Lösungsfokussiertes Coaching (SFBT) und Kurzzeittherapie nach Steve de Shazer

Lesezeit: 25 Minuten

Lösungsorientiertes Coaching fokussiert sich nicht auf Probleme - sondern auf Lösungen. Statt in der Vergangenheit zu wühlen, richten wir den Blick gezielt nach vorn: Was funktioniert bereits? Was ist das gewünschte Ziel? Und welche nächsten Schritte bringen dich dorthin? Dieses Coaching eröffnet neue Perspektiven, stärkt die Selbstwirksamkeit und bringt Veränderung auf den Punkt - klar, motivierend und praxisnah.

Unser Tagesseminar zu diesem Thema:

Lösungsfokussiertes Kurzzeit-Coaching

Trainer: Marian Zefferer Mehr Informationen
ab 24.10.2026, 10:00 - 17:30 Uhr

Solution Focused Brief Therapy (deutsch: Lösungsorientierte Kurzzeittherapie) ist ein Ansatz, der ursprünglich aus der Therapie (u.a. Milton H. Erickson) von Steve De Shazer und Insoo Kimberg modelliert wurde. Ziel von Steve und Insoo war es, dass Therapie möglichst einfach und wirkungsvoll wird. Der Ansatz hat sich innerhalb kürzester Zeit wie ein Lauffeuer verbreitet und praktisch jede Coaching-Ausbildung hat Elemente von SFBT (Solution Focused Brief Therapy) im Curriculum. SFBT arbeitet mit einfachen, schnellen und wirksamen Interventionen. Man kann sich das wie die Gemüsebrühe in der Suppe vorstellen. Anteilsmäßig macht die Brühe praktisch keinen Unterschied in der Suppe aus, geschmacklich sind aber Welten dazwischen. Genau das ist SFBT im Coaching-Bereich.



Was ist Lösungsfokussiertes Coaching (SFBT)?

Lösungsfokussiertes Coaching, oft auch als Solution Focused Brief Therapy (SFBT) bezeichnet, ist ein zielorientierter Ansatz, der sich auf die Stärken und Ressourcen der Klienten konzentriert. Anstatt lange problemzentrierte Analysen durchzuführen, richtet sich der Blick konsequent auf Lösungen und gewünschte Veränderungen. Ursprünglich in der systemischen Therapie verwurzelt, hat sich dieser Ansatz zunehmend auch im Coaching etabliert. In einer Welt, die schnelle und nachhaltige Ergebnisse verlangt, bietet lösungsfokussiertes Arbeiten eine effektive Methode, um Klarheit, Motivation und Handlungsfähigkeit zu fördern.

Grundlagen des Lösungsfokussierten Coachings

Ursprung und Entwicklung

Die Wurzeln des lösungsfokussierten Coachings reichen zurück in die 1980er Jahre. In dieser Zeit forschten der Therapeut Steve de Shazer und seine Frau Insoo Kim Berg gemeinsam mit ihrem Team am Brief Family Therapy Center in Milwaukee (USA). Ihr Ausgangspunkt war eine kritische Auseinandersetzung mit den damals gängigen problemorientierten Therapieansätzen, die häufig langwierige Analysen der Ursachen, Kindheitserlebnisse und familiären Strukturen in den Mittelpunkt stellten.

De Shazer und Berg stellten eine entscheidende Frage:

Muss man ein Problem vollständig verstehen, um es lösen zu können?

Ihre Beobachtungen in der praktischen Arbeit mit Klienten zeigten, dass nachhaltige Veränderungen oft unabhängig von einer detaillierten Problemanalyse möglich waren. Viel wichtiger schien es, die Momente in den Blick zu nehmen, in denen das Problem bereits nicht auftrat - sogenannte Ausnahmen.

Durch gezielte Fragen identifizierten sie Ressourcen, Kompetenzen und bereits vorhandene Lösungsansätze bei den Klienten. Sie entdeckten, dass Menschen häufig selbst über hilfreiches Wissen und Fähigkeiten verfügen, die sie lediglich (wieder) aktivieren müssen. Aus dieser Beobachtung entstand schrittweise der Ansatz der SFBT, der sich durch seine Effizienz und pragmatische Orientierung auszeichnete.

Grundprinzipien des Ansatzes

Der lösungsfokussierte Ansatz beruht auf der Überzeugung, dass Menschen bereits über hilfreiche Fähigkeiten und Erfahrungen verfügen, die sie zur Bewältigung ihrer Herausforderungen einsetzen können. Anstatt sich auf Defizite oder Ursachen von Problemen zu konzentrieren, richtet sich die Aufmerksamkeit konsequent auf erwünschte Veränderungen und vorhandene Ressourcen.

Zentrales Leitmotiv ist dabei der Satz: „Repariere nicht, was nicht kaputt ist. Finde heraus, was funktioniert - und tu mehr davon.“ Diese pragmatische Grundhaltung ermöglicht es, positive Ansätze frühzeitig zu erkennen und gezielt auszubauen.

Der Coach agiert hierbei als strukturierender Gesprächspartner, der mit gezielten Fragen hilft, Klarheit über Ziele und mögliche Lösungswege zu gewinnen. Eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe sowie der Blick in die Zukunft prägen den Prozess. Nicht die Vergangenheit, sondern das gewünschte Ergebnis steht im Mittelpunkt.

Dank dieser Effizienz wird der lösungsfokussierte Ansatz heute nicht nur im Coaching, sondern auch in Beratung, Organisationen, Bildungseinrichtungen und sozialen Kontexten erfolgreich angewendet.

