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Das Sender-Empfänger-Modell

Was ist das Sender-Empfänger-Modell: Eine Definition

Sender-Empfänger
Sender-Empfänger (Pixabay: © OpenClipart-Vectors)

Immer wenn es einen Austausch von Informationen, Nachrichten oder Botschaften gibt, greift ein grundlegendes zunächst auf der Mathematik basierendes Prinzip der Kommunikation. Das Sender-Empfänger-Modell beschreibt den Weg einer Information vom einem Sender zu einem Empfänger über ein leitendes Element – im Falle verbaler Kommunikation die Sprache, im Falle nonverbaler Kommunikation para-verbale Elemente wie Gestik, Mimik, Tonlage etc. Sehr oft fallen verbale und nonverbale Kommunikation in einem Sprechakt zusammen. Das Sender-Empfänger-Modell verdeutlicht ein wesentliches Prinzip bei der Interaktion zwischen Menschen: Kommunikation gelingt nicht automatisch in dem Sinne, dass nach dem Abschluss des kommunikativen Prozesses Sender und Empfänger dieselbe Information über den Inhalt der Kommunikation haben. Vielmehr bedarf es meist einer bewussten Metakommunikation, um alle Einfluss nehmenden Ebenen zu erfassen und nicht Teile des Inhalts zu verlieren oder gar falsch zu deuten. Gegenseitiges Verständnis ist ein sehr wichtiges Merkmal von gelungener Kommunikation, und die Lesart des Gesagten trägt nicht nur zum besseren Begreifen und Wahrnehmen des Gegenübers bei, sie kann auch für den positiven oder negativen Ausgang eines Gespräches relevant sein.

Wege und Inhalte von Kommunikation können von verschiedensten Disziplinen beleuchtet werden: Mathematik, Logik, Philosophie, Soziologie, Ingenieurswissenschaften, um nur einige zu nennen. Zentral ergibt sich natürlich auch eine große Relevanz für die Bereiche der Psychologie und jener Fachrichtungen mit Schwerpunkten auf sozialer Interaktion und damit auch für die beratenden Berufe. Da Kommunikation und gegenseitiges Verstehen im Arbeitsfeld des Coaching ein grundlegendes Fundament darstellt, gilt es als notwendig für eine gelungene Kommunikation, sich mit Modellen wie dem Sender und Empfänger Modell auseinander zu setzen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Ursprung des Sender-Empfänger-Modells
  2. Theoretische Auseinandersetzung mit dem Sender-Empfänger-Modell
  3. Beispielsätze für Codierungen im Sender-Empfänger-Modell
  4. Das Sender-Empfänger-Modell beim Coaching
  5. Gelungene Kommunikation ist Königsklasse

Ursprung des Sender-Empfänger-Modells

Bereits in den 1940er Jahren entstand das Modell des Sendens und Empfangens von Nachrichten. Ursprünglich wurde es auch unter dem Namen der Begründer, Shannon-Weaver, bekannt, und gilt als „das“ klassische Kommunikationsmodell. Die beiden amerikanischen Mathematiker Claude Shannon und Warren Weaver entwickelten dieses Modell ursprünglich zur Verbesserung und Optimierung der Funktion des Telefons. So sollten unter anderem Nachrichten schneller und zielorientierter ohne Störungen übertragen werden.

Grundsätzlich handelt es sich also beim Sender-Empfänger-Modell um ein mathematisches System zum Austausch von Informationen und Nachrichten zwischen einem Sender und einem Empfänger.

Theoretische Auseinandersetzung mit dem Sender-Empfänger-Modell

Es gibt logischerweise eine Vielzahl relevanter wissenschaftlicher Erläuterungen beziehungsweise wissenschaftliche Auseinandersetzungen zu diesem Thema. Um das Modell in seiner Komplexität darstellen zu können werden die Arbeiten mit dem Sender-Empfänger-Modell von Stuart Hall und Paul Watzlawick skizziert.

