Schulfach Glück

books-1012088_640 Haben Sie sich auch schonmal gefragt was Sie hätten alles werden können, wenn Sie als Schüler bereits eine "gereiftere Persönlichkeit" gewesen wären? Was hätten Sie anders gemacht?

Nein ich rede nicht davon, dass Sie ihre Brille bei Fielmann gekauft hätten, sondern dass Sie möglicherweise einen ganz anderen Weg gegangen wären. Realisiert das neue Schulfach Glück diese Vorstellung?

Vorreiter nehmen "Glück" als Schulfach in den Stundenplan auf

"Du lernst nicht für die Schule, sondern für's Leben" Dieser Spruch wird mit einem reflexartigen Augenrollen beantwortet. Denn warum habe ich habe ich in der Schule so viel gerlernt was ich für das Leben nicht brauchte und das was ich für das Leben brauchte dort vermisst? Das sind Meinungen, die dem Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule widersprechen. Doch es gibt Ausnahmen, welche möglicherweise bald "Schule" machen. Der ehemalige Schulleiter und Autor Ernst Fritz-Schubert, hat 2007 an der Willy-Hellpach-Schule eine kleine Revolution ins Rollen gebracht. Er hat es geschafft, trotz eng getaktetem Lehrplan ein neues Fach einzuführen, welches sogar als mündliches Abiturfach geplant ist: Das Schulfach Glück.

Nein, bei dem Schulfach Glück handelt es sich nicht um Unterrichtsausfall oder um Feueralarm (weil wieder jemand mit dem Feuerzeug rumgespielt hat), sondern um eine Kombination aus Psychologie, Soziologie, Körperbewusstsein und Gesundheit. Also ziemlich genau die Themen die sich seit einiger Zeit blendend in Form von Ratgebern verkaufen. Denn diese Themen sind nicht zwingend transzendent oder spirituell, etwas metaphysisches. Nein, diese Themen können erlernt werden, durch die Erläuterung der Theorie und einem großen Praxis-Anteil. In den USA und Großbritannien ist dieses Fach unter dem Namen "Social & Emotional Learning" bereits seit längerem eingeführt.

Doch was sollen Inhalte dieses ominösen Schulfaches "Glück" sein? Die Ziele dieses Unterrichts bestehen in der Förderung des z.B. subjektiven Wohlbefindens. Es wird erklärt wie Gemütszustände zusammenhängen und wie man auf diese Einfluss nehmen kann. Aspekte der positiven Psychologie werden veranschaulicht, wie Dankbarkeit üben und optimistisches Denken. Praxisnahe Gruppenaufgaben verhelfen den Schülern ihre Interaktionsfähigkeiten zu trainieren und gemeinsame Erlebnisse außerhalb des Klassenraums stärken den Gruppenzusammenhalt. Gymnasiale Oberstufen haben dieses Fach auch erfolgreich eingeführt. Es werden vertiefte Kenntnisse hinsichtlich psychologischer Theorien und neurologischen Hintergründen erarbeitet. Doch auch hier wird die Praxis berücksichtigt.

Ein TV-Bericht des SWR gewährt uns einen Einblick in das Schulfach "Glück"



Macht das Schulfach "Glück" bald Schule?

"Versprochene Beeren füllen die Körbe nicht." Die Inhalte des Schulfachs "Glück" hören sich gut an, doch wie ist die Resonanz. Was sagen Untersuchungen und Erfahrungen in puncto Nutzen?
Kurzum, das Schulfach "Glück" stellt definitiv keine "versprochenen Beeren" dar. Untersuchungen zahlreicher Universitäten von 2015 besagen, dass das Schulfach "Glück" signifikant positive Veränderungen hinsichtlich des Wohlbefindens, der Zufriedenheit und der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler erwirken konnte.

Die Ergebnisse waren so positiv, dass bereits 7 Universitäten Kurse zum Schulfach "Glück" anbieten. Außerdem gibt es über 100 Schulen, in Deutschland und Österreich, die das Schulfach "Glück" unterrichten, sodass Ernst Fritz-Schubert, der Entwickler des Konzepts, 2011 zurecht von der Carl Bosch Stiftung ausgezeichnet wurde.

Ein persönliches Fazit

Es wird viel über unsere Gesellschaft philosophiert und diskutiert, sodass ich hier nicht weit ausholen möchte. Doch einen Gedankengang möchte ich gehen. In einer gesellschaftlichen Ordnung, welche durch vielfälltige Möglichkeiten und hohe soziale Mobilität geprägt ist, in welcher Kinder und Jugendliche nicht mehr den Beruf erlernen müssen den die Eltern ausüben und welche durch rasanten technischen Wandel vor unprognostizierbarem zukünftigen Herausforderungen steht, ist die Selbsterkenntnis, das Erkunden des eigenen Potenzials, wichtiger denn je. Denn die ganze Freiheit die unsere Gesellschaft bietet, kann auch in empfundene Ziellosigkeit umschlagen. Viele Menschen fragen sich wohin der Weg gehen soll. Insbesondere junge Erwachsene, welche extrem weitreichende Entscheidungen treffen müssen. Um ein Ziel definieren zu können muss man zunächst feststellen wo man sich befindet. Wer man ist. Ich bin überzeugt, dass ein Schulfach "Glück", den Schülern bei der Selbstfindung und der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen kann. Dies würde sich auch auf die Leistung anderer Fächer und die Einstellung und Motivation im allgemeinen positiv auswirken.
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Schulz von Thun hat es treffend ausgedrückt. Es ist nicht die Intention "ein paar neue Musterschüler zu züchten, die das Psychodeutsch als neue Fremdsprache beherrschen". Das Ziel ist "mehr Mut zu bekommen, zu uns selber zu stehen und klar auszudrücken, was wir denken, fühlen und wollen." Je früher diese Entwicklung stattfindet, desto besser. Und welche Zeit ist passender als die Schulzeit?
Zitat: Friedemann Schulz von Thun: "Miteinander reden: 2, Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung, Differentielle Psychologie der Kommunikation", S.13.

In diesem Sinne können wir die Frage, was passiert wäre wenn man als Schüler eine gereiftere Persönlichkeit gehabt hätte, vielleicht bald stellvertretend beantworten und zusätzlich unsere Ratgeber-Autoren und Psychotherapeuten zukünftig etwas entlasten. Obwohl sich diese "werde glücklich" Rategeber so schön lesen ...

Autor: Fabio Ibrahim, studiert Psychologie (B.Sc.) an der Universität in Hamburg..

Mehr zu dem Thema Glück finden Sie auf unserer Webseite: Was ist Glück?

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