Unterschiede zu anderen Coaching-Methoden

Das lösungsfokussierte Coaching unterscheidet sich durch seinen minimalinvasiven und ressourcenaktivierenden Charakter deutlich von vielen etablierten Coaching- und Beratungsansätzen. Während klassische Methoden häufig versuchen, Ursachen, Blockaden oder problematische Muster detailliert zu analysieren, verzichtet der lösungsfokussierte Ansatz bewusst auf eine intensive Problemauseinandersetzung.

Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, warum ein Problem entstanden ist, sondern was stattdessen erreicht werden soll. Der Coach lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf positive Ausnahmen, bereits gemachte Fortschritte und verfügbare Handlungsspielräume. Diese Fokussierung auf erwünschte Zustände verkürzt den Coaching-Prozess häufig erheblich und reduziert die kognitive Belastung der Klienten.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in der Art der Interventionen: Lösungsfokussiertes Coaching arbeitet mit präzisen, zukunftsgerichteten Fragen, die die Eigenverantwortung stärken und die Selbstorganisation fördern. Anstelle von Analysen und umfangreichen Reflexionsprozessen werden einfache, aber hochwirksame Impulse gesetzt, die die Veränderungsdynamik aktivieren.

Gerade diese Einfachheit in der Struktur, verbunden mit einer klaren Zielorientierung, macht den Ansatz besonders geeignet für Menschen, die pragmatische Unterstützung in komplexen oder dynamischen Lebenssituationen suchen, ohne sich übermäßig mit belastenden Vergangenheitsanalysen zu beschäftigen.

Die wichtigsten Techniken im Lösungsfokussierten Coaching

Die Wunderfrage

Die Wunderfrage gehört zu den bekanntesten Werkzeugen. Sie eröffnet dem Klienten die Möglichkeit, sich gedanklich in eine Zukunft ohne das aktuelle Problem zu versetzen. Klassisch formuliert lautet sie:
"Stellen Sie sich vor, über Nacht geschieht ein Wunder, und das Problem ist gelöst. Woran würden Sie am nächsten Tag als erstes merken, dass sich etwas verändert hat?"

Diese gedankliche Reise hilft dem Klienten, seine Wünsche und Ziele konkret zu formulieren. Gleichzeitig werden durch die Beschreibung erster Anzeichen des Wandels bereits Lösungsansätze sichtbar, die als Grundlage für konkrete Handlungsschritte dienen können. Die Wunderfrage aktiviert die Vorstellungskraft, fördert Motivation und öffnet den Blick für realisierbare Veränderungen.

Skalierungsfragen

Skalierungsfragen ermöglichen es, Fortschritte und subjektive Einschätzungen messbar zu machen. Der Klient wird gebeten, sein aktuelles Befinden oder den Stand der Zielerreichung auf einer Skala von beispielsweise 0 bis 10 einzuordnen.

Diese Technik bietet mehrere Vorteile: Zum einen wird sichtbar, dass der Klient meist nicht bei „null“ steht, sondern bereits Ressourcen und Teilerfolge vorhanden sind. Zum anderen lassen sich damit Entwicklungsschritte konkretisieren: "Was müsste passieren, um von einer 5 auf eine 6 zu kommen?"

Skalierungsfragen fördern ein differenziertes Selbstbild, zeigen Spielräume auf und unterstützen die Planung nächster, machbarer Schritte.

Ressourcenorientierte Fragen

Ein zentrales Element des lösungsfokussierten Coachings ist das konsequente Herausarbeiten von Stärken und bereits erfolgreichen Strategien. Ressourcenorientierte Fragen lenken den Blick auf Fähigkeiten, die dem Klienten möglicherweise gar nicht mehr bewusst sind. Beispiele sind:

  • "Wann haben Sie eine ähnliche Herausforderung schon einmal erfolgreich gemeistert?"
  • "Welche Ihrer Stärken könnten Ihnen diesmal helfen?"
  • "Wer oder was könnte Sie zusätzlich unterstützen?"

Durch diese Fragetechnik wird der Handlungsspielraum erweitert, das Selbstvertrauen gestärkt und die Lösungsfindung beschleunigt.

Komplimente und positive Verstärkung

Komplimente sind im lösungsfokussierten Coaching mehr als reine Höflichkeit. Gezielt eingesetzt, spiegeln sie dem Klienten seine Fortschritte, seine Stärken und seinen Einsatz wider. Dies stärkt das Selbstwertgefühl und die Motivation.

Ein wirksames Kompliment ist stets spezifisch, authentisch und bezogen auf konkrete Verhaltensweisen oder Fortschritte:
"Es beeindruckt mich, wie klar Sie Ihr Ziel heute formuliert haben."
Solche Rückmeldungen fördern die Wahrnehmung eigener Kompetenzen und unterstützen die Entwicklung einer positiven Selbstwahrnehmung.

Einsatzbereiche und Zielgruppen

Coaching im beruflichen Kontext

Im Unternehmensumfeld wird der lösungsfokussierte Ansatz besonders geschätzt, wenn es darum geht, Veränderungsprozesse konstruktiv zu begleiten. Führungskräfte profitieren von der Methode, um Ziele klarer zu definieren, Mitarbeiterressourcen gezielt zu aktivieren und Entscheidungsprozesse zu strukturieren.