Der Kommunikationswissenschaftler Watzlawick, berühmt durch sein Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“, begründete die Formel für das Sender-Empfänger-Modell im Bereich der zwischenmenschlichen Interaktion:

„Gedacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht gewollt, gewollt ist nicht gekonnt, gekonnt und gewollt ist nicht getan und getan ist nicht beibehalten.“

Er griff das rein mathematische Shannon-Weaver-Modell auf und band es in die Theorie der Kommunikation zwischen Menschen ein. Watzlawick zur Folge verschickt der Sender eine Nachricht, die aus seinen Informationen, seinen Absichten und seinem Verhalten besteht, an den Empfänger, der diese Nachricht erst entschlüsseln muss, um sie so zu lesen, dass er die Nachricht auf den Sender bezogen richtig kontextualisieren kann. Diese Entschlüsselung oder auch Decodierung ist also für die richtige Interpretation und Einordnung einer Nachricht oder Information wesentlich. Im einfachen Sender-Empfänger-Modell gibt es nach dem Versenden der Information und der Entschlüsselung dieser eine Rückmeldung durch den Empfänger. Interaktion und Kommunikation entstehen also aus wechselseitigem Austausch zwischen Sender und Empfänger. Hinter dem Senden einer Nachricht liegt immer eine Intention. Diese bestimmt das Gesagte. Das was nicht gesagt wurde, wirkt jedoch ebenfalls in die Nachricht mit ein. Dadurch, dass Kommunikation in der Realität und weg vom mathematischen Ansatz von Shannon und Weavers sehr komplex ist und in Dichte der Information und Anzahl der an der Kommunikation Beteiligten variiert, entstehen auch komplexe Gefüge an Informationen, die es für die Sender und Empfänger zu decodieren gilt. Nach Watzlawick wird Kommunikation erst dann als gelungen bezeichnet, wenn der Sender und der Empfänger die gleichen Codes verwenden, sich also in ihrer Intention verstehen. Diese Codes sollen im Idealfall absolut identisch sein. Wenn das Verständnis über die Codes bei den Kommunikationspartnern voneinander abweicht, kann von einem Missverständnis gesprochen werden. Watzlawick greift so die oft vorkommenden Störungen in der Kommunikation zwischen Menschen auf – Missverständnisse in der Interpretation des Gesagten und der Reaktion darauf. Größere Missverständnisse beziehungsweise Probleme in der Kommunikation können allerdings auch durch paraverbale und nonverbale Codierungen entstehen. Paraverbale Codierungen sind zum Beispiel abwertende Gesten, die dem Empfänger Geringschätzung suggerieren.

Der Wissenschaftler selbst arbeitete in Indien, in El Salvador, in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten. Dadurch konnte er natürlich auch unterschiedliche Perspektiven auf die Ebenen der Kommunikation in verschiedenen kulturellen und sozialen Kontexten untersuchen. Ein weiterer bekannter Wissenschaftler, der sich mit dem Sender-Empfänger-Modell auseinandergesetzt hat und vor einem multikulturellen Hintergrund agierte, war der marxistisch ausgerichtete Soziologe Stuart Hall. Er erarbeitete mit einer hybriden Perspektive auf ein großes soziales Gefüge und betrachtet dadurch kulturelle Phänomene und die Kommunikation von Gruppen bis hin zu Gesellschaften. Hall gilt als Ikone der hybriden, schwarzen Identitäten und befasst sich in seinen Theorien mit den Elementen der Verschlüsselung und Entschlüsselung im Bereich der Kommunikation angewendet auf Minderheiten, hybride Kulturen oder dem sozialen Phänomen der Subgruppen.

Der Soziologe ist einer der führenden Vertreter der Strömung des Postkolonialismus, gilt als Mitbegründer des Studienbereiches der Cultural Studies und wandte das Sender-Empfänger-Modell auf die Unterschiede von Codierungen und Decodierungen zwischen kulturell verschiedenen Gruppen an.

