Trennungsschmerz

Warum tut es nur so unendlich weh? Die wunderschönen Momente, die zusammen geteilt wurden, waren viel zu wenige gewesen. Es hat doch alles gepasst, man hatte kaum Meinungsverschiedenheiten und wunderschöne Momente miteinander erlebt! Es ist so unbegreiflich, es ist unfassbar – alles eine Lüge? Der Mensch, mit dem man alles geteilt hat und mit dem man auch schwierige Moment im Leben gemeistert hat ist auf einmal nicht mehr da! Er hat sich dazu entschlossen, andere Wege zu gehen.

Trennungsschmerz
Trennungsschmerz (Unsplash: © MMPR)

Trennungen gehören zu den prägendsten Einschnitten im Leben eines Menschen. Man hatte sich dazu entschlossen, einen Menschen an sich und seiner persönlichen Geschichte teilhaben zu lassen, man hatte sich dazu entschlossen seine Wünsche, Ängste und seine Lebensgeschichte jemandem mitzuteilen und den Partner in allen Lebenslagen zu unterstützen.

Fällt diese Bezugsperson weg, so entsteht im ersten Moment eine unfassbare Leere, die einen Schmerz verursacht, der mit einem physischen Schmerz zu vergleichen ist. Laut wissenschaftlichen Studien werden die gleichen Zentren im Hirn aktiv, die auch aktiv sind, wenn Menschen physischen Schmerz empfinden.

Trennungsschmerzen können leider nicht vermieden werden, aber es gibt dennoch verschiedene Möglichkeiten, die Dauer zu verringern und die Intensität abzumildern.

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Dauer
  3. Phasen
    1. Nicht-Wahrhaben-Wollen
    2. Emotionale Ausbrüche
    3. Akzeptieren
    4. Neue Ausrichtung zu sich und zur Umwelt
  4. Auswirkungen
  5. Wie Trennungsschmerzen überwinden?
  6. Unterschied zwischen Mann und Frau


Definition Trennungsschmerzen

Als Trennungsschmerzen können die Auswirkungen auf den Körper und das Seelenleben nach einer Trennung bezeichnet werden. Trennungsschmerzen haben sowohl psychische Herausforderungen als auch physische Leiden zur Folge. Die Symptome nach einer Trennung werden von jedem Menschen sehr individuell verarbeitet und erlebt. Aus diesem Grund sind ein Zeitraum und die Intensität sehr schwierig zu definieren. Jedoch gibt es auch Möglichkeiten, durch entsprechende Methoden und Unterstützung die Intensität zu minimieren und den Zeitraum zu verkürzen.

Wie lange können Trennungsschmerzen dauern?

Trennungsschmerzen sind an keinen speziellen Zeitraum gebunden und dauern bei jedem Menschen unterschiedlich lange an. Sie reichen von einer kurzen Episode, bis hin zu einem langen Zeitraum, in dem der Betroffene mit schweren körperlichen oder psychischen Auswirkungen zu kämpfen hat. Eine Trennung kann auch schwerwiegende psychische Herausforderungen in einem Menschen, wie Stalking, suizidale Tendenzen oder Gedanken in Bezug auf die körperliche oder soziale Schädigung des Ex-Partners, auslösen. Treten durch eine Trennung psychische Störungen auf, so sollte das Umfeld sofort reagieren und den Betroffenen dazu anleiten, sich professionell unterstützen zu lassen.

Die Phasen von Trennungsschmerzen


  1. Nicht-Wahrhaben-Wollen
  2. Emotionale Ausbrüche
  3. Akzeptieren
  4. Neue Ausrichtung zu sich und zur Umwelt

Nicht-Wahrhaben-Wollen

Trennungen können aus dem Nichts oder sehr überraschend kommen. Es fühlt sich an, wie ein Schlag, den man über den Kopf gezogen bekommt. Man kann und will es im ersten Moment einfach nicht glauben, dass man sich mit dem Unvermeidlichen auf einmal im Leben konfrontiert sieht. Man hatte oft davon gehört, aber dass dies einem selbst einmal passiert, konnte man sich nie vorstellen.