Auch im Teamcoaching unterstützt SFBT dabei, Stärken innerhalb der Gruppe sichtbar zu machen und eine lösungsorientierte Kommunikationskultur zu fördern. In Change-Management-Prozessen trägt der Ansatz dazu bei, Widerstände frühzeitig aufzulösen, indem die Beteiligten eigene Gestaltungsräume erkennen und aktiv an der Umsetzung mitwirken. Bei Konflikten schafft der lösungsorientierte Blick neue Perspektiven jenseits von Schuldzuweisungen und ermöglicht konstruktive Lösungsfindung.

Persönlichkeitsentwicklung und Lebensberatung

Im privaten Bereich hilft lösungsfokussiertes Coaching Menschen dabei, Klarheit über ihre Ziele zu gewinnen und konkrete Veränderungsschritte zu entwickeln. Unabhängig davon, ob es um Karrierefragen, Entscheidungsfindung, persönliche Beziehungen oder Lebenskrisen geht: Durch die Aktivierung eigener Stärken und Ressourcen wird die Selbstwirksamkeit gestärkt und der Handlungsspielraum erweitert.

Der Ansatz eignet sich besonders für Menschen, die nicht in der Problemanalyse verweilen möchten, sondern aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft arbeiten wollen. Kurze, zielgerichtete Gespräche bieten dabei oft schon nach wenigen Sitzungen spürbare Entlastung und Orientierung.

Einsatz in Therapie und psychosozialer Beratung

Auch in der Psychotherapie und psychosozialen Beratung hat sich der lösungsfokussierte Ansatz als effektive Methode etabliert. Besonders in der Kurzzeittherapie, wie sie am berühmten Brief Family Therapy Center (BFTC) in Milwaukee von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg entwickelt wurde, ermöglicht die solution focused brief therapy (SFBT), Klienten rasch handlungsfähig zu machen. Durch den Verzicht auf problemorientierte Analysen werden bereits in wenigen Sitzungen erste positive Entwicklungen möglich.

In der psychosozialen Arbeit hilft der lösungsorientierte Ansatz Beratern und Coaches, Menschen in akuten Belastungssituationen zu stabilisieren und Ressourcen zu aktivieren. Hierbei werden vorhandene Stärken gezielt genutzt, um neue Perspektiven zu eröffnen. Diese Form der Intervention erweist sich als besonders wirksam, da der Klient nicht als passiver Patient, sondern als aktiver Gestalter seines Veränderungsprozesses gesehen wird.

Die Wirksamkeit der lösungsfokussierte Kurztherapie wurde in zahlreichen Research -Studien untersucht und belegt ihre hohe Praxistauglichkeit. Darüber hinaus lässt sich dieser Ansatz flexibel mit anderen Verfahren der Psychotherapie kombinieren, ohne seinen eigenständigen Charakter zu verlieren. Seine Wurzeln in der Sprachphilosophie — unter anderem beeinflusst durch Wittgensteins Denkweise — machen deutlich, wie stark Sprache und Bedeutung die Wahrnehmung von Problemen und Lösungen beeinflussen.

Vorteile des Lösungsfokussierten Coachings

Effizienz und Zeitersparnis

Ein herausragendes Merkmal des lösungsfokussierten Coachings liegt in seiner zeitlichen Effizienz. Durch die konsequente lösungsorientierte Gesprächsführung wird auf eine detaillierte Ursachenanalyse verzichtet. Stattdessen konzentriert sich der Coach früh auf die Beschreibung gewünschter Veränderungen, auf frühere Lösungen und auf funktionierende Ausnahmen vom Problem.

Diese ziel- und ressourcenorientierte Vorgehensweise verkürzt den Prozess erheblich, da bereits in wenigen Sitzungen konkrete Ergebnisse sichtbar werden können. Die Methode folgt dem Prinzip der „kleinen Schritte“, wodurch Klienten schnell erste Erfolge erleben, die wiederum motivierend auf den weiteren Verlauf wirken. In der Forschung zur effectiveness of solution-focused brief therapy wird diese Zeiteffizienz immer wieder als zentraler Erfolgsfaktor beschrieben.

Stärkung der Selbstverantwortung

Der lösungsfokussierte Ansatz betont die Eigenständigkeit des Klienten. Anstatt auf externe Ratschläge oder vorgefertigte Lösungen zu setzen, unterstützt der Coach den Klienten dabei, eigene Ressourcen zu aktivieren und individuelle Lösungen zu entwickeln.

In diesem Prozess wird die Problemsprache zur Lösungssprache transformiert: Belastende Problembeschreibungen werden ersetzt durch konkrete Zielbilder und realistische Handlungsmöglichkeiten. Diese Lösungen ausgerichtete Haltung stärkt nicht nur das Selbstvertrauen, sondern auch die Fähigkeit zur eigenständigen Bewältigung zukünftiger Herausforderungen. Die Verantwortung für Veränderungen bleibt dabei stets beim Klienten — der Coach begleitet lediglich durch gezielte Impulse und Strukturierung des Gesprächs.

Nachhaltige Ergebnisse durch Ressourcenaktivierung

Dieser therapeutische Prinzipien und Interventionsformen zugrunde liegende Fokus auf Ressourcen schafft eine stabile Grundlage für dauerhafte Veränderungen. Die Orientierung an realistischen Zielen, kombiniert mit flexibler Anpassung an den jeweiligen Kontext, macht den Ansatz besonders tragfähig - sowohl im therapeutischen Bereich als auch in Beratung und Therapie, Supervision oder Coaching.