Für ihn geht es dabei zentral um die Codierung und Decodierung von Nachrichten innerhalb und zwischen diesen sozialen Gefügen und die Perspektiven und Hintergründe dieser spezifischen Gruppen. Das Interesse an solchen Fragestellungen rühr auch von Halls eigener Biografie her: Er wurde auf Jamaika geboren, hatte eine Mutter mit englischen Vorfahren und studierte selbst in England. Eine Anekdote, die die Stellung des Soziologen pointiert beschreibt, behandelt eine Aussage des Filmemachers John Akomfrah. Dieser beschreibt ihn als die einzige farbige Person, die zu der Zeit Ihres Wirkens in den Medien war und „nicht sang oder tanzte oder rannte“. Auch diese kurze Feststellung hat viele Bedeutungsebenen und ist ohne Ihre Vorgeschichte nicht zu dekodieren. Durch die Decodierung entsteht eine Aussage über die Beschaffenheit der Unterdrückung schwarzer Menschen zu dieser Zeit. Die Bedeutung der Person selbst wird dadurch auch entschlüsselt und weist auf seinen Status als wissenschaftliche Ikone hin.

Beispielsätze für Codierungen im Sender-Empfänger-Modell

Zum besseren Verständnis des Sender-Empfänger-Modells und der Elemente Verschlüsselung und Entschlüsselung werden nun einige Beispielsätze angeführt.

Kommunikation
Kommunikation (Pixabay: © 3dman_eu)

Eine erste Situation ist die eines langjährigen Paares in einer für sie typischen Konfliktsituation. Die Partnerin hat sich viele Jahre darüber beschwert, dass der Partner unpünktlich ist. In einer beliebigen Situation kommt der Partner wieder zu spät. Sie sagt erst nichts und sieht ihn ernst an. Dann schaut sie auf die Uhr und sagt in einer distanzierten Tonlage: Du bist heute aber früh dran. Durch den Blick und den Ton Ihrer Stimme wird signalisiert, dass die sprachliche Aussage, als zynisch zu werten ist. Auch das Wort „Heute“ soll mit „immer“ (bzw. decodiert: niemals) gleichgesetzt werden. Also eigentlich sagt die Frau so etwas wie „Du bist schon wieder zu spät – das ist respektlos und demütigend und Du nimmst mich in keiner Weise ernst in meinen Bedürfnissen“.

Hier wird klar, dass sprachliche Interaktion nicht losgelöst in einem Sprechakt stattfindet, sondern einen Anteil an relevanter Vorgeschichte hat. Die Kenntnis dieser Vorgeschichte ist für das Verständnis verwendeter Codierungen essenziell. Eine Person mit anderem kulturellen oder sprachlichem Hintergrund könnte eventuell Zynismus oder Sarkasmus so nicht erkennen.

Ein anderes Beispiel bezieht sich auf ein hierarchisches Verhältnis etwa zwischen Angestellten und Chefs. Gehen wir von der gleichen Situation aus und der Angestellte kommt zu spät. Der Chef sagt in freundlichem Ton: „Es wäre besser für Sie, wenn sie nicht mehr zu spät kämen“. Der Empfänger, richtig decodierend, versteht das gesagte als Drohung. Dadurch wird der Satz durch das ein hierarchisches Verhältnis der beiden Kommunikationspartner bestimmt und als Code angewendet.

Im Bereich der Beratungen ergibt sich oft eine ähnlich komplexe Gesprächssituation zwischen Klient und Coach. Es könnte beispielsweise die Situation auftreten in welcher der Klient oder die Klientin an inneren Widerständen arbeitet und dabei von Coach unterstützt wird. Nun liegt es an der Beschaffenheit dieser Widerstände, dass sie Unlust und Widerwillen erzeugen, was selbstverständlich häufig in einer beratenden Sequenz auftreten kann. Der Klient oder die Klientin könnte also so etwas sagen wie: "Nein, Sie können mich nicht dazu zwingen diese oder jene Übung zu machen." Der Coach, wenn er „richtig“ decodieren kann, kann das Wesentliche herauslesen und sieht beispielsweise die Angst hinter der Weigerung. So kann durch Empathie und richtige Decodierung in der Beratung wesentliches für die Klienten geleistet werden.

