Gerade läuft in Wiesentheid der dritte Tag im dritten Block einer NLP-Practitioner-Ausbildung. Nachdem wir uns gestern und vorgestern mit dem Thema Trance und Metaphern beschäftigt haben, ging es heute vormittag um das Format der Wahrnehmungspositionen – oft auch 1-2-3 – genannt. Das Format wurde vorgestellt von meiner Co-Trainerin Ulrike. Sie hat das ganz toll gemacht.
Piaget BergeZur Verdeutlichung der unterschiedlichen Positionen hat sie ein Beispiel des berühmten Psychologen Piaget benutzt, der die intellektuellen Fähigkeiten von Kindern untersucht hat. Er hat Ihnen ein Bilde mit drei Bergen gezeigt. Auf einem Berg ist ein Baum, auf dem anderen ein Kreuz und auf dem dritten ein Haus. Dann nahmen sie Position 1 ein und sollten, was sie sehen. Alle Kinder sagten: Ich sehe einen Berg mit einem Kreuz, einen mit einem Baum und einen mit einem Haus. Dann sollten sie eine Position direkt auf dem Berg mit dem Haus einnehmen und wieder sagen, was sie sehen. Das war für die Kinder nicht leicht. Sie beschrieben die Szene genauso wie aus Position 1, d.h. sie waren nicht in der Lage sich vorzustellen, dass sich ihre Wahrnehmungsperspektive verändert hat.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie schwer es auch uns Erwachsenen oft fällt, mal die Perspektive unserers Gegenübers einzunehmen. Das NLP-Format der drei Wahrnehmungspositionen ist gut geeigent für Konflikte mit anderen Personen. Insbesondere dann, wenn wir dieser Person in der Zukunft wieder begegnen werden, z.B. Arbeitskollege, Familienangehöriger etc. kann man den größten Gewinn aus der Methode ziehen.
Es werden dabei vier unterschiedliche Positionen im Raum festgelegt und mit Bodenankern markiert. In Position 1 sieht man die Situation aus seinen eigenen Augen heraus, so wie man sie meint erlebt zu haben. Dann wechselt man in Position 2 und beschreibt die gleiche Szene so als hätte man sie aus den Augen des anderen erlebt. Das fällt nicht nur den Kindern in Piagets Experiment manchmal nicht leicht. Dann wechselt man in Position 3. Hier schlüpft man in die Rolle eines neutralen Beobachters. Eine gute Metapher dafür ist ein Professor der Verhaltenswissenschaften, der menschliches Konfliktverhalten analysiert.
Wahrnehmungspositionen 1-2-3
In der Version dieses Modells, die wir bei Landsiedel NLP Training unterrichten, gibt es noch eine weitere, eine vierte Position. Dies ist die Meta-Position. Hier geht es darum, den Prozess zu reflektieren. Wie gut ist es mir gelungen, mich in die einzelnen Positionen hinzufühlen? Wie gut konnte ich wirklich in Position 3 neutral bleiben? usw.
Bei dem Format werden die Positionen zunächst einmal in dieser Reihenfolge durchlaufen. Dann kann man je nach Bedarf und Lust die Positionen wechseln. Wie auch bei uns in der Demo und den anschließenden Übungen kam zu erstaunlichen Veränderungen in der Wahrnehmung. Aus dem ungeliebten Mitarbeiter, der ganz offensichtlich lügt, wurde ein Mensch, der meine Unterstützung braucht, den ich nicht lächerlich machen sondern unter die Arme greifen sollte. Damit ergibt sich eine Perspektive der Zusammenarbeit anstatt des Streits.
Dieses Modell eignet sich ganz hervorragend dafür, wenn man nur einen der beiden Konfliktbeteiligten vor sich hat. Bei der Mediation oder der Schule des Wünschens hat man in der Regel beide Parteien vor sich, was noch einmal ganz andere Herausforderungen mit sich bringt.
So viel mein kurzer Bericht aus der Ausbildungsgruppe von heute vormittag.