Mit Wurzeln im Brief Family Therapy Center von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg sowie Einflüssen von Milton Erickson, dem Mental Research Institute, Weakland, Gingerich, de Jong und anderen, verkörpert der Ansatz ein bis heute hochaktuelles Modell für nachhaltige Entwicklung.

Kritik und Grenzen des Ansatzes

Für welche Themen SFBT weniger geeignet ist

Die lösungsfokussierte Kurzzeittherapie (SFBT) hat sich in vielen Beratungs- und Therapiekontexten als sehr wirksam erwiesen — insbesondere bei gut umschriebenen Problemen, Zielklärung, Coaching-Fragestellungen, in Schule, Sozialarbeit, Organisationsentwicklung und bei alltagsnahen Belastungen.

Weniger geeignet ist der Ansatz jedoch in bestimmten komplexen klinischen Situationen, zum Beispiel:

  • bei schweren Persönlichkeitsstörungen (z. B. Borderline),
  • bei akuten Psychosen,
  • bei schweren, komplexen Traumatisierungen (z. B. PTBS mit Dissoziation),
  • bei akuten Suizidalität oder Selbstgefährdung.

In diesen Fällen kann die ausschließliche Anwendung von SFBT nicht ausreichen, da dort oft ein intensiveres therapeutisches Vorgehen notwendig ist, das neben Ressourcenaktivierung auch eine strukturierte Bearbeitung der inneren Konflikte, der Vergangenheit und der Belastungsbewältigung erfordert.

Wichtig:
Das bedeutet nicht, dass SFBT hier völlig ungeeignet wäre — vielmehr kann der lösungsfokussierte Ansatz oft ergänzend eingesetzt werden:

  • zur Stabilisierung,
  • zur Ressourcenaktivierung,
  • zur Motivation und Zielarbeit im Rahmen multimodaler Behandlungen.

Die Grenze liegt also weniger in der Methode selbst, sondern in der Komplexität der Ausgangslage und den therapeutischen Bedürfnissen des jeweiligen Klienten.

Kritische Stimmen aus der Wissenschaft

Die empirische Forschung zur Solution Focused Brief Therapy zeigt über viele Anwendungsbereiche hinweg gute bis sehr gute Ergebnisse — insbesondere bei:

  • Coaching & Supervision,
  • Beratung,
  • beruflicher Entwicklung,
  • partnerschaftlichen oder familiären Problemen,
  • leichten bis moderaten psychischen Belastungen.

Metaanalysen (u. a. von Gingerich & Kim, de Jong und anderen) bestätigen eine signifikante Wirksamkeit von SFBT im Vergleich zu Wartekontrollgruppen und sogar gegenüber manchen konventionellen Verfahren - gerade bei kurzer Dauer.

Kritisch wird teilweise angemerkt:

  • dass noch mehr hochwertige randomisierte Studien wünschenswert wären (insbesondere in komplexen klinischen Feldern),
  • dass Langzeitwirkungen in bestimmten Problemfeldern noch nicht ausreichend breit untersucht sind,
  • dass viele Studien kleine Stichproben verwenden.

Methodisch wird zudem diskutiert, dass die starke Zukunftsorientierung manchmal zu kurz greift, wenn wichtige emotionale Konflikte, Traumata oder unverarbeitete Belastungen verdrängt werden. Hier fordern einige Forscher eine sorgfältige Indikationsstellung und ggf. eine Kombination mit anderen Verfahren.

Ausbildung und Zertifizierung im Lösungsfokussierten Coaching

Qualifikationen und Anbieter

Wer professionell im Bereich des lösungsorientierten Coachings arbeiten möchte, kann aus einer Vielzahl an Aus- und Weiterbildungsangeboten wählen. Internationale Institutionen wie das ursprünglich von de Shazer und Insoo Kim gegründete Therapy Center in Wisconsin, aber auch zahlreiche europäische und deutsche Institute, bieten zertifizierte Programme an.

Viele dieser Programme orientieren sich an den Standards der ursprünglichen Brief Therapy-Bewegung und vermitteln praxisorientiertes Wissen, das auf der methodischen Arbeit des BFTC in Milwaukee aufbaut. Dabei wird besonderer Wert auf die Anwendung in unterschiedlichen Kontexten gelegt - von Beratung und Therapie bis hin zu Supervision und Organisationsentwicklung.

Zertifikatslehrgänge umfassen in der Regel Module zu den theoretischen Grundlagen, den Gesprächstechniken der SFBT, sowie praktische Übungseinheiten mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis dar, die den Transfer in den Berufsalltag erleichtern.

Wichtige Kompetenzen für lösungsfokussierte Coaches

Neben methodischem Wissen sind bestimmte persönliche Fähigkeiten für lösungsorientierte Coaches besonders relevant. Dazu zählen:

  • die Fähigkeit zur präzisen Gesprächsführung,
  • die Kunst, auch in schwierigen Situationen lösungsorientiert zu fokussieren,
  • ein sicherer Umgang mit dem Wechsel von der Problemsprache zur Lösungssprache,
  • sowie ein sensibles Gespür für die richtige Balance zwischen Struktur und Offenheit im Coaching-Prozess.

Darüber hinaus sind Kenntnisse in den theoretischen Hintergründen der Sprachphilosophie, wie sie auch von Wittgensteins Arbeiten beeinflusst wurden, hilfreich, um die Wirkung von Sprache auf die Wahrnehmung von Problemen und Lösungen besser zu verstehen.

Ein professioneller Berater im lösungsfokussierten Coaching zeichnet sich dadurch aus, dass er seine Klienten dabei unterstützt, eigene Ressourcen zu aktivieren und ihre Handlungsmöglichkeiten Schritt für Schritt selbstständig auszubauen.

