Beziehung der Schüler untereinander und die Beziehung der Schüler zu dem, was sie lernen.

Das Buch vermittelt und hilft, sich und anderen die Fähigkeiten in Sprache und Kommunikation anzueignen, die nicht nur für die Schule, sondern auch für den Alltag des Lebens vorbereiten.

176 Seiten, Junfermann Verlag; Auflage: 5 (2011)
ISBN 3873875667

Marshall B. Rosenberg

Amazon-01

Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation, Eine Sprache des Lebens

Gewaltfreie Kommunikation, Eine Sprache des Lebens

Das Buch des international bekannten Konfliktmediators handelt von den Prinzipien und Techniken der Gewaltfreien Kommunikation. Es veranschaulicht die Möglichkeit das Leben und die eigenen Beziehungen mit den eigenen Werten in den Einklang zu bringen und so die Welt neu zu gestalten. Auf über 200 Seiten erfahren sie alles über Gewaltfreie Kommunikation, was sie wissen möchten, mit nützlichen Tipps zur Praxis und wertvollen Übungen um sich selbst zu testen.

Rosenberg schreibt über die Kommunikation der heutigen Zeit, wie sie ist und wie sie sein könnte. Alles in allem also ein praktisches Grundlagenbuch, wenn man vorhat in die Anwendung einzusteigen. Es ermutigt uns unsere Sprache zu hören und zu überprüfen, um uns die nicht bewusste gewalttätige Art des Sprechens abzugewöhnen.

Aus Reaktionen werden bewusste Antworten, die ehrlich und klar unsere Bedürfnisse ausdrücken und für eine respektvolle Aufmerksamkeit gegenüber anderer Menschen sorgen.

Mit Erlebnissen und beispielhaften Gesprächen veranschaulicht Rosenberg Lösungen für vielschichtige Kommunikationsprobleme. Angefangen bei den Gedanken lernt man das eingefahrene Schema von Wut, Ärger und Gewalt aufzulösen um friedliche Gespräche führen zu können und Beziehungen herzustellen, die über Empathie zu mehr Tiefe und Achtsamkeit führen.

Das Buch beinhaltet eine Reihe strategischer Ansätze und deutlich formulierter Aufgaben, sodass jeder die Chance hat, einen Punkt zu finden, bei dem er/sie ansetzen kann, sobald er/sie wirklich dazu bereit ist. Der Kern jeder Konfliktlösung ist immer das direkte Gespräch von Mensch zu Mensch. Die GFK hilft zu erfahren, was man selbst und der/die Andere im tiefsten Inneren denken, fühlen und wollen. Dieses Buch ist der Weg zum Ziel genau das auch zum Ausdruck zu bringen.

224 Seiten, Junfermann Verlag; Auflage: 12 (20. September 2016)
ISBN 3955715728

Marshall B. Rosenberg

Amazon-01

Marshall B. Rosenberg: Die Sprache des Friedens sprechen

Die Sprache des Friedens sprechen

Kommunikation in der Sprache des Friedens heißt Gewaltfreie Kommunikation, also die Praxis des Modells von Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Es geht um die Form der Verbindung mit anderen Menschen, die durch unser natürliches Mitgefühl geprägt ist. Dabei spricht Dr. Marshall B. Rosenberg über Geschichten, Übungen und Ideen, die er durch seine jahrzehntelange Erfahrung mit Konfliktlösung und Beziehungsanalysen gemacht hat.

Zu Beginn des Buches befasst er sich mit der Technik des GFK-Prozesses, anschließend geht es um die Auswirkung dieses Prozesses auf uns und unsere Umwelt und am Ende folgen weiterführende Materialien für die Anwendung der GFK. Unsere Sprache soll helfen in unserer Welt der Konflikte für Frieden zu sprechen und sie so zu verwandeln, dass sie eine Welt wird, in der Gewaltfreie Kommunikation verstanden und gelebt wird und in der zum Wohlergehen aller beigetragen wird.

Es geht um das Wissen, entscheidend am persönlichen, sozialen, politischen und globalen Wandel teilhaben zu können, aktiv am Aufbau einer Kultur des Friedens beteiligt zu sein. Unser Handeln und Nichthandeln in Bezug auf Gewalt gestalten unsere heutige Welt, sowie unsere Zukunft. Rosenbergs Ansatz ist provokativ, voller Ansichten und Zündstoff für einige Diskussionen. Aber genau darum geht es ihm, der Dialog mit uns selbst und unseren Mitmenschen, um gemeinsam die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Der erste Schritt zu einer friedlichen Veränderung ist, die Arbeit an unserer eigenen Haltung, an der Art wie wir uns und andere sehen und an der Art, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllen. Der zweite Schritt ist, sich mit anderen Menschen zusammenzutun, die dieselben Werte haben um ihre Gedanken auszutauschen, sodass im dritten Schritt mit den Menschen kommuniziert wird, die sich der Sprache des Friedens und deren zugrunde liegende Eigenschaften nicht bewusst sind.

136 Seiten, Junfermann Verlag; Auflage: 3 (24. Oktober 2006)
ISBN 387387640X

Marshall B. Rosenberg

Amazon-01

Lesen Sie weiter: