Der Arzt und das Mädchen in der U-Bahn


Werner, 47, Arzt




Letzten Winter ging das Getriebe meines Autos kaputt, und so musste ich eine Woche lang mit der U-Bahn zur Praxis fahren. Ich war nie der groß im Flirten, aber an einem dieser Tage sah mich eine junge Frau in der U-Bahn kurz an, lächelte und schaute wieder weg. Irgendwie baute mich dieses Lächeln - wenn es auch nur für einen kurzen Moment war - sehr auf, zumal ich wegen meiner momentanen Arbeitssituation etwas betrübt war und Aufmunterung gebrauchen konnte. Nach kurzer Überlegung sah ich ebenfalls zu ihr auf und lächelte sie an, worauf sie ebenso wie ich zuvor mit einem kurzen verschmitzten Lächeln reagierte um gleich wieder weg zu schauen. Ich dachte andauernd: "Hoffentlich steigt sie nach mir aus!" Tatsächlich blieb sie bei der nächsten Haltestelle, an der ich raus musste, stehen, und ich musste an ihr vorbei, um die U-Bahn zu verlassen. So reichte ich ihr im Vorbeigehen meine Visitenkarte, sagte: "Wenn es Ihnen mal nicht gut geht ." und verließ die U-Bahn. Ich war richtig stolz auf mich, dass ich mich zum Flirten überwunden hatte - unabhängig davon, ob sie jetzt antworten würde oder nicht.

Tatsächlich hörte ich noch einmal von ihr. Sie schrieb mir eine SMS, schlicht und einfach mit den Worten: "Danke für Ihr Lächeln! Das habe ich an diesem Morgen gebraucht! " Ich schrieb ihr zurück, dass es mir genauso ging. Seither fahre ich häufiger mit der U-Bahn in die Arbeit und "verschenke" mein Lächeln, wenn's mir gut geht. Oft bekomme ich dafür auch eins zurück.


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