Fallbeispiele aus der Coaching-Praxis

Beispiel 1: Führungskräfte-Coaching

Herr Schneider, Abteilungsleiter in einem mittelständischen Unternehmen, steht seit einigen Monaten unter erheblichem Druck. Das Unternehmen wächst rasant, die Anforderungen steigen, neue Projekte kommen hinzu, während gleichzeitig interne Konflikte im Team zunehmen. Einige Teammitglieder beklagen sich über unklare Zuständigkeiten, andere fühlen sich nicht ausreichend eingebunden. Herr Schneider spürt, dass seine bisherige Führungsstrategie an ihre Grenzen kommt. Er fühlt sich zunehmend überfordert, schlaflose Nächte häufen sich.

Mit dem Wunsch nach mehr Klarheit und innerer Stabilität sucht Herr Schneider Unterstützung im lösungsfokussierten Coaching. Beim ersten Treffen schildert er seine aktuelle Situation: den wachsenden Druck, die wachsende Unzufriedenheit im Team und seine eigene Verunsicherung. Der Coach hört aufmerksam zu, ohne sich in einer detaillierten Problemanalyse zu verlieren. Stattdessen stellt er nach dem Prinzip der Sprache der Lösungsentwicklung erste gezielte Fragen:
"Angenommen, Sie wachen morgen auf und alles läuft so, wie Sie es sich wünschen - was wäre anders? Woran würden Sie als erstes merken, dass sich die Situation verbessert hat?"

Herr Schneider beginnt, seine ideale Führungsrolle zu beschreiben: mehr Klarheit in der Kommunikation, eigenverantwortlichere Teammitglieder, weniger Mikromanagement, stärkere Fokussierung auf strategische Aufgaben. Schritt für Schritt entwickelt sich daraus ein konkretes Zukunftsbild.

In den Folgesitzungen wird auf konkrete Situationen fokussiert, in denen ihm in der Vergangenheit bereits erfolgreiche Teamkommunikation gelungen ist. Gemeinsam mit dem Coach arbeitet er heraus, welche Verhaltensweisen damals hilfreich waren: offene Fragen stellen, Aufgaben klar delegieren, regelmäßiges Feedback geben. Hier zeigt sich deutlich die Ziel- und Ressourcenorientierung des Prozesses: Nicht das Problem steht im Vordergrund, sondern die aktivierbaren Stärken und Handlungsspielräume.

Im weiteren Verlauf des Coachings legt Herr Schneider kleine, realistische Veränderungsschritte fest: regelmäßige kurze Abstimmungsgespräche mit dem Team, klare Zieldefinitionen für jedes Projekt und bewusstes Loslassen operativer Detailarbeit. Schon nach wenigen Wochen spürt er erste Entlastung, das Team reagiert positiv auf die neuen Strukturen, und die Konflikte nehmen spürbar ab.

Nach rund fünf Sitzungen resümiert Herr Schneider:
"Ich habe wieder das Gefühl, wirklich führen zu können, statt ständig nur zu reagieren."

Durch den lösungsfokussierten Ansatz gewinnt er nicht nur neue Handlungssicherheit, sondern auch ein vertieftes Bewusstsein für die Ressourcen, die er bereits in sich trägt. Der Coach bleibt in diesem Prozess stets unterstützender Begleiter, der durch gezielte Fragen Klarheit schafft, aber dem Klienten alle Entwicklungsschritte selbst überlässt.

Beispiel 2: Karriere-Coaching

Frau Weber, Mitte 40, arbeitet seit über 15 Jahren erfolgreich im Marketing eines großen Konzerns. Nach einer internen Umstrukturierung werden Führungspositionen neu vergeben - für Frau Weber bedeutet das: Ihre Position wird aufgelöst. Zum ersten Mal seit vielen Jahren steht sie vor der Frage, wie es beruflich weitergehen soll. Unsicherheit, Selbstzweifel und die Angst vor Ablehnung auf dem Arbeitsmarkt machen ihr zu schaffen. Gleichzeitig spürt sie den Wunsch, diese unerwartete Chance für einen Neuanfang zu nutzen.

Im lösungsfokussierten Coaching beginnt der Prozess nicht mit einer Analyse der Ursachen der aktuellen Situation, sondern mit der Frage:
"Wenn Ihre berufliche Zukunft genau so verlaufen würde, wie Sie es sich wünschen - was wäre dann anders?"

Anfangs zögert Frau Weber, doch nach einigen Minuten beschreibt sie ein Bild von mehr Eigenverantwortung, sinnstiftenden Projekten und der Möglichkeit, ihre kreativen Ideen stärker einzubringen. Schritt für Schritt wird dieses Zukunftsbild konkreter: flexible Arbeitszeiten, eigenständige Projektverantwortung, ein inspirierendes Arbeitsumfeld.

In den weiteren Sitzungen arbeitet der Coach gemeinsam mit Frau Weber heraus, welche Kompetenzen, Erfahrungen und Stärken sie bereits in den letzten Jahren aufgebaut hat: ihre Fähigkeit, komplexe Kampagnen zu steuern, Teams zu führen, mit schwierigen Kunden umzugehen und innovative Marketingstrategien zu entwickeln. Dabei erkennt sie, dass ihr Profil durchaus attraktiv für viele potenzielle Arbeitgeber ist.

