Missverständnisse beim Flirten

Mann und Frau sehen sich an
Missverständnisse beim Flirten (Istockphoto: © SIphotography)

In den letzten Monaten habe ich wiederholt die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen einem Flirtseminar kritisch gegenüber stehen. Oft liegt das an diversen Missverständnissen zum Thema Flirten. Diesen wollen wir in diesem Artikel etwas näher beleuchten.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die erste Reaktion vieler Leute, die von Flirtseminaren hören, diese eher belächeln, als eine Teilnahme für sich selber in Betracht zu ziehen. Viele von denen, die solche Reaktionen zeigen, sind aber durchaus nicht glücklich in einer festen Beziehung, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern schon länger Singles. Aber sie sind dies auch nicht aus Überzeugung und würden Ihr Single-Dasein nur zu gerne beenden und mit einem tollen Partner zusammen sein.

Trotz klar erkennbarem Ziel (Beendigung des Alleine-Seins), scheuen sich aber dennoch die Meisten davor ein Seminar zum Flirten zu besuchen. Da stellt sich natürlich die Frage, woran das liegen mag. Glauben sie vielleicht nicht daran, dass es Ihnen wirklich dabei helfen könnte, neue Kontakte zu knüpfen und eventuell sogar den/ die Richtige zu finden? Wollen sie sich nicht die Blöße geben und eingestehen, dass sie ein Seminar für derartige soziale Grundfähigkeiten benötigen? Oder welche Gründe könnte es sonst für diese Einstellung geben?


Erstes Missverständnis: Flirten ist ein Naturphänomen, etwas das passiert, nicht etwas, was ich erlernen kann.

Man findet oft die Vorstellung, dass sich Gelegenheiten zum Flirten halt so ergeben, dass ein Flirt einen, ähnlich wie Verliebtheit, eher trifft, als dass man ihn üben müsste. Diese Einstellung bewirkt, dass man passiv abwartet… und wartet… und wartet… und dem Schicksal die Schuld gibt, wenn einem kein Flirt zugeflogen kommt.

In Wirklichkeit ist es aber so, dass allem, was wir so automatisch und gut können, eine lange Lerngeschichte zugrunde liegt. Das gilt auch im Bereich der sozialen Kontakte. In Begegnungen kann man seine Fähigkeiten im Umgang mit anderen erkennen, schulen und verfeinern. Man lernt die Wirkung anderer auf sich zu bemerken und die eigene Wirkung auf andere besser einzuschätzen. Dieses Lernen muss nicht unbedingt bewusst ablaufen. Man schult hier vielmehr seine Intuition gegenüber anderen Menschen oft ohne es wirklich zu merken.

Wenn man den Nutzen von Flirten auf ganz rationale Weise formuliert, würde man sagen, dass man lernt ökonomischer zu werden im Umgang mit Menschen. Was heißt das nun genau? Ich schule meine Intuition, die mir im Idealfall sagt, mit wem ich am ehesten flirten beziehungsweise in Kontakt treten und bleiben kann. Das erspart mir viele Umwege und Sackgassen.


Zweites Missverständnis : Flirttipps werden als Tricks angesehen

Spricht man von Tricks, denkt man an Austricksen und noch negativer an Täuschen. Viele haben Angst, sie könnten durch Tricks, die in vielen Ratgebern angebotenen werden, beim Flirten als unnatürlich, als die buchstäbliche falsche Schlange dastehen. Sie wollen die eigene Spontaneität nicht derart verbiegen und sich treu und ehrlich bleiben. Tricks braucht nur jemand, bei dem schon alle Stricke gerissen sind: Ein hoffnungsloser Fall, der als er selbst keine Chance hat und sich deswegen verstellen muss, um Erfolg zu haben. Und wer gibt so etwas von sich schon gerne zu?

Aber es ist nicht so, dass die Tricks, die man im Flirtseminar bekommt, einen zu einem anderen Menschen machen wollen. Durch Authentizität und Natürlichkeit kommt man auch hier viel weiter. Die Tipps beziehen sich meist eher auf die Umstände nicht darauf, wie man sich zu ändern hätte. Jeder bringt alles mit, was man zum Flirten braucht. Es gilt die Möglichkeiten, die man hat, zu entdecken und zu lernen, sein „unverbogenes“ Selbst ideal in soziale Kontakte einzubringen.


Drittes Missverständnis: Ein Flirt impliziert immer sexuelles Interesse oder zielt auf feste Liebes- bzw. Partnerschaften hin.

Vielleicht muss man, um das zu verstehen ganz am Anfang anfangen: Bei der Bedeutung des Wortes: Flirt. Was heißt flirten eigentlich? Websters Dictionary definiert „to flirt“ als: „To act amorously without serious intentions“. Auf Deutsch lautet die wikipedia- Definition: „Unter Flirt ist die erotisch motivierte Annäherung zwischen zwei - seltener auch mehreren - Personen durch ein charmantes unverbindliches Liebesgeplänkel zu verstehen.“

Im Englischen Wort „amorous“, das „sinnlich“ aber auch „erotisch“ heißen kann, und dem „erotisch“ in der Deutschen Version, liegt vielleicht ein Teil der Problematik. Oft wird Flirten mit Aufreißen und vorhandenem sexuellem Interesse gleich gesetzt. Ich will die Rolle der erotischen Seite des Flirts hier gar nicht leugnen, aber es ist durchaus nicht so, dass sie zwangsläufig immer zum Tragen kommt. Es gibt Flirten ohne sexuelles Interesse und sexuelles Interesse ohne Flirten, deshalb sollte man diese beiden Phänomene nicht unweigerlich in einen Topf werfen.

