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Genogramm

Definition Genogramm

Genogramm
Genogramm-Sizze (Pixabay: © geralt)

Ein Genogramm ist die grafische Darstellung von Beziehungen und Strukturen innerhalb einer Familie. In der Regel werden in einem Genogramm sämtliche Familienmitglieder mehrerer Generationen (Herkunftsfamilie und aktuelle Familie) aufgezeichnet.

Häufig wird ein Genogramm als Grundlage oder Ergänzung für eine Familienaufstellung oder Systemische Therapie sowie im Paar- und Familiencoaching eingesetzt. Es dient dazu, Beziehungsmuster und Zusammenhänge innerhalb einer Familie zu durchschauen, sowie wiederkehrende Muster in der Familiengeschichte zu verdeutlichen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition Genogramm
  2. Wofür sind Genogramme gut?
  3. Herkunft und Geschichte des Genogramms
  4. Wer soll in einer Genogramm-Vorlage erfasst werden?
  5. Anleitung, um ein Genogramm zu erstellen – ein Überblick
  6. Ausführliche Anleitung zum Erstellen eines Genogramms
    1. 1. Vorbereitung, Informationssammlung und Recherche
    2. 2. Grafische Darstellung – bewährte Genogramm-Vorlage und Symbole
    3. 3. Persönliche Daten und besondere Ereignisse
    4. 4. Auswertung, Zusammenhänge entdecken, Erkenntnisse gewinnen
  7. Weiterführende Literatur

Wofür sind Genogramme gut?

Ein Genogramm bietet einen guten Überblick über die eigene Familie, den Familienstammbaum und deren Struktur. Aus einer Meta-Perspektive können Beziehungsmuster erkannt werden. Häufig lassen sich familiäre Muster, die immer wieder auftauchen, über mehrere Generationen zurückverfolgen. Durch ein Genogramm können die eigene Lebensgeschichte und Lebenserfahrungen in einem größeren Kontext eingeordnet werden. So können bestimmte Verhaltensweisen, Entscheidungen, Krisen, Tabus, Schicksale oder Krankheiten vor dem familiären Hintergrund besser verstanden und eingeordnet werden. Eine Visualisierung mit Hilfe eines Genogramms kann helfen, Informationen aus der Familiengeschichte zu sammeln, zu sortieren und Zusammenhänge transparent zu machen.

Herkunft und Geschichte des Genogramms

Das Genogramm entwickelte sich aus der Arbeit einiger wichtiger Vertreter der Familientherapie. Die ersten Familienstammbäume (Genogramme) wurden vom US-amerikanischen Psychiater und Psychotherapeut Murray Bowen erstellt. Bowen (1913-1990) gilt als einer der Begründer der Systemischen Therapie. Sein Ziel war es, sich durch Genogramme einen Überblick über die Generationen und vorhandene Familienmuster zu verschaffen. Ivan Boszorményi-Nagy (1920-2007), ein aus Ungarn stammender Arzt und Psychiater, war Mitbegründer eines der ersten Forschungszentren für Familientherapie in Philadelphia/USA, was später zum größten Ausbildungszentrum für Familientherapie in den USA wurde. Er ging u.a. davon aus, dass unsichtbare Bindungen innerhalb der Familienstruktur bestehen und sich als „emotionale Schulden“ äußern. Diese werden über Familiengenerationen hinweg registriert und müssen immer wieder zurückgezahlt werden. Auftretende Symptome bei einem Familienmitglied sind ein Zeichen für einen ausstehenden Schuldenausgleich. Daher sollte bei einer Therapie auch immer die familiäre Herkunft berücksichtigt werden.