Um den Übergang aktiv zu gestalten, werden kleine, überschaubare Handlungsschritte definiert:

  • Aktualisierung des Lebenslaufs,
  • gezielte Kontaktaufnahme mit ihrem beruflichen Netzwerk,
  • Erkundung von Weiterbildungsmöglichkeiten, die ihr Profil zusätzlich stärken.

In einer weiteren Sitzung wird anhand konkreter Situationen geübt, wie sie ihre Stärken und beruflichen Erfolge selbstbewusst in Vorstellungsgesprächen präsentieren kann. Schon nach wenigen Wochen berichtet Frau Weber, dass erste positive Rückmeldungen aus ihrem Netzwerk eingetroffen sind und sich mehrere interessante Optionen abzeichnen.

Nach etwa sechs Coaching-Terminen resümiert sie:
"Ich hatte völlig vergessen, wie viel ich eigentlich kann. Jetzt habe ich das Gefühl, meine Zukunft selbst aktiv gestalten zu können."

Das lösungsfokussierte Karriere-Coaching hat Frau Weber geholfen, aus der anfänglichen Ohnmacht in einen Zustand von Klarheit, Handlungsfähigkeit und Zuversicht zu kommen — nicht durch lange Analysen, sondern durch die konsequente Arbeit an Lösungen, Ressourcen und Zukunftsperspektiven.

Beispiel 3: Coaching bei Lebenskrisen

Herr Meier, 38 Jahre alt, kommt ins Coaching nach einer tiefgreifenden persönlichen Krise. Seine langjährige Beziehung ist vor wenigen Monaten zerbrochen, gleichzeitig gab es Konflikte am Arbeitsplatz. Er beschreibt das Gefühl, den Boden unter den Füßen verloren zu haben: Orientierungslosigkeit, Zukunftsangst und Selbstzweifel bestimmen seinen Alltag.

Schon im Erstgespräch wird klar: Herr Meier sucht keine Ursachenforschung, sondern einen Weg, wieder Stabilität und Zuversicht in sein Leben zu bringen. Der Coach lädt ihn ein, sich mit der Frage auseinanderzusetzen:
"Wenn Sie sich vorstellen, dass sich Ihr Leben in den kommenden Monaten spürbar zum Besseren entwickelt - was wäre dann anders?"

Zunächst fällt es Herrn Meier schwer, Bilder einer besseren Zukunft zu entwickeln. Doch nach einigen Impulsen beschreibt er erste kleine Anzeichen von Stabilität: wieder Freude an Hobbys, mehr soziale Kontakte, klare berufliche Perspektiven und mehr innere Ruhe.

Gemeinsam identifizieren Coach und Klient Momente aus der Vergangenheit, in denen Herr Meier bereits schwierige Situationen gemeistert hat. Dabei erinnert er sich an seine Fähigkeit, Krisen mit kleinen, konsequenten Schritten zu bewältigen: feste Tagesstrukturen aufbauen, sich Unterstützung durch Freunde suchen, sportliche Aktivität aufnehmen.

Der Coach ermutigt ihn, diese bewährten Strategien wieder in den Alltag zu integrieren. Gemeinsam definieren sie erste, leicht umsetzbare Schritte: tägliche Spaziergänge, regelmäßige Treffen mit einem engen Freund, die Anmeldung zu einem Fortbildungskurs, der ihm beruflich neue Impulse geben kann.

Woche für Woche gewinnt Herr Meier zunehmend das Gefühl zurück, aktiv Einfluss auf seine Situation nehmen zu können. Besonders hilfreich ist für ihn dabei der lösungsfokussierte Blick auf kleine Erfolge:
"Was hat in der letzten Woche gut funktioniert?"
"Worauf sind Sie heute besonders stolz?"

Nach einigen Monaten blickt Herr Meier selbstbewusst auf seinen Weg zurück. Die Lebenskrise ist nicht verschwunden, aber er hat Werkzeuge entwickelt, um mit der Situation umzugehen, neue Perspektiven aufzubauen und sich Schritt für Schritt wieder Stabilität und Lebensfreude zu erarbeiten.

Das lösungsfokussierte Coaching hat ihm gezeigt, dass auch in schweren Phasen kleine, gezielte Veränderungen einen großen Unterschied machen können — und dass nachhaltige Veränderung oft im Aktivieren längst vorhandener Stärken liegt.

Typische Fehler und Stolpersteine im lösungsfokussierten Coaching

Zu schnelles Übergehen von Problemen

Obwohl lösungsfokussiertes Coaching bewusst den Schwerpunkt auf Ziele und Ressourcen legt, besteht manchmal die Tendenz, belastende Themen des Klienten vorschnell auszublenden. Ein zu rasches Wechseln zur Lösungsfindung kann beim Klienten den Eindruck erwecken, dass seine Schwierigkeiten nicht ernst genommen werden.

Gerade in der Anfangsphase des Prozesses kann es sinnvoll sein, dem Problem zumindest kurz Raum zu geben, um dessen Bedeutung für den Klienten zu würdigen. Dies stärkt die Arbeitsbeziehung, schafft Vertrauen und ermöglicht dem Coach, die Ausgangssituation besser zu verstehen. Das Ziel bleibt dabei, sich nicht im Problem zu verlieren, sondern die relevante Ausgangslage für die lösungsorientierte Arbeit bewusst zu erfassen.

