Es gibt eine wunderbare, lesenswerte Kurzgeschichte von Jean Giono (französischer Autor) aus dem Jahr 1953, die sich an das Prinzip des Säens und Erntens lehnt: „Der Mann, der Bäume pflanzte“ oder auch „Der Mann mit den Bäumen“. (Diese Kurzgeschichte wurde auch vom kanadischen Regisseur Frédéric Back als Zeichentrick verfilmt, der im Jahr 1987 erschien und 1988 den Oscar als bester animierter Kurzfilm gewann.)

Die Geschichte handelt von einem älteren Mann namens Elzeard Bouffier, der in Frankreich lebt. Seine Frau ist gestorben, später folgt ihr auch noch sein einziger Sohn. Wofür soll er jetzt noch leben? Er lässt seinen Bauernhof in einer fruchtbaren Ebene zurück. Nur 50 Schafe nimmt er mit. Er zieht in eine trostlose Gegend, in die Cevennen, fast eine Wüstenlandschaft. Dort kann er vielleicht vergessen. Weit verstreut liegen fünf Dörfer mit zerfallenen Häusern. Die Menschen streiten sich – viele ziehen fort. Da erkennt der ältere Mann: Diese Landschaft wird ganz absterben, wenn hier keine Bäume wachsen! EichelnSo geht er los und besorgt sich einen Sack mit Eicheln. Die kleinen sortiert er aus, auch die mit Rissen wirft er fort. Die guten, kräftigen Eicheln legt er in einen Eimer mit Wasser, damit sie sich richtig vollsaugen. Nachdem alles vorbereitet ist, schnappt er sich einen Eisenstab und zieht los. Hier und dort stößt er den Eisenstab in die Erde und legt eine Eichel hinein – unermüdlich wiederholt er diesen Vorgang. Nach  drei Jahren  hat er auf  diese  Weise  100 000 Eicheln gesetzt. Er hofft, dass 10 000 treiben. Und er hofft, dass ihm noch ein paar Jahre geschenkt werden, um so weitermachen zu können. Als er im Jahre 1947 im Alter von 89 Jahren stirbt, hat er einen der schönsten Wälder Frankreichs geschaffen.

Hier ein kleiner Auszug:

„Es bedurfte nur der acht Jahre, die uns von jener Zeit trennen, damit das ganze Gebiet von Gesundheit und Wohlergehen strahlte. Wo ich 1913 Ruinen gesehen hatte, stehen jetzt saubere Bauernhäuser, die von einem glücklichen und angenehmen Leben zeugen. Die alten Quellen, gespeist von den Regen und Schneefällen, die von den Wäldern festgehalten werden, sprudeln wieder. Man hat Wasserkanäle angelegt. In Ahornwäldchen gibt es neben jedem Haus einen Brunnen, der in einen Teppich von frischer Minze überfließt. Die Dörfer sind nach und nach wieder aufgebaut worden. Eine Bevölkerung ist aus der Ebene, wo das Land teuer geworden ist, heraufgekommen und hat sich hier niedergelassen und Jugend, Aufbruchstimmung und Unternehmungsgeist mitgebracht. Man begegnet in den Gassen wohlgenährten Männern und Frauen, Jungen und Mädchen, die gern lachen und wieder Spaß haben an ländlichen Festen. Wenn man zu den Neusiedlern die alte Bevölkerung hinzuzählt ist sie, seit sie so gesund lebt, kaum wiederzuerkennen, so verdanken mehr als zehntausend Menschen ihr Glück Elzeard Bouffier.“