Er führte die Mehrgenerationen-Perspektive als wichtige Neuerung ein, die heute ein wesentlicher Bestandteil von Aufstellungsarbeit ist. Auch die Familientherapeutin Virginia Satir (1916 – 1988) brachte die Entwicklung voran. Aufbauend auf Bowens und Boszorményi-Nagys Arbeit entwickelte Satir zur Visualisierung familiärer Beziehungen die „Familienskulptur“, bei der sich Familienmitglieder wie Statuen positionieren, die miteinander in Interaktion stehen. Schließlich knüpften die Familientherapeuten Monica McGoldrick und Randy Gerson an die Idee von Bowen an (generationsübergreifende Familienmuster) und entwickelten systematisch das Genogramm, wie wir es heute kennen. Obwohl die Idee schon lange bestand, fand das Genogramm daher erst zu Beginn der 1990er Jahre Eingang in die Familientherapie.

Wer soll in einer Genogramm-Vorlage erfasst werden?

In der Aufzeichnung werden sämtliche Mitglieder des eigenen Familienstammbaums erfasst. Die Familie des Lebens- oder Ehepartners spielt dabei keine Rolle, es handelt sich dabei schließlich nicht um die eigene Herkunftsfamilie. Es sei denn, hier gibt es eine Person, die für das eigene Leben eine große Bedeutung hat, diese kann dann ebenfalls notiert werden. Wenn ein Genogramm für die eigenen Kinder erstellt wird, wird natürlich die Familie des Partners, sofern er der andere Elternteil ist, ebenfalls berücksichtigt und skizziert. Alle Familienmitglieder werden notiert, auch früh verstorbene, vermisste oder ausgegrenzte Mitglieder. Dazu zählen die eigenen Geschwister, die Eltern, deren Geschwister, die Großeltern und ihre Geschwister, ebenso Stief-Eltern oder Personen, die in irgendeiner Form zur Familie gehörten. Auch Fehl- oder Totgeburten im Familienkreis werden notiert.

Anleitung, um ein Genogramm zu erstellen – ein Überblick


  1. Schritt: Informationen zusammentragen Was wissen Sie über die Familie? Wer gehört dazu? Was waren besondere Ereignisse? Sammeln und notieren Sie möglichst ausführliche Informationen über mehrere Generationen der Familie.
  2. Schritt: Genogramm-Struktur erstellen Anhand von vorher festgelegten Symbolen wird eine Art Familienstammbaum erstellt. Sämtliche Familienmitglieder und ihre Verwandtschaftsbeziehungen werden in einer Skizze dargestellt. Begonnen wird dabei mit der Person, für die das Genogramm erstellt wird, anschließend erfolgt die Darstellung der Eltern-Generation, zuletzt die der Großeltern und gegebenenfalls die der Urgroßeltern.
  3. Besondere Ereignisse ergänzen Nachdem die Grundstruktur erstellt ist, werden weitere Informationen (Beruf, Trennungen, Todesfälle, Schicksalsschläge, Erfolge etc.) ergänzt, soweit diese bekannt sind.
  4. Auswertung Nun kann systematisch ausgewertet werden: Wo gibt es Parallelen zwischen Familienmitgliedern? Gibt es ähnliche Karrieren, Beziehungsmuster, Trennungen, Schwierigkeiten, die immer wiederkehren? Gibt es einen erkennbaren Zusammenhang zu aktuellen Problemen oder Krisen?

Ausführliche Anleitung zum Erstellen eines Genogramms

Zum Erstellen einer Genogramm-Vorlage ist etwas Vorbereitung erforderlich. Wie Sie konkret vorgehen, hängt davon ab, ob Sie ein Genogramm für Ihre eigene Familie skizzieren wollen oder ob es für einen Klienten im Rahmen eines Coaching-Prozesses erstellt wird. Im ersten Fall können Sie selbst mit der Recherche bei Verwandten beginnen und ihre Informationen sammeln. In der Genogramm-Arbeit mit Coaching-Klienten bietet sich der unter Punkt 1.2 aufgezeigte Interview-Leitfaden mit entsprechenden Fragen an.