Fehlende Zielklarheit beim Coachee

Nicht jeder Klient kommt mit einem klaren Ziel ins Coaching. Häufig äußern sie allgemeine Unzufriedenheit oder Unsicherheit, ohne bereits eine konkrete Vorstellung davon zu haben, was sich ändern soll. Hier liegt eine besondere Herausforderung für den Coach: durch geeignete Gesprächsführung zunächst Orientierung zu schaffen.

Dies gelingt etwa durch Fragen, die sich auf bevorzugte Zukunftsszenarien beziehen, sowie durch behutsames Differenzieren zwischen Wünschen, Erwartungen und realistischen Möglichkeiten. Der Coach begleitet den Klienten dabei, vage Anliegen so weit zu konkretisieren, dass daraus eine klare Zielrichtung für die weitere Zusammenarbeit entsteht.

Unrealistische Ziele erkennen

In manchen Fällen formulieren Klienten Ziele, die außerhalb ihrer tatsächlichen Einflussmöglichkeiten liegen, unrealistisch kurzfristige Veränderungen erwarten oder in ihrer Tragweite nicht ausreichend reflektiert wurden. Hier ist es Aufgabe des Coaches, realistische Einschätzungen zu fördern, ohne die Zielmotivation zu schwächen.

Dazu gehört es, gemeinsam mit dem Klienten den Weg zur Zielerreichung in kleine, nachvollziehbare Etappen zu unterteilen, mögliche Hindernisse frühzeitig zu identifizieren und konkrete Handlungsspielräume zu benennen. Dadurch bleibt das Ziel ambitioniert, aber erreichbar, was die Umsetzungschancen nachhaltig erhöht.

Methoden-Integration: Lösungsfokus kombiniert mit anderen Ansätzen

Lösungsfokus und systemisches Coaching

Beide Ansätze teilen die Grundhaltung, Menschen als kompetente Experten für ihr eigenes Leben zu betrachten. Das systemische Coaching ergänzt den lösungsfokussierten Ansatz um den bewussten Einbezug von Kontexten, Beziehungen und Wechselwirkungen innerhalb sozialer Systeme.

Während der Lösungsfokus auf individuelle Ressourcen und Zielbilder fokussiert, erweitert das systemische Coaching den Blick um Muster in Teams, Familien oder Organisationen. In der Kombination entsteht eine Arbeitsweise, die sowohl individuelle Entwicklung unterstützt als auch die Einflüsse des Umfeldes aktiv berücksichtigt.

Lösungsfokus und NLP

Der lösungsfokussierte Ansatz und das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) basieren auf einer sehr ähnlichen Grundhaltung: Beide Methoden gehen davon aus, dass Menschen prinzipiell über alle nötigen Ressourcen verfügen, um ihre Ziele zu erreichen. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren jeweiligen Schwerpunkten und können in der Kombination ihre Stärken hervorragend ergänzen.

Im lösungsfokussierten Coaching steht die Zielentwicklung im Mittelpunkt. Durch präzise Fragen wird gemeinsam mit dem Klienten erarbeitet, was er erreichen möchte, woran er Fortschritte erkennt und welche kleinen Schritte ihn näher an seine Wunschvorstellung bringen. Dabei wird der Fokus bewusst auf Ausnahmen, Ressourcen und funktionierende Strategien gelegt, ohne lange an der Problemanalyse zu verweilen.

Das NLP bietet hier zusätzliche Werkzeuge, die vor allem auf der Ebene innerer Repräsentationen, Denkmuster und unbewusster Prozesse ansetzen. Durch Techniken wie Reframing, Anker setzen, Submodalitätenarbeit oder Timeline-Interventionen können belastende Emotionen reguliert, hinderliche Glaubenssätze aufgelöst und neue Verhaltensweisen verankert werden. Gerade bei blockierenden Überzeugungen, emotionalen Hindernissen oder alten Mustern, die Veränderung erschweren, können NLP-Techniken den lösungsfokussierten Prozess wirksam unterstützen.

Ein weiterer gemeinsamer Nenner beider Methoden ist die Arbeit mit Sprache. Im NLP wird Sprache gezielt als Veränderungsinstrument genutzt, um Denkprozesse zu beeinflussen. Der lösungsfokussierte Ansatz wiederum verwendet sprachliche Präzision, um klare Zielbilder und handlungsorientierte Beschreibungen zu erarbeiten. Hier entsteht eine besonders wirksame Schnittstelle, an der beide Methoden ihre Stärken bündeln: Der Coach unterstützt den Klienten nicht nur dabei, Lösungen zu formulieren, sondern hilft ihm auch, diese emotional zu verankern und kognitiv erfahrbar zu machen.

Durch diese Verbindung entsteht ein Coaching-Prozess, der sowohl zielgerichtet als auch tiefenwirksam ist. Der Lösungsfokus gibt dem Coaching eine klare Struktur, während NLP-Techniken Flexibilität und emotionale Veränderungsarbeit ermöglichen. Dadurch profitieren Klienten von einem integrierten Ansatz, der kognitive Klarheit, emotionale Stabilität und praktische Umsetzbarkeit gleichermaßen fördert.

Lösungsfokussierung in agilen Coaching-Prozessen

Agile Arbeitswelten sind geprägt von Unsicherheit, sich ständig verändernden Anforderungen und der Notwendigkeit, Entscheidungen unter unvollständigen Informationen zu treffen. Der lösungsfokussierte Ansatz bietet in solchen Kontexten einen stabilen Orientierungsrahmen, indem er den Blick konsequent auf vorhandene Kompetenzen und bisher funktionierende Praktiken lenkt.