Mit der Trennung werden viele Gefühle ausgelöst: Gefühle des Verletzt-Seins, Gefühle der Erniedrigung, Gefühle des Nicht-Genügens. Diese Gefühle sind direkt mit der Empfindung des Egos gekoppelt und stürzen einen in eine tiefe Krise des inneren Selbst. Unmittelbar nach der Trennung verliert man den Glauben an sich und das Ego fällt in sich zusammen. Diese Gefühle sind mit großen psychischen Schmerzen verbunden, deswegen findet in der ersten Phase einer Trennung sehr oft Verdrängung statt. Dadurch wird die Realität relativiert und die Trauer abgeschwächt.

Schmerz
Schmerz (Unsplash: © Raj Eiamworakul)

Man redet sich ein, dass der Partner sich möglicherweise in einer Sinnkrise oder Midlife Crisis befindet, dass ihn eine andere Frau/ein anderer Mann dazu überredet hätte, sich zu trennen, der Partner aber sicherlich bald zurück kommt und sicherlich merkt der Partner sehr schnell, dass er das größte Glück aufs Spiel gesetzt hat und er wird sich bald reumütig vor der Wohnungstür rumdrücken und darum bitten, da anknüpfen zu können, wo man aufgehört hat. Man wartet vor dem Handy oder dem PC auf Signale des Ex-Partners – gleich müsste es doch piepsen oder der Posteingang eine neue Mail verzeichnen.

In dieser Phase ist es nicht selten, dass man immer noch Kontakt zum Ex-Partner sucht. Man möchte ihm alle Türen offenhalten und ihm damit signalisieren, dass er jederzeit seine Entscheidung rückgängig machen kann. In dieser Phase neigen die Menschen dazu, jede Gefühlsäußerung und Aussagen des Ex-Partners als Anzeichen zu werten, dass ein Neuanfang nicht auszuschließen ist.

Emotionale Ausbrüche

In dieser Phase wird realisiert, dass die Trennung nun endgültig ist und es keine Chance für einen Neuanfang gibt. Wut und Trauer überkommen einen, die sich auch in Heul- und Wutausbrüchen entladen können. Oftmals werden die Trauer und Wut auf den Ex-Partner projiziert und er wird von dem Sockel gestoßen, auf dem er zuvor noch gestanden hatte. Alle negativen Eigenschaften treten in den Vordergrund und man ärgert sich, dass man mit so einem Menschen überhaupt zusammen sein konnte, ohne gemerkt zu haben, welchen Charakter dieser wirklich hat.

Diese Phase kann einige Wochen andauern, variiert aber in der Intensität und Dauer je nach individuellen psychischen Voraussetzungen, Länge der Beziehung und Umfeld des Trauernden. Charakteristisch für die Zeit der Wut ist auch der Neid auf Paare und Glück im persönlichen Umfeld. So kann es sein, dass beneidet wird, wenn die beste Freundin heiratet und die Arbeitskollegin einen Antrag bekommen hat. Alle haben Glück, nur man selbst scheint es nicht hinzubekommen, einen Mann mehr als ein paar Jahre halten zu können. Man fühlt sich als Versager!

Die Wochen nach einer Trennung können herausfordernd sein, das Gefühl der Verlassenheit und Sinnlosigkeit kann einen den ganzen Tag lang begleiten, und auch dann, wenn man es gar nicht gebrauchen kann: in der Nacht!

Akzeptieren

Hat man die Phase der Wut durchlebt, so kommt eine Phase, in der man etwas aufatmen kann: Die Phase des Akzeptierens. Diese Phase ist geprägt von der Realisierung, dass man den Zustand des Verlassen-Seins nun einmal nicht ändern kann und dass das Leben weiter geht, nur unter anderen Voraussetzungen. Diese Phase, welche noch mit Phasen des Trauerns durchzogen sein kann, wirkt ernüchternd aber auch befreiend.