1. Vorbereitung, Informationssammlung und Recherche

1.1 Ein Genogramm der eigenen Familie erstellen

Wer ein Genogramm seiner eigenen Familie erstellen möchte, sollte am besten Schritt für Schritt vorgehen und sich der Familiengeschichte allmählich nähern. Sammeln Sie möglichst viele Informationen über Ihre Familie. Notieren Sie alles, was Sie über Ihre Geschwister, Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten wissen. Fragen Sie Familienmitglieder, vor allem auch ältere, nach der Familiengeschichte. Gehen Sie dabei sensibel vor. Das gemeinsame Durchblättern von Foto-Alben kann hier ein guter Einstieg sein. Manche Verwandte werden mit großer Freude erzählen, andere wiederum haben eher Sorge, dass heikle Themen ans Tageslicht kommen können. Gehen Sie wertschätzend und ohne Vorurteile an die Recherche und Gespräche heran. Auch Ihre eigenen Geschwister sind oft eine wahre Fundgrube für Erinnerungen, die Sie selbst vielleicht schon vergessen hatten.

Informationen sind vor allem hilfreich über

  • Geburts- und Todestage
  • Geburts- und Wohnorte
  • Berufe
  • Schwere Schicksale und Krankheiten
  • Erlebnisse im Krieg
  • Firmenpleiten oder größere finanzielle Verluste
  • Außergewöhnliche oder besonders frühe Todesfälle
  • Besondere Auszeichnungen und Erfolge
  • Familientraditionen oder ein Familienmotto
  • Tabus und Familiengeheimnisse (soweit diese erzählt werden)

Diese Vorbereitung ist natürlich auch für Klienten in der Familienberatung oder im Coaching möglich, sofern sie ausreichend Zeit dafür erhalten. Aus praktischen Gesichtspunkten wird die Recherche vermutlich erst im Laufe des Coaching-Prozesses stattfinden und der Klient anfangs nur die ihm bereits bekannten Informationen zur Verfügung stellen können.

1.2 Ein Genogramm für einen Klienten erstellen

Beim Erstellen eines Genogramms bietet sich ein strukturierter Fragenkatalog an, um möglichst alle Informationen zu erfassen. Ergänzend können auch weitere Familienmitglieder befragt werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten und Wissenslücken zu füllen. Die folgenden Fragen sind ein Vorschlag. Es hat sich bewährt, zunächst Informationen über den Klienten und seine Familie zu sammeln, danach die Daten der früheren Generationen (Eltern, Großeltern) zu erfragen.

Informationen über den Klienten selbst

  • Wie ist Ihr Familienstand? Verheiratet? Geschieden? Ist das Ihre erste oder zweite Ehe?
  • Haben Sie Kinder? Wie viele? Mädchen oder Jungen? Wie heißen sie?
  • Mit welchem Partner haben Sie diese Kinder (falls mehrere Partner in Frage kommen)?
  • Leben Sie in einer Patchwork-Familie?
  • Gibt es Pflege- oder Adoptivkinder?
  • Haben Sie Geschwister? Wie viele? Haben Sie Halbgeschwister? Wie heißen sie?
  • Welche Position in der Geschwisterreihe haben Sie inne?
  • Gab es Fehlgeburten / Abtreibungen / Totgeburten innerhalb Ihrer Familie? Bei Ihren Geschwistern oder eigenen Kindern?
  • Falls Sie nicht sicher sind, vermuten Sie das? (Diese Frage kann auch an der Stelle weggelassen werden, manchmal sind jedoch Vermutungen oder unklare Gefühle vorhanden, so dass auch schon an dieser Stelle ein Vermerk gemacht werden kann).
  • Wann sind die einzelnen Mitglieder geboren? Falls bereits jemand verstorben ist, wann war das?
  • Gibt es Trennungen / Scheidungen? Wann waren diese?

