Paul Rebillot - Die Reise eines Helden

Am 19. Mai 1931 erblickte Eugene Paul Rebillot in Detroit als dritter von vier Söhnen von Conrad und Rose Rebillot zum ersten Mal das Licht der Welt.

Nachdem er sein Studium mit dem Bachelor of Philosophy in den Fächern Philosophie und Erziehungswissenschaft an der Universität in Detroit abgeschlossen hatte, setzte er es an der Universität von Michigan fort und machte dort seinen Master in Communication Arts mit dem Schwerpunkt auf Drama. Bereits zu dieser Zeit arbeitete er in verschiedenen Theatern als Autor, Schauspieler und Produzent. Im Zuge seines Militärdienstes wurde Rebillot nach Japan versetzt und machte dort erste Bekanntschaft mit Kabuki, dem traditionellen japanischen Theater, und dem No-Theater, welches von Männern getanzt und von Musik begleitet wird. Diese beiden Formen der darstellenden Kunst hatten auch Einfluss auf seine spätere Arbeit.

Im Anschluss an seine Zeit bei der Armee eröffnete Paul eine experimentelle Theaterabteilung am San Francisco State College. Hier produzierte er verschiedene Stücke wie der Bakchen und die Tochter des Jairus. Zudem machte er in einem Nachtclub mit dem japanischen Mimen Mumako Bekanntschaft, der ihn mit rituellen Gesten und meditativen Körperpositionen vertraut machte. Vor allem die eben genannten Gesten dienen als ein Hauptelement in seiner Heldenreise, sowie in anderen Arbeiten.

In den folgenden Jahren dozierte er an der Stanford University und rief 1968 eine Theatergruppe mit dem Namen "The Gestalt Fool Theatre Family" ins Leben, welche mit Theater, Therapie und Ritualen experimentierte. Zur selben Zeit fiel er in eine Existenzkrise, da ihn die Frage nach der Bedeutung und den Sinn seines Lebens quälte. Als Konsequenz beendete er seine Arbeit beim Theater und zog sich zurück, um mit Hilfe von Meditation eine Antwort zu finden. Er begab sich auf eine intensive Reise durch seine Psyche und durchlebte tiefgreifende und außergewöhnliche Bewusstseinszustände. Dadurch erlangte Rebillot ein völlig neues Verständnis von sich selbst und ihm wurde klar, welches Potential die Theaterarbeit durch ihre heilende, rituelle, magische und spirituelle Kraft hat.

1971 entschied er sich an das Esalen Institut nach Big Sur in Kalifornien zu gehen, um die psychologischen Phänomene zu erforschen, welche ihn so verändert hatten. Dort interessierte er sich vor allem für die Arbeit von Dick Price, einem Stammvater der Gestalttherapie, und wurde enger Schüler von ihm. Zudem machte Rebillot auch Bekanntschaft mit Joseph Campbell, der allgemein als einer der größten Mythologen der Welt betrachtet wird. Campbell wies nach, dass alle Mythen und Geschichten unabhängig von Region nach demselben Schema ablaufen. Diese Arbeiten Campbells machte sich Rebillot zunutze und sie lieferten ihm die Grundlage für seine Heldenreise. Neben Campbell hatten auch noch andere Personen in Esalen Einfluss auf Rebillot. So machten Stanislav Grof, Virginia Satir, Moreno und viele Weitere ihn mit verschiedenen Ansätzen der humanistischen Psychologie und Therapie vertraut.

Rebillot begann seine bisherigen Erfahrungen miteinander zu verbinden und entwickelte nun aus seiner Theaterarbeit, den persönlichen Erfahrungen mit außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen, der Gestalttherapie, humanistischen Therapiemethoden und der Arbeit Campbells eine Form von therapeutischen Ritual, das er Heldenreise nannte. Mit diesem Ansatz leitete er bald darauf Workshops in Esalen. Da er mit seiner Heldenreise so großen Erfolg hatte, blieb er nicht nur in Amerika, sondern leitete ab 1974 auch Workshops in Europa. Beispielsweise im Boysen Institut in Frankreich, dem späteren Jakob Stattmann Institut in den Niederlanden und dem Amethyste Institut in Irland, um nur einige zu nennen. Im Jahr 1988 konnte er sogar seine School of Gestalt and Experiental Teaching in der Schweiz eröffnen. Ziel dieser Schule ist es in einer dreijährigen Weiterbildung Gestalttheorie und Gestalttherapie mit Theater, Ritual, Mythos und Gruppenprozessen zu verbinden. Im selben Jahr starb sein Lebensgefährte Stanford Cates. Dies war eine Erschütterung im Leben Rebillots, hielt ihn aber nicht davon ab seine Arbeit weiterzuführen.

Im Jahr 1995 etablierte sich ein Trainingsprogramm mit dem Titel "übergangsriten" in Deutschland. Im selben Jahr fasste Rebillot seine Methoden in einem Buch zusammen, das er wie seine Arbeit "die Heldenreise" nannte. Zwei Jahre später erschien es in der deutschsprachigen übersetzung beim Kösel Verlag, 2008 erneut bei Eagle Verlag in Wasserburg am Inn.

Neben diesem Werk, entwickelte Rebillot Methoden wie den "Fool’s Dance" und den "Transformation Dance". Dadurch soll auf spielerische Weise tiefgreifende Veränderungen ermöglicht werden. Stets war es sein Ziel moderne Formen der Bewusstseinsentwicklung mit uralten Wegen und Wissen über menschliche und spirituelle Entwicklung zu verbinden.

Am 11. Februar 2010 erlag Paul Rebillot nach achtmonatigem Kampf den Folgen einer schweren Lungenentzündung. Er starb in seinem Haus in San Francisco im Kreise seiner Freunde.

Heldenreise Paul Rebillot

Inhalt

Die Heldenreise ist ein Buch für Trainer, die in einem Workshop oder Seminar eine solche Reise durchführen wollen. Rebillot beschriebt darin die verschiedenen Phasen einer Heldenreise, die man auf der Suche durchlebt. Angefangen vom Ruf, den man hört, bis zur Belohnung und Rückkehr wird durch die Reise hindurchgeführt. Das Buch dient quasi als Anleitung auf dieser Reise. Daneben befinden sich auch ein Workshopplan, sowie Ram-Meditationen darin.