In diesen Zeiten sucht man nicht selten nach der Sinnhaftigkeit der Trennung. Der realitätsnahe Blick und die Analyse auf die vergangene Beziehung führen dazu, dass oft erkannt wird, dass sich die Trennung entweder schon längst abgezeichnet hat oder dass diese unumgänglich war. Das Bewusstsein entwickelt sich, dass es im Leben Wege, aber auch Kreuzungen gibt, wo man abbiegen sollte.

In der Phase der Akzeptanz findet nicht selten eine normale oder freundschaftliche Annäherung ohne Hassgefühle zum Ex-Partner statt. Insbesondere wenn man zusammen Kinder hat, ist es natürlich unmöglich, den Ex-Partner vollkommen zu ignorieren oder aus dem Leben zu streichen.

Neue Ausrichtung zu sich und zur Umwelt

Die Phase nach der Phase der Akzeptanz, ist die Phase in der eine Neuausrichtung zu sich und zu seiner Umwelt stattfindet. Diese Phase ist sehr wichtig und kann als große Chance angesehen werden, sich neu zu definieren und um für sich selbst neue Ziele festzulegen. Dies kann bedeuten, dass man entweder in der Freizeit eine neue Sportart beginnt oder einen Zeichenkurs belegt, eben das, was einen schon immer gereizt hatte, man aber nicht machen konnte, weil der Partner andere Interessen verfolgte.

Neubeginn
Neubeginn (Unsplash: © Rowan Heuvel)

Außerdem können in dieser Phase weitreichende Entscheidungen getroffen werden: der Ortswechsel bedingt durch den Beruf, die Weiterbildung, die einen schon immer gereizt hatte oder die Reise in ein fernes Land. Wichtig ist es, in diesen Phasen genau zu analysieren, ob sich die Neuausrichtung mit den aktuellen Lebensumständen vereinbaren lässt und ob es sich wirklich um innerste Bedürfnisse handelt.

Diese Phase ist eine Phase der Entstehung und Neuausrichtung und kann durchaus als eine der kreativsten und bedeutungsvollsten Phasen im Laufe eines Lebens empfunden werden.

Welche Auswirkungen können Trennungsschmerzen haben?

Liebeskummer ist nicht zu unterschätzen: in direktem Zusammenhang mit Liebeskummer und Trennungsschmerzen kann das Broken-Heart-Syndrom (Stress-Kardiomyopathie) stehen.

Broken-Heart-Syndrom

Dabei handelt es sich um eine plötzlich einsetzende und schwerwiegende Funktionsstörung des Herzmuskels. Diese tritt zwar vorwiegend bei älteren Frauen und Männern auf, jedoch sind die physischen Auswirkungen auf den Organismus auch bei jüngeren Frauen und Männern nicht zu vernachlässigen.

Die körperlichen Symptome gleichen denen eines Herzinfarktes. Der Ausspruch „Du hast mein Herz gebrochen“ ist entstanden, da meist unmittelbar nach einer außerordentlichen emotionalen Belastung Störungen der Herzfunktion auftreten können. Diese reguliert sich dennoch bei den meisten Menschen nach einigen Wochen auf ein Normalmaß.

Darüber hinaus stehen viele psychosomatische Beschwerden, die sich in körperlichen Symptomen wie Übelkeit, Herz-Rhythmus-Störungen, Verlust des Appetits, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, etc., ausdrücken, in Zusammenhang mit einer Trennung.

In der Tat ähneln die neuronalen Aktivitäten im Gehirn bei Zurückweisung in Beziehungen oder bei nicht erwiderten Gefühlen denen von körperlichen Schmerzen, wie sie bei Verletzungen auftreten (Studie geleitet von Frau Naomi Eisenberger, Associate Professor Ph. D., UCLA, Department of Psychology).

Die Betroffenen leiden still in ihren vier Wänden. Es wird nicht als Krankheit anerkannt, es kann nicht offen damit umgegangen werden, da es immer noch als eine Art Schwäche angesehen wird. In einer Gesellschaft geprägt von Erfolgs-Exhibitionismus dank Facebook, Instagram und so weiter, findet man selten Berichte über Menschen, die im Moment eine schwere Krise durchleben müssen.

