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Gestik

Pantomime

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition Gestik
  2. Was ist der Unterschied von Gestik zu Mimik?
  3. Bedeutung von Gestik
    1. Mit Gesten manipulieren
  4. Beispiele für unterschiedliche Gesten
    1. Positive Gestik
    2. Negative Gesten
  5. Wie kann ich lernen Gestik zu deuten?
  6. Deutung von Gestik in unterschiedlichen Kulturen

Definition Gestik

Gesten gehören zu den Mitteln der nonverbaler Kommunikation. Sie sind ein sogenanntes Ausdrucksverhalten des Menschen.

Aus dem lateinischen Wort Gestus wird das heute sehr gebräuchliche Wort Gestik abgeleitet. Sie stand erstmals für die begleitende Gebärde eines Redners oder Schauspielers.

Die Erwähnung von Gesten entspring dem 15. Jahrhundert. Sie symbolisiert eine innere unterstützende Haltung der Rede oder Kommunikation. Im wörtlichen Sinne geht die Gestik auf eine Körperbezogene Form der Darstellung zurück und impliziert den vom Körper bestimmten Ausdruck. Das heißt, die Körperhaltung und die Bewegungen der Arme und Beine gestalten eine Geste. Diese kann als Symbol für sich selbst stehen (zum Beispiel ein Nicken mit dem Kopf für Zustimmung) oder als Unterstützung eines anderen Kommunikationswerkzeuges (zum Beispiel eine Person sagt zu einer anderen: „Da liegst Du aber falsch“ und hebt dazu den Zeigefinger).

Menschen verwenden ständig nonverbale Kommunikationsmittel, um sich auszudrücken. Dabei handelt es sich um unbewusste Abläufe, die angelernt sind. Das Wort Gestik schließt auch Bewegungen, die Körperhaltung sowie die sogenannte Körpersprache mit ein. Allerdings setzt sich die Gestik aus all diesen Parametern zusammen, sie erst ergeben im Zusammenspiel ein komplettes und interpretierbares Bild, welches wiederum erst eine Deutung beim Betrachter zulässt.

Was ist der Unterschied von Gestik zu Mimik?

Es ist wichtig die nonverbalen Kommunikationsmittel voneinander zu unterscheiden, um sie zu definieren. Dies ist deshalb so zentral, weil beim Betrachter ein gesamtes Bild für die unterschiedlichen, gesendeten Mittel entsteht. Dieses Bild wird vom Betrachter interpretiert und ist sozusagen die Voraussetzung, eine Nachricht überhaupt empfangen zu können.

  • Als Mimik wird definiert, was im Gesicht einer Person passiert.
    Die Mienen oder das Mienenspiel sind alt hergebrachte Synonyme für Mimik, wobei das Wort Miene heute noch stellvertretend für den Gesichtsausdruck verwendet wird. Bekannt ist der Ausdruck: “Er/Sie verzieht keine Miene“. Dies bedeutet, dass aus dem Gesichtsausdruck des Einzelnen keine Emotion abzulesen ist.

    Die Mimik ihrerseits wird vom Empfänger auch als ganzer Ausdruck wahrgenommen, obwohl sie wiederum aus vielen einzelnen, sekundenschnell ablaufenden Einzelausdrücken besteht. Also wird der Ausdruck des Gesichts, ein Lächeln oder etwa eine gerunzelte Stirn, ein nachdenklicher Ausdruck in den Augen oder herunter gezogene Mundwinkel als Mimik zusammengefasst. Forschern zur Folge gibt es über 3000 mögliche sogenannte Mikroausdrücke im menschlichen Gesicht. Die wichtigsten Rollen spielen dabei die Augen und der Mund.
  • Meist gehen allerdings Gestik und Mimik Hand in Hand.
    Es ist sehr wichtig bei der Interpretation von der Kommunikation eines Menschen das Zusammenspiel von Mimik und Gestik als ein Ganzes zu betrachten, weil meist die Mimik über die Gestik oder vice versa eine endgültige Wahrnehmung beziehungsweise die Möglichkeit einer Interpretation der gesendeten Nachricht schafft.