Informationen über die Herkunftsfamilie des Klienten

  • Wie heißt Ihre Mutter? Wie heißt Ihr Vater?
  • Sind Ihre Eltern (noch) verheiratet?
  • Gab es andere wichtige Partnerschaften für einen Elternteil (bzw. beide), z.B. frühere Ehen, Verlobungen etc.?
  • Haben/ hatten Ihre Eltern Geschwister? Wie viele? Halbgeschwister? Brüder oder Schwestern? Wie heißen sie?
  • Welche Position innerhalb der Geschwisterreihe hatte Ihre Mutter / hatte Ihr Vater?
  • Gab es Fehlgeburten / Abtreibungen / Totgeburten? (Auch Vermutungen können notiert werden).
  • Gibt es Stief-Eltern?
  • Sind Ihre Eltern / deren Geschwister noch am Leben?
  • Wann sind die einzelnen Mitglieder geboren? Falls jemand bereits verstorben ist, wann war das?
  • Gibt es Trennungen / Scheidungen? Wann waren diese?

Informationen über die Herkunftsfamilien der Eltern

Starten Sie mit einem Elternteil und dessen Familie, danach die andere Familie. So behalten Sie den Überblick.

  • Wie heißen/hießen die Eltern der Mutter?
  • Waren sie verheiratet? Geburtstage/ Todestage? Geschwister? Fehlgeburten etc.? Stiefeltern? Erfragen Sie die Information wie oben (Herkunftsfamilie des Klienten)
  • Wie heißen/hießen die Eltern des Vaters?
  • Waren sie verheiratet? Geburtstage/ Todestage? Geschwister? Fehlgeburten etc.? Stiefeltern? Erfragen Sie die Information wie oben (Herkunftsfamilie des Klienten)

Entsprechende Fragen können, soweit sie noch beantwortet werden können, auch für die Generation der Großeltern gestellt werden.


Weiterführende Fragen zur Familie

Zu den notierten biografischen Daten werden nun ergänzende Informationen erfragt, soweit diese noch nicht durch ein freies Gespräch ersichtlich wurden.

  • Was machen / machten Sie / Ihre Eltern / Großeltern beruflich?
  • Gab oder gibt es weitere Personen, die wichtig sind, z.B. weil sie bei der Familie lebten?
  • Gab es Auswanderung, Flucht oder Vertreibung innerhalb der Familie? Gab es Besonderheiten im Krieg? Vermisste, Tote, Kriegsgefangenschaft, Konzentrationslager?
  • Gab es Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Krankheiten oder schwere emotionale Probleme?
  • Gab es schwere Behinderungen?
  • Wurden Kinder weggegeben? Ins Heim? Zu Pflegeeltern?
  • Gab es Konflikte mit dem Gesetz? Gefängnisaufenthalte?
  • Gab es größere finanzielle Verluste? Firmenpleiten?
  • Gibt es Menschen, die sich innerhalb der Familie besonders nahe stehen oder die einen großen Konflikt miteinander haben / hatten?
  • Gibt es ausgestoßene Familienmitglieder oder Menschen, die den Kontakt abgebrochen haben oder verschollen sind?
  • Was sind besondere Stärken / Ressourcen innerhalb Ihrer Familie? Besondere Erfolge? Auszeichnungen? Familiärer Zusammenhalt?

Sie müssen die Fragen nicht wie in einem Katalog abarbeiten. Oft erzählt der Klient mehr, wenn er freier erzählen kann. Die Fragen sind ein Leitfaden, um alles Wichtige zu notieren, doch sie können auch in einem freien Gespräch beantwortet werden.


2. Grafische Darstellung – bewährte Genogramm-Vorlage und Symbole

Nach (oder auch schon während) der Informationssammlung werden die einzelnen Familienmitglieder und ihre Beziehung zueinander visualisiert. Sinnvollerweise wird mit der eigenen Generation begonnen, ausgehend von der eigenen Person und vorhandenen Geschwistern. Diese werden alle in einer horizontalen Linie angeordnet. Eine Ebene darüber werden die Eltern visualisiert, darüber die Großeltern und eine weitere Ebene höher ggf. die Urgroßeltern. Es haben sich für die grafische Darstellung bestimmte Symbole etabliert. Diese Genogramm-Vorlage lehnt sich an die vielerorts üblichen Symbole von McGoldrick und Gerson an, gelegentlich sind einzelne Symbole abgeändert.