Wie Trennungsschmerzen überwinden?

In Bezug auf die psychosomatischen Symptome, die eine Trennung zur Folge haben kann, ist es in der Phase einer Trennung von hoher Wichtigkeit, sorgsam mit sich umzugehen. Den Schmerz kann niemand nehmen, dennoch gibt es einige Strategien, durch die die Länge und die Intensität der Schmerzen verringert werden kann.

Um die Trennungsschmerzen besser verarbeiten und loslassen zu können, gibt es einige Tipps.

  • So ist es in der ersten Phase der Trennung zum Beispiel eine große Unterstützung, sich Freunden und Familienmitgliedern anzuvertrauen und sich den Frust und die große Enttäuschung von der Seele zu reden.
  • Darüber hinaus kann es hier von großer Bedeutung sein, sich professionell anleiten zu lassen, wie man am besten mit dem Schmerz umgehen kann und wie es möglich ist, diese Phase auch als Chance anzusehen. Hier gibt es viele Möglichkeiten in der Psychotherapie und im NLP-Coaching.
  • Wichtig ist es, sich bewusst zu machen, dass man diese Phase nicht allein durchstehen muss. Durch Menschen im Umfeld und Kontaktsuche kann man sich Unterstützung holen.
  • Außerdem sollte man eine Trennung nicht mit persönlichem Scheitern gleichsetzen, Trennungen gehören zum Leben und am Ende geht man gestärkt aus diesen Phasen.
  • Während einer Trennung entsteht ein großes Gefühlschaos, in dem viele verschiedene Gefühle Platz haben. Es kann helfen, sich in diesem emotionalen Chaos Luft zu verschaffen, indem man sich ein Tagebuch anlegt und sich die Gefühle von der Seele schreibt.

In einer akuten Phase der Trennung ist es möglich dadurch den Zeitraum des Leidens zu verkürzen.

Trennungsschmerzen – gibt es einen Unterschied zwischen Mann und Frau?

Fakt ist, dass bei einer Trennung sowohl die Frau als auch der Mann leiden, jedoch haben Frauen mit mehr körperlichen Symptomen zu kämpfen, als der Mann. Der Mann hingegen, reagiert überwiegend mit Wut auf die Trennung.

Nach einer Trennung oder Scheidung brauchen Frauen im Normalfall länger, die vergangene Beziehung zu verarbeiten und sich auf einen neuen Mann einzulassen. Männer können sich schneller auf eine neue Beziehung konzentrieren und das Alte abschließen. Auch fällt es den meisten Männern nicht leicht allein zu sein. Für sie ist es gesellschaftlich und persönlich wichtig, eine Frau an der Seite zu haben. Es ist nicht einfach für Männer, an einer geschäftlichen Veranstaltung allein teilnehmen zu müssen oder sich um alles alleine kümmern zu müssen.

Mann und Frau
Mann und Frau (Unsplash: © Andrii Podilnyk)

Dies löst in den Frauen meist Unverständnis aus, jedoch hat dies auch einen sehr großen Vorteil für die Frauen: durch die Phase der Trauer und der damit verbundenen Analyse der letzten Beziehung, fällt es ihnen danach leichter, eine glückliche Beziehung zu führen, da sie ihre Fehler, die sie in der Beziehung gemacht haben, identifizieren und sich ebenso bewusst machen, welche Verhaltensformen sie ganz sicher nicht mehr in einer Beziehung haben möchten. Dadurch kann das nächste Level einer Beziehung erreicht werden.

Männer neigen eher zur Verdrängung, sie verarbeiten die Trennungsschmerzen nicht, sondern neigen dazu, sich abzulenken und gleich etwas Neues zu starten. Der frische Blick auf eine neue Beziehung bleibt ihnen somit verwehrt. Selbstreflexion fehlt und die die neue Partnerin sieht sich mit den gleichen Fehlern konfrontiert, die zum Ende der letzten Partnerschaft geführt haben. Dadurch dass Männer häufig das Ende einer Beziehung nie richtig verarbeiten, kann der Prozess der Trauer trotz neuer Partnerin andauern.


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