    Man kann beispielsweise hasserfüllt Beifall klatschen oder begeistert applaudieren. Das erste kann als sarkastische bis zynische oder boshafte Äußerung zu einem Fehler oder einer negativen Handlung eines Gegenübers gesehen werden, das andere als Bekundung von Respekt, Anerkennung, Begeisterung oder auch Bewunderung. Letztendlich über die Deutung entscheidet hier die Mimik, die Gestik bleibt dieselbe.

Auch relevant ist die Mimik als zentrales Ausdrucksverhalten in der Beziehung von Mutter und Kleinkind, sie gilt als eines der ersten fundamentalen Kommunikationsmuster mit einer Funktion des Appells ausgehend von den Säuglingen. Es kann gesagt werden, dass Mimik sowohl Kommunikation als auch Interaktion bedient.

Bedeutung von Gestik

Die Gestik hat als ein Mittel des Ausdrucks eine wesentliche Bedeutung für den Austausch von Nachrichten. Sie ist zwar nonverbal, hat aber eine ähnlich starke Bedeutung wie die verbale Kommunikation. Durch die jeweilige Körperhaltung werden Botschaften an den Empfänger gesendet.

Es ist also bedeutsam sich bewusst zu machen, dass sowohl die eigene Haltung etwas ausdrückt (eine Nachricht wird gesendet) als auch die Gesten der anderen (eine Nachricht wird empfangen) und diese in einem Zusammenhang interpretiert werden. Wenn die Gestik zum Beispiel nicht zu den Worten oder der Mimik zu passen scheint, nehmen Menschen dies als nicht authentisch wahr und können keine Stimmigkeit in der Botschaft erkennen. Meistens fügen sich Gesten allerdings unterbewusst an das durch die Sprache Kommunizierte mit an, und unterstützen auf diese Weise das Gesagte.

Mit Gesten manipulieren

Allerdings ist es ebenso von Bedeutung zu sehen, dass Gesten auch manipulieren können, genauso wie alle anderen Kommunikationsmittel auch.

Positiv formuliert ist Manipulation, wenn sie zur eigenen Sache beziehungsweise zur persönlichen Entwicklung gebraucht wird, eine Art sich selbst zu seinem Vorteil zu programmieren. Ein Beispiel hierfür ist die Methode des neurolinguistischen Programmierens (NLP). Im Beispiel von NLP geht es zentral um die Sprache, mit der man sich selbst positiv beeinflussen kann. Aber auch mit Gesten kann man beispielsweise seine Gefühlslage ändern und sein Gehirn „austricksen“. Wenn Gesten allerdings angewendet werden um andere zu „überzeugen“ etwas zu tun, werden diese zur Manipulation angewendet.

Wichtig hier bleibt, dass Gesten am echtesten wirken, wenn sie kurz vor dem sprachlichen Ausdruck auftreten. Oft entlarven sich auf diese Weise „falschen“ Gesten auch, wenn sie erst -wie gestellt- gleichzeitig zum oder nach dem Gesagten auftreten.

Beispiele für unterschiedliche Gesten

Es gibt einige als positiv und einige als negativ definierte körperliche Ausdrücke. Diese sind immer im jeweiligen kulturellen Kontext im Makrokosmos sowie im Mikrokosmos auf die Situation selbst bezogen zu betrachten. Übertriebene Gestik kann verschieden gedeutet werden. Manche übertreiben Gesten, um ironische oder auch sarkastische Konnotationen mit einzubauen. Manchmal drücken übertriebene Gesten auch eine hohe emotionale Ebene des Gegenübers aus.

Positive Gestik

Grundsätzlich werden die meisten energetischen, einen Raum schaffenden Ausdrücke positiv gedeutet. Sie übersetzen Bereitschaft, positive Energie, Optimismus oder auch Stärke. Dies gilt für die Hände wie vor allem auch für die Körperhaltung, ganz im Speziellen die Bewegungen der Schultern.