Beispiel für ein einfaches Genogramm


Genogramm

Zu den einzelnen Symbolen und deren Anordnung

  • Männliche Personen werden mit einem Quadrat, weibliche mit einem Kreis eingezeichnet. Die eigene Person wird zusätzlich durch einen Punkt in der Mitte markiert.
  • Bei der Anordnung der Elternpaare werden jeweils die Männer links, die Frauen rechts eingezeichnet. Die Anordnung von Geschwistern erfolgt in der Reihenfolge ihrer Geburt, ganz links ist das Erstgeborene, rechts das jüngste Kind.
  • Die Verbindungen zwischen Ehepaaren und Eltern-Kind-Beziehungen werden durch Linien dargestellt.
  • Die durchgezogene Linie symbolisiert eine Ehe / eine gestrichelte Linie eine eheähnliche Beziehung.

Weitere Symbole

  • ein Kreuz bzw. „X“ bedeutet „verstorben“ (es sind in der Literatur beide Schreibweisen üblich, sinnvoll ist, sich für eine Version zu entscheiden und diese dann durchgängig zu verwenden).
  • Ein Dreieck bedeutet „Geschlecht unbekannt“ (z.B. bei Totgeburten oder Familienmitgliedern, über die man nicht mehr viel in Erfahrung bringen konnte)
  • Zwillinge, Adoptiv- und Pflegekinder werden durch eigene Symbole gekennzeichnet.
  • Auch für Abtreibungen, Fehl- oder Totgeburten werden extra Symbole verwendet.
  • Die Verbindungslinien können mit zusätzlichen Symbolen markiert werden, z.B. Scheidung, Konflikt, abgebrochene Beziehung etc.
Genogramm

(Eine ausführliche Übersicht über Genogramm-Symbolik findet sich bei Monica Mc Goldrick und Randy Gerson „Genogramme in der Familienberatung“, siehe Literaturhinweis unten.)

3. Persönliche Daten und besondere Ereignisse

Sobald alle Daten notiert sind, wie sie auch in Familienstammbäumen zu finden sind, Namen, Eheschließungen, Geburts- und Sterbedaten, Kinder etc., werden besondere Ereignisse ergänzt. Was ist noch über die Familienmitglieder bekannt?

  • Beruf, Nationalität
  • Auffallende Charaktereigenschaften (gewalttätig, fürsorglich, sehr in sich gekehrt etc.)
  • Spezielle Talente und Begabungen (Künstler, musikalisch, Sprachtalent, Komiker etc.)
  • Besonderheiten (Krankheiten, Alkoholismus, ständig auf Reisen, Gefängnisaufenthalt, berühmte Sängerin, erfolgreicher Unternehmer etc.)
  • Alles, was noch über einzelne Mitglieder erzählt wird (Weiberheld, untreu, chronisch pleite etc.)

Die Daten können zunächst auf Post-its notiert werden. Höchstwahrscheinlich gibt es zu einigen Mitgliedern sehr viel zu ergänzen, andere scheinen eher weniger Merkmale aufzuweisen. Auch das kann ein interessanter Hinweis sein, wenn jemand offenkundig kaum wahrgenommen wurde.

Auch die Beziehungen untereinander können durch ergänzende Symbole (siehe Verbindungslinien) sichtbar gemacht werden. Dabei können durchaus eigene Symbole verwendet werden, sofern diese sehr aussagekräftig sind.

