– ein Beitrag von Evan Bortnick

Evan BortnickMit Evan Bortnick haben wir in Frankfurt einen Top Trainer! Er selbst studiert und unterrichtet NLP bereits seit über 30 Jahren und lebt das Motto Lebenslanges Lernen. So hat er über die Jahre viele Aus- und Fortbildungen absolviert und ein breites Spektrum aufgebaut. Neben NLP ist Evan Bortnick ein herausragender Stimmtrainer. Bereits auf unseren Kongressen hat er viele Teilnehmer begeistert. Er ist NLP-Lehrtrainer nach DVNLP und leitet unseren NLP-Standort Frankfurt.

Der Weg – das Ziel, Disziplin ist FREIHEIT!

Am ersten Practitioner-Wochenende lernen die Teilnehmer eine sehr wichtige Unterscheidung: Prozedural und Optional. Prozedural, wie das Wort schon sagt, betont die Prozedur, die Schritte oder den Weg zum Ziel. Optional lässt die Schritte offen und betont das Ziel, das Erwünschte. Das klassische Beispiel hierfür ist das Kochen. Wenn ihr ein Rezeptbuch aufmacht und den Schritte genauestens folgt, dann wisst ihr auch, dass etwas Leckeres dabei rauskommt — Prozedur-al halt. Ihr folgt der Prozedur und habt etwas Gutes gemacht. Egal wie komplex die Schritte sind, wenn ihr ihnen folgt, gibt’s gutes Essen.

Andererseits, optional gemacht, wenn die Prinzipien hinter einem Rezept schon verstanden sind, schaut ihr was im Kühlschrank liegt und kocht drauf los, mit der Gewissheit es wird schmecken. Beide Möglichkeiten sind gut. Beide Möglichkeiten sind notwendig. Beide Möglichkeiten haben ihren Platz.

Gleichzeitig sind Prozeduralität und Optionalität ein sogenanntes Meta-Programm, eine Art unsere Wahrnehmung zu filtern. Ich geb euch ein Beispiel: in einer Pädagogik-Klasse für Gesang gab ich neuerdings eine Demonstration mit der Bitte, die Pädagogikstudenten mögen Notizen zu ihren Wahrnehmungen machen.

Ein Student beschrieb treu die Schritte des Unterrichts, beispielsweise was
gesungen wurde, und schrieb die Fragen, die ich gestellt hatte, auf und auch dazu die Übungen, die ich vorgeschlagen hatte. Ein anderer Student beschrieb das, was ich vermutlich wahrgenommen habe, um zu diesen Fragen und Übungen überhaupt zu kommen.

Der erste filterte meinen inneren Prozess größtenteils heraus, der zweite tilgte die Schritte. Es gibt natürlich Leute die mit aller Konsequenz nur das eine oder das andere machen. Die Welt besteht aus Schritten (alles andere ist unwichtig oder nicht existent) oder sie besteht aus der Absicht ein gewisses Ziel zu erreichen (alles andere ist unwichtig oder nicht existent). Eines der Vorteile des NLP ist es, genau diesen Meta-Programm-Chauvinismus zu durchbrechen. Unser Ziel hierbei ist natürlich, BEIDE flexibel und kontexttreu zu nutzen.

Überlegt, wie viele Modelle gibt es, um das „Zuhören“ zu verbessern? Aktives Zuhören, gewaltfreies Zuhören, das 4-Ohr Modell — bei einer Amazon-Buchsuche für das englische Wort „Listening“ gab es weit über 50.000 Ergebnisse, alle mit einer anderen „Technique“, um besser zuzuhören! Zuhören können wir auch durch einen prozeduralen oder optionalen Filter. Wenn die Partnerin zum Beispiel sagt: „Du hörst mir ja GAR NICHT ZU!“ und wir merken, sie hat recht, welche Schritte unternehmen wir, um unser Zuhören zu verbessern? Die gleiche Situation anders betrachtet, zu welcher inneren Absicht, zu welchem Fokus wechseln wir, um unser Zuhören präziser und passender zu machen. Der Vorteil dieser zwei Fragen und Möglichkeiten ist es, deutlich zu merken, dass die Ansprache auf einer mentalen Prozessveränderung verschieden geregelt werden kann. Bei unserem Beispiel oben können wir im Idealfall aus beiden Perspektiven unser Zuhören modifizieren.

Generell gesprochen brauchen wir bei einer komplexen Aktivität zunächst die
Schritte lernen, bevor wir überhaupt die „Option“ haben, etwas neues zu
erfinden. Hier gibt es Ausnahmen, aber die bestimmen eben die Regel. Wenn
wir gut Jazz spielen wollen brauchen wir eine fast automatische Gewohnheitsstabilität für die Tonleiter, Akkorde und Formen die wir spielen
wollen. Deswegen sagen Musiker gerne: Disziplin ist Freiheit! Anders gesagt: Prozeduralität führt zu Optionalität!

Auf Meisterschaftsebene ist das besonders wichtig. Es ist gerade die Flexibilität zwischen beidem, die den Meister ausmacht. Nachdem wir auf fortgeschrittener Ebene etwas komplexes beherrschen und immer besser werden wollen, müssen wir zeitlich unsere Schritte wahrnehmen und fein regeln, um zu einer höheren ​Praxisebene zu gelangen. Der Spruch „Übung macht den Meister“ beschreibt größtenteils zumindest, genau diese methodische Flexibilität zwischen Prozedur und Option.

Macht selbst eine Übung. Widme eine Stunde im sozialen Kontext und
beobachte das Beobachten. Mit anderen Worten, hör zu, wie Du zuhörst.
Fokussierst Du auf den Inhalt? Die Satzmelodie? Die Lautstärke? Die richtige Grammatik? Den Gesichtsausdruck der Sprechenden? Die Gesten? Ein
Kombination daraus? In welcher Reihenfolge? Mit erhöhtem Bewusstsein für
die Prozeduralität und Optionalität deines Zuhörens lernst Du eine Menge über Dich und Deine Gesprächspartner. Vor allem wenn Du gleichzeitig die Frage stellst: „Wie kann ich meine Prozeduralität/Optionalität-Mischung
optimieren?“, hast Du noch einen Schritt in Richtung Meisterschaft gemacht.

Jeder Mensch sowie auch jeder Kontext hat eine andere optimale Balance zwischen dem Prozeduralen und dem Optionalen. Eine gesteigerte Sensibilität
für diese wichtige Unterscheidung erhöht unsere Fähigkeit, spielerisch und
fokussiert zu lernen und zu leben.

Weiterführende Links

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