McGurk-Effekt

McGurk-Effekt: Gehirn, McGurk und audiovisueller Effekt

Der McGurk-Effekt bezeichnet die Beeinflussung der Wahrnehmung eines akustischen Sprachsignals durch die gleichzeitige Beobachtung einer Lippenbewegung. Sehen und Hören fusionieren dabei zu einem neuen akustischen Signal – einem Laut, der von keiner beteiligten Schallquelle tatsächlich ausgesprochen wurde.

Entdeckung des Effekts

Der Entwicklungspsychologe Harry McGurk (1936–1998) entdeckte das Phänomen 1976 an der University of Surrey. Er kombinierte ein Videoband, auf dem eine Person „ga" artikuliert, mit einer Tonspur, auf der „ba ba" erklingt. Die Versuchsperson nahm weder das eine noch das andere Wort wahr – das Gehirn hatte die widersprüchlichen Sinneseindrücke zu einem neuen Laut integriert. Beim Sprechen von Lauten spielt die Information aus der Lippenbewegung damit eine entscheidende Rolle.

Dieser Effekt – englisch „McGurk effect" – tritt bei Erwachsenen in etwa 98 Prozent der Fälle auf. Selbst wer das Phänomen kennt, kann den McGurk-Effekt nicht willentlich unterdrücken.

Mechanismus: Sprachzentrum, Sprachwahrnehmung und Einfluss

Das Gehirn integriert die visuelle Information der Lippenbewegung direkt im Sprachzentrum – gestützt durch die Motor-Theorie der Sprachwahrnehmung, nach der eine gemeinsame Verarbeitungseinheit für Phoneme aktiv ist. Beim Lippenlesen werden auditive und visuelle Eindrücke so kombiniert, als würde ein inneres Lexikon audiovisueller Muster abgerufen – geprägt durch Erinnerung an frühkindliche Erfahrungen. Schon beim Kleinkind entsteht so ein dauerhafter Einfluss auf die Sprachwahrnehmung. McGurk beschrieb diesen Mechanismus als grundlegend für den frühkindlichen Spracherwerb.

Bedeutung im Lexikon der Wahrnehmungspsychologie

Als Begriff im Lexikon der Wahrnehmungspsychologie steht der McGurk-Effekt für ein grundlegendes Beispiel auditiver Integration. In Videos, Videokonferenzen und der Sprachtherapie spielt der McGurk-Effekt eine wichtige Rolle in Forschung und Praxis.

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