4. Auswertung, Zusammenhänge entdecken, Erkenntnisse gewinnen

Jetzt geht es an die Auswertung und somit an die eigentliche Genogrammarbeit. Dies ist vermutlich für einige der interessanteste Teil. Viele Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse gab es vermutlich schon beim Erstellen des Genogramms (Beispiel: „Alle erstgeborenen Frauen der Familie sind unverheiratet geblieben oder ins Kloster eingetreten.“) Daraus lassen sich schon erste Rückschlüsse ziehen.

Mit dem vollständigen Genogramm bietet sich jetzt nochmals ein guter Überblick. Es wird rasch erkennbar, wo sich Schicksalsschläge häuften, wo sich Lebensentwürfe ähnelten oder dieselben Beziehungsmuster auftraten. Wo gibt es einen erkennbaren Zusammenhang zu aktuellen Schwierigkeiten oder Lebenskrisen?

Bei der Auswertung des Genogramms sollte lösungsorientiert vorgegangen werden. Das heißt, es sollten keine vorschnellen Interpretationen erfolgen. Stattdessen ist es sinnvoller, sich mit konkreten Fragen der Auswertung zu nähern.

  • Was haben aktuelle Symptome / Krankheiten / Krisen möglicherweise mit meiner Familie zu tun?
  • Wo gibt es im Familiensystem Ressourcen, unterstützende Beziehungen, hilfreiche Talente, die genutzt werden können?
  • Was macht mich besonders nachdenklich? Traurig? Wütend?
  • Welche Muster werden hier erkennbar?
  • Welche Lösungsansätze gibt es innerhalb meiner Familiengeschichte? Wie wurden Krisen gemeistert, mit Schicksalsschlägen umgegangen?
  • Etc.

Die genannten Fragen sind nur eine Anregung und beliebig erweiterbar. Das Genogramm bietet eine unerschöpfliche Grundlage, um sich eingehender mit der eigenen Familiengeschichte zu befassen. Vertiefend können nun die Erkenntnisse professionell angegangen werden. Zum Beispiel in einem Systemischen Coaching-Prozess, oder einer Systemischen Therapie. Das Genogramm kann auch die Basis für eine Familienaufstellung sein, da nun eine Menge Informationen schon bekannt sind.

Tipps für die praktische Durchführung

Die Erstellung eines Genogramms kann mehrere Tage oder Wochen in Anspruch nehmen. Hier ein paar praktische Tipps:

  • Notieren Sie zunächst skizzenhaft alle Informationen. Sobald Sie das Wichtigste zusammen haben, können Sie es sauber übertragen.
  • Verwenden Sie ein großes Blatt (Rolle Packpapier, Flipchartpapier, eventuell mehrere nebeneinander geklebt)
  • Wählen Sie Sie Querformat.
  • Starten Sie mit dem Klienten, dieser wird unten in der Mitte eingetragen.
  • Wenn Sie nicht einschätzen können, wieviel Platz benötigt wird, kleben Sie zunächst die einzelnen Mitglieder mit kleinen Post-Its auf.
  • Es gibt zum Erstellen eines Genogramms auch Software zum Download, viele davon kostenlos. Allerdings hat kaum jemand die Möglichkeit zu Hause, ein Chart in entsprechend aussagekräftiger Flipchart-Größe auszudrucken. Als erster Einstieg können die Programme jedoch eine gute Hilfe sein.

Weiterführende Literatur

Genogramme in der Familienberatung

Genogramme in der Familienberatung

Der Klassiker zum Einstieg, bietet einen hervorragenden Überblick und enthält ausführliche Genogramm-Symbole.

352 Seiten, Hogrefe, vorm. Verlag Hans Huber; Auflage: 4., unveränderte Auflage (21. März 2016)
ISBN 3456856695

Monica McGoldrick, Randy Gerson, Sueli Petry

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Grundlagen der Familienaufstellung

142 Seiten, Wiley-VCH; Auflage: 1. (14. April 2016)
ISBN 3527712704

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