  • Das Nicken ist eine der grundsätzlichen Gesten, die viel öfter angewendet wird als angenommen. Die Einordnung in nein und ja ist eine der ersten Basisunterscheidungen im Ausdrucksverhalten des Menschen.
  • In die Hände zu klatschen ist eine positiv gewertete Geste. Sie bedeutet meist Beifall für eine zu honorierende Leistung oder ein Ereignis. Klatschen kann auch ein Zeichen für das "Loslegen" im Sinne von Aufbruch sein.
  • Beide Hände zur Faust geballt in die Luft zu heben ist ein oft in bildlichen Darstellungen verwendetes Symbol für Sieg, Gelingen oder Erfolg. Bei großem Jubel über etwas -sei es eine Eigenleistung oder ein äußeres Ereignis- springen manche Menschen vor Freude in die Luft. Das ist ein überaus deutliches Signal für Begeisterung.
  • Ein weiterer, als positiv wahrgenommener Ausdruck ist der Daumen nach oben, er signalisiert in den meisten Fällen Zustimmung oder Gefallen.
  • Die Arme weit auszubreiten gilt als Ausdruck der Freiheit, der Sehnsucht und der Liebe zur Welt. Diese Geste wirkt wie eine symbolisch dem Raum angebotene Umarmung.
  • Es gibt des weiteren von anderen Kulturen oder aus früheren Zeiten übertragene Symbole wie zum Beispiel ein angedeuteter Handkuss als Ausdruck für Verehrung oder hohen Respekt bis hin zu Anbetung.
  • Darüber hinaus werden Gesten, die aus sozialen Bewegungen oder historischen Ereignissen entstanden sind, im Alltag verwendet. Sie werden weitgehend als soziale Codes bezeichnet. Ein sehr gebräuchliches Beispiel ist das Peace Zeichen. Den Mittel- sowie den Zeigefinger zu einem V geöffnet zu halten, signalisiert nicht nur Frieden, sondern auch eine positive Stimmung und wurde in vielen sozialen Gruppen beziehungsweise sozialen Bewegungen weiter verwendet.

Negative Gesten

Es gibt natürlich auch eine Vielzahl von negativ wahrgenommenen körperlichen Ausdrücken.

  • Das Kopfschütteln muss hier natürlich wie das Nicken bei den positiven Gesten einen ersten Platz einnehmen. Kopfschütteln signalisiert zugrunde liegend erstmal Verneinung, bis hin zu Ablehnung in starker Form.
  • Als Gegenspieler des gehobenen Daumens steht der nach unten gerichtete Daumen ebenfalls für Ablehnung. Die Person, von der diese Geste ausgeht, zeigt eine Unzufriedenheit mit dem jeweiligen Kontext.
  • Die flache Hand gegen jemanden richten signalisiert Abwehr. Das wiederum impliziert irgendeine Art von Bedrohung beziehungsweise Grenzüberschreitung.
  • Wenn die Arme vor dem Körper verschränkt sind, bildet dies eine Art Barriere zum Gegenüber.
  • Geballte Fäuste bedeuten oft Anspannung bis hin zu einer offensichtlichen Bedrohung des Gegenübers. Vor allem, wenn mit den nach vorne geballten Fäusten ein Schritt nach vorn einhergeht.
  • Die Hände in die Hüfte zu stemmen, gilt als klassischer Ausdruck der Empörung oder Entrüstung.
  • Der herausgestreckte Mittelfinger ist eine unmissverständliche Geste der Beleidigung.
  • Das Zucken mit den Schultern ist ebenfalls ein negativ konnotierter Ausdruck. Er symbolisiert einerseits Gleichgültigkeit, kann je nach Kontext aber auch als Unterordnung oder zerknirschte Entschuldigung verstanden werden.
  • Sich mit dem Finger an die Stirn zu tippen symbolisiert zumindest ein großes Unverständnis bis hin zur Darstellung großer Empörung.
  • Auch ein als arrogant aufgenommenes Schnipsen mit den Fingern ist ein abwertender Ausdruck.

