– ein Gastbeitrag von Axel Gnädinger

Ein Blick zurück in die Jugend

Gefälligkeiten wie der betagten Nachbarin die Einkaufstasche hochtragen oder dem Onkel Zigaretten und Zeitungen holen, führten stets zu Lob und oft zu einer Tafel Schokolade oder kleineren Geldstücken.

Wer es sich als Eltern leisten konnte, motiviere seine Kinder mit der Aussicht auf Führerschein oder sogar einem Auto zu einem guten Schulabschluss.

Im Erwachsenenalter dünnen sich solche Angebote aus, denn schließlich können wir uns die meisten Wünsche selbst erfüllen. Die Frage ist nur, tun wir das und vor allem, tun wir das richtig?

Ein gutes, nein schlechtes Beispiel sind viele Selbstständige, freiberuflich Tätige. Sie gehen mit ihrem einzigen Angestellten (männlich/ weiblich), also sich selbst, um wie mit einem Sklaven: Bezahlung unter dem Mindestlohn, so gut wie keinen Urlaub, mehr als 10 Stunden Arbeitszeit täglich. Was man im Angestelltenverhältnis nie dulden würde, wird in der Selbstständigkeit zur Normalität. Mangelnde Belohnung lässt Rückschlüsse auf Glaubenssätze zu, „der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt“ und findet sich in den Ebene 4 (blau) von Spriral Dynamics / Graves Modell als Triebaufschub.

Welchen Nutzen haben Belohnungen?
Belohnung hat mit Lohn zu tun und den gibt es normalerweise nur für eine erbrachte Leistung. Wir bekommen etwas zusätzlich für ein Ziel oder eine Etappe auf dem eingeschlagenen Weg. Die Aussicht darauf spornt uns an.

Setze ich Belohnungen bewusst ein?
Das kann jeder selbst beurteilen. Gibt es Anlässe, Etappenziele? Hast Du etwas mit Dir selbst vereinbart? Gönnst Du dir ab und zu etwas und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

Ziele sind im NLP ein wichtiges Thema und deshalb lautet mein Vorschlag: Smarte Ziele verdienen eine smarte Belohnung!

Erweitern wir einfach die SMART-Formel:

  • Spezifisch: Mach die Belohnung so spezifisch wie möglich! „Ich gönne mir danach etwas“ reicht definitiv nicht. Ein besonderes Abendessen, die Teilnahmen an einem Event, neue Sportschuhe etc. sind greifbarer und sprechen unsere Sinne an.
  • Messbar: Bekomme ich es oder nicht? Wer sich später die Belohnung nicht gönnt, kann es ganz bleiben lassen.
  • Attraktiv: Außergewöhnliche Dinge, die man sich sonst kaum leistet, motivieren zusätzlich. Das wäre das besondere Kleid, die umfangreiche Angelausrüstung, das Erlebniswochenende und vieles mehr.
  • Realistisch: Das Verhältnis zwischen Ziel und Belohnung muss stimmen. Üblicherweise ist die Belohnung nicht größer als das Ziel selbst.
  • Terminiert: Setzte die Belohnung zeitnah um, sonst glaubst Du dir selbst nicht mehr und alles verliert an Wirkung!

Belohnungen

Beispiele

Für 90 Minuten konzentriertes Arbeiten ohne Ablenkung, Social-Media-Check gönne ich mit 10-15 Minuten intensive Pause. Die ganzen 90 Minuten davor ist mir bewusst, bald kommt eine schöne Unterbrechung.

Wenn ich schaffe, nachts mindestens x Stunden zu schlafen, gönne ich mir morgens 15 Minuten Zeitungs- oder Buchlektüre.

Wenn ich es am Samstagvormittag schaffe, X zu erledigen, gönne ich mir am Nachmittag Y.

Für jedes abgenommene kg Gewicht lege ich 10 EUR in die Sparbüchse.

Nach jedem 10 km Lauf kaufe ich mir für ein Taschenbuch.

Bei Fertigstellung eines bestimmten Projektes (Ausbildung, Buch etc.) gönne ich mir ein Entspannungswochenende, einen Tanzkurs etc.

Nach X absolvierten Coachings buche ich ein NLP Seminar.

Verbindungen mit anderen NLP-Formaten bieten sich an – ganz nahe liegt die Swish-Technik, dort arbeiten wir bekanntlich mit positiven Zielbildern. Wir verbinden nun das Zielbild mit der Belohnung.

Rauchen abgewöhnen: Sieh Dich rauchfrei einatmen, nun aber auf dem Kreuzfahrtschiff.

Schlanker sein: Sieh Dich fit am Strand aber in den neuen Lieblingsschuhen.

Bewerbungen schreiben: Sieh Dich im neuen Job aber mit der neuen Uhr.

Hilfe, ich finde keine Belohnung für mich!
Auch das soll es geben! Dann probiere es doch mal mit Taschengeld. Mit dem Erwachsenensein bleibt diese Zuwendung auf der Strecke. Warum geben wir uns nicht grundsätzlich monatlich 50 – 100 EUR oder mehr Taschengeld, zum Verplempern oder zum Ansparen für tolle Sachen? Pin die Scheine zuhause jeden Monat neu ans schwarze Brett oder den Kühlschrank. Für erreichte Ziele zahlst Du dir einen zusätzlichen Bonus aus.

Fazit: Belohnungen sind ein ausgezeichnetes kreatives Mittel zur Selbstmotivation, sie machen uns das Leben etwas leichter und attraktiver.
Mit geringem Aufwand können wir dieses interessante Instrument in den Alltag integrieren, einfach mal ausprobieren.