Aber was ist eigentlich das Problem, wenn man Flirten mit dieser Form der sexuellen oder auch romantischen Liebesbeziehung in Verbindung bringt?

Das Problem entsteht durch die sehr hohen Erwartungen, die man an andere und an sich selber hat, wenn es um derartige Dinge geht. Ein Beispiel: Man fragt jemanden in einer fremden Stadt um den Weg. Ist man dabei aufgeregt? Hat man irgendwelche Hemmungen, dies zu tun? Wohl eher nicht (wenn man nicht zu den typischen Männern gehört, die ja bekanntlich immer ein Problem damit haben, nach dem Weg zu fragen *g). Warum ist es demgegenüber so schwer einen interessanten Menschen anzusprechen, den man gerne kennen lernen möchte? Das liegt an den hohen Erwartungen und an der Angst, dass diese nicht erfüllt werden. Geht man ohne große Erwartungen an eine Sache heran, ganz nach dem Motto: mal schauen, was die Situation so bringt, baut sich diese Angst gar nicht erst auf. Wenn Sie über den Moment des Flirtens hinaus nichts weiter anstreben als nur diesen Moment, gibt es keinen Grund für Ängste.

Das ist Flirten: Ein Spiel mit Nähe und Distanz, das nicht von Anfang an, sondern erst mit der Zeit Erwartungen mit sich bringen kann aber nicht unbedingt muss. Auch wenn man in ein Auto steigt, ist dadurch noch nicht klar ersichtlich, wohin die Reise geht. Der Beifahrer erkennt die Zielabsicht des Fahrers durch die Wege, die er einschlägt.

Und dann gibt es da ja auch noch die Unentschlossenen, die nicht so recht wissen, ob sie überhaupt eine Beziehung wollen, oder eigentlich doch als Single recht glücklich sind. Diese schrecken logischerweise dann auch oft eher vor einem Flirt zurück, wenn sie erwarten, dass dieser unweigerlich zu einer Partnerschaft führen muss. Da sie ja vielleicht doch lieber alleine bleiben möchten, lassen sie das mit dem riskanten Flirten, das ihre Freiheitsliebe bedroht, lieber einmal bleiben.

Was bedeutet das alles nun für das Flirten an sich? Im Flirten steckt ein viel zu großes Potential, um es nur auf erotische Begegnungen zu beschränken. Man kann in allen möglichen Beziehungstypen flirten und je öfter man dies tut, desto geschickter wird man sich dabei anstellen. Erotische Liebesbeziehungen umfassen drei große Grundbedürfnisse des Menschen: Wunsch nach Nähe, nach Sexualität und nach sozialer Bedeutung und Macht.

Oft werden Flirts auf alle diese drei Ziele ausgerichtet. Haben sie diese erreicht hört auch das Flirten auf, da es ja nur zur Zielerreichung diente. Manche fürchten sonst auch den Argwohn des Partners, dass man ganz nach dem Motto:„sicherstellen und weitersuchen“ vorgehen könnte. Das muss aber nicht so sein.

Oft wird hierbei vergessen, dass Flirten eben auch ganz andere Ziele verfolgen kann. Aus einem netten Flirt, kann auch eine angenehmes nachbarschaftliches Verhältnis, eine kollegiale Beziehung, eine Freundschaft oder eine Rivalität werden oder auch nicht mehr als ein kleines nettes Erlebnis, das die Stimmung positiv beeinflusst hat. Diese anderen Ziele, werden aber meistens eher übersehen.

Was hilft mir dann das Single Seminar für den Umgang mit Menschen allgemein? Die sozialen Kompetenzen, die beim Flirten geschult werden, sind dieselben, die bei jeder sozialer Interaktion von Nutzen sind. Es geht darum Aufmerksamkeit zu schenken, Sympathie zu wecken, einen netten, respektvollen Umgang miteinander zu pflegen usw.

Worauf will ich hinaus? Flirten soll hier eben weniger als ein Trick verstanden werden, um Leute aufzureißen oder rumzukriegen. Es stellt vielmehr eine Lebenshaltung anderen Menschen und vor allem auch sich selbst gegenüber dar. Es muss also nicht die feste Beziehung oder die schnelle Nummer daraus resultieren. Flirten kann auch einfach eine Kontaktaufnahme sein oder es kann vorhandene Beziehung bereichern, ohne sexuelle Hintergedanken zu implizieren.

Flirten bringt so viele positive Erfahrungen mit sich. Es hebt die Stimmung, das Selbstbewusstsein, vermindert seelisches Leid und macht dadurch therapeutische Interventionen unnötig. Dadurch fühlt man sich belastbarer und wohler in seiner Haut und wirkt viel ausgeglichener auf sein Umfeld. Kurzum durch Flirten wird die persönliche und soziale Lebensqualität gefördert.

Nachdem jetzt gängige Missverständnisse aufgeführt und erörtert wurden, ist hoffentlich klar geworden, dass es nicht als peinlich gelten oder belächelt werden sollte, wenn ein Mensch sich entschließt diese Fähigkeit zu Flirten durch den Besuch eines Seminars auszubauen.

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