Das Sender-Empfänger-Modell beim Coaching

Für die Arbeit als Coach ist die Kenntnis über das Sender-Empfänger-Modell auf vielen Ebenen äußerst relevant. Als Erstes ist natürlich die Decodierung der Information des Klienten von großem Belang. Der Coach sollte ein waches Auge auf das Verhalten, die Sprache und die para-verbalen Kommunikationswege der Klienten legen, um das Wesentliche zu verstehen und die gesendete Information filtern und hierarchisieren zu können. In einem Beratungsgespräch kann ein Coach durch die geglückte Decodierung nonverbaler Kommunikationsanteile wertvolle Ansatzpunkte für seine Arbeit gewinnen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn der Coach in der Lage ist, nicht nur die Kommunikationsinhalte, sondern auch die dahinterliegenden Codes treffend zu deuten und die Möglichkeit einer Vorgeschichte in Betracht zieht. Der Coach muss in diesem Fall für die Entschlüsselung seine Aufmerksamkeit auf die Kommunikationsebenen neben der Sprache lenken: Der Sender sollte grundsätzlich auch ein Teil der Perspektive des Empfängers einnehmen. Auch im Gespräch ist es im Coaching relevant, dass die gesendeten Nachrichten nicht missverstanden werden. Der Coach sollte sich durch Übungen seiner Position und Wirkung bewusst(er) werden. Ein Schlüsselbegriff hierzu ist Empathie, verstanden als die Fähigkeit des Gegenübers in seiner Eigenheit wahrzunehmen und adäquat zu kommunizieren. Auch muss hier erwähnt werden, dass es Krankheitsbilder gibt, bei denen Codierungen oder Decodierungen beispielsweise bei Steuerungen in der Wahrnehmung problematisch sind. Das können Merkmale einer Störung sein wie beispielsweise Emotionslosigkeit durch Depressionen, affektive Störungen oder durch neuro-biologisch begründete Probleme. Darüber hinaus ist dies zum Beispiel im Bereich der Verhaltenstherapie relevant, wenn gewisse Reaktionen problematisch sind. Hierbei kann das Sender-Empfänger-Modell dadurch gestört sein, dass entweder das Senden oder das Empfangen durch falsche Abbildung der Wirklichkeit oder nicht adäquate Lesarten entstehen.

Gelungene Kommunikation ist Königsklasse

Immer, wenn Menschen sich austauschen geht es um die Kunst der Interaktion und des gegenseitigen Verständnisses. Es entstehen so viele Störungen und Missverständnisse in Interaktion und Kommunikation die zu suboptimalen Ausgängen von Gesprächen oder sogar Konflikten führen, sodass es für alle Beteiligten relevant wäre sich über die Kommunikation und die Kommunikationsmodelle zu informieren. Es müssen nicht immer gravierende Konflikte sein, die es zu lösen gilt, auch alltägliche Gespräche könnten oft besser und reibungsloser funktionieren. Eine Kenntnis über para-verbale Elemente ist ebenfalls von Bedeutung, egal ob für die Rolle des Empfängers und die des Senders. Bei der Arbeit mit Menschen geht es immer um Kommunikation. Das macht das Sender-Empfänger-Modell zu einem grundlegenden, zwischenmenschlichen Prinzip der Interaktion und gibt den Ausführenden von beratenden, unterstützenden und sozialen Tätigkeiten eine große Verantwortung gegenüber Ihrer eigenen Art und Weise zu kommunizieren. Durch ein bewusstes Umgehen mit den Codes, die alle Menschen verwenden ist es darüber hinaus wichtig beim Senden oder Empfangen auch immer einen Blick in die Sichtweise des Gegenübers zu riskieren und so die gegenseitige Empathie zu fördern. Denn Verständnis ist ein fundamentales menschliches Element mit dem viele Konflikte, Missverständnisse und Probleme vermeidbar wären, und zwar von einer Mikro-Ebene wie beispielsweise einer Interaktion von zwei Menschen in einer Beziehung bis hin zur Makro-Ebene bei kulturell zusammengehörenden Gruppen oder ganzen Gesellschaften.