Wie kann ich lernen Gestik zu deuten?

In psycholinguistischen Ansätzen wir definiert:

Bewegungen oberhalb der KörpermittePositiv Wirkung
Bewegungen unterhalb der TailleNegative Wirkung
Geschlossene KörperhaltungVermittelt unsicherheit
Offene KörperhaltungSymbolisiert Selbstbewusstsein
Herunterhängende SchulternZeichen für gedrückte Stimmung
Schultern nach unten oder hinten gerichtetSelbstbewusste und offene Wirkung

Normalerweise bezieht sich die allgemeine Gestik auf die übertragende Kultur. Kinder werden mit den körperlichen Ausdrücken Ihrer Eltern, Ihres Umfeldes oder den Medien konfrontiert und erlernen diese durch das Prinzip der Nachahmung. Das Deuten von Sprache funktioniert auf die gleiche Art und Weise wie die sogenannte nonverbale Kommunikation, zu der auch die Gestik gehört.

Zunächst einmal muss verstanden werden, das die Geste allein nicht ausreicht um das, was kommuniziert wird, zu deuten. Hinzu kommt natürlich der verbale Ausdruck, aber auch paraverbale Elemente und mimische Gegebenheiten. Einzelne Gesten können natürlich im sozialen Raum oder von den verschiedenen Arten medialer Darstellung abgeschaut werden. Wichtig ist es sich grundsätzlich die Frage zu stellen, was eigentlich gemeint ist, wo der Appell des jeweiligen Ausdrucks liegt beziehungsweise, welche Art der Botschaft vom Sender ausgeht. Denn wie bei einem Gespräch ist es auch beim Gestikulieren so, dass eine Botschaft von einem Sender an einen Empfänger gerichtet wird. In der Interaktion mit anderen Menschen übernehmen diese die Kommunikationsweisen auf ganz natürliche Art und Weise und müssen nicht unbedingt bewusst lernen, die Gestik zu deuten. Es gibt allerdings bessere und weniger gute Interpretationen der jeweiligen Gesten. Wenn die Kapazität, Ausdrucksverhalten zu deuten, eingeschränkt ist, wird ein „Erlernen“ des emotionalen Ausdrucks des anderen notwendig.

Einigen Menschen fehlt die Möglichkeit die Gestik anderer zu interpretieren, aufgrund einer psychischen Erkrankung. Dazu zählen einige Formen von Autismus. Für diese speziellen Gruppen ist es wichtig, Gesten und andere Ausdrucksverhalten deuten zu lernen, um sozial funktionierende Interaktionen haben zu können.

Deutung von Gestik in unterschiedlichen Kulturen

Es gibt Gesten, die in der eigenen Kultur als positiv bewertet werden, und in anderen Kulturen als negativ, oder sogar als beleidigend interpretiert werden können.

Ein verdeutlichendes Beispiel ist der nach oben gerichtete Daumen. Diese hier unangezweifelt positive Geste ist allerdings in Afghanistan, dem Iran und einigen anderen Ländern eine starke Beleidigung und sollte auf keinen Fall verwendet werden. Beim Peace Zeichen sollte man in Großbritannien und Irland aufpassen. Wenn dieses Zeichen mit dem Handrücken nach vorne ausgeführt wird, gilt es dort als eine schlimme Form der Beleidigung. Es lohnt sich also, sich vor einer Reise gut zu informieren, ob es nicht spezielle körperliche Ausdrücke im Zielland gibt, die besser nicht verwendet werden. Je mehr sich der kulturelle Kontext vom eigenen Bezugsrahmen unterscheidet, desto höher ist die Chance, dass andere Gesten im Alltag gebraucht werden als zu Hause.


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