Ein besonderer Mehrwert entsteht, wenn Teams unter hohem Zeitdruck pragmatische Lösungen entwickeln müssen, ohne sich in der Suche nach Ursachen von Störungen zu verlieren. Statt Schuldfragen zu diskutieren, rückt die Aufmerksamkeit auf konkrete Handlungsmöglichkeiten, die bereits im Einflussbereich des Teams liegen. Durch die Vorgehensweisen wird die kollektive Handlungsfähigkeit erhalten, auch wenn komplexe Systeme kurzfristig kaum vollständig durchschaubar sind.

Der lösungsfokussierte Coach unterstützt zudem die Entwicklung einer Lernkultur, in der Experimente ausdrücklich erlaubt sind. Fehler werden nicht als Misserfolge, sondern als Informationsquelle für die nächste Anpassung betrachtet. Diese Denkweise stärkt psychologische Sicherheit im Team und begünstigt einen offenen Austausch über notwendige Veränderungen.

Besonders in agilen Rollen wie Scrum Master, Product Owner oder Agile Coach lassen sich die lösungsfokussierten Prinzipien direkt integrieren: durch die Gestaltung von Zielbildern in Sprint Plannings, die ressourcenorientierte Reflexion in Retrospektiven und die Erarbeitung realistischer nächster Schritte in Review-Meetings.

Zusammenfassung: Warum Lösungsfokussiertes Coaching so wirksam ist

Der lösungsfokussierte Ansatz überzeugt durch seine konsequente Ziel- und Ressourcenorientierung. Statt sich in Ursachenanalysen zu verlieren, wird der Blick auf Möglichkeiten gelenkt, die für den Klienten unmittelbar umsetzbar sind. Keine Problembeschreibung notwendig — so lautet ein zentrales Prinzip: Der Prozess konzentriert sich von Beginn an auf Entwicklung und Fortschritt, ohne den Umweg über eine detaillierte Aufarbeitung der Vergangenheit.

Dieser Perspektivwechsel ermöglicht es dem Klienten, eigene Stärken zu erkennen und eigenverantwortlich ins Handeln zu kommen. Lösungen statt Probleme stehen dabei konsequent im Mittelpunkt der Arbeit. So entstehen bereits nach kurzer Zeit spürbare Fortschritte, die die Motivation stärken und weitere Entwicklungsschritte anstoßen.

Durch präzise Führung des Gespräches und die gezielte Anwendung der Sprache der Lösungsentwicklung werden individuelle Lösungswege sichtbar gemacht. Statt komplexer Analysemodelle wird der Veränderungsprozess in kleine, realistische und sofort umsetzbare Schritte gegliedert, die den Klienten aktiv am Veränderungsgeschehen beteiligen.

Gerade in einer dynamischen, schnelllebigen Welt bietet das lösungsfokussierte Coaching einen hochgradig praxisnahen Ansatz, der flexibel auf verschiedenste Kontexte anwendbar ist - sei es im Einzelcoaching, in Organisationen, im Bildungsbereich oder in therapeutischen Zusammenhängen.

Seine besondere Wirksamkeit entsteht nicht durch methodische Komplexität, sondern durch eine klare, konstruktive Haltung: Vertrauen in die Kompetenz des Klienten, konsequente Lösungsorientierung und das Aktivieren vorhandener Potenziale bilden die Grundlage für nachhaltige Entwicklung.

Buchtipp:

Solution-Focused Brief Therapy: Its Effective Use in Agency Settings (1991, Yvonne M. Dolan)

In diesem Werk beschreibt Yvonne M. Dolan sehr praxisnah, wie der lösungsfokussierte Ansatz (SFBT) konkret und effektiv in Beratungsstellen, sozialen Einrichtungen und Institutionen umgesetzt werden kann.

Der Schwerpunkt liegt auf der Anwendung in Kontexten, in denen Zeit, Ressourcen und Personal oft begrenzt sind — also typische Bedingungen in vielen psychosozialen Einrichtungen, Jugendhilfe, Sozialarbeit, Beratungsagenturen und therapeutischen Ambulanzen.

Dolan zeigt, wie sich das lösungsfokussierte Vorgehen mit seinen Grundprinzipien — Fokus auf Ressourcen, Ausnahmen, kleine Schritte, klare Zieldefinition und Kooperation mit dem Klienten — ideal für diese Rahmenbedingungen eignet, ohne dass lange Problemanalysen oder aufwändige Diagnostik notwendig sind.

Zentrale Inhalte des Buches:

  • Anpassung von SFBT an institutionelle Rahmenbedingungen
  • Umgang mit Behördenvorgaben, Dokumentationspflichten und begrenzter Sitzungsanzahl
  • Praxisbeispiele aus verschiedenen Settings (z. B. Jugendhilfe, Drogenberatung, Familiendienste)
  • Anleitung für effektive lösungsfokussierte Gespräche unter Zeitdruck
  • Umgang mit Klienten, die anfangs keine klaren Ziele formulieren können
  • Schulung von Teams und Mitarbeitern in lösungsorientiertem Arbeiten

Das Buch richtet sich besonders an Praktiker, die mit schwierigen Klientengruppen arbeiten und unter strukturellen Begrenzungen dennoch effiziente, respektvolle und wirksame Unterstützung leisten möchten.

Wichtig:
Dolan betont immer wieder, dass SFBT in Institutionen nicht trotz, sondern gerade wegen der oft schwierigen Rahmenbedingungen so gut funktioniert, weil es die Eigenverantwortung der Klienten aktiviert und kurze, zielgerichtete Interventionen ermöglicht.

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